Kommentar: Das politische Bashing ist gefährlich geworden

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Früher hatten die Bierzeltreden am Aschermittwoch Sinn, meint Tobias Krone. Doch inzwischen wirke der Populismus deplatziert, Besonnenheit sei gefragt.

Um es vorweg zu sagen: Das Format des Politischen Aschermittwoch hatte mal Potenzial – jawohl, ganz im demokratischen Sinne. Denn da wurde überspitzt, überzeichnet, provoziert – in Zeiten festgefahrener politischer Umgangsformen wirkte das belebend und fruchtbar.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Sie sind aggressiver geworden. Der Bierzelt-Populismus der Marke Söder und Aiwanger wirkt angesichts der gefährlichen politischen Entwicklungen unserer Tage deplatziert. Wenn die AfD zum Angriff auf die Demokratie bläst und Bauernproteste zu eskalieren drohen, braucht es keine rhetorischen Brandsätze mehr. Da braucht es kein Gepolter, sondern Besonnenheit.

Markus Söder hat diesen prekären Moment anscheinend noch nicht begriffen: Etwa wenn der CSU-Chef die Menge erst einmal anheizt, mit dem kernig vorgetragenen Spruch „Die Ampel muss weg“. Applaus dafür ist ihm zwar sicher, doch kennt man diesen Satz von den Bauerndemos. Und schon dort haben viele ihn zu Recht als respektlos und undemokratisch bezeichnet, denn politische Gegner kann man ebenso wenig wie eine demokratische gewählte Regierung einfach „wegmachen“. Das politische Bashing – und zwar immer nur in eine Richtung – ist in diesem gesellschaftlichen Umfeld gefährlich geworden.Wie ein anderer Politischer Aschermittwoch funktionieren könnte? Gerne sehr wohl über den Bauch, nur eben nicht in die Bauchgrube.

Bei den Grünen ließ Parteichef Omid Nouripour sein Stand-Up-Talent aufblitzen und erzählte selbstironisch Anekdoten aus dem Politikgeschäft: Ein bisschen Spott über Aiwanger und Söder - ja, über den eigenen Kanzler - ist da auch drin, aber vor allem das Eingeständnis: Hey, wir sind doch alle Menschen, die miteinander könnten, wenn wir wollten.

 

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