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Stripperin, Strippen Kann Jeder. Es Braucht Dazu Nur Ein Möbel

Strippen kann man auch zu Hause. Und Libby Jones lehrt es jeden

Vor fünfzig Jahren hat die amerikanische Stripperin Libby Jones in einer Anleitung beschrieben, wie man sich effektvoll auszieht. Endlich kann man das auch auf Deutsch lesen.

20.01.2021 22:10:00

Vor 50 Jahren hat die amerikanische Stripperin Libby Jones in einer Anleitung beschrieben, wie man sich effektvoll auszieht. Endlich kann man das auch auf Deutsch lesen. Ein Beitrag von NZZfeuilleton.

Vor fünfzig Jahren hat die amerikanische Stripperin Libby Jones in einer Anleitung beschrieben, wie man sich effektvoll auszieht. Endlich kann man das auch auf Deutsch lesen.

TeilenSophia Loren zeigt gerade einem beeindruckten Marcello Mastroianni wie's geht. Filmszene aus «Ieri Oggi, Domani» von Vittorio De Sica, 1963.Mary Evans / ImagoTun Sie etwas gegen die Lockdown-Langweile! Besorgen Sie sich vielleicht das Buch «Striptease daheim»! Wer jetzt meint, das klinge so wenig spannend wie «Rafting in Radebeul» oder «Grillen in Grönland», hat recht. Einerseits. Andererseits: Das jetzt wieder aufgelegte Werk wurde 1968 von einer echten amerikanischen Stripperin geschrieben. Sie heisst Libby Jones und hat im Ancien Régime der Erotik gelebt. In einer Zeit, in der es wirklich noch Stripperinnen gab. Und Hausfrauen. Und offenbar nichts dazwischen. Für Libby Jones gilt: entweder – oder.

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Sind Sie Hausfrau und haben sich «Striptease daheim» besorgt, könnte es losgehen. Fangen Sie aber um Gottes willen nicht plötzlich an, wild draufloszustrippen! Ihr Mann könnte noch abgelenkt sein von den Ereignissen im Büro. Die Stripperin im Klub hat’s leicht. «Die Künstlerin zu Hause» allerdings «kann der Aufnahmefähigkeit ihres Publikums nicht unbedingt in gleichem Masse sicher sein.» Wenn es so weit ist, stellen Sie sicher, dass Ihr Mann merkt, was das werden soll. «Übertreiben Sie», rät Frau Jones. «Das nämlich ist der wichtigste Unterschied zwischen einem Strip und dem ganz ordinären Sichausziehen.»

Zuerst die HandschuheIst die Sachlage klar, dann zuerst die Handschuhe. Als Hausfrau haben Sie Ihrem Mann gerade noch das Abendessen aufgebrüht, aber jetzt wundert er sich schon nicht mehr, dass Sie mit langen Handschuhen aus der Küche kommen. Schauen Sie einfach übertrieben und «abgebrüht». Sind die Handschuhe weg, kommt «das Hemdchen»: «Schlüpfen Sie mit einem Arm aus dem Hemd, während Sie den anderen, immer noch ausgestreckten Arm, senken, bis er waagrecht zum Körper steht und das Hemd an ihm hängt. Dann lassen Sie diesen Arm sinken, so dass das Hemd zu Boden fällt.» So geht es dahin, Stück um Stück. headtopics.com

Und Libby Jones gibt weitere praktische Tipps. So ist es zum Beispiel ratsam, neben einem Möbelstück zu strippen, damit man sich irgendwo festhalten kann, wenn man das Gleichgewicht verliert. Apropos Möbel: Frau Jones rät, sich aus Schrankschlüssel- oder Vorhangquasten jene Dinge zu basteln, die der Amerikaner «Pasties» nennt. An den Brüsten angebracht und in Rotation versetzt, werden die zu frivolen Zwecken missbrauchten Einrichtungsdinge beim Wiedererkennen ihre Wirkung nicht verfehlen. Noch die profansten Gegenstände sind bei Amerikas berühmter Ausziehkünstlerin vom höchsten aller Zwecke geheiligt: «Abendfüllenden Sex zu entdecken.» Was für Zeiten! Aus den erotischen Epitheta ist das Wort «abendfüllend» heute ja leider komplett verschwunden.

Das Buch «Striptease daheim» ist unter dem Titel «How to Undress in Front of Your Husband» vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal erschienen. Dass es jetzt noch einmal erscheint, verdanken wir dem deutschen Vorzeige-Intellektuellen-Verlag Matthes & Seitz. Denn was machen die Intellektuellen, wenn sie sich an Barthes, Bataille und Olaf Briese die Hirne schwielig gelesen haben? Sie drängen an die Wühltische der Schmuddelheftbuden und tragen ihre Funde zur weiteren Bearbeitung nach Hause. Um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, murmeln sie etwas wie «Vintage» oder «kulturhistorisch interessant» und bringen es nach Gebrauch zu ihrem Lieblingsverlag. Der druckt es dann noch einmal, und die Sache geht wieder von vorne los. Damit sie nicht nach hinten losgeht, hat der Verlag eigenhändig das Etikett «kulturhistorisch interessant» draufgeklebt.

Augenbraue hoch!In #MeToo-Zeiten nehmen Libby Jones’ Buch und ihre Idee von «Sex up Your Life!» immerhin Fahrt auf, wenn man die Sache geschlechtsneutral betreibt. Männer!, «schwingen Sie den Strumpf hin und her, indem Sie Hand und Fuss bewegen, lächeln Sie dabei reizend, lassen Sie dann den Strumpf vom Fuss wegschnellen und zu Boden fallen – ganz zwanglos». Strippen kann jeder. Sagt Miss Jones und lächelt wissend. «Haben Sie jemals eine Schulter entblösst, eine Hüfte geschwungen, eine Augenbraue hoch- und ein Augenlid leicht herabgezogen?» Wenn ja, dann ist es jetzt ein Leichtes, zu Hause als Stripper zu verlottern. Vielleicht machen Sie ja sicherheitshalber die Vorhänge zu.

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