Der Tote Wal Von Sorrent Soll Zum Botschafter Seiner Spezies Werden, Panorama, Nachrichten

Der Tote Wal Von Sorrent Soll Zum Botschafter Seiner Spezies Werden, Panorama

Toter Wal von Sorrent soll zum Botschafter seiner Spezies werden

Der grösste je im Mittelmeer gefundene Finnwal ist vermutlich an natürlichen Ursachen gestorben; sein Skelett soll dereinst in einem Museum ausgestellt werden.

24.01.2021 21:32:00

Der grösste je im Mittelmeer gefundene Finnwal ist vermutlich an natürlichen Ursachen gestorben; sein Skelett soll dereinst in einem Museum ausgestellt werden.

Der grösste je im Mittelmeer gefundene Finnwal ist vermutlich an natürlichen Ursachen gestorben; sein Skelett soll dereinst in einem Museum ausgestellt werden.

Vincenzo Noletto / ImagoDreizehn Stunden dauerte die Autopsie. Ein Team von dreissig Spezialisten war daran beteiligt. Woran der am Freitag im Hafen von Sorrent gestrandete Finnwal gestorben ist, weiss man aber immer noch nicht. Klar ist nur, was esnicht

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gewesen ist: Es wurde kein Plastikmüll im Magen gefunden, und es war kein Virus, wie der Koordinator der Aktion, Sandro Mazzariol von der Universität Padua, den Medien erleichtert zu Protokoll gegeben hat. Der Biomediziner bestätigte auch, dass es sich mit einer Länge von 19,70 Metern um den grössten Finnwal handelt, der bisher im Mittelmeer gefunden wurde. Für die Untersuchung war das Tier in einer windstillen Nacht von Sorrent nach Neapel geschleppt worden.

Die Aktion war auch deshalb so gross angelegt, weil nur drei Monate zuvor ein Finnwal im Golf von Neapel gestorben war. Das 14,4 Meter lange Tier wurde im November 2020 an die Küste von Capri gespült. Man befürchtete, dass die Morbilliviren wieder aktiv sind. Seit den achtziger Jahren sorgen diese mit den Masernviren verwandten Viren immer wieder für Tragödien im Mittelmeer. Im Sommer 2017 etwa wurden rund 200 Fische und andere Meerestiere tot an die italienische Küste gespült. headtopics.com

Mobilität wohl beeinträchtigtDie Ärzte gehen nun von einer «natürlichen» Todesursache aus. Das Tier, ein Weibchen, hatte vermutlich die letzten Tage nichts mehr gegessen. Eine Verletzung am unteren Ende der Wirbelsäule, nahe der Schwanzflosse, könnte die Mobilität beeinträchtigt haben. Eine starke Präsenz von Parasiten in der Haut lässt darauf schliessen, dass der Wal stark geschwächt war. Die Experten schätzen, dass er rund 70 Jahre alt geworden ist. Finnwale können mehr als doppelt so alt werden.

Am Tag bevor das tote Weibchen im Hafen von Sorrent auftauchte, hatte sich dort bereits ein Wal gezeigt. Es war ein viel kleineres Exemplar, vermutlich 9 Meter lang, und machte mit einem verstörenden Verhalten auf sich aufmerksam: Es warf sich wiederholt mit aller Wucht kopfvoran auf die Mole, und zwar so sehr, dass sich das Wasser vom Blut rot verfärbte. Die markerschütternden Schreie des Jungtiers waren weitherum zu hören. Ein kurzer Film, der die dramatische Szene zeigt, ging via soziale Netzwerke um die Welt. Der Wal wurde danach nicht mehr gesehen. Es wurde zuerst vermutet, dass es sich um das Junge des toten Weibchens gehandelt hatte. Nach der Untersuchung schliessen das die Experten nun aber aus.

Ein Team von dreissig Spezialisten führt die Autopsie durch.Vincenzo Noletto / ImagoRosalba Giugni, Präsidentin und Gründerin von Marevivo, hält den Vorfall in Sorrent für «ein Zeichen». Mit ihrer gemeinnützigen Stiftung hat sie sich seit fast vierzig Jahren dem Schutz der Meerestiere verschrieben und möchte nun mit der Episode auf ein viel grösseres Drama aufmerksam machen: «Jedes Jahr werden Tausende von Walen umgebracht, und die Welt schaut gleichgültig zu.»

Giugni hat sich darum in den letzten Tagen in der italienischen Öffentlichkeit für ihre Schützlinge starkgemacht. Sie möchte das Walweibchen aus Sorrent zur «Botschafterin für seine Spezies» machen. Dazu passt, dass das Skelett dereinst in einem Museum ausgestellt werden soll, und zwar im Meerespark an der Punta Campanella, einem an der Amalfiküste gelegenen Kap. headtopics.com

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Für ein «Zeichen» halten auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Sorrent den Vorfall. Das hat allein schon mit der Zahl 14 zu tun: Am 14. Januar tauchte der erste Wal war. Exakt einen Monat später, wie immer am 14. Februar, feiern die Sorrentiner nämlich ihren Stadtheiligen, San Antonino – dem nachgesagt wird, er sei so etwas wie ein Walflüsterer gewesen.

Ein ziemlich böses OmenJedenfalls geht die Legende so, dass Antonino, der vor 1400 Jahren als Abt dem Kloster Sant’Agrippino vorstand, an den Hafen von Sorrent gerufen wurde. Ein Knabe sei von einem Wal verschluckt worden. Antonino sprach dann auf den Wal ein und schaffte es, kraft seiner Gebete, den Jungen aus dem Walschlund zu befreien. Noch heute erinnern Statuen und Gemälde in Sorrent an diese Geschichte. Vor der Basilika werden zudem Walknochen als Reliquien aufbewahrt. Sie sind allerdings nicht echt.

Die Knochen des Walweibchens sollen nun baldmöglichst in den Friedhof von Sorrent gebracht werden, damit sie dort unter der Sonne trocknen können, bevor sie ins Museum übergeführt werden. Massimo Coppola, Bürgermeister von Sorrent, hat dazu noch eine Bitte an die regionalen Behörden geäussert: Er hätte gerne ein Stück Knochen, um es dem Heiligen zu schenken.

Endlich echte Knochen für Antonino! Auch, um sich weitere gute Dienste des Stadtheiligen für die Zukunft zu sichern. Den Vorfall im Hafen halten die Sorrentiner nämlich für ein ziemlich böses Omen.Mehr zum ThemaToter Riesenwal im Mittelmeer geborgen – Sorge um jüngeres Tier headtopics.com

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