Türkisches Gerichtsurteil – Hagia Sophia wird wieder zur Moschee

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat sich zu einem Entscheid durchgerungen. Es hat den Status des Instabuler Gebäudes als Museum annuliert.

10.07.2020 22:30:00

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat sich zu einem Entscheid durchgerungen. Es hat den Status des Instabuler Gebäudes als Museum annuliert.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat sich zu einem Entscheid durchgerungen. Es hat den Status des Istanbuler Gebäudes als Museum annulliert.

(Keystone/Erdem Sahin/10. Juli 2020)Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei machte einem Bericht zufolge den Weg frei, damit das Gebäude Hagia Sopha in Istanbul künftig als Moschee genutzt werden kann.Das Gericht annullierte am Freitag den Status der einstigen Kirche als Museum. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. Eine Begründung der Entscheidung lag zunächst nicht vor.

: «Müssen alles tun, um aus dem Sturm zu kommen» Corona-Krise: Tourismusbranche verliert dieses Jahr 10 Milliarden Franken Mitten in der Krise – Swiss-Spitze zahlt sich Boni aus – und verschärft Sparprogramm

Wann das Gebäude zum ersten Mal als Moschee genutzt wird, ist noch unklar. In Medien wurde als Datum der 15. Juli – der Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei – genannt. Nach Angaben der Zeitung «Hürriyet» wird die Gerichtsentscheidung innerhalb der nächsten 30 Tage umgesetzt.

Vor der Hagia Sophia in der Istanbuler Altstadt sammelte sich spontan eine Gruppe Befürworter der Entscheidung. Sie riefen «Allahu Akbar!» («Gott ist gross!»). Die Polizei sperrte den Platz vor der Hagia Sophia ab. Beamte der Einsatzpolizei brachten sich in Stellung, es blieb aber zunächst ruhig.

Ein internationales PolitikumDer Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Vor allem Griechenland und Russland sind wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status.

Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarn Griechenland weiter verschärfen, die sich ohnehin schon um Erdgas im östlichen Mittelmeer streiten.Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. In ihr wurden die Kaiser gekrönt. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. («Der Eroberer») die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an.

Erdogan und das GebäudeDieser Beschluss Atatürks ist nun durch den Gerichtsbeschluss ungültig. Die Unesco hatte schon vor der Entscheidung gemahnt, jede Änderung des Status der Hagia Sophia müsse überprüft werden.Jahrelang stand die Umwandlung der Hagia Sophia immer wieder auf der Tagesordnung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte diese vergangenes Jahr selbst angekündigt, aber bislang nie angeordnet, auch wenn er es per Dekret gekonnt hätte.

Kritiker werfen Erdogan vor, mit der Diskussion um das Bauwerk von wirtschaftlichen Problemen ablenken zu wollen oder das Thema in der Vergangenheit vor Wahlen auf die Tagesordnung gesetzt zu haben, um seine religiöse Anhängerschaft hinter sich zu vereinen. Ende Mai hatte Erdogan zum Jahrestag der Eroberung Konstantinopels ein islamisches Gebet in der Hagia Sophia abgehalten.

: Spitalzentrum Biel verhängt Zutrittsverbot Beizen vor Kollaps: Crowdfunding soll Schweizer Beizen retten : Was fordern die Beizen? Verfolgen Sie jetzt die Medienkonferenz

Nun überliess Erdogan die Entscheidung dem Obersten Verwaltungsgericht. Die Opposition lässt allerdings keinen Zweifel daran, wer ihrer Meinung nach dahintersteckt: Erdogan persönlich. CHP-Sprecher Faik Öztrak hatte erst kürzlich kritisiert, dass die Justiz von Erdogans Regierung kontrolliert werde und nicht gegen deren Willen handele.

Eine grosse Attraktion für TouristenDer Analyst Kadri Gürsel nannte die Hagia Sophia das «Stressbarometer» der Regierung. Diese habe keine Themen mehr, mit denen sie werben könne und keine Lösungen für die Probleme des Landes. Innenpolitisch habe sich niemand gegen die Umwandlung in eine Moschee gestellt, aber Erdogan würde davon profitieren, wenn sich Griechenland und die orthodoxe Welt dagegen stellten. Die Regierung schlage aus Polarisierung «politischen Profit.»

Auch als Moschee können Touristen die Hagia Sophia voraussichtlich besichtigen, ähnlich wie die nahe gelegene Blaue Moschee in der Istanbuler Altstadt. Im vergangenen Jahr zog die Hagia Sophia nach offiziellen Angaben 3,7 Millionen Besucher an und war damit das meistbesichtigte Museum in der Türkei.

Weltbekannt ist sie vor allem wegen der rund 56 Meter hohen Kuppel, die nahezu schwerelos über dem Hauptraum zu schweben scheint. Im Inneren sind die Wände mit byzantinischen Mosaiken und Marmor verziert. Um dem Bilderverbot im Islam gerecht zu werden, müssten die Mosaiken während des islamischen Gebets aber abgedeckt werden.

Unesco bedauert die UmwandlungInfos einblendenDie Unesco hat die Umwandlung der Istanbuler Hagia Sophia von einem reinen Museum in eine Moschee «zutiefst bedauert». Generalsekretärin Audrey Azoulay habe gegenüber dem türkischen Botschafter am Freitagabend ihre tiefe Besorgnis zum Ausdruck gebracht, teilte die Unesco mit. Die Entscheidung für die Umwandlung sei ohne vorigen Dialog getroffen worden.

«Die Heilige Sophia ist ein architektonisches Meisterwerk und ein einzigartiges Zeugnis der Begegnung von Europa und Asien im Laufe der Jahrhunderte. Sein Status als Museum spiegelt die Universalität seines Erbes wider und macht es zu einem starken Symbol des Dialogs», erklärte Azoulay. (SDA)

Aggressionen wegen Covid: «Wir werden tagtäglich beschimpft» : «Im Gastgewerbe könnten 100'000 Jobs verschwinden» Kulturmarxismus: Das Wort ist ein grosses Missverständnis Weiterlesen: Tages-Anzeiger »

'durchgerungen' ?

Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als MoscheeDas Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Weg frei gemacht, damit das Gebäude Hagia Sopha in Istanbul künftig als Moschee …

Balkankonflikt: Serbien und Kosovo wollen wieder Gespräche - BlickKosovo und Serbien wollen die von der Europäischen Union vermittelten Gespräche zur Lösung ihres Konflikts wieder aufnehmen. Geplant ist auch ein persönliches Treffen.

Pflegepersonal muss nach Risiko-Ferien nicht in Quarantäne - BlickDie Spitex Zürich Limmat schickt Mitarbeiter nach Reisen in Risikogebiete wieder zur Arbeit. Die Schweizerische Patientenorganisation sieht das kritisch. Vielleicht nehmen sie die Risikopatient*innen am besten gleich mit in die Risikolandferien... oder? Das ist ja ein richtiger Schwachsinn, das Gesundheitspersonal kann sich genau so mit Sars Cov 2 anstecken wie der Maurerpolier oder der Buschauffeur und selbstverständlich müssen auch diese in Quarantäne wenn sie aus einem Risikogebiet kommen.

Zur Lage der SVP – Blochers BürgerkriegDie Zürcher SVP will die Schweiz wieder aufmischen, und Parteivater Christoph Blocher redet von «Bürgerkrieg» und «maroder Gesellschaft». Zur Lage der Partei.

Nutzer werden nicht verfolgt – Corona-Tracing-App: Warum Android-Nutzer den Standort freigeben müssenBei der Installation auf dem Android-Handy müssen die Anwender die Ortungsdienste zulassen. Viele Leute befürchten deshalb, dass sie örtlich verfolgt werden. Doch das stimmt nicht. \n Die Analyse greift zu kurz. Man kann damit sehr wohl Bewegungsprofile der Nutzer erstellen. Man braucht dazu nur an interessierenden Orten Bluetooth-Baken mit der Covid App. Da man den Standort dieser Baken kennt, kennt man auch den Ort jedes Handys, das mit ihnen kommuniziert.

Essay zur Political Correctness – Wenn Diskriminierte zur Hetze rufenWird heute irgendwo Sexismus und Rassismus vermutet, kommt schnell der digitale Mob. Aber bei allen Bemühungen um korrekte Sprache: Das öffentliche Reden kann kein «safe space» für Betroffene sein. Korrekte Sprache? Wir haben eine Sprache, ich glaube schon seit langer, langer Zeit. Wir brauchen kein 'Links' angehauchtes Wörterbuch oder Belehrungen! 👍 Der »Rassismus« liegt in euren Köpfe.