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Samurai-Aufstand: Der letzte Samurai wurde einfach geköpft - WELT

Der letzte Samurai wurde einfach geköpft

23.09.2019 07:15:00

Der letzte Samurai wurde einfach geköpft

Die radikale Modernisierung Japan s im 19. Jahrhundert hatte die Kriegerkaste um ihre Privilegien gebracht. 1877 kam es zum großen Aufstand. 20.000 Samurai stellten sich den westlich gedrillten Truppen des Kaisers entgegen.

1603 hatte der Shōgun (Oberbefehlshaber) Tokugawa Ieyasu für den machtlosen Tenno (Kaiser) verfügt, dass Kriege nicht mehr stattfinden dürften. Manche Samurai konnten seitdem ihren Status als Vasallen oder Verwaltungsbeamte eines Daimyō (Fürsten) wahren, viele aber sanken zu Landwirten herab, die sich allenfalls durch ihre ererbten Waffen und ihren Rang von Bauern unterschieden.

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Das änderte sich am 8. Juli 1853. An diesem Tag lief ein amerikanisches Geschwader in die Bucht von Edo (heute Tokio) ein. Commodore Matthew Perry, der Befehlshaber der „Schwarzen Schiffe“, forderte ultimativ die Öffnung des abgeschlossenen Kaiserreichs. Doch Japan wurde zu keiner Kolonie. Innerhalb weniger Jahrzehnte gelang dem Land der Anschluss an die westlichen Industrie- und Militärmächte. Ein Motiv wurde dabei das Ziel, die Schmach von 1853 zu tilgen. Die Frage allerdings, wie das geschehen sollte, spaltete die Gesellschaft und mündete 1877 im großen Satsuma-Aufstand der Samurai.

Anzeige Der Antagonismus zwischen Konservativen und radikalen Modernisierern wird in der Person von Saigō Takamori fassbar. 1828 in eine verarmte Samuraifamilie in der Provinz Satsuma (heute Präfektur Kagoshima) auf der südlichen Hauptinsel Kyūshū geboren, konnte er als Schreiber und Gärtner im Dienst eines Daimyō seinen Status einigermaßen wahren. Nach einem Exil, in dem er sich auch philosophisch betätigte, stieg Saigō 1864 zum Militärbefehlshaber der Provinz auf.

Dabei hatte sein alter Schulfreund Ōkubo Toshimichi die Fäden gezogen, der inzwischen zum Provinzgouverneur aufgestiegen war. Er gehörte zu den treibenden Kräften, die eine breite Front gegen das Shogunat bildeten und dessen Anhänger 1868 entscheidend schlugen. Damit erhielt der neue Kaiser Mutsuhito die Gelegenheit, sein umstürzendes Modernisierungsprojekt in die Tat umzusetzen. Zum Oberbefehlshaber im Range eines Generals wurde Saigō berufen, der damit zu einem der maßgeblichen Antreiber der sogenannten Meji-Restauration wurde.

Doch anders als viele Daimyō und Samurai, die sich in dem neuen Staat Posten und Positionen zu sichern wussten, hielt Saigō Takamori Distanz zu den Modernisierern und ihrem neureichen Luxus, dem sie in ihren Palästen in der neuen Kaiserstadt Edo frönten. „Viele von Gelagen und Zerstreuungen abhängige Beamte leben in solchem Luxus, dass sie sich in Irrtümer verstricken“, schrieb er und brachte seine Vorbehalte in einem Kurzgedicht auf den Punkt: „Nicht der bitterkalte Winter, / sondern die kalten Herzen der Menschen / erfüllen mich mit Furcht.“

Anzeige Sein tief verwurzelter Antimodernismus hinderte Saigō indes nicht, den Riss durch die japanische Gesellschaft mit einer brutalen Expansionspolitik einebnen zu wollen. So gehörte er zu den Wortführern, die einer gewaltsamen Annexion Koreas das Wort redeten, um die mittellosen Samurai zu beschäftigen. Ōkubo Toshimichi hielt dagegen, weil er Japans Rüstung noch nicht für ausreichend hielt, und konnte sich damit durchsetzen. Daraufhin trat Saigō von seinem Posten zurück, kehrte nach Satsuma zurück und gründete Schulen, in denen traditionelle Werte vermittelt wurden.

Lesen Sie auch Japans Krieger Das merkwürdige Waffenarsenal der Samurai In Edo ging die rasante Modernisierung weiter. 1873 wurden mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht die letzten Feudalrechte beseitigt. Moderne Waffenfabriken und westliche Ausbilder ersetzten Schwerter und Übungen der Samurai, deren Wut über ihre Abschaffung sich in verschiedenen Erhebungen entlud. Als die Regierung den Samurai verbot, Schwerter zu tragen und ihren Rang durch Haarknoten zu demonstrieren, wurde Saigōs Hauptquartier zum Fluchtpunkt der Enttäuschten. Mit 20.000 Mann nahm er den Kampf gegen die „schlechten Ratgeber“ des Tenno auf.

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Es war ein ungleicher Kampf. Während die von preußischen und französischen Offizieren gedrillten modernen Truppen der Regierung über modernste Waffen wie Gatling-Maschinengewehre verfügten, mussten sich die Samurai ihre Patronen durch Überfälle auf Depots verschaffen. Bei dem Versuch, eine kaiserliche Festung zu erobern, starben Tausende von ihnen durch Hunger, Krankheiten und feindliches Feuer. Nur mit Mühe konnte Saigō die Überlebenden in den Osten der Insel führen.

Auch dort wurde seine schwindende Truppe mehr und mehr von der Regierungsarmee eingeschnürt. Mitte August war das Samurai-Heer auf 3000 Kämpfer zusammengeschmolzen, deren einzige Feuerwaffen historische Musketen und Holzkanonen waren, um die Bambusstreifen gewickelt waren. Noch einmal konnte Saigō mit 500 Männern aus seiner umzingelten Stellung am Berg Enodake entkommen, indem er die Verwundeten zurückließ. Doch es ging ihm wohl nur noch darum, einen würdigen Platz für den letzten Kampf zu finden.

Anzeige Den verbliebenen Samurai gelang es, sich ins heimische Kagoshima durchzuschlagen, wo sie sich in Löchern verschanzten, die sie in den Schlossberg gegraben hatten. Ihre letzten Kugeln sollen sie aus Metallspenden gegossen haben, die ihnen Zivilisten zugesteckt hatten. Währenddessen beendeten die Regierungstruppen ihren Aufmarsch.

Nachdem er die Aufforderung zur Kapitulation abgelehnt hatte, lud Saigō seine engsten Anhänger zu einem Umtrunk mit Sake (Reiswein), doch kurz nach Mitternacht beendete die feindliche Artillerie die Party. Nach schwerem Beschuss begann am frühen Morgen des 24. Septembers der Angriff der Regierungstruppen. Um sechs Uhr lebten noch 40 kampffähige Samurai.

Nach traditioneller Lesart wurde Saigō schwer getroffen. Da er sich kaum noch bewegen konnte, soll er rituellen Selbstmord (Seppuku) begangen haben, indem er sich mit seinem Dolch den Bauch aufschlitzte. Neuere Untersuchungen kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass seine Verwundung dies gar nicht mehr zuließ. Danach wurde er von seinen Anhängern, wahrscheinlich von seinem Freund Shinsuke Beppu, mit dem Schwert enthauptet. Sein Kopf soll versteckt worden sein. Anschließend unternahmen die Überlebenden mit ihren Schwertern einen selbstmörderischen Angriff auf die Regierungstruppen. Damit war die Feudalzeit Japans endgültig Geschichte.

In Edward Zwicks Film „Last Samurai“ (2003) hat Hollywood Saigō Takamoris Kampf und den Todesritt der Samurai als kritisches Gegenbild zur westlichen Modernität in Szene gesetzt. Tom Cruise spielt darin einen amerikanischen Offizier, der sich den Aufständischen anschließt, überlebt und schließlich den Tenno dazu bringt, sich seinem Minister zu widersetzen. In dem ist unschwer Saigōs alter Freund und späterer Widersacher Ōkubo Toshimichi zu erkennen.

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Der fiel tatsächlich 1878 einem Anschlag zum Opfer, während Saigō Takamori posthum begnadigt und zum Symbol des „edlen Samurai“ stilisiert wurde. Manche behaupteten gar, er sei gar nicht tot, sondern werde zurückkehren, um die schlechte Regierung der neuen Machthaber zu bekämpfen.

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