Legendärer Fechter d’Artagnan – Der Schattenmann

Wir stellen uns d’Artagnan und die Musketiere gemeinhin so vor, wie sie visuell überliefert wurden: Als elegante und halbwegs edle Fechter. Die historische Wahrheit sieht etwas anders aus.

18.10.2021 15:04:00

Wir stellen uns d’Artagnan und die Musketiere gemeinhin so vor, wie sie visuell überliefert wurden: Als elegante und halbwegs edle Fechter. Die historische Wahrheit sieht etwas anders aus.

Im Roman «Die drei Musketiere» zeichnet Alexandre Dumas seinen d’Artagnan als edlen Recken. Doch war das historische Vorbild für den Superhelden der frühen Popkultur ein grausamer Scherge des Sonnenkönigs?

Publiziert heute um 06:00 Uhr3 KommentareBildnis des echten D’Artagnan: Charles de Batz Castelmore, 1611 bis 1673.Alamy Stock PhotoIm Roman von Alexandre Dumas dem Älteren ist er ein junger Gascogner vom Lande, der mit einem plumpen Ackergaul nach Paris kommt. Zu seinem Glück fordert er die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis quasi «im Vorbeigehen» zum Duell heraus, was ihm kurioserweise das Leben rettet und einen Freundschaftsbund fürs Leben begründet. Nach dem Motto: «Einer für alle, alle für einen!» ficht sich der junge d’Artagnan fortan durch drei dicke Bände mit Mantel-und-Degen-Abenteuern, deren erster «Die drei Musketiere» heisst. Dabei sind es eigentlich – ihn eingeschlossen – stets vier.

Alexandre Dumas' Romanserie spielt im höfischen Umfeld des 17. Jahrhunderts und erschien ab 1844 erst als Fortsetzungsgeschichte in der Zeitung «Le Siècle». Als Inspiration für Dumas' Superhelden der Popkultur des 19. Jahrhunderts diente – eben ein d’Artagnan aus der Gascogne. Es ist nicht leicht, in den Dokumenten der Zeit Hinweise auf das frühe Soldatenleben des zwischen 1611 und 1615 auf Schloss Castelmore in Lupiac geborenen historischen Vorbilds für den Degenmann zu finden.

Als der echte d’Artagnan 1640 in Paris eintraf, konnte er zunächst tatsächlich nicht bei den Musketieren eintreten. Er konnte es sich einfach nicht leisten, sich in diese Truppe – wie üblich – «einzukaufen». Als er dann nach Dienst in den Gardes Françaises 1644 endlich wurde, hatte er das dem einflussreichen Clan der Gascogner um den Musketierchef «Comte de Treville» zu verdanken, aber auch direkt Kardinal Mazarin, der als Erster Minister der Krone auf Richelieu folgte. Für den Kardinal war der äusserst zuverlässige d’Artagnan da schon längst als geheimer diplomatischer Bote tätig. headtopics.com

Die Fronde-Aufstände, ein vierjähriger Bürgerkrieg, bedeuteten dann einen weiteren Schritt näher heran an das Zentrum der Macht. Als der gesamte Hofstaat mitten in der Regierungskrise einmal 1649 in das ungeheizte Schloss von Saint-Germain-en-Laye flüchtet, begleitet d’Artagnan als treuer Wächter den Kindkönig und dessen Mutter. Durch dieses Ereignis entsteht offenbar das tiefe Zutrauen des Königs zum getreuen Musketier, der nach 1660 zum Capitaine-Lieutenant und damit zum faktischen Chef der wiedergegründeten ersten Kompanie der «mousquetaires gris» mit ihrer auffälligen grauen Satteldecke wird.

Keine elegante FechttruppeMan darf sich die Musketiere keineswegs als elegante Fechttruppe mit einem getanzten Stil wie dem von Gene Kelly als d’Artagnan im Film von 1948 vorstellen. Sie waren eine Art politische Polizei und Sondereinsatztruppe des absolutistischen Sonnenkönigs, und ihr Motto lautete, weit weniger freundlich als bei Dumas: Quo ruit et lethum. «Wo sie vorbeiziehen, bringen sie den Tod». Das haben die Musketiere mit ihren unhandlichen Musketen mehrfach bewiesen. Als sie etwa den Hungeraufstand von Vivarais 1671 in einem Blutbad niederschlugen, war d’Artagnan beteiligt. Auch sein Leben endete durch eine Musketenkugel, am 21. Juni 1673 an einem Stadttor von Maastricht, das er im Holländischen Krieg erobern wollte.

«Madame, ich habe d’Artagnan verloren, zu dem ich grösstes Vertrauen hatte», schreibt der Sonnenkönig traurig, dessen absolute Macht der echte d’Artagnan zu begründen geholfen hatte. Und das steht dann auch auf dem Sockel der Statue mit Degen und Fehdehandschuh im Aldenhofpark in Maastricht. Ganz klein hat man noch auf den eckigen Basissockel hingekritzelt: «Einer für alle, alle für einen». Die Legende ist am Ende eben doch am stärksten.

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