Fast alle winken zurück

Entschleunigung auf schwedisch: Mit dem Schiff über den Götakanal. (Abo+)

2/18/2020

Entschleunigung auf schwedisch: Mit dem Schiff über den Götakanal. (Abo+)

Rote Häuschen, idyllische Wälder und Seen, singende Kinder und ein Königsschloss – auf der Kanalfahrt zwischen Stockholm und Göteborg erlebt man Schweden wie im Bilderbuch.

Beschreibung des Fehlers* gültige E-Mail-Adresse fehlt Kapitän Bengt Viknander hat einen beeindruckenden Köpfler vom Deck der MS Juno in den Götakanal hingelegt, klettert zurück an Bord, schüttelt sich das Wasser aus den Haaren und schwärmt: «Wunderbar, diese Kühle.» Der Kapitän hat die Erfrischung verdient. Mit nur fünf Knoten, neun Kilometern pro Stunde, tuckert das älteste Passagierschiff der Welt quer durch die schwedische Sommerlandschaft. 58 Schleusen verlangen seemännische Massarbeit und zwingen zur Gemächlichkeit, denn mehr als rund 90 Meter Höhenunterschied müssen überwunden werden. Die MS Juno, sie wirkt wie eine zweistöckige Nussschale, bietet 29 winzige Kajüten, in denen sich bis 60 Passagiere in vier Tagen durch den etwas mehr als 600 Kilometer langen Wasserweg schippern lassen. Der Götakanal, Schwedens Blaues Band, verbindet die beiden grössten Städte des Landes: Stockholm und Göteborg. Doch streng genommen machen nur 190 Kilometer das Herzstück der Strecke aus, der Rest besteht aus Meer, Flüssen und Seen. Die MS Juno, gut 31 Meter lang, knapp 7 Meter breit und mit rund 2,7 Meter Tiefgang, wurde 1874 extra für den Götakanal gebaut. Schmal ist auch der 187 Jahre alte Kanal selbst, die MS Juno passt knapp durch. Zweimal acht Stufen hat die imposanteste Schleusentreppe bei Berg – viel Arbeit und Geduld stehen an, wenn man im Schritttempo dahintuckert. Höchste Konzentration für Kapitän, Schleusenwärter und Matrosen, besser Matrosinnen – es sind alles Frauen. Eben noch haben wir Frühaufsteher mit einem Kaffee in der Hand im Morgengrauen den dramatischen Sonnenaufgang und die dunstige Stimmung über dem Wasser bewundert. Und schon springen die Matrosinnen flink an Land. Schlingen die Heckleine behände um den Poller. Vollführen mit beiden Armen ein kleines Ballett, zeigen dem Kapitän hoch oben im Steuerhaus die Distanz an: zehn, fünf, zwei, einen Zentimeter. Stopp! Viel Platz ist nie, und es kommt durchaus vor, dass der Kahn mit Getöse gegen die Böschung schrammt. Denn wenn in heissen Sommern nur noch 20 Zentimeter Wasser unterm Kiel sind, wird es eng. Die Schafe am Ufer lassen sich dadurch nicht beeindrucken, schauen bloss kurz auf. Auf Björk nimmt sich ein Wikinger der Gäste an Der Schleusenwärter, der von Mai bis September mit dem Auto entlang des Kanalufers fährt, ist längst unterwegs, um dem Kapitän an der nächsten Flussbiegung die elektronischen Schleusendaten zu übermitteln. Die hölzernen Fender, die zum Schutz an der Bordwand baumeln, müssen einiges aushalten. Geht einer zu Bruch, wird schnell ein neuer Fender zurechtgeschnitzt. Auch das können die Matrosinnen. Manch eine der jungen Schwedinnen ist Studentin und froh um den Sommerjob als Matrosin. Marlen etwa, die Architektin werden will, oder Karoline, die im vierten Jahr Tourismus studiert. Lisa hingegen will dereinst Kapitänin von Beruf sein: «Nach dieser Reise muss ich an der Uni ordentlich Theorie büffeln», freut sie sich. Spinnweben glänzen im Morgenlicht, die «Mannschaft» ist früh auf und macht Jagd auf die krabbelnden Viecher oder faltet Decken für die Sessel im Freiluftsalon auf dem Oberdeck. Dort, in den gemütlichen Rattansesseln, verbringen die Passagiere die meiste Zeit. Man lässt die Welt an sich vorbeiziehen. Die Menschen an Land winken uns zu, wir winken zurück. Es ist ein buntes Völkchen, das an Bord zusammengefunden hat: Schweden, Deutsche und ein paar Schweizer – alle mit maritimen Erfahrungen, die sie noch so gern teilen und weitergeben. Martha, die einzige US-Amerikanerin unter den Passagieren, entscheidet freundlich, aber bestimmt: «No politics, please!» Die historische MS Juno fährt auf ihrem Weg durch eine Schleuse. Foto: Getty Es ist die letzte Reise der Saison: Gelbbraune, abgeerntete Getreidefelder, die nordische Landschaft, eine Idylle aus Bauernhöfen mit Pferden, Mischwäldern aus Eichen, Pappeln, Birken und Vogelbeeren, zieht langsam vorbei. Die kleinen, rostrot gestrichenen Häuser erinnern an Bullerbü. Wir passieren von Hand bediente Schleusen, darunter die älteste Schleuse samt eindrücklicher Eisenbrücke aus dem Jahre 1913. Uns zu Ehren winkt die Familie Kindbom mit Blumensträussen und singt kraftvolle Lieder im Namen des Herrn. Bunte Teichrosen bezaubern an engen Stellen des Kanals. Die kleinste Fähre Schwedens, Museen, Klöster, Festungen und Kirchen sorgen für Abwechslung sowie Kulturgenuss. Und ein paar gesunde Fussmärsche stehen ebenfalls auf dem Programm, so man denn Lust auf Bewegung hat. In der Wikingerstadt Birka auf der Insel Björk, der ersten Stadt Schwedens, werden wir von einem echten Wikinger begrüsst und zum Museum begleitet. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen! Nie hätten wir gedacht, dass es in Schweden im Spätsommer so heiss sein könnte. Den Schwumm im erfrischenden Nass lässt sich niemand entgehen. Rentier-Stew, Krabben und Fisch stillen den Hunger So viel Action macht hungrig! Unter Deck wird das Essen vorbereitet und mit einem von Hand gekurbelten Aufzug in den Speise­salon hochgezogen. Eine enorm steile Treppe führt zum Salon, der den Charme des 19. Jahrhunderts verströmt. Wir verschlingen, was der Norden zu bieten hat: Rentier-Stew, Krabben und Fisch in allen Variationen. Was für ein Genuss! Die Beeren schmecken wie frisch im Wald gepflückt. Zum Kaviar genehmigen wir uns einen steifen Korn. Der dünne Kaffee samt Gebäck, das Lebenselixier der Schweden, steht wie von Zauberhand Tag und Nacht bereit. Und dann ab in die Kojen! Die Kajüten mit schmalen und doppelstöckigen Betten, einer kleinen Garderobe sowie einem Waschbecken sind winzig, aber praktisch. Duschen und Toilette befinden sich auf dem Gang. Früh am Morgen schippern wir langsam durch die schwedische Schärenlandschaft der Ostsee. Jedem Schweden seine Insel, denkt man sich. Das trutzige Barockschloss Drottningholm, der heutige Hauptwohnsitz der schwedischen Königsfamilie, gleitet vorbei – wir winken, aber diesmal winkt niemand zurück. Die Reise wurde unterstützt von Glur Reisen Erstellt: 17.02.2020, 15:45 Uhr Weiterlesen: Tages-Anzeiger

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