Ungewissheit belastet Reisebranche

Ungewissheit belastet Reisebranche

10.03.2021 06:55:00

Ungewissheit belastet Reisebranche

2020 brachte die Coronapandemie der Tourismusindustrie die schwerste Krise der Nachkriegsgeschichte.

pocketFehlende Öffnungsperspektiven, Ungewissheit in der Coronapandemie und die Diskussion um Vorkasse bei Reisen: Die Tourismusindustrie steuert nach dem historischen Absturz in der Coronakrise 2020 zunächst weiter auf harte Zeiten zu. Zwar sehen Reisebüros und Veranstalter in Deutschland einen ersten Hoffnungsschimmer, doch von alten Rekordständen sind sie noch weit entfernt. Die Reisemesse findet wegen der Pandemie heuer online und ausschließlich für Fachbesucher statt.

Erneut Erdbeben nahe Neunkirchen bis nach Wien spürbar Geologie - Erdbeben der Stärke 4 in Wien ÖSV-Präsidentin von Schröcknadels Gnaden

Die Neubuchungen von organisierten Reisen für die Sommersaison ziehen, langsam an, sagte der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig, auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin am Dienstag. Sie erreichten bisher allerdings nur 26 Prozent des von der Pandemie noch unbeeinflussten Niveaus des Vorjahreszeitraums."Es wäre schon als Erfolg zu werten, wenn wir für den Markt der Reisebüros und Reiseveranstalter rund 50 Prozent des Umsatzvolumens von 2019 erreichen würden", bekräftigte Fiebig die Prognose für das laufende Reisejahr.

"annus horribilis"Nach dem Rekordjahr 2018/19 war der Umsatz mit organisierten Reisen in der Coronakrise im vergangenen Touristikjahr 2019/20 um 65 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro eingebrochen. Fiebig sprach von einem"annus horribilis" - einem Schreckensjahr für die Branche. headtopics.com

DER Touristik setzt vor allem auf die zweite Jahreshälfte."Ich hoffe, dass wir immer noch ein sehr starkes zweites Halbjahr 2021 bekommen", sagte Firmenchef Sören Hartmann. Er rechnet infolge der Pandemie mit"fundamentalen Veränderungen" der Marktstruktur. Die Kunden buchten deutlich mehr Reisen, die sie mit dem eigenen Auto erreichen könnten. Das werde sich in den kommenden eineinhalb Jahren nicht ändern. Buchungen würden sehr viel kurzfristiger werden, Kunden wünschten sich mehr Flexibilität und einfachere Stornierungsmöglichkeiten.

Debatte über VorauszahlungenHinzu kommt die Debatte über Vorauszahlungen von gebuchten Reisen, die zur Bezahlung von Leistungsträgern wie Fluggesellschaften und Hotels genutzt werden. In der Pandemie mussten viele Reisen abgesagt werden. Die Kunden hätten gemerkt, dass es manchmal nicht leicht gewesen sei, das Geld zurückzubekommen, sagte Hartmann. Die gesamte Finanzierungskette der Tourismusindustrie müsse sich ändern.

Verbraucherschützer fordern schon länger ein Ende der Vorkasse bei Reisen. Rückenwind aus der Politik erhielten sie jüngst vom saarländischen Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD). Geht es nach Jost, sollen Urlauber beim Buchen von Flügen oder Reisen nicht mehr im bisherigen Umfang vorab zur Kassa gebeten werden. Darüber soll beim nächsten Treffen der Ressortchefs der Länder beraten werden.

Öffnungsperspektive fehltIm vergangenen Jahr hatte die Coronapandemie den Trend zu Auslandsurlauben gestoppt, nicht zuletzt wegen Reisewarnungen für die meisten Länder. Für den Urlaub im eigenen Land in diesem Jahr fehlt bisher eine klare Öffnungsperspektive, wie der Deutsche Tourismusverband (DTV) immer wieder beklagt. Die Reiselust der Menschen sei groß."Die Verunsicherung ist aber derzeit noch extrem hoch, damit geht eine Buchungszurückhaltung einher", berichtete DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz. headtopics.com

Kurz konkretisiert Öffnungsschritte in allen Bereichen für Mitte Mai Real-Präsident verteidigt Super League: 'Retter des Fußballs' Streit um die Milch: Vegane Alternativen geraten unter Druck

Dramatisch ist die Lage nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) nach sieben Monaten Lockdown im deutschen Gastgewerbe. Seit Anfang März 2020 ist der Umsatz bis heute um insgesamt 63,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Demnach bangen 72,2 Prozent der Unternehmer um ihre Existenz. Spätestens bei der nächsten Sitzung der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. März müsse es einen konkreten Fahrplan geben, wann die Restaurants und Hotels wieder Gäste empfangen dürften, forderte der Verband.

Reisewunsch hochHoffnungen machen der Tourismusbranche Umfragen, wonach der Reisewunsch der Menschen prinzipiell hoch ist. Wichtig ist ihnen dabei vor allem Sicherheit in Zeiten der Pandemie. TUI-Chef Fritz Joussen rechnet mit einer sehr guten Marktentwicklung nach der Krise. Dafür spreche unter anderem die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Viele ältere Menschen hätten Geld und Zeit zu verreisen.

Weiterlesen: KURIER »