Mit ihm starb einer der angesehensten Österreicher

Mit ihm starb einer der angesehensten Österreicher

01.04.2021 19:30:00

Mit ihm starb einer der angesehensten Österreicher

Hugo Portisch, 1927–2021. Geschichtslehrer der Nation, Journalist, TV-Legende. Das Land trauert um eine seiner hervorragenden Persönlichkeiten.

RundfunkvolksbegehrenUnter Portisch wird der KURIER zu Österreichs führender Tageszeitung, als deren Chefredakteur er 1964 das „Rundfunkvolksbegehren“ initiiert, das sich für die Unabhängigkeit des ORF einsetzt. Es war das erste und eines der erfolgreichsten Volksbegehren in der österreichischen Geschichte.

Als 1965 der Wiener Hochschulprofessor Borodajkewycz in seinen Vorlesungen durch neonazistische und antisemitische Aussagen auffällt, schreibt Hugo Portisch in seinen Leitartikeln heftig dagegen an. Borodajkewycz wird zwangspensioniert.Hugo Portisch: Österreichs berühmtester Journalist ist tot

Große ReisenAb Mitte der 1960er-Jahre unternimmt Portisch neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur große Reisen, schreibt Bestseller wie „So sah ich China“, „So sah ich Sibirien“, „So sah ich die Sowjetunion“, die als viel gelesene Serien im KURIER vorabgedruckt werden. headtopics.com

Nicht zuletzt durch seine TV-Auftritte in der „Runde der Chefredakteure“ steht fest, dass Portisch ein außergewöhnliches Bildschirmtalent ist. Also holt ihn Generalintendant Gerd Bacher 1967 als Chefkommentator zum ORF. Von nun an bewegen seine Kommentare ganz Österreich, Portisch berichtet vom Prager Frühling, von der Studentenrevolution in Paris und live über die Mondlandung im Jahr 1969. Darüber hinaus dreht er Fernsehsendungen wie „Friede durch Angst“, „Nixons Kampf ums Weiße Haus“, „Hört die Signale“, „Schauplätze der Zukunft“ und – gemeinsam mit Henry Kissinger – eine weltweit aufsehenerregende Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg. Von 1973 bis 1978 berichtet Hugo Portisch als Korrespondent für den KURIER und für den ORF aus London.

Der Prototyp des JournalistenÖsterreich I und IIVöllig neue Wege beschreitet Portisch, als er ab 1981 gemeinsam mit Sepp Riff die Dokumentarfilm-Reihe „Österreich II“ gestaltet, in der die Geschichte Österreichs nach 1945 aufgearbeitet wird. 1989 entsteht die zwölftei-

lige Dokumentar-Serie „Österreich I“ über die Geschichte der Ersten Republik vom Zusammenbruch der Monarchie bis zum „Anschluss“ an Hitler-Deutschland. Hugo Portisch prägt als „Geschichtslehrer der Nation“ das Geschichtsbewusstsein des Landes, er selbst begründete sein Engagement mit den Worten: „Wir können unsere Gegenwart nicht beurteilen, wenn wir nicht wissen, was damals geschehen ist.“

Abseits der historischen Zusammenhänge und der Politik macht Portisch sein Hobby zum Beruf und schreibt 1982 als begeisterter Pilzesammler mit seiner Frau das Buch „Pilze suchen – ein Vergnügen. Die besten Speisepilze und ihre Doppelgänger“. Gemeinsam mit Traudi Portisch verfasst er auch das Buch „Die Olive und wir“, in dem das Ehepaar Erlebnisse und Eindrücke auf seinem Landgut in der Toskana einfließen lässt. Ein Bestseller wie alle seine Bücher sind seine 2015 erschienenen Lebenserinnerungen „Aufregend war es immer“. headtopics.com

© Bild: Vukovits Martin / Verlagsgruppe News / picturedesk.comIm Jahr 1991 ist Hugo Portisch Wunschkandidat von SPÖ und ÖVP als Nachfolger des scheidenden Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Nach dem angeschlagenen Image im Ausland soll ein über alle Parteigrenzen hinweg angesehener Mann in dieses Amt gewählt werden. Doch Portisch lehnt ab: „Der Bundespräsident hat nicht so viele Gestaltungsmöglichkeiten. Man hat mir schon früher angeboten, Abgeordneter oder Minister zu werden. Ich habe das immer für einen Anschlag auf meine Freiheit gesehen. Ich lasse mich ungern zu etwas zwingen, und als Politiker wird man immer zu etwas gezwungen.“ Seine Frau war seiner Meinung, „sie hätte sich als First Lady nicht wohlgefühlt“.

Der große Journalist hat sich immer als unabhängige Instanz gesehen, nur zwei Mal bekennt er Farbe, als er sich für die Wahl der Präsidentschaftskandidaten Heinz Fischer und Alexander Van der Bellen einsetzt. Er selbst bezeichnet sich als Kosmopolit, Humanist und überzeugten Europäer.

SchicksalsschlägeHugo Portisch musste auch schwere Schicksalsschläge hinnehmen. 2012 stirbt sein einziger Sohn Edgar an den Folgen einer Tropenkrankheit, und im Jänner 2018 geht ihm seine geliebte Frau Traudi nach 72-jähriger Ehe in den Tod voraus.

In den letzten Jahren mit der Neubearbeitung seiner Serien „Österreich I“ und „Österreich II“ beschäftigt, zieht er sich als Kommentator aktueller Ereignisse zurück, „weil jetzt junge Leute ranmüssen. Ich hab das lange und mit großer Freude getan, aber irgendwann muss Schluss sein.“ Nur zu großen historischen Ereignissen wie zuletzt dem 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs lässt er sich ins Studio holen, wo er die Zusammenhänge schildert, wie nur er es kann. headtopics.com

© Bild: Alexander Tuma / Contrast / picturedesk.com/Alexander Tuma/picturedesk.comTod als Teil des Lebens Weiterlesen: KURIER »

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Und das Spamabo könnt Ihr Euch ins Hinterteil schieben, andere Medien werden heute und in den nächsten Tagen genug über ihm berichten. Das war noch ein Journalist mit Moral. Die heutigen Journalisten leben nur mehr von Vorverurteilungen und Anpatzungen. Typischer Dunning-Kruger-Effekt halt. Wie wahr. Das war ein Journalist, an dem sich viele ein Beispiel nehmen können. Nicht nur beim Kurier

HugoPortisch starb übrigens kurz nachdem er sich öffentlichkeitswirksam impfen ließ, sollte auch nicht unerwähnt bleiben.