Spitäler und Kantönligeist: Ostschweizer arbeiten nun zusammen

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Dass die Schweiz zu viele Spitäler hat, belastet die Prämien- und Steuerzahler. Nun kommt es zu einer Premiere: Fünf Ostschweizer Kantone schliessen sich zusammen, um teure Überkapazitäten abzubauen.

Wie Fünf Gesundheitsdirektoren Den Kantönligeist Überwinden, Schweiz

2/26/2020

Dass die Schweiz zu viele Spitäler hat, belastet die Prämien- und Steuerzahler. Nun kommt es zu einer Premiere: Fünf Ostschweizer Kantone schliessen sich zusammen, um teure Überkapazitäten abzubauen.

Dass die Schweiz zu viele Spitäler hat, belastet die Prämien- und Steuerzahler. Nun kommt es zu einer Premiere: Fünf Ostschweizer Kantone schliessen sich zusammen, um teure Überkapazitäten abzubauen.

Drucken Teilen Ein Helikopter-Landeplatz beim Spital Wattwil. Es ist eines jener St. Galler Spitäler, die geschlossen werden sollen. Gian Ehrenzeller / Keystone Das Schweizer Gesundheitswesen ist teuer, sehr teuer – das merken die Bürgerinnen und Bürger nicht nur dann, wenn sie die Krankenkassenprämien bezahlen müssen. Einer der zentralen Gründe für die hohen Kosten ist die Vielzahl der Akutspitäler hierzulande. Es sind derzeit noch rund 100. Zum Vergleich: Dänemark, das etwa halb so viele Einwohner hat und derzeit sein Gesundheitswesen rigoros umbaut, wird künftig nur noch 21 Krankenhäuser mit Notfallstationen haben. Auch die Anzahl Spitalbetten pro Einwohner ist im skandinavischen Land deutlich tiefer. Eine zentralistische Lösung à la Dänemark ist in der Schweiz nicht möglich, weil die Kantone die Hoheit über die Gesundheitsversorgung haben. Doch die Gesundheitsdirektoren suchen je länger, je mehr nach gemeinsamen Lösungen über die Kantonsgrenzen hinweg. Am Mittwoch haben die zuständigen Regierungsräte von St. Gallen, Graubünden, Glarus sowie den beiden Appenzell in Rapperswil eine Absichtserklärung für eine gemeinsame stationäre Gesundheitsversorgung unterzeichnet. Eine führende Rolle hat die St. Gallerin Heidi Hanselmann übernommen, die derzeit auch die nationale Gesundheitsdirektorenkonferenz präsidiert. Sie sieht sich in ihrem Kanton mit massivem Widerstand aus einzelnen Regionen konfrontiert. Denn die Regierung will fünf der neun bestehenden Spitäler schliessen und nur noch als Notfallzentren weiterführen, was die betroffene Bevölkerung nicht goutiert. Weil aber die St. Galler Spitäler jährlich ein Defizit von Dutzenden Millionen Franken einfahren, ist der Handlungsbedarf offenkundig. Die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann (Mitte) und ihre vier Kollegen aus der Ostschweiz wagen eine Pioniertat. Gian Ehrenzeller / Keystone Ja nicht das Reizwort in den Mund nehmen Zum Aus für einzelne Spitäler aus Kostengründen dürfte letztlich auch der Prozess führen, den die fünf Ostschweizer Kantone nun angestossen haben. Zusammen verfügen sie derzeit nach eigenen Angaben über 24 öffentliche Akutspitäler, das sind sehr viele für die 800 000 Einwohner der Region. Doch noch sind die involvierten Gesundheitsdirektoren sehr bemüht, das Reizwort «Spitalschliessung» nicht in den Mund zu nehmen. Stattdessen soll nun eine Projektgruppe zwei Jahre lang analysieren, wie viele Patienten in welches Spital gehen – und wo entsprechend Überkapazitäten bestehen, die sich abbauen liessen. Die Projektleitung wird eine Person übernehmen, die mit keinem der fünf Partner Verbindungen hat. So soll sichergestellt sein, dass die Arbeitsgruppe möglichst objektiv sowie frei von politischem Druck arbeitet und sich kein Kanton benachteiligt fühlt. Es ist bereits heute so, dass sich viele Patienten ausserhalb des eigenen Kantons behandeln lassen. Seit 2012 ist das auch ohne Zusatzversicherung möglich. Und die Ostschweizer Kantone arbeiten in gewissen Bereichen eng zusammen. Ein Beispiel: Erleidet eine Person im Engadin einen Hirnschlag, nehmen die Ärzte vor Ort jeweils Kontakt auf mit den Experten des Kantonsspitals St. Gallen. Die konkrete Umsetzung einer gemeinsamen Spitalregion werde dennoch keine «Mickey-Mouse-Übung», betont der Glarner Gesundheitsdirektor Rolf Widmer. Die Kantone stünden vor einem langen und dornenreichen Weg. «Es wird sicher nicht darauf hinauslaufen, dass ein Patient aus dem Münstertal, der eine Blinddarmoperation braucht, dazu nach Glarus, Herisau oder St. Gallen muss. Aber wir wollen der teuren Überversorgung ein Ende bereiten.» Allzu oft würden derzeit Spitäler ihre leeren Betten mit Patienten füllen, die gar keine Behandlung nötig hätten. Hanselmanns Vermächtnis Andernorts gibt es ebenfalls Bewegung in der Spitallandschaft. Die beiden Basel haben eine überkantonale Spitalplanung, auch wenn eine Fusion der Krankenhäuser am Widerstand der Stimmbevölkerung gescheitert ist. Und in der Innerschweiz arbeiten die Kantonsspitäler von Luzern und Nidwalden eng zusammen. Dass aber gleich fünf Kantone sich zur engen Zusammenarbeit verpflichten, ist eine Premiere. Heidi Hanselmann spricht deshalb von einem «geschichtsträchtigen Akt». «Wir schlagen ein neues Kapitel in der Schweizer Spitalplanung auf.» Für Hanselmann ist es auch eine Art Vermächtnis: Nach 16 Jahren als St. Galler Gesundheitsdirektorin tritt die Sozialdemokratin im kommenden Mai zurück. Hanselmann und ihre Mitstreiter betonen, bei der gemeinsamen stationären Gesundheitsversorgung gehe es nicht nur um die Kosten. Sie wollen für die Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Kantone auch eine höhere Behandlungsqualität erreichen. Überflüssige Operationen sind schlecht für die Krankenkassen und die Staatskassen, aber ebenfalls ärgerlich und schmerzhaft für die betroffenen Patienten. Ein weiterer Faktor ist der Mangel an Ärzten und Pflegenden, der wegen der Alterung der Gesellschaft zunehmen dürfte. Sinkt die Anzahl der Spitäler, braucht es weniger Personal. Der Bundesrat macht Druck Die fünf Gesundheitsdirektoren wollen aber auch handeln, bevor der Bund sie dazu zwingt. Denn sie erachten es als reelle Gefahr, dass Bern in die Autonomie der Kantone eingreift und eine überregionale Spitalplanung verordnet. Dies würde der Empfehlung der Expertengruppe entsprechen, die Gesundheitsminister Alain Berset eingesetzt hat, damit sie Massnahmen zur Kostendämpfung erarbeitet. Angesichts dieser politischen Grosswetterlage könnten sich auch andere Kantone wie Thurgau oder Schaffhausen den fünf Vorreitern anschliessen. Diese betonen, sie seien sehr offen für weitere Partner. Mehr zum Thema In der Schweiz provoziert jede Spitalschliessung einen Volksaufstand. Dänemark dagegen zentralisiert konsequent – und baut «Superspitäler». Das kostet Unsummen, soll sich aber bald auszahlen. Simon Hehli, Kopenhagen Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung

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