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Coronavirus, Begriffszündeln İm Seuchenfall – Mit Der Corona-Krise Steht Auch Der Generationenvertrag Auf Dem Prü

Coronavirus: «Senizid» - Begriffszündeln im Seuchenfall

Die Knappheit der Mittel im medizinischen Kampf gegen das #Coronavirus kann Ärzte vor schwere Entscheidungen stellen: Wer soll und darf überleben? Ein Gastkommentar von Philosoph Peter Strasser.

08.04.2020 19:38:00

Die Knappheit der Mittel im medizinischen Kampf gegen das Coronavirus kann Ärzte vor schwere Entscheidungen stellen: Wer soll und darf überleben? Ein Gastkommentar von Philosoph Peter Strasser.

Die Knappheit der Mittel im medizinischen Kampf gegen Corona kann Ärzte vor schwere Entscheidungen stellen: Wer soll und darf überleben? Da betagte ältere Patienten hier den Kürzeren ziehen dürften, geht die Rede vom «Senizid» um. Das ist nicht ungefährlich.

TeilenUnd dabei ist das Leben für viele Ältere auch ohne Corona nicht einfach. – Impression aus London.Toby Melville / ReutersIn der ersten Utopie dieses Namens, «Utopia» aus dem Jahre 1516, verfasst von Thomas Morus, der aufgrund seiner katholischen Glaubensfestigkeit am Schafott endete, werden die Alten medizinisch bestens versorgt. Aber es kommt der Punkt, an dem sie sich nur noch selbst eine Last sind. Und nicht nur das: Sie sind auch für die Gemeinschaft nutzlos geworden. Diese beiden Merkmale zusammengenommen rechtfertigen im Land Utopia, dem Nirgendwo-Ort, behördliche Massnahmen, die uns reichlich seltsam anmuten. Es kommen der weltliche und der geistliche Führer der Gemeinschaft an das Lager des Moribunden, um ihm ein baldiges Ende des Lebens schmackhaft zu machen – ein Ereignis, das auf würdige Weise herbeizuführen man sich jede erdenkliche Mühe geben würde . . .

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Besonders diese Passage hat Zweifel daran aufkommen lassen, dass das Buch «Utopia» in manchen Passagen als positiver Gesellschaftsentwurf zu lesen sei. Sei dem, wie es sei. Die Ethnologie weiss, dass es von alters her in verschiedenen Stammesgesellschaften mit hohem Gemeinwohlbewusstsein die Vorstellung gab, dem «überalterten» Menschen die «Wohltat» des Ablebens zu erweisen. Um diese Vorstellung, praktiziert als soziale und kultische Institution, heute nicht als blanken Zynismus zu empfinden, muss man weit zurückgehen – hinaus aus dem christlichen Raum, aus der Geisteswelt des Humanismus. Beispielsweise mag für Nomadenkulturen, die unter beschwerlichen Bedingungen in unwirtlichen Gegenden ihr Leben fristeten, der Mittransport ihrer invaliden Alten eine Überlebensfrage gewesen sein. Der Cannes-Siegerfilm des Jahres 1983, «Die Ballade von Narayama», erzählt aus dem 19. Jahrhundert von einem ärmlichen japanischen Bergdorf, wo es Sitte war, dass Frauen und Männer, die das 70. Lebensjahr erreicht hatten, von ihrem ältesten Sohn zum Sterben ins Gebirge verbracht wurden – es waren desolate Verhältnisse, in der es auf jeden Mitesser mehr oder weniger ankam. Es wird zudem berichtet, dass auf Sardinien die Jungen es als ihre «heilige Pflicht» empfunden hätten, ihre alten Verwandten zu töten.

Unheimlicher KlangDaraus wird erkenntlich, dass der sogenannte «Senizid», der von einem Forschungsreisenden im 19. Jahrhundert zum ersten Mal benannt wurde, der Tiefe archaischer Zeiten und ihrem Naturrecht angehört. In unseren Ohren hat das Wort «Senizid» einen mehr als unheimlichen Klang. Wir glauben zunächst, uns verhört oder verlesen zu haben.

«Genozid», das ist jenes Wort, dessen Realitäten das 20. Jahrhundert in Europa verunstalteten, zuerst unter Hitlers Regime, dann in den Jugoslawienkriegen. Im Übrigen: Das Abschlachten von fremden Völkern, «Wilden und Heiden», zieht eine blutige Spur durch die Geschichte des abendländischen Expansionsdrangs. Demgegenüber beschränkt sich der «Senizid» auf lokale Episoden, die oftmals eine überlebenspragmatische Grundlage hatten. Trotzdem: Um die gefühlte Schuld der Täter zu dämpfen, wurde der Mord an den Alten kultisch überhöht.

«Die Alten sind eine Heuschreckenplage»: Das habe ich nicht bloss einmal gehört, und an dieser groben Äusserung ist etwas dran.Nun hat der amerikanisch-britische Historiker Niall Ferguson den «Senizid» durch mehrere Publikationen ins Rampenlicht gerückt: Es handle sich dabei um

das «Wort der Stunde», denn das Coronavirus wirke in höchstem Masse altersdiskriminierend (NZZ, 22. 3. 20). Das ist eine paukenschlagartige Pointe. Ich bin Jahrgang 1950, werde im Mai dieses Jahres siebzig Jahre alt. Muss ich befürchten, in meinem Heimatland, Österreich, Opfer einer systematisch forcierten medizinischen Benachteiligung zu werden? Oder bin ich, zu meinem Glück, noch nicht alt genug? Hier und heute gefragt (denn morgen kann schon wieder alles anders sein): Was wäre, wenn ich an einem nicht allzu entfernten Ort der EU leben würde, in Norditalien oder Spanien, wo es gerade nicht genug Sauerstoffgeräte gibt?

Ja, es stimmt, die Ärzte, die vor Ort unter grossem Druck stehen, müssen sich entscheiden. «Beatmen wir einen Alterspatienten, der an multiplem Organversagen leidet und sterben wird, oder retten wir mit den verfügbaren medizinischen Ressourcen einen Jüngeren?» Zu dieser Frage mag sich eine wesentlich härtere gesellen: «Wenn ich einem schwer erkrankten Alterspatienten die zum Überleben nötigen medizinischen Mittel bereitstelle, so wird er in ein, zwei Jahren – oder in wenigen Wochen – dennoch sterben; gebe ich sie hingegen einem kräftigen Jungen, dann wird dieser noch sein ganzes Leben vor sich haben.» Wer in solchen Fällen von den ersten Schritten – hin zum «Senizid» – reden wollte, hätte die Unausweichlichkeit der medizinischen Triage nicht begriffen. Sie ist eine tagtägliche Realität.

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Tragische EntscheidungenWie jedermann weiss, gibt es im Bereich der Organtransplantation weltweit Engpässe, die tragische Entscheidungen nach sich ziehen. Da für gewisse Organe, die benötigt würden, um Leben zu retten, nicht genug Spender vorhanden sind, muss nach einem Punktesystem vorgegangen werden. Dieses entscheidet über Leben und Tod im Einzelfall. Dabei finden wir es moralisch grundsätzlich in Ordnung – wenn nicht sogar geboten –, dass im knappen Organspendefall das hohe Alter mit seiner niedrigen Lebenserwartung zur Nachreihung führt. Wollte hier jemand eine Kritik in dem Sinne anbringen, dass damit der erste Schritt zum «Senizid» getätigt werde, dann würden Ärzte wie Laien gleichermassen empört reagieren. Und zu Recht! Triage bewirkt stets Diskriminierung, aber nicht jede Diskriminierung ist ohne Rechtfertigung.

Die Frage, ob im Fall der Coronavirus-Behandlung eine systematische Diskriminierung des Alters vorliege, die im schlimmsten Fall den Tod der Benachteiligten zur Folge hat, ist eine ernste. Die Massnahmen, welche die Regierungen innerhalb der EU – in Österreich, Deutschland, Frankreich –, aber auch in der Schweiz treffen, richten sich nach Folgendem aus: Da alte Menschen besonders gefährdet sind, sollten sie in besonderem Masse geschützt werden. Sie sollten, so schwer es fallen mag, einen direkten Kontakt mit ihren Verwandten, zumal Enkelkindern, vermeiden. Das endet notwendigerweise bei einer Form der Häuslichkeit, die einer Quarantäne ähnelt, mit einschneidenden Grundrechtsbeschränkungen. Das dahinterstehende Kalkül lautet: Die Frage der Triage, die sich in den genannten Ländern zurzeit ohnehin kaum stellt, sollte erst gar nicht gestellt werden müssen.

Was also leistet die Wiederaufnahme des Begriffs «Senizid»? Möglicherweise reagiere ich aufgrund meines eigenen Alters allergisch. Aber ich habe den Eindruck, im Kielwasser jenes Begriffs brodeln Diskussionen hoch, die wir schon kennen und die, falls man staatlicherseits nicht gegensteuert, zu einem bedrohlichen Missmut der Jungen gegenüber den Alten führen. Das Szenario ist vertraut: Die Seniorinnen und Senioren werden aufgrund der guten medizinischen Versorgung immer älter. Sie leben noch, wenn ihre Pensionsguthaben und, allgemein, Sozialversicherungsbeiträge längst aufgebraucht sind. Das heisst, sie leben, ob bei guter Gesundheit oder von Krankheiten heimgesucht, auf Kosten der im Arbeitsprozess stehenden Steuerzahler, deren Zukunft sie damit negativ beeinflussen. Von einer Kostenschere, die immer weiter aufgeht, ist die Rede.

Hauptsache: friedlich sterben?«Die Alten sind eine Heuschreckenplage.» Das habe ich nicht bloss einmal gehört, und an dieser groben Äusserung ist etwas dran. Denn wirklich zielführende Lösungen sind kaum in Sicht. Die Gewerkschaften wehren sich vehement gegen die Anhebung des regulären Pensionsalters. Dahinter steckt eine Logik, die nicht zuletzt von den Seniorenverbänden gerne herausgestrichen wird: Wäre es denn vorzugswürdig, wenn in Zukunft den Jungen massenhaft Arbeitsplätze verloren gingen, weil ältere Arbeitnehmer empfindliche Pensionskürzungen zu gewärtigen hätten, falls sie in Frühpension gehen wollten?

Ich rekapituliere holzschnittartig, lasse die Problematik der privaten Pensionsvorsorge beiseite; gehe auch nicht darauf ein, dass die lebenslustigen Alten ein wichtiges Segment der heutigen Reise- und Tourismusbranche bilden. Das Geld, das sie ausgeben, kommt, genau besehen, vielfach aus dem Steuertopf, den die Jüngeren durch ihre Arbeit beständig auffüllen. Worauf ich angesichts der Warnungen zur Altersdiskriminierung hinweisen möchte, ist ein kollektivpsychologisches «Spiel über die Bande» (um einen Ausdruck aus dem Billard zu verwenden). Während nämlich die Drohung des «Senizids im Seuchenfall» als grellrotes Warnschild installiert wird, werden die Warnungen vor einer «Überalterung» unserer Wohlstandsgesellschaften ebenfalls immer dringlicher, um nicht zu sagen: rabiater.

Sitzen unsere Gesellschaften in einer Altersfalle, ökonomisch wie demografisch? Auf diese Frage gibt es keine einfache – und womöglich überhaupt keine durchschlagende – Antwort. Es sei denn, man möchte die «Utopie» des gut katholischen Thomas Morus aktualisieren. Das freilich ist ein Gedanke, der nicht einmal gedacht werden dürfte. Daher müsste man auch alle Warnungen, Diskussionen, Brandreden vermeiden, die dazu beitragen, die Generationensolidarität weiter zu strapazieren.

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Widrigenfalls werden Emotionen freigesetzt, die darauf hinauslaufen, die «Säuberungsdynamik» des Coronavirus zwar einerseits mehr oder weniger scheinheilig zu bedauern; doch bloss, um andererseits den Gedanken der Tender Loving Care im Geriatrie-Betrieb auszuspinnen. Demnach möchten die alten Menschen ohnehin lieber friedlich sterben (was manche tatsächlich gerne möchten), als unter der Qual einer Beatmungsintubation noch eine kurze Zeit lang zu überleben. Willkommen in Utopia!

Peter Strasserist Universitätsprofessor i. R. Er lehrt an der Karl-Franzens-Universität Graz Philosophie. Letzte Buchpublikation: «Die Sprengkraft des Humanismus – Ein Beitrag zur Politik der Seele» (Alber-Verlag, 2020). Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

Guten Morgen, liebe ! Möchten Sie, anstatt uns solchen Nonsens auzutischen,nicht lieber einmal das NEJM lesen? Wir Ärzte haben es satt, dass wir, unsere Patienten und die ganze Schweiz von der nzz et al. hereingelegt werden! Danke! Die Headline suggeriert, dass wir an dem Punkt angelangt sind. Sind wir nicht. Werden wir nicht.

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