Napoleon, Am Anfang War Napoleon Bonaparte – Was Die Mehrsprachige Schweiz Dem Französischen Herrscher Verdank, Schweiz, Nachrichten

Napoleon, Am Anfang War Napoleon Bonaparte – Was Die Mehrsprachige Schweiz Dem Französischen Herrscher Verdank

Was die mehrsprachige Schweiz Napoleon Bonaparte verdankt

Vor 200 Jahren verstarb Napoleon Bonaparte. Er spielte für die Wahrung des Sprachengleichgewichts des Bundesstaats eine zentrale Rolle.

11.05.2021 21:00:00

Vor 200 Jahren verstarb Napoleon Bonaparte. Der Mehrsprachenstaat Schweiz hat der früher so geschmähten «Franzosenzeit» von 1798 bis 1815 viel zu verdanken. Ein Beitrag von NZZ Schweiz .

Vor 200 Jahren verstarb Napoleon Bonaparte. Er spielte für die Wahrung des Sprachengleichgewichts des Bundesstaats eine zentrale Rolle.

Hulton / Getty«Am Anfang war Napoleon.» Die steile These, die der grosse Thomas Nipperdey an den Anfang seiner «Deutschen Geschichte» setzte, könnte – mutatis mutandis und mit der bei einem Journalisten fast unvermeidlichen Zuspitzung – auch auf die Schweiz übertragen werden. Nicht, dass die Eidgenossenschaft erst mit Napoleon begonnen hätte; selbst die viersprachige Schweiz zeichnete sich in Ansätzen bereits im 16. Jahrhundert ab.

Anonymous kam, sah und löschte die «Querdenker» aus dem Netz Regenbogendebatte - Ungarns Ministerpräsident Orban sagt Reise nach München ab Avi Loeb: Flog intelligentes Leben durch unser Sonnensystem?

Und dennoch hat der Mehrsprachenstaat Schweiz der früher so geschmähten «Franzosenzeit» von 1798 bis 1815 viel zu verdanken. Erst in dieser Periode ist die Schweiz zu einem Land geworden, in dem mehrere Sprachengruppen gleichberechtigt vereint sind. Mit der Gründung des eidgenössischen Bundesstaates 1848 wurde der moderne Mehrsprachenstaat Schweiz endgültig verankert. Aber dieser Bundesstaat konnte auf den Erfahrungen aufbauen, die in der napoleonischen Epoche gemacht worden waren.

Von der deutschen zur mehrsprachigen SchweizWann ist eigentlich die mehrsprachige Schweiz entstanden? Eine genaue Antwort fällt nicht leicht, eines steht aber fest: Zu Beginn war die Eidgenossenschaft eine durch und durch deutschschweizerische Veranstaltung. Doch recht früh überschritt dieser Bund die Sprachgrenzen. Schon im 15. Jahrhundert brachen die Innerschweizer, im Bestreben, die Gotthardachse zu kontrollieren, nach Süden auf, schlossen Bündnisse mit den Landleuten in der italienischsprachigen Leventina und liessen sich zu deren Schirmherren küren. Damit bekam die Deutschschweizer Suppe eine gute Prise italienischer Gewürzmischung eingerührt. headtopics.com

Die Eidgenossen begannen auch früh – vor allem nach dem Beitritt Berns zum Bund –, Richtung Westen in welsches, will sagen: in galloromanisches Gebiet vorzudringen (von «französischem Sprachgebiet» zu sprechen, wäre insofern etwas irreführend, als die Bewohner der Romandie damals galloromanische Dialekte und noch nicht französisch sprachen).

Die Republik Bern drängte in den Genferseeraum. Eine Gelegenheit ergab sich im Krieg gegen den Herzog von Burgund, bei dem sich die Berner mit der zweisprachigen Stadt Freiburg zusammenschlossen. Prompt wurde Freiburg 1481 nach den Burgunderkriegen zusammen mit Solothurn in den Bund aufgenommen. Mit dem Beitritt Freiburgs wurde die Eidgenossenschaft erstmals um einen Ort erweitert, der zumindest teilweise galloromanischer Kultur war.

Mit der Herrschaft Orbe-Echallens, die zur gemeinsamen Vogtei Berns und Freiburgs wurde, wie auch mit der von Bern geschnappten Herrschaft Aigle im unteren Rhonetal wurden weitere romanischsprachige Gebiete in eidgenössisches Territorium eingegliedert. Und weil sich die Eidgenossenschaft zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch mit den Drei Bünden in Rätien verbandelte, gehörten nun auch rätoromanische und italienischbündnerische Gemeinden zur eidgenössischen Einflusssphäre.

Allerdings konnte von einem Mehrsprachenstaat damals keine Rede sein. Erstens war die Schweiz bis 1798 alles andere als ein Staat, sondern ein Staatenbund, oder besser noch: ein Staatenbündel, also ein lockerer Zusammenschluss von weitgehend autonomen Landschaften und Städten. Eine zentrale Regierung mit Verwaltung gab es nicht, und eine gemeinsame Verteidigungspolitik entstand, wie in der Armee-Geschichte von Rudolf Jaun dargelegt wird, ab dem 17. Jahrhundert erst in Ansätzen. Für ein Minimum an zentraler Steuerung sorgte eine jährliche Tagsatzung, bei der die Abgeordneten der Orte und der Zugewandten zusammentraten. headtopics.com

Nach Auslieferungsurteil an die USA - Antivirus-Pionier McAfee tot in spanischem Gefängnis entdeckt In diesen Kantonen sind die Impfgegner zu Hause WTA-Rasenturnier in Eastbourne - Golubic und Bencic starten locker – jetzt gibt's das Direktduell

Zweitens waren die Sprachen alles andere als gleichberechtigt. Von den dreizehn Orten, die bis 1798 die Alte Eidgenossenschaft bildeten, besass nur einer – Freiburg – ein mehrsprachiges Kernland. Die Urschweizer Kantone mit ihren italienischsprachigen Vogteien konnten kaum als mehrsprachig gelten; dasselbe gilt auch für Bern mit seinen waadtländischen Untertanengebieten, obwohl sich die bernische Oberschicht in der Neuzeit immer mehr nach Frankreich orientierte.

1798 als WendepunktDies alles änderte sich nach der Französischen Revolution. Nachdem der 28-jährige General Napoleon Bonaparte im Auftrag der französischen Regierung (Directoire) 1796/97 in einem kühnen Feldzug Oberitalien erobert hatte und die Cisalpinische Republik gegründet worden war, bekamen die fortschrittlichen Kräfte in der Schweiz Mut.

Es kam allenthalben, vor allem in den Untertanengebieten und in den benachteiligten ländlichen Gebieten, zu Aufständen. Freiheitsbäume wurde gepflanzt und Bankette veranstaltet, in denen Liberté und Égalité gefordert wurden. Und im April 1798 wurde in Aarau die «eine und untheilbare» Helvetische Republik gegründet. Die Innerschweiz leistete den Franzosen noch einige Monate Widerstand, doch dann war auch der gebrochen. Die Schweiz war unter französische Herrschaft geraten.

Viele Bürger und Soldaten begrüssten es, dass durch Napoleon die alten Herrschaftsverhältnisse ins Wanken gerieten. Symbol dafür ist der Tanz um den Freiheitsbaum.Photopress-Archiv / KeystoneDie Helvetische Republik, die gleichsam auf französischen Bajonetten gebaut war, räumte mit den alten Strukturen auf. Die Untertanenverhältnisse wurden abgeschafft. Die Schweizer Männer wurden zu gleichberechtigten Citoyens. Der alte Staatenbund wurde in einen Zentralstaat nach französischem Modell umgewandelt. Das Land wurde in «Cantone» aufgeteilt, die aber nicht mehr waren als Verwaltungseinheiten. headtopics.com

An der Spitze des Zentralstaats standen ein Direktorium und ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament. Die Kantone wurden von Statthaltern und Präfekten verwaltet. «Obwohl diese zentralistische Verwaltungsweise als unschweizerisch galt, existieren der Waadtländer Préfet und die Statthalter in Bern, Zürich und anderen Kantonen bis heute weiter», notiert der Historiker Thomas Maissen («Geschichte der Schweiz», 2010). Besonders pikant ist, dass die Schweiz dabei Frankreich vorausging: Dieses übernahm das Präfektsystem erst 1800.

Vorbildliche SprachenpolitikObwohl die Helvetische Republik bis heute als französische Importware gilt und nach wie vor einen eher schlechten Ruf hat, war ihre Sprachenpolitik fortschrittlich. Schon im April 1798 wurde bestimmt, dass das Amtsblatt auf Deutsch und auf Französisch erscheine (da das Tessin und Graubünden noch nicht dazugehörten, musste man sich um das Italienische und das Rätoromanische nicht kümmern).

2:2 an der EM gegen Frankreich - Doppelter «Penaldo»: Portugal löst Achtelfinal-Ticket Sekte in Graubünden: Als Jesus 1918 am Malojapass erschien Letzter Sieg vor 30 Jahren - Die Schweiz trifft im EM-Achtelfinal auf Weltmeister Frankreich

Der helvetische Erziehungsminister Philipp Albert Stapfer lancierte ein ambitiöses Bildungsprogramm, das besonderen Wert auf die Pflege der Mehrsprachigkeit legte. Unter anderem war die Gründung einer Landesuniversität vorgesehen, um eine nationale und polyglotte Elite zu fördern. Auch an die Einführung von Immersionsunterricht wurde gedacht.

Allerdings blieb der Helvetischen Republik nicht die Zeit, die schönen Vorsätze auszuführen. Sie versank bald in einem Chaos, ausgelöst von permanenten Kämpfen zwischen Unitariern und Föderalisten. Im April 1800 wurde das helvetische Direktorium gestürzt. Schliesslich mussten die helvetischen Behörden nach Lausanne flüchten und endlich ganz abdanken.

Die Hinterlassenschaft der MediationszeitNapoleon Bonaparte, der sich im Dezember 1799 in einem Staatsstreich zum Ersten Konsul und damit faktisch zum Alleinherrscher Frankreichs gemacht hatte, griff nun direkt ins schweizerische Geschehen ein. Mit einer Militärintervention beendete er die helvetische Selbstzerfleischung. «Ich werde Euer Schlichter sein», liess er die Eidgenossen wissen, und berief eine Delegation von Schweizer Prominenten nach Paris ein, um über eine Neuordnung der Eidgenossenschaft zu beraten.

Zu beraten gab es allerdings nicht viel, denn der Premier Consul hatte seine klaren Vorstellungen. Er wollte die Schweiz wieder zu einem lockeren Staatenbund machen, weil nur dies, wie er erklärte, dem «génie» der Schweiz entspreche. Im Februar 1803 erliess er die Mediationsakte. Die Schweiz wurde wieder zu einem Bund von weitgehend souveränen Kantonen. Es gab wieder eine Tagsatzung, bei der alle Kantone vertreten waren. Innovativ war allerdings, dass die sechs bevölkerungsreichsten Kantone zwei statt nur eine Stimme bekamen.

Entscheidend war aber, dass die 19 Kantone gleichberechtigt waren und die alten Untertanenverhältnisse nicht mehr wiederhergestellt wurden. Mit den Mediationsakten wurden die Kantone Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt und Graubünden gegründet (Neuenburg, Wallis und Genf sollten als Kantone 1815 hinzustossen, der Kanton Jura im Jahr 1979).

Mit dieser kantonalen Struktur wurde auch ein wesentlicher Beitrag zum Sprachenfrieden geleistet, denn die Romands in Freiburg und in der Waadt, später auch in Genf, Neuenburg und im Wallis, bilden auf kantonaler Ebene die Mehrheit, wie auch die italienischsprachigen Tessiner. Damit wurde das Minderheitsproblem massiv entschärft. Nur die französischsprachigen Einwohner des 1815 zu Bern geschlagenen Juras waren künftig sprachliche Minderheit sowohl auf kantonaler wie auf eidgenössischer Ebene. Dies schuf ein Konfliktpotenzial, das die Schweiz bis heute beschäftigt.

Fazit: Die mehrsprachige Schweiz hat einigen Grund, den Vätern der Helvetischen Republik und vor allem auch Napoleon Bonaparte für ihren Beitrag zur Wahrung des Sprachengleichgewichts dankbar zu sein. Gewiss, der französische Raubzug durch die Schweiz im Jahr 1798, die Requisitionen und Zwangsrekrutierungen bis hin zum Beresina-Debakel formen einen tiefschwarzen Fleck in der Schweizer Geschichte. Doch die Abschaffung der Untertanenverhältnisse, die bürgerliche Gleichheit und der Code Napoleon, die Schaffung erster nationaler Institutionen, Ansätze von transkantonaler Vereinheitlichung in den Bereichen Politik, Recht und Armee und vor allem die Erhaltung der Schweiz als mehrsprachiges Land – und last, not least die vorbildliche Sprachenpolitik – sind Aktivposten, die bis heute nachwirken.

Der eidgenössische Bundesstaat, der 1848 Deutsch, Französisch und Italienisch zu gleichberechtigten Landessprachen erhob (Rätoromanisch kam 1938 hinzu), konnte auf den Erfahrungen der Helvetik und der Mediationszeit aufbauen.Allerdings hatte Napoleon Bonaparte damals kaum das Wohl der Schweiz im Sinn: Ihm ging es darum, eine ruhige und schwache Schweiz als Trabanten zu haben – das Wallis mit seinen wichtigen Alpenpässen liess er gleich okkupieren. Aber es ist nicht selten, dass jene, die Gutes wollen, das Gegenteil bewirken; und dass Leute Gutes schaffen, das sie gar nicht beabsichtigten.

Allegorie auf den neuen Bundesstaat und die Annahme der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft durch das Volk vom 12. September 1848. Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

Das plant der Klimastreik am nächsten Strike for Future am 21. Mai - BlickAn der Pressekonferenz heute Montag informiert der Klimastreik zum geplanten Strike for Future am 21. Mai. Wo gibt es Kundgebungen und Anlässe? Da werden viele Streiksekunden zusammen kommen. Vielleicht sogar Streikminuten. Oder stehen die Vertreter der Klimaschutzbewegung bei euch in der Schweiz voll im Erwerbsleben? Schicket die VP zum Ghüdder isammle oder gebet ne suscht öppis z tue!!! Streik? Wie ist das möglich,wen man nicht arbeitet kan man nicht streiken. Lernen sie was alles in Vergangenheit schon hier war!!!! Heiß, kalt, Überschwemmungen, Trockenheit und das ohne Menschen. Swissseltsamgmail.com

Curlerinnen holen WM-Titel - Pätz: «Es lief alles wie am Schnürchen»Mit dem Finalsieg gegen Russland krönen die Schweiz erinnen eine perfekte Curling-WM. Der Stolz auf das Erreichte ist riesig.

Schweiz erwacht nach erster Tropennacht des Jahres - BlickNach dem ersten Sommertag die erste Tropennacht des Jahres. In den Föhngebieten betragen die Temperaturen teilweise auch am Morgen noch über 20 Grad.

«Es wird keine Alleinherrschaft mehr geben!»David Degen und Bernhard Burgener sind am Dienstagnachmittag gemeinsam vor die Medien getreten. Sie erklärten ihre Beweggründe für die neue Besitzverhältnisse im Club. Woher hat der nur soviel Stutz?

Kommentar zur Hilfe für Arme – Wie die Schweiz mit bedürftigen Ausländern umgeht, ist beschämend«Wer jahrelang in der Schweiz seinen Lebensunterhalt bestritten hat, der muss auch bleiben können, wenn er Hilfe braucht», schreibt MinorLili. MinorLili Die Angst vor der Unionsbürgerrichtlinie im der Diskussion um das Rahmenabkommen gehört zwar nicht zum Thema, aber ins gleiche Kapitel.

Milena Moser reist nach einem Jahr wieder zu ihren Söhnen in die SchweizSeit mehr als einem Jahr drehen sich meine romantischen Fantasien um eines: die Ankunftshalle im Flughafen von Zürich. Rosa Bodennebel, anschwellende Geigenklänge und: meine Söhne. Jetzt hat sich dieser Wunsch erfüllt.