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Hollywood, Das Drama Der Amerikanischen Filmindustrie: Wo Steht Hollywood Nach Vier Jahren Trump?

Wo steht Hollywood nach vier Jahren Trump?

Die Pandemie traf sie hart, die Politik gibt ihr den Rest: Nach vier Jahren der Präsidentschaft Trumps deutet vieles darauf hin, dass die amerikanische Filmindustrie von der Rolle ist.

21.01.2021 20:30:00

Die Pandemie traf Hollywood hart, die Politik gibt ihr den Rest: Nach vier Jahren der Präsidentschaft Trumps deutet vieles darauf hin, dass die amerikanische Filmindustrie von der Rolle ist. Ein Beitrag von NZZfeuilleton.

Die Pandemie traf sie hart, die Politik gibt ihr den Rest: Nach vier Jahren der Präsidentschaft Trumps deutet vieles darauf hin, dass die amerikanische Filmindustrie von der Rolle ist.

TeilenDie Verschiebung Oscar-Verleihung ist der Pandemie geschuldet, doch auch sonst glänzt manches in Hollywood weniger als auch schon.UPI / ImagoAuch so mancher Drehbuchautor in Hollywood hat gestaunt an diesem 6. Januar: Da zerbreche man sich ständig den Kopf darüber, wie sich Einbrüche in Regierungsgebäude realistisch darstellen liessen, schrieb ein Autor auf Twitter. «Und dann stellt sich heraus: Diese Leute stossen sich einfach so zur Türe rein.»

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Ja, der Sturm aufs Capitol war wieder so ein Moment aus der Trump-Zeit, die nun definitiv vorüber ist: Da zeigte die Realität der Fiktion, was drinliegt, man schlug vor dem Bildschirm die Hände über dem Kopf zusammen und wähnte sich in einem schiefen Actionfilm. Wie will Hollywood nur diesen gesammelten Irrsinn aus den vergangenen vier Jahren verarbeiten? Daran können sich nun die Drehbuchautoren abarbeiten.

Meryl Streeps WarnungDarüber hinaus stellt sich aber die Frage: Wo steht eigentlich die amerikanische Filmindustrie nach der Präsidentschaft Trumps? Vor vier Jahren versetzte dessen Wahlsieg nicht nur den halben Planeten in Panik, er brachte auch Hollywood in Wallung. Man sorgte sich, der neue Mann im Oval Office könnte der demokratisch dominierten Branche besonders zürnen. «Wir alle in diesem Raum gehören jetzt zum am meisten geschmähten Segment der amerikanischen Gesellschaft», sagte Meryl Streep bei den Golden Globes 2017. headtopics.com

Es gehe die «Hollywood-Angst» um, stellte CNN fest. Aber was steckte genau dahinter? Fürchtete das linke Hollywood um seine Pfründe und dachte, dass jetzt nur noch Stoffe mit Rechtsdrall umgesetzt würden wie Clint Eastwoods «American Sniper» (2014)? Dieser Film hatte als einer der überraschendsten Hits jenes Jahrzehnts bewiesen, dass auch Konservative Kinotickets kaufen.

Fürchtete man das gekränkte Ego dieses Präsidenten, der davon geträumt hatte, ein Hollywood-Player zu sein, aber an der Westküste nie für voll genommen wurde? Schon als junger Mann hatte Trump gemäss eigenem Bekunden mit dem Gedanken gespielt, an der University of Southern California Film zu studieren. Und in einem Interview mit dem «Playboy» 1990 verriet er seine Bewunderung für die Studiomogule und die Revueshow-Produzenten der alten Tage: «Ich habe immer gedacht, dass Louis B. Mayer das ultimative Leben geführt hat, dass Flo Ziegfeld das ultimative Leben geführt hat. (. . .) Der ultimative Job für mich wäre es gewesen, MGM in den dreissiger und vierziger Jahren zu führen.»

Trump lebte in der falschen Zeit und machte etwas mit Immobilien. Wie aber würde seine Präsidentschaft die Filmindustrie verändern? Das fragte Anfang 2017 auch das Magazin «The Wrap» und zitierte in der Überschrift einen besorgten Branchenvertreter: «Vielleicht drehen wir in Kanada.»

Die wenigsten drehten in Kanada, so viel ist sicher. Doch in welcher Verfassung ist die Industrie nun?Die Verfassung ist schlecht, eine mittlere Katastrophe, klar. Das hat zuvorderst, natürlich, mit der Pandemie zu tun. Man hat es mitbekommen: Beim Film ist nach 2020 nichts mehr, wie es war. Drehs mussten abgebrochen, Kinos reihenweise geschlossen werden, und Filmstarts sahen sich aufgeschoben oder ins Heimkino verdonnert. Jetzt wird viel über veränderte Lieferketten gesprochen, also darüber, dass Filme fortan mehr oder weniger gleichzeitig bei den (übrig gebliebenen) Kinos und in der guten Stube eintreffen. Aber das sind pandemiebedingte Strategieanpassungen, die in der Zeit nach der Corona-Krise Bestand haben mögen oder auch nicht. Ob die Menschen nach der Pandemie weniger oder sogar mehr Lust auf Kino haben als vorher – man wird es sehen. Bemerkenswerter sind die handfesten systemischen Veränderungen, die unter Trump vonstattengingen. Denn tatsächlich hat diese Präsidentschaft Hollywood in seinen Grundfesten verändert. headtopics.com

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Das begann mit der laxen Haltung der Kartellwächter, die es dem Disney-Konzern ermöglichten, in der vielleicht grössten Medienübernahme der Geschichte das Unterhaltungsgeschäft von 21st Century Fox zu schlucken. Der Deal über gut 71 Milliarden US-Dollar wird die Marktführerschaft des Mickey-Mouse-Riesen, der mit Marvel und «Star Wars» schon die lukrativsten Filmfranchises der Welt hält, weiter ausbauen. «The Disney Death Star has finally arrived», schrieb «The Atlantic».

Ist Disney der Todesstern am Hollywoodhimmel? Oder ist das eher China? In den letzten zehn Jahren hatte sich die Branche vermehrt Fernost zugewandt. Denn der Heimmarkt zeigt sich zusehends gesättigt, während in China, wie man sich ausrechnen kann, bald mehr Menschen in die Kinos gehen als sonst wo. Aber um dieses Publikum zu erreichen, musste man erst die strengen Importgesetze des Landes ritzen. Also suchte man in Hollywood die Kooperation mit chinesischen Investoren, besetzte Filme grosszügig mit chinesischen Schauspielern, drehte, wenn’s sein musste, sogar in China – und vor allem: Man vermied alles, was der Kommunistischen Partei aufstossen könnte.

Vor China gebuckeltVor zehn Jahren fing Hollywood an, vor China zu buckeln: Bei einem Actionfilm, «Red Dawn» (2012), wurden chinesische Bösewichte mittels digitaler Retuschen nachträglich in nordkoreanische verwandelt. Für den Superheldenfilm «Iron Man 3» (2013) hat man eigens eine chinesische Fassung erstellt, mit zusätzlichen Szenen und chinesischen Schauspielern – und mit Schleichwerbung für die Produkte einer innermongolischen Grossmolkerei.

Von Grund auf chinafreundlich war Alfonso Cuaróns «Gravity» (2013): In diesem Weltraumabenteuer treibt Sandra Bullock als einsame Astronautin durchs All und rettet sich am Ende in eine chinesische Raumstation. Im Reich der Mitte spielte der Blockbuster über 70 Millionen US-Dollar ein. Koproduziert hatte ihn die Firma Dune Entertainment, die später auch bei anderen China-Hits wie «Wonder Woman» (2017) und «Ready Player One» (2018) mitmischte. Aber zu dem Zeitpunkt hatte sich der Gründer von Dune Entertainment, Steven Mnuchin, schon neuen Aufgaben zugewandt: Er sah sich 2017 von Donald Trump als Finanzminister in dessen Kabinett berufen. headtopics.com

Trump holte Mnuchin aber nicht etwa als China-Versteher. Trump buckelte nicht, er überzog China vielmehr mit Strafzöllen und brach einen Handelskrieg vom Zaun. Und von der Filmindustrie erwartete er, dass sie spurte. Der damalige Justizminister William Barr beklagte noch im Juli 2020 den «Kotau» Hollywoods vor der Kommunistischen Partei, Aussenminister Mike Pompeo sprach im selben Monat von Selbstzensur im «Epizentrum der kreativen Freiheit». Steven Mnuchin äusserte sich nicht weiter. Das Geschirr sei ohnehin zerschlagen, mag er sich gedacht haben.

«Es ist, als stürze ein blinder, betrunkener Stier in einen Porzellanladen», sagte Rob Cain, von NBC auf die filmpolitischen Implikationen der Verwerfungen angesprochen. Der Produzent und Gründer der Branchenplattform «ChinaFilmBiz.com» sieht kaum mehr Hoffnung für Hollywoods China-Träume. «Die Dinge waren schon vorher sehr heikel und angespannt», sagte er. «Der Konsens ist, dass dies katastrophal ist für Hollywood.»

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Und das grösste Drama steht vielleicht erst bevor.Studioboss in spe?Donald Trump, wir erinnern uns, wäre gerne ein Studioboss in den dreissiger und vierziger Jahren gewesen. Im Golden Age of Hollywood also, als die grossen Studios wie die Mafia regierten. Sie kontrollierten damals alles. Sie hielten sich die Stars mit Knebelverträgen, ketteten die Drehbuchautoren und Regisseure an sich, und vor allem: Sie brachten ihre Filme im Eigenvertrieb in die Kinos – in die Kinos, die ihnen gehörten und nur ihre eigenen Filme spielten. 1948 war Schluss damit. Im sogenannten Paramount-Case urteilte das Oberste Gericht, dass sich die Studios von den Kinoketten zu trennen hätten. Das Ende des Studiosystems war damit eingeleitet.

Und jetzt: Kommt dessen Revival? Trump, vom Deregulierungsvirus befallen, setzte sein Justizministerium darauf an, das siebzig Jahre alte Urteil zu kippen. Ein Gericht gab dem Begehren im vergangenen Jahr statt. Nach einer zweijährigen Übergangsphase dürfen sich die Studios dann wieder nehmen, was sie können. Kaufen also demnächst Disney, Warner oder Universal wie verrückt Kinoketten auf? Oder übernehmen am Ende noch Netflix und Amazon die Filmtheater, um so auch die Leute zu erreichen, die sich für kein Streaming-Abo gewinnen lassen? Und wo wird Trump dann sein? Thront er als mächtiger Studioboss über Hollywood?

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Realität der Fiktion zeigte, was drinliegt.5 Kommentarevor etwa 10 Stunden16 EmpfehlungenIn Jean Calvins Genf, in Savonarolas Florenz, im Afghanistan der Taliban oder im IS-Staat waren öffentliche Hinrichtungen das einzige Unterhaltungsprogramm für die breite Masse. Fussball, Kino/Theater, Musik, Tanz oder derbe Witze sind eskapistisch und somit streng verboten. Zwar ist das Unterhaltungsangebot im Westen noch eine Spur besser, aber die "Social Justice Warriors" wüten immer lauter im Netz und verdammen immer mehr Formen der Unterhaltung. Ihre Wut richtet sich schon lange nicht mehr gegen Rechtsextreme und Rassisten - es können auch tadellose Zeitgenossen wie J.K. Rowling, Martin Sonneborn, Victor Giaccobbo usw usf. sein, die bei einem Anflug gesunden Menschenverstandes oder einem Witz für die Allgemeinheit zur Schnecke gemacht werden. Diese Verengung des Möglichen und der Zwang zu politischer Korrektheit zerstört letztlich jede Form von Kunst. Darum dürfte Ricky Gervais sehenswerte Golden-Globes-Moderation 2020 die letzte witzige Moderation seiner Art gewesen sein. Witz - oder Lebensfreude - sind der Erzfeind der neurotischen SJWs - sie lenken ab von all' dem Elend dieser Welt. Immer mehr Filme sollen einem Code gerecht werden, den Leute entwickeln, die komplett lebensunfähig und hasserfüllt sind - und man merkt es den Filmen an. Wenn Hollywood bei diesen Leuten punkten will, sollte es sich an Amaq - dem Filmproduzenten des IS - orientieren. DAS ist die politisch korrekte Zukunft der Unterhaltung. Dass damit Hollywood untergehen wird, ist aber logisch.

16 Empfehlungenvor etwa 4 Stunden3 EmpfehlungenDie Hollywood-woken Produzenten, Schauspieler|innen und Geldgeber sollten sich vielleicht mal klarmachen, dass auch und insbesondere die verachteten deplorables ihr Geld für Kinokarten, Netzwerkabos, Streamingdienste ausgeben sollen. Wenn es für die keine Angebote, für die sich interessieren, mehr gibt, dann geht auch für Hollywood das Licht aus.

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feuilleton feuilleton ..einfach spannend, wo der gute mann überall schuld ist. Gibt wohl keine ecke, wo man ihm nix anhängen will... sind wir gespannt auf den Nächsten🙃 feuilleton Der Trump-Wahn ist noch nicht vorüber. Lasst ihn doch in Florida golfen gehen, seine Maske ablegen oder was auch immer 🤪 feuilleton Endlich! Sowieso keine Qualität mehr gehabt! Die Veramerikanisierung wird hoffentlich auch hierzulande ein Ende haben!

feuilleton Einem Ende Hollywoods kann ich durchaus positives abgewinnen. Wozu eine 'Traumfabrik', wenn jeder Mensch selbst träumen kann?