Meine Verehrung, Champ!

Gedanken an Muhammad Ali, der am 17. Jänner 80 Jahre alt geworden wäre

19.01.2022 13:00:00

Am 17. Jänner wäre Mohammed Ali 80 geworden. Kave Atefi widmet einem der faszinierendsten Boxer aller Zeiten seinen Gastkommentar ↓

Gedanken an Muhammad Ali, der am 17. Jänner 80 Jahre alt geworden wäre

Er war ebenfalls selbstbewusst, dabei aber nicht überheblich. Unbeirrbarkeit und einen unbändigen Siegeswillen konnte man seinem Ausdruck entnehmen.Liston musste verletzungsbedingt in der 7. Runde aufgeben, Clay wurde zum ersten Mal Weltmeister im Schwergewicht.

Im Rückkampf streckte er Liston bereits in der ersten Runde nieder.Der Kampf ging als „Rumble in the Jungle“ in die Geschichtsbücher ein.Es war Silvester Stallone, der mit seiner Filmfigur Rocky Balboa mein Interesse am Großmaul Muhammad Ali weckte.

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. ★ Cassius Clay allerdings mochte ich. Allein des exotischen Namens wegen. Cassius Marcellus Clay, was für ein Klang. Und mit exotischen Namen kannte ich mich aus. Clay war etwas jünger, sogar noch hübscher als dieser Ali und ebenfalls ein begnadeter Boxer. In seinen Augen sah man Mut und Unbekümmertheit. Er war ebenfalls selbstbewusst, dabei aber nicht überheblich. Unbeirrbarkeit und einen unbändigen Siegeswillen konnte man seinem Ausdruck entnehmen. 1960 gewann er mit gerade einmal 18 Jahren die Goldmedaille im Halbschwergewicht bei den olympischen Spielen in Rom. Damals war ich noch gar nicht auf der Welt. Plötzlich war dieser Clay aber verschwunden. Genaugenommen war es 1964. In diesem Jahr besiegte er den regierenden Weltmeister Sonny Liston in einem denkwürdigen Kampf, der in einem Tumult endete. Liston musste verletzungsbedingt in der 7. Runde aufgeben, Clay wurde zum ersten Mal Weltmeister im Schwergewicht. Bei der Urteilsverkündung rannte er wie ein Verrückter durch den Ring und schrie: „Ich habe die Welt erschüttert!“, „I shook up the world!“ Wie ein Berserker, mit weit aufgerissenem Mund und Augen schrie er immer und immer wieder „Ich bin der Größte!!!“ in die Menge. „I am the greatest!!!“ Von da an gab es nur mehr Muhammad Ali. Im Rückkampf streckte er Liston bereits in der ersten Runde nieder. Das Bild des Fotografen Neil Leifer, bei dem Ali wütend über dem niedergeschlagenen Liston steht und ihn anbrüllt wieder aufzustehen, ging um die Welt und legte den Grundstein der Ikone Muhammad Ali. Da war er also. Er war der Grund, dass mich mein Vater 1974 mitten in der Nacht aus den Federn holte und mit uns ans andere Ende von Wien hetzte um bei meiner Oma die legendäre Schlacht gegen George Foreman im Fernsehen mitverfolgen zu können. Der Kampf ging als „Rumble in the Jungle“ in die Geschichtsbücher ein. Dieses Ereignis brannte sich in mein Gedächtnis ein, schlummerte dort aber noch viele Jahre, bevor es sich einen Weg in mein Bewusstsein bahnen konnte. Zuerst als vage Erinnerung, dann als verklärtes Klischee eines pathetischen Heldenmythos, schließlich als wunderbare Metapher auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest – also nicht weniger als die Antwort auf die Frage aller Fragen. Was war geschehen? Warum der Wandel? Es war Silvester Stallone, der mit seiner Filmfigur Rocky Balboa mein Interesse am Großmaul Muhammad Ali weckte. Die Geschichte des mindertalentierten, aber leidenschaftlichen Boxers mit dem großen Herz und den außergewöhnlichen Nehmerqualitäten basierte schließlich auf einem realen Kampf Alis gegen einen weithin unbekannten weißen Boxer namens Chuck Wepner. Dieser forderte Ali ausgerechnet im 1. Kampf nach dem Boxdrama gegen George Foreman zur Titelverteidigung. Entgegen aller Prognosen ging der Kampf über die volle Distanz von 15 Runden und Wepner gelang sogar ein Niederschlag Alis. Dieser stellte sich im Nachhinein allerdings als Unfall heraus, weil Wepner Ali auf den Fuß trat und diesen nur deshalb zu Fall brachte. Weppner musste furchtbar einstecken, ging mehrmals zu Boden, verlor den Kampf aber erst in der 15. Runde durch K.O. Erinnerung: Brevity is the soul of wit. (Ich muss mich kürzer fassen.) Okay, die Rocky Trilogie (die Teile danach waren belanglos bis erbärmlich) hat also mein Interesse an Muhammad Ali geweckt und meine bisherigen Erinnerungen in ein neues Licht gestellt. Denn Ali hätte nicht gegen den weißen Underdog Wepner antreten müssen, er tat es bloß um Schlagzeilen zu machen. Talentierter Blender, herausragender Athlet, größter Boxer aller Zeiten Ich erkannte, dass Ali in Wahrheit ein begnadeter Showman war, ein Entertainer, der so seine Kämpfe promotete und damit auch die Börsen in ungeahnte Höhen trieb. “I am the greatest, I said that even before I knew I was.” Das Großmaul war bloß Mittel zum Zweck. So verhielt es sich wohl auch mit seinem Engagement bei der Nation of Islam, einer auch als Black Muslims bekannten Gruppe. Dabei handelte es sich um eine radikale Sekte, die eine „Black Supremacy“ Ideologie vertrat, also eine Überlegenheit schwarzer Menschen gegenüber nicht-schwarzen Menschen propagierte, antisemitischer Standpunkte inklusive. Ali schloss sich dieser Gruppe 1964 nach seiner Konversion zum Islam an und legte damals auch seinen – wie er es nannte – Sklavennamen Cassius Clay ab. Als Agnostiker konnte und kann ich bis heute wenig mit Religionen und rein gar nichts mit religiösem Fanatismus anfangen, weswegen mich dieser Schritt Alis auch die längste Zeit verstört hat. Mittlerweile sehe ich es so, dass Ali den damals radikalsten denkmöglichen Ansatz wählte um seinen politischen Forderungen nach einem Ende der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung durch die weiße Mehrheit in den USA Nachdruck zu verleihen. Mittel zum Zweck. Es war ein riskantes Spiel, denn die Organisation versuchte immer wieder Einfluss auf Ali zu nehmen. Tatsächlich wurde Alis erste Ehe auf Druck der Nation of Islam geschieden, offenbar weil Alis erste Ehefrau sich nicht – oder nicht ausreichend – den religiösen Regeln unterwerfen wollte. Doch als „die Nation“ später versuchte ihn auch politisch zu vereinnahmen, ging Ali auf Distanz. Er beließ es dabei seine politischen und gesellschaftlichen Forderungen als außerordentlicher Charismatiker, der er zweifellos war, vorzubringen. Er wechselte niemals in die Politik. Nicht wenige behaupten, dass ihm diese Entscheidung wohl das Leben rettete. Anderen prominenten schwarzen Bürgerrechtlern wie Malcolm X oder Dr. Martin Luther King ereilte bekanntlich ein anderes Schicksal. Faszinierende Widersprüche Die Faszination Muhammad Ali nährt sich zweifellos aus seinem durchaus widersprüchlichen Verhalten. Längst nicht alles, was Ali gesagt oder getan hat war vorbildlich. Oftmals entsprach sein Verhalten nicht einmal seinen eigenen Maßstäben. Die einzige Konstante in seinem Verhalten war, dass er praktisch nie das gemacht hat, was man erwartet hat. Verehrung, nicht Verklärung Ali gab sich einerseits als gottesfürchtiger Muslim aus, andererseits war er ein Frauenheld vor dem Herrn. Er war vier Mal verheiratet, daneben hatte aber hatte er aber auch zahlreiche Affären. Aus drei Ehen entsprangen neun Kinder, zwei weitere Kinder entstammen aus den angesprochenen außerehelichen Verhältnissen. Ali unterstützte die Emanzipationsbewegung der Afroamerikaner, distanzierte sich aber nie von der rassistischen Ideologie der Nation of Islam, deren Mitglied er offiziell war. Er lehnte öffentlich den Vietnamkrieg ab, verweigerte den Wehrdienst und wurde dafür schwer bestraft. “I ain’t got no quarrel with them Viet Cong” Nachdem Ali seinen US-Militärdienst im Vietnamkrieg verweigerte, wurde ihm im April 1967 der Weltmeistertitel aberkannt und die Boxlizenz entzogen. Dies kam einem weltweiten Berufsverbot gleich, denn er musste auch seinen Reisepass abgeben und durfte das Land nicht verlassen. Er wurde außerdem zu fünf Jahren Gefängnis und 10.000 US-Dollar Strafe verurteilt, blieb aber gegen Kaution auf freiem Fuß. Erst 1970 durfte er wieder boxen, noch später gab ihm das Höchstgericht recht, indem es seine Kriegsdienstverweigerung als Bürgerrecht anerkannte. Ali beklagte sich über diese ungerechte Behandlung, vermischte aber selbst auch immer wieder Politik und Sport und ging dabei mitunter zu weit. So bezeichnete er etwa Joe Frazier zu Unrecht als einen „Boxer der Weißen“, der sich nicht für die Belange der schwarzen Bürgerrechtsbewegung einsetzte. Ausgerechnet jenen Joe Frazier, der ihn in jener Zeit finanziell unterstützt hat, als er sich wegen des Boxverbots nur dank der Gagen für Fernsehauftritte und Reden in Universitäten und anderen öffentlichen Institutionen über Wasser halten konnte. Es gibt zahlreiche politische Zitate von Ali, viele davon sind umsichtig, mutig und inspirierend, manche aber auch nur albern. Außerdem schien Ali ein ganz anderer Mensch zu sein, wenn er nicht Ali gespielt hat. Denn ja, Muhammad Ali war eine Kunstfigur, die er selbst geschaffen hatte, die er trainierte und ständig weiterentwickelte. Seine Reime und Gedichte waren ein Zeichen dafür. Sie waren keineswegs spontan, sondern gut vorbereitet, wohldurchdacht formuliert und treffgenau eingesetzt. Ähnlich verhielt es sich beim Boxen. Tatsächlich gab es nicht den einen Stil, Ali hat sich vielmehr immer seinen Gegnern angepasst, zumindest wenn er sich nicht absolut seiner Überlegenheit sicher war. “To be a great champion you must believe you are the best. If not, pretend you are.” Manchmal war er der pure Ringästhet (“Float like a butterfly, sting like a bee”), dann wieder rein zweckorientierter Boxer („Rope-a-Dope“). Große Worte, schwarzer Mann Mir ist jene Aussage besonders in Erinnerung geblieben, die Ali 1974 während des Fluges nach Zaire (anlässlich des Fights gegen George Foreman) – tätigte. Als er vom Captain in die Kabine eingeladen wurde und sich die Cockpittür öffnete war Ali tatsächlich für einen kurzen Moment sprachlos, als er sah, dass die Maschine von zwei schwarzen Piloten geflogen wurde. Dann sagte er sinngemäß: „Seht her, bei uns in den Südstaaten dürfen schwarze nicht einmal im Bus vorne sitzen, geschweige denn, einen lenken. Hier dürfen Schwarze sogar ein Flugzeug fliegen, ein Flugzeug!!! Ein Flugzeug, das Millionen von Dollar wert ist. Da seht ihr, was noch alles möglich ist.“ (aus dem Dokumentarfilm „When We Were Kings“; 1996) Dazu passend, eines der eindrücklichsten Zitate: “Impossible is just a big word thrown around by small men who find it easier to live in the world they’ve been given than to explore the power they have to change it. Impossible is not a fact. It’s an opinion. Impossible is not a declaration. It’s a dare. Impossible is potential. Impossible is temporary. Impossible is nothing.” Große Worte, zweifellos. Beeindruckend wurden sie aber, weil Ali selbst danach handelte und ihnen so erst Glaubwürdigkeit verlieh. Widergeburt – der „Rumble in the jungle“ Eine wunderbare Gelegenheit zum „Rumble in the jungle“, der größten „Boxschlacht aller Zeiten“ zurückzukehren. Denn in diesem Kampf bewies Ali, dass er in der Lage war aus einer aussichtlosen Situation siegreich hervorzugehen, indem er alles über Bord warf, das ihn bisher auszeichnete. Er akzeptierte den Umstand, dass sein Gegner „einfach zu stark war“. Und er machte sich diese Erkenntnis zu nutzen. Ali tanzte nicht wie vorausgesagt, vielmehr entwickelte er im Laufe des Kampfes einen waghalsigen Plan. Man könnte auch sagen, einen verrückten Plan. Denn der Plan beruhte auf der absurden Annahme, dass dem wild und hart schlagenden George Foreman vorher die Luft ausgehen würde, als dem schwer getroffenen, in den Seilen hängenden Ali. Und so war es dann auch. Impossible is nothing. Als George Foreman es nicht und nicht gelang den entscheidenden Treffer zu setzen und ihm von Minute zu Minute mehr die Kraft ausging, konnte Ali in der 8. Runde eine Kombination anbringen, die nicht ohne Wirkung beim Gegner blieb. Ali war hellwach und setzte im entscheidenden Moment sofort nach. Er landet den alles entscheidenden Wirkungstreffer und muss den rechten Schwinger, zu dem er bereits angesetzt hat gar nicht mehr anbringen, als er merkt, dass Foremann zu Boden geht. Man hatte in diesem Augenblick das Gefühl, dass Ali die Ästethik des Moments nicht durch plumpe Brutalität stören möchte. Und so kommt es zum wohl erinnerungswürdigsten Niederschlag der Boxgeschichte. Ali gewinnt, George Foreman, dieser zu der Zeit als unbesiegbar geltende Koloss geht zu Boden und sollte noch Jahre später an den Folgen der Niederlage gelitten haben. Es war weder Alis letzter Kampf, noch sein bester, doch er zeigte allen die es sehen wollten, was alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt. Oder wie es der Champ sagen würde: “The best way to make your dreams come true is to wake up.”, oder: “He who is not courageous enough to take risks will accomplish nothing in life” und natürlich: “We can’t be brave without fear.“ Nach dem (zu späten) Ende seiner Boxkarriere wird bei Ali die Parkinson Krankheit diagnostiziert. Ausgerechnet. Er erduldet das Leiden mit Demut und verliert den Humor nicht: „People say I talk so slow today. That’s no surprise. I calculated I’ve taken 29,000 punches. But I earned $57m and I saved half of it. So I took a few hard knocks. Do you know how many black men are killed every year by guns and knives without a penny to their names? I may talk slow, but my mind is OK.” Muhammad Ali hat mich mit seinem Charisma und seiner seltenen Kombination aus Talent, Leidenschaft, Humor und Selbstironie verzaubert. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings sein „shortest poem ever written“, das er einmal bei einem Vortrag an der Harvard University zum Besten gab: “Me? Whee!!” Oder wie es Bruce Springsteen – ein anderer meiner Helden – es formuliert hat: “Nobody wins unless everybody wins.” Kave Atefie ist selbstständiger Unternehmer und Inhaber einer Medienagentur in Wien. Daneben betätigt er sich künstlerisch, mal als Maler, mal als Musiker. Muhammed Ali gilt ihm seit Jahrzehnten als Inspirationsquelle. Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann