Schweizer Ski-Chef ausser sich – «Die FIS hat komplett versagt»

15.01.2022 21:00:00

Der Schweizer Ski-Chef ist ausser sich: Nach Kriechmayrs Sieg in Wengen sagt Walter Reusser: «Die FIS hat komplett versagt»

Der Schweizer Ski-Chef ist ausser sich: Nach Kriechmayrs Sieg in Wengen sagt Walter Reusser: «Die FIS hat komplett versagt»

Der Sieg von Vincent Kriechmayr am Lauberhorn sorgt in den Reihen der Schweizer für Ärger. Walter Reusser, Direktor von Swiss-Ski, spricht von «Tricksereien».

3 KommentareIst nach dem Sieg des Österreichers Vincent Kriechmayr unzufrieden mit der FIS: Walter Reusser.Foto: Sven Thomann (Blick/Freshfocus)Marco Odermatt sprach nach dem Sieg von Vincent Kriechmayr in der Lauberhornabfahrt von einem Worst-Case-Szenario. Hat er recht?

Wir hatten schönes Wetter, die beste Piste, super Stimmung, wunderbare Fans – und mit dem Sieger einen faden Beigeschmack. Nicht wegen des Athleten, der war der Beste, das ist auch nachvollziehbar, ist er doch nur drei- statt fünfmal das Lauberhorn heruntergefahren.

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Publiziert heute um 17:37 Uhr 3 Kommentare Ist nach dem Sieg des Österreichers Vincent Kriechmayr unzufrieden mit der FIS: Walter Reusser.Mongolische Spitzensportler? Kennt man hierzulande kaum – auch wenn das riesige asiatische Land in der Geschichte Olympias bereits 30 Medaillen sammeln konnte.Teilen Exklusiv für Abonnenten Marie-Gabrielle Ineichen Fleisch (oben links), Christine Schraner Burgener (oben rechts), Martina Hirayama (unten links) und Livia Leu (unten rechts).Drucken Teilen Die erste Schweizerin, die den amerikanischen National Book Award gewonnen hat: die jurassische Autorin Elisa Shua Dusapin.

Foto: Sven Thomann (Blick/Freshfocus) Marco Odermatt sprach nach dem Sieg von Vincent Kriechmayr in der Lauberhornabfahrt von einem Worst-Case-Szenario. Hat er recht? Wir hatten schönes Wetter, die beste Piste, super Stimmung, wunderbare Fans – und mit dem Sieger einen faden Beigeschmack. In Peking wird aber mit Ariunsanaa Enkhtuul eine Langläuferin – getreu dem Olympischen Motto – zumindest am Start sein. Nicht wegen des Athleten, der war der Beste, das ist auch nachvollziehbar, ist er doch nur drei- statt fünfmal das Lauberhorn heruntergefahren. Als «Schattenminister» hat man sie auch schon bezeichnet. Weil er zu spät aus der Quarantäne kam und die Trainings verpasste. Auch an der Tour de Ski startete das Duo im Sprint in Lenzerheide. Laut Reglement hätte er nicht starten dürfen. Fakt ist andererseits: Die marktgetriebenen Amerikaner sind es oft, die der Schweizer Literatur zu Weltrang verhelfen.

Es gibt die sportliche Komponente, und da kann ich nur sagen: Er ist super gefahren, ich freue mich für ihn, dass er das hinbrachte, er hatte wegen der Vorgeschichte ja auch Druck. Alle gewinnenSwiss-Ski unterstützt in einem Projekt Sportler aus der Mongolei. Aktuelle Nachrichten. Aber: Deswegen wird er sich als Athlet, wird sich das Team und wird sich die FIS nicht gleich freuen können, wie wenn das Resultat unter normalen Umständen zustandegekommen wäre. Sie wollten Protest einlegen gegen die Starterlaubnis von Kriechmayr, konnten das aber nicht. Und die Mongolen? Sie haben dank der Hilfe aus den Alpen in den letzten Monaten grosse Fortschritte gemacht und gerade in der Trainingsgestaltung viel dazugelernt. Ja, weil das ein Gremium der FIS entschieden hat und es hiess: Das sei die höchste Instanz, also darf er starten. Wir hätten aber noch am Samstag nach dem Rennen die Möglichkeit gehabt für einen Protest.. Ihr einziger auf Deutsch vorliegender und bislang wenig beachteter Debütroman «Ein Winter in Sokcho» erlebt gerade einen zweiten Frühling.

Ich fragte meine Athleten, diese sagten, es sei in Ordnung so, wie es ist. Kriechmayr zu bestrafen, wäre ja auch das Dümmste gewesen, was wir hätten machen können. Wir entschieden uns für Sportsgeist und Fairness. Wenn er gut fährt und gewinnt, hat er den Sieg verdient, er kann ja nichts für die Situation. Durch dieses Urteil haben Sie dafür bessere Chancen auf eine Sonderregelung, sollte einer Ihrer Athleten in eine solche Situation kommen. Friedrich Dürrenmatt schliesslich verdankt seinen Weltrang massgeblich den Amerikanern: Erst feierte der Broadway sein Stück «Der Besuch der alten Dame», dann entdeckte Hollywood seinen Roman «Das Versprechen».

Das sehe ich anders. Jeder Fall wird wieder neu behandelt. Und so kreativ, wie sich die FIS zeigt bezüglich Regelauslegung, kann ich nicht davon ausgehen, dass bei uns die gleiche Messgrösse zum Zug käme. Aber wegen fehlender Trainings einen Start ablehnen könnte der Weltverband künftig ja kaum. Ich gehe nicht davon aus, dass mit gleich langen Spiessen gemessen wird. Elisa Shua Dusapin, immer mit Terminen ausgelastet, teilt im E-Mail-Interview mit, sie habe selbst einmal einen Aussichtspunkt im Grenzland zwischen Süd- und Nordkorea besucht, so wie sie es im Roman beschreibt.

Sie beschwerten sich darüber, dass Yannick Chabloz, der in Quarantäne war, auch hätte starten können, hätte er von einer solchen Sonderregelung profitiert. Warum fragten Sie bei der FIS nicht an, ob es eine gibt? Weil es Reglemente gibt. Reglemente, an die sich alle halten ausser ein paar wenige. Es gibt Regeln, damit der Athlet weiss, woran er ist. Damit wir wissen, woran wir sind. Ihre Mutter ist Südkoreanerin, ihr Vater Franzose, und sie wuchs zwischen Paris, Seoul und der Ajoie auf.

Wenn ich jedesmal denke: Vielleicht gibts ja ein Schlupfloch, rufe ich doch einmal bei der FIS an, dann braucht es keine Regeln. Gab es diese Woche böses Blut zwischen den Schweizern und den Österreichern? Das ist nicht primär der Fehler der Österreicher, sie waren einfach clever und liessen ihr Netzwerk spielen, um ihren Athleten an den Start zu bringen. Komplett versagt hat aber die FIS. Kriechmayr bekam noch ein Sondertraining, damit er starten konnte. Wenn man alles biegt, damit es für gewisse Personen passt, ist das einfach nicht in Ordnung. Nun nähert sich die erzählende Tochter ihrerseits einem Franzosen an, einem Zeichner, aber zu einer Liebesgeschichte kommt es nicht.

Erster Beat Feuz, Dritter Marco Odermatt: So hätte das Resultat ohne Kriechmayr gelautet. Jetzt sind sie Zweiter und Vierter: Wie sehr ärgert Sie das? Das ist der Sport: Wir wollen ja nicht nur gewinnen, weil die Konkurrenten nicht am Start sind. Er war der Beste am Berg, davor ziehe ich meinen Hut. Es war nicht einfach für ihn, jeder wusste ja eigentlich, dass der Entscheid komplett unfair war. Auch er. Diese Fragen zwischen Sein und Schein hätten sie, so Shua Dusapin, «obsessiv beschäftigt, weil sie sich weder als Koreanerin noch Französin oder Schweizerin gefühlt habe.

Aber es ist so: Ich bin noch hässig deswegen. Und stolz darauf, dass meine Leute ohne Tricksereien ihre Leistung bringen, offen und ehrlich sind und sich ans Reglement halten. René Hauri ist seit 2007 Redaktor im Ressort Sport und begleitet sowohl den Ski- als auch den Formel-1-Zirkus vor Ort und aus der Ferne. Er ist zudem als Blattmacher und Tagesleiter für das Ressort Sport tätig. Publiziert heute um 17:37 Uhr Fehler gefunden? . Der Roman «Ein Winter in Sokcho» ist selbst wie ein literarischer Kugelfisch: im Innern gefährlich, weil uns manche Themen fast bedrohlich nahekommen, aber wir können dieser Lesedelikatesse nicht widerstehen.