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Airforceone, Bizarrer Abgang Eines Bizarren Präsidenten

USA: Bizarres Ende der Präsidentschaft von Trump

Der scheidende Präsident Trump lässt es sich nicht nehmen, entgegen den Gepflogenheiten mit der Air Force One nach Hause zu fliegen. Was als pompöser Abgang geplant war, nimmt sich dann jedoch eher bescheiden aus.

20.01.2021 20:02:00

Der scheidende Präsident lässt es sich nicht nehmen, mit der AirForceOne nach Hause zu fliegen. Was als pompöser Abgang geplant war, nimmt sich dann jedoch eher bescheiden aus. Ein Bericht von SignerDavid. NZZAusland

Der scheidende Präsident Trump lässt es sich nicht nehmen, entgegen den Gepflogenheiten mit der Air Force One nach Hause zu fliegen. Was als pompöser Abgang geplant war, nimmt sich dann jedoch eher bescheiden aus.

TeilenAnhänger von Trump winken auf der Andrews-Militärbasis zum Abschied, als die Air Force One mit dem scheidenden Präsidenten nach Florida abhebt.Stefani Reynolds / ImagoUm 8 Uhr 15 Ortszeit ist Donald Trump mit seiner Frau Melania aus dem Weissen Haus getreten, wo der Helikopter Marine One auf dem Rasen auf ihn wartete. Er ging auf die anwesenden Journalisten zu, bedankte sich bei ihnen, sagte, die Präsidentschaft sei eine grosse Ehre für ihn gewesen, und fügte hinzu: «Ich hoffe, es wird kein langes Goodbye sein.» Auf die Frage, was er zum Sturm auf das Capitol meine, antwortete er nicht. Der Helikopter flog dann über Washington und auch über das schwer bewachte Capitol, das am 6. Januar von Trump-Anhängern gestürmt worden war, und brachte den Noch-Präsidenten zum Militärflughafen Joint Base Andrews, wo er von Unterstützern mit roten Kappen und Fähnchen erwartet wurde. Laut Kommentatoren war es die kleinste Volksmenge, vor der Trump je gesprochen hatte.

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Wenige Zuschauer, viel SelbstlobLaute Musik dröhnte aus grossen Boxen. Der CNN-Kommentator meinte, es herrsche eine Stimmung wie bei einer Wahlkampfveranstaltung. Trumps Familie – insbesondere Tochter Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared Kushner – sowie ein paar politische Weggefährten erwarteten ihn bei der Landung mit dem Helikopter: Der Stabschef Mark Meadows, der Chefberater Stephen Miller, der frühere Leibarzt Trumps und jetzige Abgeordnete Ronny Jackson sowie der frühere Pressesprecher des Weissen Hauses Sean Spicer. Aber die politischen Schwergewichte wie Vizepräsident Pence glänzten durch Abwesenheit.

Einen grandiosen militärischen Abschied, wie ihn sich Trump gewünscht hatte, genehmigte das Pentagon nicht. Immerhin wurden Salutschüsse abgefeuert und Fanfaren geschmettert. Dann trat Trump ans Rednerpult, begrüsste die Anwesenden, übergab das Wort kurz an seine Ehefrau Melania, die sich bei allen bedankte, worauf Trump wieder übernahm. Er begann mit all dem Guten, das er für Kriegsveteranen getan habe, die nun endlich wieder ein anständiges Leben hätten. Dann lobte er die Steuersenkungen, die er veranlasst hatte – «die grössten der Geschichte». Weiter ging es zu den Jobs, die er schuf und die Anfang 2020 zu einer sehr tiefen Arbeitslosigkeit geführt hatten – bis Corona das Land heimsuchte. Trump sprach vom «China-Virus» und sagte: «Wir wissen alle, woher es kam.» Er lobte die Herstellung eines Impfstoffes durch Amerika in so kurzer Zeit: «ein medizinisches Wunder». Er sprach von der Pandemie konsequent in der Vergangenheitsform; dabei waren die Fallzahlen kaum je so hoch wie jetzt. headtopics.com

31 BilderUS-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden winken vor der Tür des Weissen Hauses.ReutersDen Namen Biden kein einziges Mal ausgesprochenEr wünschte der neuen Regierung – ohne den Namen Biden zu nennen – alles Gute und sagte, er übergebe ihr ein Land, das sich in einer so guten Position wie nie zuvor befinde. Niemand habe je so hart gearbeitet wie er und seine Familie, fuhr er fort, und habe bei einer Wahl jemals so viele Stimmen gewonnen. Tatsache ist, dass noch kein Präsident vor ihm beim Abgang eine so tiefe Zustimmungsrate verzeichnete. «Wir werden immer für euch kämpfen», sagte er zum Schluss, «und wir werden in irgendeiner Form zurückkommen.» Biden erwähnte er in seiner Rede kein einziges Mal. Dann erklang der Song «YMCA» von den Village People, obwohl sich die Gruppe immer wieder gegen dessen Verwendung bei Trumps Rallys ausgesprochen hatte. Als die Air Force One dann um 9 Uhr abhob Richtung Florida, erklang «I Did It My Way» von Frank Sinatra. Zur gleichen Zeit betrat Biden die St.-Matthew-Kathedrale in Washington.

Trump begibt sich vorderhand in sein Resort Mar-a-Lago in Palm Beach. Wo er und seine Familie definitiv wohnen werden, ist noch nicht klar. Mit seinem frühen Abgang verstiess Trump gegen alle Traditionen. Normalerweise ist der abtretende Präsident bei der Inauguration seines Nachfolgers dabei. Das letzte Mal, dass sich ein Präsident nicht an diese Gepflogenheit hielt, war 1869. Damals nahm Andrew Johnson nicht an der Feier für Ulysses Grant teil, den er hasste. Trump lud Biden auch nie ins Weisse Haus ein, wie es sonst Usus ist, und rief ihn auch nie an. Es heisst sogar, Biden habe mehrmals versucht, ihn zu erreichen, Trump habe aber den Anruf nicht entgegengenommen.

Entgegen früheren Vermutungen hatte Trump allerdings seinem Nachfolger Biden sehr wohl einen Brief im Weissen Haus hinterlassen, wie es in Washington Tradition ist. Was er ihm mit auf den Weg gab, ist noch nicht bekannt.Laut dem «Wall Street Journal» plant Trump die Gründung einer neuen Partei, der «Patriot Party».

«Grösste politische Bewegung in der Geschichte des Landes»Am Dienstagnachmittag hatte sich Trump noch mit einer Videobotschaft an die Amerikaner gewandt. In der 20-minütigen Rede ging es, wie auch bei seiner Abschiedsrede auf der Andrews-Militärbasis, vor allem um ihn selbst und seine «historischen» Verdienste. An Biden gewandt, dessen Namen auszusprechen er sich hütete, sagte er: «Die Welt respektiert uns wieder. Bitte verlieren Sie diesen Respekt nicht.» Er fügte den etwas rätselhaften Satz hinzu: «Wir überbringen unsere besten Wünsche und wollen auch, dass Sie Glück haben – ein sehr wichtiges Wort.» Er verurteilte zwar die Gewalt beim Sturm auf das Capitol, tat jedoch so, als hätten die Ereignisse vom 6. Januar nichts mit ihm zu tun. headtopics.com

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Am Ende seiner Ansprache präsentierte er sich wie so oft als Präsident der einfachen Leute: «Gemeinsam mit Millionen hart arbeitender Patrioten in diesem Land haben wir die grösste politische Bewegung in der Geschichte unseres Landes aufgebaut», sagte er. «Es ging um ‹America first›, weil wir alle Amerika wieder grossartig machen wollten.» Für einige Beunruhigung – angesichts des Mobs, den er vor zwei Wochen mobilisierte hatte – sorgten dann die Schlussworte: «Nun, da ich mich darauf vorbereite, am Mittwochmittag die Macht an eine neue Regierung zu übergeben, möchte ich, dass Sie wissen, dass die Bewegung, die wir begonnen haben, erst am Anfang steht.»

Er begnadigte Dutzende, aber nicht sich selbstDie letzten Stunden am Dienstagabend war Trump vor allem mit Begnadigungen beschäftigt. Er begnadigte mehr als siebzig Personen, unter ihnen sein ehemaliger Chefstratege Steve Bannon und der Rapper Lil Wayne. Sich selbst und Mitglieder seiner Familie begnadigte er nicht prophylaktisch; seine Berater hatten ihm offenbar davon abgeraten. Aber wenn heute seine Immunität endet, könnten durchaus Probleme auf ihn zukommen. In New York sind mehrere Klagen wegen Betrugs gegen ihn hängig; im schlimmsten Fall drohen ihm 25 Jahre Gefängnis.

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SignerDavid Ausland Er war zu der Zeit formal noch Präsident, ergo war Air Force One sein 'natürliches' Transportmittel. Mag Ihnen nicht gefallen, ist aber sachlogisch korrekt... SignerDavid Ausland