Shtisel, Sthisel Akiva Aloni Netflix Israel Juden Orthodox

Shtisel, Sthisel Akiva Aloni Netflix Israel Juden Orthodox

«Shtisel»: Eine israelische Serie bringt uns den Alltag näher

Der Verfasser dieser Zeilen lebt im gleichen Zürcher Quartier wie viele orthodoxe Juden. Nähergebracht hat sie ihm aber erst eine Serie, die allein das Netflix-Abo wert ist.

12.04.2021 20:00:00

Unser Autor urspunkt lebt im gleichen Zürcher Quartier wie viele orthodoxe Juden. Nähergebracht hat sie ihm aber erst eine Serie, die allein das Netflix-Abo wert ist. Die NZZfeuilleton-Kritik von Shtisel .

Der Verfasser dieser Zeilen lebt im gleichen Zürcher Quartier wie viele orthodoxe Juden. Nähergebracht hat sie ihm aber erst eine Serie, die allein das Netflix-Abo wert ist.

NetflixSchon länger lebe ich mitten unter jüdisch-orthodoxen Familien: Im Zürcher Engequartier, wo ich seit 14 Jahren wohne, sind viele von ihnen niedergelassen. Und doch scheint mein Alltag so weit entfernt von ihnen. Ich gehe auf der Strasse an Knaben und Männern mit ihren Schläfenlocken vorbei, an Frauen mit Perücken und Mädchen in langen Röcken. Selten ergibt sich ein Blickkontakt, noch seltener ein Gruss.

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Dieses strenggläubige Milieu kommt mir als Parallelwelt vor, als geschlossene Gesellschaft. Ist das meiner eigenen Skepsis gegenüber dem Fremden geschuldet, wiewohl ich mir keine antisemitischen Tendenzen zuschreibe, oder doch der Zurückhaltung der anderen? Der dem liberalen Judentum zugewandte Zürcher Schriftsteller Charles Lewinsky, dessen jüdische Familiensaga «Melnitz» ein Bestseller wurde, bezeichnet in Gesprächen die Tendenz zur Abschottung als Teil des ultraorthodoxen Judentums: «Viele von ihnen wollen unter sich bleiben, aus Angst, ihre Prinzipien zu verletzen.»

Ein ganz eigener RhythmusUmgekehrt lächeln mir bestimmt mitunter Leute mit jüdischem Hintergrund zu – nur wird er mir nicht bewusst, da er sich nicht äusserlich manifestiert. Denn wir leben in einem Land, in dem das Judentum in einer Vielfalt vertreten ist wie selten in Europa, von superliberalen bis zu superorthodoxen Gemeinden. Doch die im zeitgenössischen Umfeld wenig präsente (Glaubens-)Kultur erschliesst sich mir bestenfalls oberflächlich. Gewisse Einblicke in die Gegenwart gewährten mir meine Begegnungen mit Charakterköpfen wie dem deutschen Rabbi Wolff und einige Filme, etwa im Rahmen des Zürcher Festivals «Yesh!». Woody-Allen-Komödien liessen mich mit Halbwissen zurück, ebenso die unterhaltsame Romanverfilmung «Wolkenbruch». headtopics.com

Das alles half mir kaum über eine gewisse Ratlosigkeit hinweg, schon gar nicht über meine Ignoranz. Dann kam «Shtisel». Die Serie aus dem israelischen Privatfernsehen, die gerade in die dritte Staffel geht, habe ich auf Netflix entdeckt – als Perle im Mainstream dieser Plattform.

Man muss sich zunächst etwas Zeit geben, wenn man den hohen Takt anderer Serien gewohnt ist. Wer sich aber auf den bedächtigen Rhythmus einlässt, fühlt sich nicht nur bestens unterhalten, samt wohldosierter Situationskomik, sondern auch mit tröstlichen Erkenntnissen belohnt. Welcher Religion Leute auch immer angehören und egal, in welcher Ausprägung sie diese leben: Die menschlichen Träume, Nöte, Hoffnungen, Ängste sind universell. Das klingt banal, aber manchmal braucht der zur Trägheit neigende Geist einen Wink, um dieser Einsicht zum Durchbruch zu verhelfen.

«Shtisel» ist der Name einer Familie, die nach charedischen Grundsätzen im ultraorthodox geprägten Jerusalemer Viertel Geula lebt. Der Tod der Mutter bringt zunächst das Familiengefüge ins Wanken, zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und wohl für den Grossteil des Publikums auch zur Identifikationsfigur wird Akiva (Michael Aloni), kurz Kive. Seine grosse Begabung liegt im Zeichnen und Malen, sein verträumter Blick lässt die Frauenherzen auch vor den Fernsehgeräten schmelzen. Doch der Mittzwanziger hat keine Augen für die Heiratskandidatin, die ihm ganz zu Beginn im arrangierten Rendez-vous vorgesetzt wird – dafür umso mehr für eine wunderschöne Witwe.

Wer weiss, ob das nicht hätte klappen können mit den beiden in einer anderen Welt? Aber weder die Passion für diese Frau noch jene für die Kunst haben Chancen auf ein Plazet des frisch verwitweten Vaters, Rabbi Shulem Shtisel (Doval headtopics.com

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’e Glickman). Dieser versucht den durchaus gottesfürchtigen Sohn zunächst unerbittlich auf den rechten Pfad – am besten denjenigen eines Religionslehrers – und an die richtige Frau zu bringen. Wie man selbst diesen alten Patriarchen in seiner ganzen vollbärtigen Kauzigkeit ins Herz zu schliessen beginnt, gehört zu den zahlreichen Wundern dieser Serie. Und es geht einem mit fast jeder der rund zwanzig wiederkehrenden Figuren so, die wieder und wieder zu straucheln scheinen auf der Suche nach dem Glück.

Kleine AusbrücheSo begleiten wir diese Familie durch den materiell bescheidenen Alltag einer jüdischen Nachbarschaft und Akiva bei seinen zum Teil hilflos anmutenden Versuchen, sein künstlerisches Talent mit den Ansprüchen des Vaters zu vereinen. Und mit den Geboten einer Tradition, die Individualität und entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten weit hinter die Gemeinschaft stellt. Wir rufen so mancher Figur zu, endlich den Ausbruch zu wagen. Dann wieder ertappen wir Mitglieder einer Anything-goes-Gesellschaft uns dabei, die Protagonisten leicht darum zu beneiden, dass sie sich überhaupt an Grenzen reiben können.

Die Religion prägt zwar das Leben der Figuren, aber erstaunlich wenig diese Serie, die auch nie zur Karikatur verkommt. Manche fühlen sich im strikten Regelwerk der Traditionen bestens aufgehoben, andere zeigen Zeichen der Rebellion: Geringfügig ist der Aufstand der greisen Grossmutter im Altersheim, die dem Fernseher verbotene amerikanische Liebesfilme entlockt; grösser ist er bei der kleinen Ruchami (fabelhaft: Shira Haas), die sich mitten im Teenageralter unstatthaft verliebt. Allgemein ist die Serie bis in die Nebenrollen hinein hervorragend besetzt, grossteils mit nicht strenggläubigen Darstellern.

Die Handlung lebt nicht von Ritualen, sondern von schlichten Szenen anrührender Menschlichkeit, etwa wenn Vater und Sohn am Küchentisch das Abendbrot teilen. «Rega, Rega», ist die hebräische Bitte, die mir diese Serie unverrückbar im Gedächtnis verankert hat: «Ruhig, ruhig.» Nichts ist aufgeregt hier, weder die Kameraführung noch der Humor fern aller Social-Media-Hypes. Die Charaktere werden behutsam entwickelt, der Soundtrack von Avi Belleli ist von betörender Schönheit und prägt die melancholische Grundstimmung entscheidend mit. headtopics.com

Die von Ori Elon und Yehonatan Indursky bestechend komponierte Serie ist in Israel vor acht Jahren auf Anhieb zum Publikumserfolg geworden. In der Heimat hat sie zahlreiche Preise abgeräumt, und es heisst, sie habe dort erstaunliche Brücken gebaut zwischen ultrareligiösen und säkularen Israeli. Der Brückenschlag funktioniert auch zu nichtjüdischen Kreisen, etwa in der Schweiz. Man lernt viel, ohne je das Gefühl zu haben, einer Lektion beizuwohnen.

Mich hat «Shtisel» mit seiner differenzierten Figurenzeichnung und seiner hohen Kunst der Andeutungen einer Idee vom Alltag ultraorthodoxer Juden nähergebracht als alles andere zuvor. Und dieses Umfeld ist laut diversen Kennern sehr wirklichkeitsnah dargestellt. Es wird dabei nicht als paradiesisch präsentiert, aber auch nicht auf problematische Aspekte reduziert wie in den meisten anderen Werken, etwa der weniger subtilen Netflix-Serie «Unorthodox».

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Eine Art HeimkehrDas CBS-Studio in Los Angeles soll übrigens ernsthafte Pläne hegen, die Serie für ein amerikanisches Publikum zu adaptieren. Es steht zu befürchten, dass dabei nicht viel vom Zauber des Originals erhalten bleibt. Vorerst aber hat das ursprüngliche Team den zwei Staffeln à zwölf Folgen nun – auf Drängen des Publikums – trotz Pandemie soeben eine dritte in neun Teilen hinzugefügt, die nun auch auf Netflix verfügbar ist.

Vier Jahre sind verstrichen seit dem Dreh der letzten Staffel, und trotz entsprechendem Zeitsprung in der Handlung setzt sich die Faszination fast nahtlos fort. Ich ertappe mich dabei, es fast wie als Heimkehr zu empfinden, das Eintauchen in diese fremde Welt abseits des Diktats von Social-Media-Kanälen, in der nur Hebräisch und gelegentlich Jiddisch gesprochen wird. Die Männer tragen grosse schwarze Hüte, die Frauen ihre Perücken . . . So kenne ich es aus meinem Wohnquartier.

Vor ein paar Jahren sah ich zwei jüdische Buben, die auf einem Trottinett vor einer Aussenbar in Zürich-Wiedikon heimlich und fasziniert die Fernsehübertragung eines Fussball-Weltmeisterschafts-Spiels mitverfolgten. Das schlechte Gewissen war ihnen ins Gesicht geschrieben, die Zerrissenheit zwischen zwei Welten. Die sogenannt andere Welt ist mir inzwischen etwas vertrauter. Und vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich werde das Gefühl nicht los, auch meinen Nachbarn eine Spur näher zu sein als früher. Wer weiss, vielleicht reichen wir uns eines Tages sogar die Hand?

«Shtisel», auf Netflix, 33 Folgen à 50 Minuten Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

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Immer öfter entstehen Clubs, die von Polizisten und anderen Gesetzeshütern gegründet wurden. Den Platzhirschen wird das langsam zu viel.

urspunkt feuilleton urspunkt lebt in wiedikon, aber er muss netflix gucken, um sich oethodoxe juden zu nähern. das findet bei der nzz niemand (mindestens) zum schreien peinlich. nein, man brüstet sich sogar damit. urspunkt feuilleton Shtisel ist in vielerlei Hinsicht faszinierend. Empfehlenswert!

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