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Israel, Das Vergessene Leid Der Arabischen Juden

Das vergessene Leid der arabischen Juden | NZZ

Nur selten wird in Diskussionen über den #Israel-Konflikt über die Flucht und Vertreibung von Juden aus der arabischen Welt gesprochen. Warum ist das so? Ein Gastbeitrag von Stephan Grigat. @NZZAusland

15.5.2019

Nur selten wird in Diskussionen über den Israel -Konflikt über die Flucht und Vertreibung von Juden aus der arabischen Welt gesprochen. Warum ist das so? Ein Gastbeitrag von Stephan Grigat. NZZAusland

Nur wenige Juden leben heute noch in Nordafrika und im Nahen Osten. Nach der Gründung des jüdischen Staates und der Islamischen Revolution 1979 flohen Hunderttausende Mizrahim nach Israel . Über ihr Schicksal wird im Nahostkonflikt so gut wie nie gesprochen.

Jeder politisch Interessierte, der sich auch nur oberflächlich mit dem Dauerkonflikt Israels mit seinen Nachbarn beschäftigt, weiss etwas über die palästinensischen Flüchtlinge, womit heute in den allermeisten Fällen ihre Nachkommen gemeint sind. Ihr Schicksal gilt bis in die Gegenwart als eines der Haupthindernisse für einen Frieden im Nahen Osten. Die etwa 900 000 jüdischen Flüchtlinge hingegen, die seit 1948 aus den arabischen Staaten und seit 1979 aus Iran geflohen sind, finden kaum Erwähnung. Gegenwärtig leben über drei Millionen Palästinenser, zum Grossteil die Nachfahren der rund 750 000 Flüchtlinge des Unabhängigkeitskrieges von 1948 und des Sechs-Tage-Krieges von 1967, in Israels Nachbarstaaten. Ihr Flüchtlingsstatus wird auf die nachfolgenden Generationen vererbt, wodurch ihre Zahl stetig anwächst.

Die Geschichte ihrer Vertreibung ist zugleich die Geschichte einer einmaligen Integrationsleistung, die zusammen mit den Fluchtbewegungen aus Europa in Israel zu einem Bevölkerungsanstieg von etwa 120 Prozent geführt hat. 1948 war der neu gegründete und militärisch bedrohte jüdische Staat hinsichtlich der Masseneinwanderung von Juden aus den arabischen Ländern hin- und hergerissen. Zwar gab es ein massives Interesse an jüdischer Einwanderung. Bereits 1942 hatte David Ben Gurion seinen Plan für eine Million Neueinwanderer vorgelegt. Aber Ben Gurion hatte dabei in erster Linie an möglichst gut ausgebildete Einwanderer aus Europa gedacht. Israel förderte zwar die Auswanderung und Flucht aus den arabischen Ländern, ging dabei aber zunächst restriktiv vor. Bis 1955 erhielten aus Marokko nur Juden zwischen 18 und 45 Jahren sowie vermögende Familien das Recht auf Einwanderung. In einigen Fällen richtete Israel spektakuläre Luftbrücken ein: In der Operation «Fliegender Teppich» wurden 1949 Zehntausende Juden aus Jemen ausgeflogen. Trotz allen Vorbehalten der aschkenasischen, aus Europa stammenden Juden gegenüber den Mizrahim nahmen die ursprünglich 650 000 Juden in Palästina innerhalb kürzester Zeit 700 000 weitere auf, von denen die einen von der Shoah traumatisiert waren und im Fall der Mizrahim viele aus vergleichsweise schlecht ausgebildeten, verarmten Bevölkerungsschichten stammten.

Vielleicht war das ein Fehler, weil dadurch das massive Unrecht, das den Mizrahim angetan wurde, über Jahrzehnte hinweg in der Weltpolitik keine Rolle spielte. Eine seltene Ausnahme gab es mit Bill Clinton während der Camp-David-Verhandlungen in den Jahren 1999 und 2000. Nachdem die israelische Seite in den Verhandlungen mit der PLO in Reaktion auf Arafats Beharren auf einem Rückkehrrecht für etwa drei Millionen Palästinenser in das israelische Kernland erstmals eigene Ansprüche hinsichtlich der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Ländern in die Diskussion eingebracht hatte, sprach der amerikanische Präsident explizit von der Notwendigkeit einer Entschädigung jener Personen, «die in vorwiegend arabischen Staaten gelebt hatten und die nach Israel kamen, weil sie in ihrem Heimatland zu Flüchtlingen gemacht wurden».

Für die arabisch-islamische Verachtung von Juden bedurfte es nicht der israelischen Staatsgründung, die vielmehr als Treibsatz für die Transformation dieser traditionellen Verachtung der jüdischen «dhimmis» in einen Hass auf die sich selbst zur Souveränität ermächtigenden Schutzbefohlenen fungierte. Die Radikalisierung der arabisch-islamischen Judenfeindschaft setzte vor der israelischen Staatsgründung ein und war in vielen Aspekten eine Reaktion auf die partielle Autoemanzipation der Juden in den arabischen Gesellschaften. Ähnlich wie im europäischen Antisemitismus, aber eingebettet in den Kontext einer anderen religiösen Tradition wurden die Juden in der arabischen Welt als Repräsentanten der Moderne attackiert.

Es ist zu hoffen, dass ein realistischer Blick auf die antisemitischen Traditionen in den arabischen und islamischen Gesellschaften und eine Reflexion auf die Geschichte von Diskriminierung, Verfolgung, Flucht und Vertreibung der Juden aus den arabischen Staaten auch in der deutschsprachigen Diskussion über den Konflikt Israels mit seinen arabischen Nachbarn ein besseres Verständnis der Situation ermöglichen. Ein solches könnte perspektivisch wohl auch einen Beitrag zu einer möglichen Annäherung im Nahen Osten leisten. Die kann letztlich aber nur gelingen, wenn es in den arabischen Gesellschaften und den islamischen Gemeinden zu einer Selbstkritik fundamentalen Ausmasses kommt. Dementsprechend wichtig ist es, jene vereinzelten Stimmen zu unterstützen, die solch eine Selbstkritik heute schon formulieren: etwa jene Boualem Sansals, dessen Schriften vor zehn Jahren im deutschsprachigen Raum noch nahezu unbekannt waren und erst in letzter Zeit jene Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen.

Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung
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