Pierin Vincenz: Warum ist der Raiffeisen-Prozess öffentlich?

27.01.2022 15:00:00

Wieso sind die Plädoyers für Pierin Vincenz und die anderen Mitangeklagten so wichtig? Der Strafverteidiger erklärt. #aargauerzeitung #raiffeisenprozess

Aargauerzeitung, Raiffeisenprozess

Wieso sind die Plädoyers für Pierin Vincenz und die anderen Mitangeklagten so wichtig? Der Strafverteidiger erklärt. aargauerzeitung raiffeisenprozess

Der Raiffeisen-Prozess rund um Ex-Chef Pierin Vincenz und weitere Angeklagte wird im Volkshaus Zürich mit viel Brimborium öffentlich zelebriert. Doch warum ist das so? Andreas Josephsohn, seit 30 Jahren Strafverteidiger in Zürich, beantwortet während des Verfahrens Fragen zum Strafprozessrecht.

Andreas Josephsohn:Das Plädoyer der Verteidigung ist der Moment, in dem der Beschuldigte - endlich - im Gesamtzusammenhang des Falles und ausgedehnt seine Sicht der Dinge ausbreiten kann. Ein wichtiger Aspekt eines Plädoyers ist deshalb neben allem anderen auch, dass es zur «Psychohygiene» des Beschuldigten gehört. Das Plädoyer ist so auch eine Art Erklärung an die Öffentlichkeit und an die anderen Verfahrensbeteiligten. Es kann so unter Umständen eine gewisse Emotionalität haben, die nicht in erster Linie an das Gericht adressiert ist, aber den Beschuldigten mit dem guten Gefühl zurücklässt, dass in seinem Namen Klartext gesprochen wurde.

Weiterlesen:
AargauerZeitung »

Damit die niederen Instinkte der Bevölkerung befriedigt werden. Widerlich

Prozess gegen Pierin Vincenz - Der Fall Vincenz dürfte Justiz noch lange beschäftigenDer erste Prozesstag im Fall Vincenz ist passé. Klarheit sieht anders aus. Selbst die Expertinnen und Experten sind sich uneinig, ob und wie gross eine allfällige Strafe für Pierin Vincenz ausfallen wird. Ziemliches Suchtverhalten, so scheint es von aussen.

Pierin Vincenz: Prozess gegen den Ex-Raiffeisen-Chef im LivetickerEiner der grössten Wirtschaftsprozesse der Schweizer Geschichte. Im Mittelpunkt: Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. 20 Minuten berichtet live vor Ort. Das der so eine magere Rente bekommt, wird kaum jemand glauben. gott, der ärmste ;) wir machen am besten eine sammlung (ironie off) Meine Rente beträgt CHF 1195.00 ! Vielleicht, denn ich darf noch 13 Jahre oder eventuell länger arbeiten ! Ich habe 3 tolle Kinder auf diese Welt gebracht und immer gearbeitet. Danke

Pierin-Vincenz-Prozess: Chaos vor dem AuftaktPierin-Vincenz-Prozess: Das Bezirksgericht Zürich hat zu wenig Zeit angesetzt und beschränkt zudem den Zugang für die Presse. Das Wichtigste zur Prozesswoche. NZZ Nichteintreten. Kompetenz?

Erster Prozestag: Pierin Vincenz lässt viele Fragen offenDer angeklagte frühere Chef der Genossenschaftsbank hinterlässt in der Befragung durch das Gericht einen zwiespältigen Eindruck. Die Erklärungen für seine exorbitanten Spesenbezüge fielen teilweise dürftig aus. Sein Verteidiger scheiterte mit einem Vertagungsmanöver.

3. Verhandlungstag: Vincenz-Prozess wird fortgesetzt – heute im kleinen KreisIm Theatersaal des Zürcher Volkshauses findet seit Dienstag der grösste Wirtschafts-Prozess seit Jahrzehnten statt: der grosse Raiffeisen-Prozess. Einen …

Prozess gegen Pierin Vincenz - Der Fall Vincenz dürfte Justiz noch lange beschäftigenDer erste Prozesstag im Fall Vincenz ist passé. Klarheit sieht anders aus. Selbst die Expertinnen und Experten sind sich uneinig, ob und wie gross eine allfällige Strafe für Pierin Vincenz ausfallen wird. Ziemliches Suchtverhalten, so scheint es von aussen.

Was macht ein gutes Plädoyer aus? Andreas Josephsohn: Das Plädoyer der Verteidigung ist der Moment, in dem der Beschuldigte - endlich - im Gesamtzusammenhang des Falles und ausgedehnt seine Sicht der Dinge ausbreiten kann.Der erste Prozesstag ist passé.Dienstag, 25.Drucken Teilen Im grossen Theatersaal im Volkshaus Zürich hat es genug Platz für alle Medienvertreter.

Ein wichtiger Aspekt eines Plädoyers ist deshalb neben allem anderen auch, dass es zur «Psychohygiene» des Beschuldigten gehört. Das Plädoyer ist so auch eine Art Erklärung an die Öffentlichkeit und an die anderen Verfahrensbeteiligten. Selbst die Expertinnen und Experten sind sich uneinig, ob und wie gross eine allfällige Strafe für Pierin Vincenz ausfallen wird. Es kann so unter Umständen eine gewisse Emotionalität haben, die nicht in erster Linie an das Gericht adressiert ist, aber den Beschuldigten mit dem guten Gefühl zurücklässt, dass in seinem Namen Klartext gesprochen wurde. Vincenz sagt, dass er seit 2018 nicht mehr arbeite und jetzt eine AHV-Rente von 2000 Franken erhalte. Das Gericht sollte und wird sich dadurch eher nicht beeindrucken oder beeinflussen lassen. Stocker habe die Akten verspätet erhalten und eine intensive Prozess-Vorbereitung sei deshalb verunmöglicht worden. Dafür ist es genügend professionell. Bekannterweise hatte der vorsitzende Richter Sebastian Aeppli zuerst vier Tage eingeplant, um dann mit dem 9.

Für eine positive Einflussnahme auf die Einschätzung des Gericht ist es massgeblicher, dass die entscheidenden Punkte klar und deutlich herausgeschält werden und dass insbesondere alles versucht wird, für den Klienten das Optimum zu erreichen. Deswegen können nicht alle Leute befragt werden, was keinen reibungslosen Prozess zulasse.» Auch die Luxusreisen ins Ausland waren für Vincenz ein Mittel der Beziehungspflege und um neue Kontakte mit Bankern und Geschäftsleuten zu knüpfen: «Man muss grosszügig sein. Dazu ist besonders zentral, prozessuale Fragen und Fehler der Anklagebehörde aufzufinden und darzulegen. Damit ist in der Regel mehr zu erreichen, als mit der Würdigung der Aussagen der Beteiligten, bei der sich das Gericht oft schon lange festgelegt hat. Dort könnte also schon die Verjährung eingetreten sein. Worin bestehen Nutzen und Sinn einer zusätzlichen Befragung der Angeklagten durch das Gericht? Ein wichtiger Grund dafür, dass Beschuldigte an der Verhandlung durch das Gericht befragt werden, ist der persönliche, eigene Eindruck, den sich das Gericht so machen kann und soll.15 Uhr mit der Befragung von Beat Stocker fortgeführt. Das Gericht weiss zwar aus den Akten, was ein Beschuldigter in den Befragungen während der Untersuchung ausgesagt hat. Kunz Professor für Wirtschaftsrecht, Universität Bern Hinter der Verschiebung könnte ein taktischer Schachzug stecken, meint Rechtsprofessor Peter V.

Das Gericht weiss aber nicht, wie er es gesagt hat. Für die Einschätzung einer Person und die Frage, ob ihren Aussagen geglaubt werden kann, können zum Beispiel die Mimik, Veränderungen der Stimmlage oder andere äusserliche Zeichen hilfreich sein. «Schwere Vorwürfe stammen aus den Jahren 2005 und 2006. «Ich fühle mich unschuldig», sagt er und betont: «Ich habe nicht das Gefühl, etwas Kriminelles unternommen zu haben. Menschen sind es gewohnt, andere Menschen nach vielen Kriterien zu beurteilen. Deshalb greift ein schriftliches Befragungsprotokoll immer zu kurz.» Der Antrag wurde vom Gericht abgelehnt. Umso mehr, als diese Befragungen immer nur aus der Warte der Anklage entstanden sind. Er machte teilweise aber Erinnerungslücken geltend, weil die Vorfälle schon so lange zurückliegen würden oder gab kleinere Irrtümer zu.

Das Gericht sollte sich aber auch für eine andere Perspektive interessieren. Gefordertes Strafmass sei hochSollte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nachkommen, droht den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von bis zu 6 Jahren. Die persönliche Befragung ist die Gelegenheit dazu. Durch eingehende richterliche Befragungen kann ein Gericht somit wertvolle Erkenntnisse für ein ausgewogenes Urteil gewinnen. «Da sind wir normalerweise in der Zone für Vergewaltigung oder Gewaltdelikte, nicht für Vermögensdelikte. War damals noch unerfahren Der Richter fragt nun nach den dem Commtrain-Deal. Wieso sind Strafprozesse öffentlich? Das Prinzip der Öffentlichkeit der Verhandlungen war ein grosser Fortschritt in der Geschichte der Justiz. Früher waren Verhandlungen geheim und das führte dazu, dass das Volk der Justiz misstraute. Autor: Mark Pieth Emeritierter Professor für Strafrecht Ob Vincenz und Stocker tatsächlich für eine längere Zeit hinter Gitter müssen, hängt gemäss Pieth massgeblich davon ab, ob es der Staatsanwaltschaft gelingt, das Gericht davon zu überzeugen, dass hier ein Millionen-Betrug stattgefunden hat.

Die Idee der Öffentlichkeit der Verhandlungen ist, dass das «Volk» direkt - oder indirekt über Gerichtsberichterstattung der Medien - die Möglichkeit haben soll, zu sehen, wie die Justiz funktioniert und vor allem auch, dass sie funktioniert. «Ich war damals noch unerfahren. Es soll so verhindert werden, dass Schummeleien und Mauscheleien passieren. Alles sei offen. Und die Bürgerinnen und Bürger sollen sich vergewissern können, dass gewisse Befürchtungen wie etwa «die Kleinen werden gehängt, die Grossen laufen gelassen» unberechtigt sind. Auf diese Weise soll die Justiz transparent sein und auch von den Bürgerinnen und Bürgern kontrolliert werden, was dann auch die Beschuldigten vor Willkür schützt.» Einen Freispruch hält hingegen die Finanzrechts-Professorin Monika Roth für unwahrscheinlich. Dies nach einem Streit mit einer Tänzerin, welche ein Hotelzimmer beschädigte. So soll das Vertrauen der Bürgerin und des Bürgers in die Justiz gestärkt werden, was im Endeffekt dann wiederum die Justiz stärkt.

Die öffentlichen Verfahren sollen schliesslich auch der Verbrechensprävention dienen, er soll so der Öffentlichkeit gezeigt werden, dass Verbrechen aufgedeckt und Verbrecher bestraft werden, dass sich also «Verbrechen nicht lohnen». «Da wird einiges hängenbleiben. Mehr zum Thema: . «Zum Streit will ich aber nichts sagen», fügt er bei.