Illegale Abholzaktion in Weesen SG: So mickrig sehen die neuen Bäume aus

Blutbuchen-Massaker von Weesen: «Die neuen Bäume sehen mickrig aus»

12.04.2021 02:07:00

Blutbuchen-Massaker von Weesen: «Die neuen Bäume sehen mickrig aus»

Im Kurfürstenpark in Weesen wurden rund 30 denkmalgeschützte Bäume für eine Luxusüberbauung illegal gefällt. Die BLICK-Enthüllungen schlugen hohe Wellen. Die Gemeinde ordnete eine Wiederbepflanzung an. So sieht der Park heute aus.

zVg2/8Bloss: Im Vergleich zu den prächtigen Bäumen von früher bieten die neuen Bäumchen ein karges Bild.STEFAN BOHRER«Die Bäume sehen mickrig aus», findet Walter Baumann (60).zVgZum Vergleich: So sah der Park früher aus. Hier stehen die denkmalgeschützten Bäume noch.

Nationalfeiertag - In Zug dürfen nur Besucher mit Zertifikat an die 1.-August-Feier Umstrittener Name - Coop verkauft Lakritze-Bonbons, die «Negro» heissen Nach Rauswurf bei Horizon – EU will Schweizer Universitäten die besten Forschenden abwerben

zVg8/8Heute ist davon nichts mehr übrig.Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! Rund um die Luxusüberbauung im Kurfürstenpark in Weesen SG stehen 35 neue Bäume. Sie ersetzen die teilweise über 90-jährigen, denkmalgeschützten Bäume, die für eine Luxusüberbauung illegal gerodet wurden. Vom Park, wie er früher aussah, ist trotz der Neubepflanzung nicht mehr viel übrig.

Denn im Vergleich zu den prächtigen Bäumen von früher bietet die Ersatzbepflanzung ein karges Bild: «Die neuen Bäume sehen mickrig aus», findet Walter Baumann (60). Er lebte bis zu seinem fünften Lebensjahr in der alten Villa im Kurfürstenpark. Letzten November machte Blick publik, dass dort rund 30 denkmalgeschützte Bäume illegal abgeholzt wurden. «Der Park wurde regelrecht zerstört», sagte Baumann damals. headtopics.com

Bauherr wird gerügtDirekt neben den gefällten Bäumen entstand eine Luxusüberbauung an Weesens bester Adresse: inmitten einer idyllischen Parkanlage und nur wenige Schritte von der Seepromenade entfernt. Bloss: Bauherr Josef Büeler standen die Bäume im Weg!

Er liess sie kurzerhand abholzen.Inzwischen musste der Bauherr Busse tun: Auf Anordnung der Gemeinde musste er alle illegal gefällten Bäume ersetzen. Büeler sollte den. Bei der Neubepflanzung muss es sich demnach um die Baumsorten handeln, die auch gefällt wurden. Dazu gehören unter anderen Blutbuchen, Tulpenbäume, eine Arve, eine Silberweide, eine Winterlinde und eine Magnolie.

Ein karges BildEine weitere Auflage der Gemeinde: Die Bäume sollen einen Stammumfang von mindestens 25 Zentimetern aufweisen. «Die Prüfung der Wiederanpflanzung hat stattgefunden», sagt Gemeindepräsident Marcel Benz (59). Die vom Gemeinderat geforderten 35 Bäume seien gemäss Umgebungsplan gesetzt worden. «Was den erforderlichen Stammumfang anbelangt, so sind diese in den verlangten Normen erfüllt worden», so Benz. Für die Gemeinde Weesen ist der Fall damit erledigt.

Wieso die Gemeinde nicht verhindern konnte, dass die alten Bäume überhaupt abgeholzt wurden, bleibt unklar. Seit den Blick-Enthüllungen wurde die Gemeinde, nicht früher eingegriffen zu haben. Zudem wurde Anfang 2021 ein Strafverfahren gegen Büeler eingeleitet. Das Verfahren läuft noch. headtopics.com

«Die ganze Schweiz ist potenzielles Risikogebiet» Steigende Temperaturen – Hitze läuft Kälte als Todesursache den Rang ab Kariem Hussein über Dopingsperre - «War überzeugt, dass ich das Medikament im Wettkampf nehmen darf»

Alles für die SeesichtFür Verstösse wie in Weesen sind Bussen bis zu 30'000 Franken möglich. Nicht genug, findet Baumann. «Es ist ein lächerlich kleiner Betrag, den Immobilienspekulanten über ihre Portokasse bezahlen können.»

Für Bauherr Büeler ist die Rechnung aufgegangen. Die neuen Bäume sind so klein, dass sie den Bewohnern der neuen Luxusüberbauung die Sicht auf den See nicht verdecken. Und das dürfte auch noch Jahre so bleiben.zVg1/14Der Kurfürstenpark hat eine bewegte Vergangenheit. Über das Leben des einstigen Erbauers Hans Oskar Kurfürst, bevor er in die Schweiz kam, ist kaum etwas bekannt.

zVg2/14Kurfürst war Österreicher und wuchs laut den Nachkommen irgendwo an der Donau auf. Er studierte Medizin in München.zVg3/14Seine Familie muss dem Adel angehört haben und sehr vermögend gewesen sein. Woher der Reichtum kam, bleibt ein Rätsel.

zVg13/14Weil es sich keiner der Nachkommen leisten konnte, die Villa und den Park zu übernehmen, wurden diese 1991 verkauft.zVg14/14Bis 2018 gehörte das Anwesen noch Stephan Schmidheinys Immobilienfirma Tanova. Er gehört zur Familiendynastie Schmidheiny, die mit dem Schweizer Industrieunternehmen Eternis reich wurde. 2018 verkaufte Tanova die Villa und das Grundstück. headtopics.com

Publiziert: 12.04.2021, vor 26 Minuten Weiterlesen: BLICK »