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Wohnen: Innenarchitekt und Psychologin beurteilen Wohnungen

Ein Naturkundler, ein grossgewachsener Versandhändler? Wen eine Psychologin und ein Innenarchitekt anhand der Bilder in diesen Räumen vermuten.

13.05.2021 20:00:00

Ein Naturkundler, ein grossgewachsener Versandhändler? Wen eine Psychologin und ein Innenarchitekt anhand der Bilder in diesen Räumen vermuten. Aus dem aktuellen nzzfolio.

Ein Naturkundler, ein grossgewachsener Versandhändler? Wen eine Psychologin und ein Innenarchitekt anhand der Bilder in diesen Räumen vermuten.

Die Psychologin Ingrid FeiglEin Daheim zum Wohnen und Arbeiten, ein Forschungslabor und eine integrierte Katzenwohnung – mindestens zwei Wesen wohnen hier. Der Bewohner hat seiner Katze eine üppige Behausung neben das Sofa gestellt, umsichtig vor den Heizungsradiator, das Büsi mag’s warm. Der Katzenturm mutet wie überdimensionierte Zwirnspulen aus einer Industriehalle an. Das passt, da der Bewohner eine ausgeprägte handwerkliche Ader hat. Seine «Experimentierstation» hat er im Schlafzimmer grad vor dem Bett installiert, die Nachtruhe stört das vermutlich nicht.

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Was in diesem Glaskasten auf dem Tisch wirklich passiert, wozu er dient und was sich darin tummelt, erschliesst sich nicht so einfach. Ist das eine Art Insektentank, Keimstätte für Samen oder ein privater Hors-sol-Garten? Ein Heissluftföhn und ein Vakuumiergerät gehören zum Equipment dazu, vielleicht werden da biologische Proben verpackt?

Allzeit bereit, müssen die Forschungsobjekte auch nachts beäugt und betreut werden. Work-Life-Balance scheint aber kein Problem zu sein: Privates und Arbeit sind nicht strikt getrennt. Ob es Hobby oder Beruf ist?Der Bewohner lebt ordentlich, bescheiden und genügsam. Im inzwischen etwas verblichenen Sofa sitzt es sich gut, der Couchtisch ist praktisch, um Fachbücher darauf auszubreiten, das Bücherregal über dem Sofa ist vermutlich eine Eigenkreation. Die Bibliothek macht einen sortierten Eindruck, gekrönt von einer kleinen indischen Gottfigur. Macht er Forschungsexpeditionen in östliche Länder, hat er dort berufliche Aufgaben als Biologe, Naturkundler, Heilpraktiker, der sich für seltene Pflanzen oder Insekten interessiert? headtopics.com

Erfahrung auf seinem Gebiet hat er wohl schon viele Jahre, er ist nicht mehr der Jüngste und gehört noch zur Generation, die sich einen Duden ins Bücherregal stellt. Sein Lebensstil ist ohne Schnickschnack. Das Bad, ein XL-hoher Schlauchraum, ist eine perfekt ausgestattete Reinigungsstätte für einen aufrechten Mann. Ziemlich gross muss er gewachsen sein, an dem hochgehängten Spiegel käme Frau nicht mal mit dem Schemel ran. Liebevoll hängt hier ein schönes, altertümliches Leinenhandtuch. Auf dem Kleiderschrank im Schlafzimmer lagern diverse Caquelons, vielleicht versammelt er hin und wieder die Verwandtschaft zur geselligen Fondue-Runde? Wohnen tut er aber gerne allein mit seiner Katzendame.

Der Innenarchitekt Jörg BonerBekommt man hier einen Einblick in neue Arbeitsformen? Gibt es zu diesen Räumen noch einen Online-Shop dazu? Und was wird wohl mit der Folie im Schlafzimmer verpackt?Es scheint, als ob sich hier so etwas wie die Weiterentwicklung eines Homeoffice zeigt: zu Hause arbeiten, Handelsware verpacken und in die Welt versenden. Und das alles ohne Arbeitgeber. Was genau verpackt wird, erschliesst sich nicht. Vielleicht sind es Tiere aus eigener Zucht. Aber die könnten ja unter der transparenten Folie nicht mehr atmen.

Hier wohnt und arbeitet ein Mann allein. Er verpackt und versendet und verdient damit sein Einkommen. Ob sein Wohnort zum Arbeitsort wurde oder sein Arbeitsort nebenbei auch noch als Wohnung dient, lässt sich nicht so genau sagen.Das Bad jedenfalls gleicht eher einem Labor in der Wildnis als einer Wellnessoase in einer teuren Zürcher Penthouse-Wohnung. Die Räume befinden sich wohl in der Agglomeration des Mittellandes. Grün ist hier drin nicht nur das Sofa und der Wandkalender. In diesem Haushalt dreht sich einiges um Natur, Landschaft und Tiere. Der Katzenbaum im Wohnzimmer und das Terrarium im Schlafzimmer sind nur der eine Teil der Geschichte. Diese Behälter und Ablagen dienen den domestizierten Tieren. Dem Bewohner scheint es aber um mehr zu gehen: um die heimische Fauna und Flora. Die Landschaft und die Natur sind bedeutend für ihn.

Das Regal neben der Türe hat er wohl selbst geschreinert. Wie ein moderner Neubau im Garten hängt es unvermittelt neben einem türlosen Bauernschrank. Der Heizkörper, die Tür, das Regal und der Schrank reihen sich wie vier Solitäre auf. Sie bilden das Panorama hinter dem Sofa, dem Katzenbaum und dem Abfallsack, der so gross geraten ist, dass man ihn zwei Wochen lang nie entsorgen muss. headtopics.com

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Das Sofa hat kein Geringerer als Le Corbusier gezeichnet. Es hat inzwischen etwas Patina erhalten, die Füllung der Kissen gehorcht der Schwerkraft. Der Grandezza des Stücks tut das keinen Abbruch. Breit und selbstbewusst steht es da, wie wenn es grad in einem der vielen Wohnheftchen posieren müsste.

Das weisse Salontischchen auf dem roten Teppich und das Fischgratparkett bilden den Vordergrund der Szenerie. Trotz der Klasse einzelner Stücke würde hier wohl kaum die Redaktion einer Zeitschrift, die sich dem schöneren Wohnen widmet, klingeln und die nächste Homestory schreiben wollen.

Dieses Wohnzimmer gleicht eher einer raffiniert gestalteten Theaterbühne. Keinem Innenarchitekten würde eine solche Inszenierung gelingen. Aber mancher Marthaler würde diese Wohnung als sein Vorbild wählen. Wer hier drin wohl spielen wird?

Die Auflösung: Marc de Roche, 77, Raupenzüchter«Solange ich es in den 2. Stock schaffe, bleibe ich mit Kater El Niño hier wohnen, ein Katzenherr, umgerechnet etwa gleich alt wie ich. Das Haus wurde kürzlich von einem Architekten gekauft, der es sanieren und mit seiner Familie einziehen wird. headtopics.com

Vielleicht ist die Wohnung ein bisschen zu gross für mich allein, seit meine Frau vor neun Jahren gestorben ist. Das Bad und die Küche sind auch nicht auf dem neusten Stand, aber das wird sich ja ändern. Meine Einrichtung ist harmonisch gewachsen, fast alles stammt noch aus der Hand meiner Frau. Das dreiplätzige Sofa von Le Corbusier erstand ich allerdings später. Es ist 210 Zentimeter lang. Und ich 178. Das geht bequem für ein Schläfchen zwischendurch, wenn nicht der Kater die Hälfte für sich beansprucht. El Niño schaffte es viele Jahre, vom Büchergestell auf seinen Turm hinüberzuspringen. Ich habe die Distanz stetig erweitert, das gefiel ihm.

Als ich vor über dreissig Jahren in diese Wohnung zog, nahm ich alle Vorurteile über Bern Bümpliz mit. Hier wohnt man nicht, hier kauft man kein Haus. Also kaufte ich auch nichts, sondern lebte als Mieter. Bümpliz hat einfach keine PR-Abteilung. Unweit vom Haus ist das Fellergut mit Hunderten von Wohnungen, vor einigen Jahren kam ein Studentenwohnheim dazu, eine Bereicherung für das Quartier. Vor meinem Fenster ist eine Durchgangsstrasse mit einer Buslinie, aber davon höre ich nichts. Ich vernehme nur das Gezwitscher der Vögel.

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Wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster schaue, könnte ich – sofern der Baum etwas gestutzt würde – direkt auf den Gurten blicken, wo ich 2002 meine erste Zuchtanlage hinstellte. Man kennt mich als Papa Papillon. Ich bin Lobbyist für Schmetterlinge. Früher hätte man das als das Hobby eines alten Mannes abgetan, heute werde ich angefragt, um bei Quartierplanungen für nachhaltiges Bauen meine Inputs einzubringen.

Ich gebe Kurse über Raupenzucht und lasse für Filme und an Hochzeiten Schmetterlinge fliegen. Ich mag den Begriff Artenvielfalt lieber als Biodiversität. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich mit meiner Leidenschaft zum Pionier würde.

Von Haus aus bin ich EDV-Spezialist. Erst als Angestellter, dann als Selbständiger. Die Affinität zu Technik kommt mir immer noch gelegen, in Facebook-Gruppen, aber auch, wenn ich mal per App einkaufe. Ich habe drei erwachsene Kinder und vier Enkel, die ich regelmässig sehe und auch bekoche. Es gibt Fondue oder Raclette oder Apfelkuchen.

Während der Pandemie begann ich Zimtfalter zu backen, bis es zu viele wurden und ich den Auftrag einem Bio-Bäcker übergab. Darum all die blauen Schachteln hier im Haus und die Schrumpfmaschine im Schlafzimmer, um die Zimtfalter, vor allem aber meine Schmetterlingsbroschüren, verkaufsgerecht einzupacken. Ja, die Experten haben mich durchschaut: Privates und Arbeit, da gibt es keine echten Grenzen. Wenn ich etwas anpacke, kommt irgendwann der «Point of no return», dann ziehe ich es durch.

Das Aufziehen von Raupen begann hier im Vorgarten. Die Brennnesseln vor dem Haus trugen keine Raupeneier, die hinter dem Haus aber schon, das machte mich stutzig. Ich begann zu recherchieren, an Waldrändern nach Eiern zu suchen und sie hinter dem Haus in Schutz zu bringen. Zuerst kamen nur Kinder aus der Umgebung vorbei, um sich die Tiere anzuschauen, später Lehrer mit ihrer Schulklasse. Irgendwann wurde es meiner Frau zu viel, wir seien doch kein Wallfahrtsort, sagte sie, ich solle meine Zuchtanlagen woandershin verlegen. Sie hatte ja recht.

Zuchtanlage tönt jetzt spektakulärer, als es ist. Für die Aufzucht von Schwalbenschwanz-Raupen genügt ein Topf Fenchel in einem Netzbehälter, einem sogenannten Aerarium. Das im Schlafzimmer? Das ist meine Experimentierstation, in der jeweils frühmorgens die Schmetterlinge schlüpfen. Da will und muss ich natürlich mit dabei sein.

Früher züchteten nur Entomologen Raupen, um an ihre Präparate zu kommen. Ich besitze keine Präparate. Ich lasse die Tiere nach dem Schlüpfen fliegen. Mir genügen ein Mikroskop und ein Kühlschrank im Keller, in dem die Puppen von Totenkopf- und Kiefernschwärmern und meinem Lieblingsschmetterling, dem Isabellaspinner, überwintern. Der Isabellaspinner kommt vor allem in den Pyrenäen vor. Ihn dort aufzuspüren ist ein Traum von mir. Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt, ebenso wichtig sind mir Pläne für die Zukunft. Dafür wohne ich ideal, nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Bümpliz Nord entfernt.»

Marc de Roche vor seiner Wohnung in Bern. Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

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