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Marianne Pitzen, Beatrix Borchard

Beethoven und die Damen - WELT

Beethoven und die Damen: Unsterblich geliebt und ewig enttäuscht

21.1.2020

Beethoven und die Damen: Unsterblich geliebt und ewig enttäuscht

Begabung allein reichte nicht. Den Weg zum Weltruhm verdankte Beethoven auch einem Damennetzwerk, das bis heute zu selten gewürdigt wird

Anzeige Innerlich unbehaust und getrieben ein Leben lang. Passt diese Charakterisierung zum großen Komponisten Beethoven? Zeitlebens führte er ein rastloses und unstetes Leben. Allein in Wien zog er mehr als 40 Mal um. Seine Verliebtheiten, Amouren, die Rätselraterei um seine „unsterbliche Geliebte“ sowie die Spekulation über eine uneheliche Tochter namens Minona mit Josephine Brunsvik-Stackelberg sind legendär. Der Komponist Jüri Reinvere schuf eigens eine Oper mit dem Titel „Minona“, die am 25. Januar am Theater Regensburg uraufgeführt wird. Anzeige Was trieb den großen Meister? Welchen inneren Zwängen und Sehnsüchten folgte er? Er besuchte Prostituierte, die „Festungen“, und tauschte sich darüber mit seinesgleichen aus. Sein Dienstpersonal behandelte er schlecht und wechselte oft. Haushälterinnen wurden Opfer cholerischer Anfälle. „Werde ich aber einmal gereizt zu einer Zeit, wo ich empfänglicher für den Zorn bin, so platze ich auch“, zitiert Kirsten Jüngling den Komponisten in ihrer Biografie „Beethoven. Der Mensch hinter dem Mythos“ (Propyläen). Und seine Geliebten? Was hatten sie auszuhalten? Oder andersherum: Womit wurden sie beschenkt? Anzeige Es ist nicht zu bestreiten: Trotz der Pockennarben, eines oftmals vernachlässigten Äußeren, Schwerhörigkeit und eines desolaten Haushalts war Beethoven ein Womanizer. Seine Leidenschaft für Frauen war ähnlich groß wie die für seine Musik. Glaubt man seinem Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler, war der eher unansehnliche Musiker „immer in Liebesverhältnissen und machte Eroberungen, die manchem Adonis doch sehr schwer geworden wären“. Seine große Anziehungs- und Verführungskraft lag wohl in seiner Musik, vor allem in den fantasiereichen Improvisationen am Piano. Wer Klavier spielt, hat eben Glück bei den Frauen. Anzeige Doch es gibt die eine, die „unsterbliche Geliebte“. „Mach, dass ich mit Dir leben kann, welches Leben! So! Ohne Dich!“, schreibt der 41-Jährige in einem Brief, den er nie abschickte. Dieser Brief liegt nach seinem Tod auf seinem Schreibtisch. Eine letzte Inszenierung als feinfühliger, sich verzehrender Gefühlsmensch? Das tiefe Bedürfnis, etwas wichtiges mitzuteilen? Das Leugnen einer lebenslang gelebten Beziehungsunfähigkeit auf Grund früher Vernachlässigung? Nichts als Spekulation. Josephine Brunsvik-Stackelberg – sollte sie tatsächlich die Unsterbliche sein – hatte sich jedenfalls gegen den bürgerlichen Beethoven entschieden. Sie blieb ihrem adligen Stand treu. Sie hatte etwas zu verlieren. Eine Tragik, die Beethoven sein Leben lang begleitet. „Sein Wunsch, eine Adlige zu heiraten und damit endlich in der Gesellschaft anzukommen, der er sich zugehörig fühlte, blieb unerfüllt“, so Marianne Pitzen, Künstlerin und Leiterin des Bonner Frauenmuseums. Beethoven war davon überzeugt, dass er selbst einen innerlichen Adel besaß, der jedem offiziellen Titel gleichwertig war. In der Realität aber stand ihm sein gesellschaftlicher Rang im Weg, und die offizielle Anerkennung seiner Liebesaffären oder gar der Ehe blieb ihm verwehrt. Ist also der Hype um die „unsterbliche Geliebte“ viel Lärm um nichts? Die Musikwissenschaftlerin und Clara-Schumann-Biografin Beatrix Borchard hält die umfangreiche Suche nach der „unsterblichen Geliebten“ jedenfalls für reduziert und nicht zielführend. „Wem widmete Beethoven seine Komposition? Wer spielte diese? Es sind doch überwiegend Schülerinnen und Damen der Gesellschaft. Sie gehörten zu einem Netzwerk, das seine Karriere in adligen Kreisen erst möglich machte“, lautet ihr Fazit. Frauen der Beethoven-Zeit hätten bis heute wenig Platz in der Musikgeschichte. Sie seien nicht ernst genommen, ausgeblendet oder auf die Rolle der potenziellen Geliebten reduziert worden. Der unangemessene, übertriebene Hype um die „Geliebte“ versperre bis heute den Blick auf aufschlussreichere Fragestellungen, etwa nach seinem weiblichen Netzwerk. „Nicht als Gesprächspartnerinnen auf Augenhöhe, begabte Musikerinnen und Mäzenatinnen waren Frauen vorstellbar, sondern in ihrer Rolle als Geliebte.“ Sittsam, bescheiden, in ihren Bewegungen nicht ausufernd und raumgreifend, war die gewünschte Frauenrolle der Zeit. Das Spiel der Geige galt als nicht statthaft, zulässig als Musikinstrument war gerade mal das Klavier. Anzeige Um so revolutionärer ist da eine Heroin in Männerkleidern. Fidelio, mutig, tatkräftig und strategisch begabt, ist nicht zufällig eine Frau als Mann verkleidet. „Beethovens Dramatisierung und musikalische Umsetzung ist hier sehr aufschlussreich“, so Christine Siegert, Leiterin des Beethoven-Archivs Bonn. „Er spielt mit Identitäten. Bei Beethoven muss sich eine couragierte Frau noch als Mann verkleiden. In der Inszenierung von Volker Lösch, wirft die Leonore in der Befreiungsszene die Männerkleider ab und schwebt in rotem Kleid am Opernhimmel.“ Das Frauenbild hat sich verändert, der eingeschränkte Blick erweitert. Dazu trägt ab Februar auch das Frauenmuseum in Bonn bei, mit dem Ausstellungs- und Konzertprogramm „Eleonore, Emile, Elise – Beethoven und die Frage nach den Frauen“. Künstlerinnen präsentieren dann ihre sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf den Komponisten. Videoinstallationen bieten Klangzonen mit den Frauen der Beethoven-Zeit. Komponistinnen, die vergessen waren, kommen in Bild, Biografie und im Konzertprogramm zum Zuge. Doch nicht nur die Frage nach den Frauen steht im Raum, sondern auch der Männlichkeits-Kult um Beethoven. „Das tradierte Bild Beethovens ist das Resultat personalisierter Wunschvorstellungen vom männlichen Künstlergenie. Eine machtvoll inszenierte Präsentation von Männlichkeit, die einen Mythos begründet, der bis heute wirkt“, findet Beatrix Borchard. Bis heute liefere der Kulturbetrieb Beethoven-Bilder, die mit verschärften Männlichkeits-Stereotypen aufgeladen seien. Doch wie gestaltete sich sein Kontakt zur Damenwelt tatsächlich? „Frauen agierten für ihn als Helferinnen. Sie knüpften Beziehungen, fanden Wohnungen und Arbeitsmöglichkeiten, Beethoven widmete ihnen Werke“, sagt Marianne Pitzen. „Es kommt darauf an, Beethoven in diesem Kontext zu sehen und seine Adressatinnen als Quelle zu nutzen“, betont Christine Siegert. Als selbstständiger Musiker, der überleben wollte, waren die Widmungen seiner Werke wohl überlegt und an Könige und einflussreiche und zahlungskräftige Persönlichkeiten der adligen Elite gerichtet. Ausstellung und Konzerte rücken diesen Kosmos in Form von Erlebnisräumen ins Licht. „Um Beethoven und die Frauen in seiner Zeit wahrzunehmen, machen wir die historische Altstadt von Bonn, dort, wo er aufwuchs, erlebbar. Die Lebenswelt seiner Mutter Maria Magdalena wird ebenso sichtbar wie der Salon der Helene von Breuning, deren Tochter Eleonore seine Klavierschülerin wurde, in die er sich verliebte“, so Projektleiterin Pitzen. Anzeige Spaziergänge und Reisen in die Zeit des Komponisten veranschaulichen seine Herkunft und Erziehung zu musikalischer Disziplin. „Wir haben Künstlerinnen gebeten ihre sehr persönliche Sicht auf den Komponisten darzustellen“, so Marianne Pitzen. So öffnet sich die „Belle Etage“ für Raum- und Video-Installationen zeitgenössischer Künstlerinnen. Darunter Grenzgängerinnen zwischen Bildender Kunst und Musik wie Christine Fausten und Rena Meyer-Wiel. Gisela Weimann pflanzt den „Garten der Komponistinnen“, Chris Werner lässt den Mond videokünstlerisch durch romantisches Gefilde wandern, die entsprechende Sonate wird in Gesang transformiert. Heide Pawelzik inszeniert sieben verkohlte Geigen am Boden und erzählt ihre eigene Geschichte. Auch klassische Skulpturen von Madeleine Pons und Franziska Schwarzbach werden zu sehen sein. Das Gehörleiden greifen die Werke von Mara Loytved-Hardegg und Irmtraud Büttner-Hachmeister auf. Auch Beethoven-Töne fehlen nicht. Tatatataaa! Mit dem Pausenzeichen des BBC beschäftigt sich der Videofilm von Anna Sophie von Holleben. Beethoven und die Frauen in allen Facetten. Eine unendliche Geschichte. „Eleonore, Emile, Elise – Beethoven und die Frage nach den Frauen“, Anzeige 2.2.-8.11., Frauenmuseum Bonn www.frauenmuseum.de Weiterlesen: WELT

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