«Wir versuchen, inhaltlich keine Abstriche machen zu müssen»

Wie Roland Mägerle, Abteilungsleiter SRF Sport, die Sparmassnahmen umsetzt und rechtfertigt.

16.02.2020 23:00:00

«Wir versuchen generell, den Produktionsstandard so anzupassen, dass wir inhaltlich keine Abstriche machen müssen. Möglich macht das der technische Fortschritt.» (Abo+)

Wie Roland Mägerle, Abteilungsleiter SRF Sport, die Sparmassnahmen umsetzt und rechtfertigt.

Sport muss 2020 etwa eine Million sparen. Wie geht das?Grundsätzlich sparen wir nicht an dem, was wir machen, sondern wie wir es machen. Wir fokussieren uns darauf, den Produktionsaufwand der Sendungen zu reduzieren. Die Vielfalt, die vom Publikum sehr geschätzt wird, versuchen wir aufrechtzuerhalten.

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Viele sind überrascht, dass auch imTennisgespart wird, obwohl doch Federer dem Karriereende entgegengeht. Das US Open könnte sein letztes Majorturnier sein.Heinz Günthardt und Stefan Bürer werden wie gewohnt alle Spiele kommentieren, aber eben aus Zürich statt aus New York. Das ist kein neues System, wir mussten es aber etwas ausweiten. Auch die Masters-Turniere wurden zuletzt aus Zürich kommentiert. Wir legen einen besonderen Fokus auf die Grand Slams. Am French Open und in Wimbledon werden sie weiterhin vor Ort sein. Es ist wichtig, dass sie nach wie vor den Kontakt haben. Aber wenn man so oft dabei ist wie sie, ist es problemlos tragbar, dass sie einmal aus dem Studio kommentieren. Die Zuschauerinnen und Zuschauer merken davon gar nichts.

Tatsächlich? Spürt das Publikum keinen Unterschied, ob sie in New York sind oder in einem Zürcher Studio?Wenn du nur immer so kommentieren würdest, wäre das sicher ein Unterschied. Wenn du aber so viel Erfahrung hast wie dieses Duo, das ja eben ein 25-Jahr-Jubiläum feierte und die ganze Ära von Federer abdeckte, merkt man keinen Unterschied. Sie können Recherchetelefone machen, und dazu haben wir an jedem Turnier jemanden, der uns Stimmen und Zusatzgeschichten liefert.

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Diese hat er auch. Seit 2001 zeigten wir rund 700 Federer-Spiele live. Er ist ein solcher Ausnahmeathlet, da müssen wir einfach möglichst viele Spiele live haben. Das Tennis ist sehr komplex im Bereich der Rechte, aber wir haben uns stets um sie bemüht, und bisher hat das auch geklappt. Es gibt keinen anderen Sportler, bei dem wir live so intensiv dabei sind. Aber auch im Tennis müssen wir die Ressourcen so einsetzen, dass das Publikum einen möglichst grossen Mehrwert hat. Und das Publikum will die Spiele sehen.

Wie begründen Sie, dass Günthardt auch andere Turniere, wie die Masters-Serie, nicht mehr kommentieren darf?Wie in anderen Sportarten auch wollen wir vor allem die Highlights mit Experten abdecken. Im Bereich der 500er- und 1000er-Turniere haben wir dieses Jahr auch noch ein wenig reduzieren müssen.

Unsere Mittel sind begrenzt. Wir wollen Günthardt dort einsetzen, wo er am meisten Mehrwert kreiert. Und das sind unbestritten die Grand Slams und auch die Swiss Indoors in Basel.Gibt es weitere Einsparungen im Bereich des Tennis?Nein, sofern wir die rechtliche Situation ausser Acht lassen. Wir wollen auch die Spiele der Masters-Serie zeigen, sind die Rechte aber noch am Verhandeln.

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Bemühen Sie sich auch um die Rechte des Laver-Cup, der von TV24 übertragen wurde?Die Verhandlungen laufen. Wir müssen uns ein Bild machen, wie es mit ihm weitergeht. Es war sicher sehr schade, dass wir ihn in den letzten drei Jahren nicht zeigen konnten. Ob wir dieses Jahr aus Boston übertragen, dazu kann ich momentan nichts sagen.

«Reportagewagen haben wir nur noch bei Premium-Produkten vor Ort, wie in Basel oder Wengen.»Roland Mägerle, Leiter SRF SportWie wird vergleichsweise in anderen Sportarten gespart?Zum Beispiel mit Remote-Produktionen, bei denen man mit der technischen Infrastruktur nicht am Veranstaltungsort ist, sondern im Studio in Zürich. Bei den Lauberhorn-Rennen hatten wir die Regie nicht mehr oben in Wengen, sondern unten in Lauterbrunnen, wo wir einfacher hinfahren konnten. Wir versuchen generell, den Produktionsstandard so anzupassen, dass wir inhaltlich keine Abstriche machen müssen. Möglich macht das der technische Fortschritt.

Sind weitere Remote-Produktionen geplant?Ja, in verschiedener Form. Da gibt es Produktionen wie von der Kunstturn-SM 2019, bei denen Regie, Schnitt und Kommentatoren in Zürich sitzen und die viel kostengünstiger sind, als wenn wir mit einem Reportagewagen vorfahren. Wir haben aber auch schon getestet, an einigen Anlässen die Regie komplett von Zürich aus arbeiten zu lassen und nur noch Kameraleute und Moderationsplattformen vor Ort zu haben, etwa an der nordischen Ski-WM 2015 in Falun, bei Olympia 2016 in Rio und 2018 in Pyeongchang.

Wie sieht es im Ski alpin aus?Für den Ski-Weltcup benutzen wir praktisch nur noch Kameras mit SIM-Karten, die drahtlos übermitteln können, im Jargon LiveU genannt. Das ist eine technisch ausgereifte Lösung, bei der man keinen Unterschied mehr merkt. Reportagewagen haben wir nur noch bei Premium-Produkten vor Ort, wie in Basel oder Wengen.

Wie beurteilen Sie die Lage des Sportfernsehens angesichts des Spardrucks und des Rückgangs der Werbegelder und Zuschauerquoten?Im Sport haben wir den Vorteil, dass der Livebereich für das Fernsehen noch länger eine grosse Bedeutung haben wird. Und in der SRF-Sport-App bilden wir ohnehin unser komplettes Sportprogramm ab, und hier steigen die Zahlen. Die Reichweite im TV nimmt tendenziell ab. Trotzdem haben wir kürzlich mit der Lauberhorn-Abfahrt die Grenze von einer Million wieder einmal geknackt. Wichtig ist, dass die Schweizer gut unterwegs sind.

Immer populärer wird bei den Jugendlichen der E-Sport. Wird er auch fernsehmässig künftig mehr Platz einnehmen?Wir berichten schon seit 2017 teilweise live darüber. Dieses Jahr sind bis zu vier E-Sport-Finals im Fussball geplant. Wir verfolgen das aufmerksam. Das ist ein spannendes Feld mit einer ganz anderen Zielgruppe, und es funktioniert ziemlich gut. ­Allerdings zeigen wir nur Games, die sportliche Inhalte abbilden – wie Formel 1, Fussball oder die Rocket League, in der Autos Fussball spielen.

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