Sonderweg ohne Verbote – Das Schwedenrätsel

Schweden macht wieder einmal mit guten Corona-Zahlen auf sich aufmerksam. Selbst einheimische Virolog:innen finden das «schwer zu erklären».

08.12.2021 09:30:00

Schweden macht wieder einmal mit guten Corona-Zahlen auf sich aufmerksam. Selbst einheimische Virolog:innen finden das «schwer zu erklären».

Die Corona-Zahlen zählen zwar zu den besten in Europa. Experten nehmen den schwedischen Sonderweg trotzdem unter Beschuss, und die Regierung beschliesst neue Restriktionen.

Foto: Imago ImagesSchweden sticht mal wieder heraus. Eigentlich ist das nichts Neues, was Corona-Statistiken angeht: Das Land steht mit seinem Sonderweg seit Beginn der Pandemie im Zentrum der Aufmerksamkeit. Empfehlungen statt Verboten, kein Lockdown, an der Spitze ein stets Gelassenheit ausstrahlender Staatsepidemiologe, dahinter eine passive Regierung – Schwedens Weg bot im Rest der Welt stets Anlass für ideologische Schlachten.

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Die Anhänger des Modells priesen die Abwesenheit staatlichen Zwangs und die Betonung individueller Verantwortung, die Gegner verwiesen eineinhalb Jahre lang auf in die Höhe schnellende Todeszahlen.Nun, am Ende des zweiten Corona-Jahres, machen die schwedischen Statistiken wieder Schlagzeilen. Und diesmal ist einiges anders. Zumindest für den Schnappschuss, der die vergangenen Herbstwochen abbildet. Schweden sei «eines der derzeit am wenigsten gefährlichen Länder Europas», berichtete die Boulevardzeitung «Aftonbladet» heute Dienstag. Und die aktuellen Zahlen geben ihr recht.

In den Statistiken der Johns Hopkins University für die erste Dezemberwoche melden nur 6 von 46 europäischen Ländern weniger Sterbefälle als Schweden. Schweden hat im Moment eine 7-Tage-Inzidenz von knapp 130 – die Nachbarn Norwegen und Dänemark melden drei- bis viermal so hohe Inzidenzen. headtopics.com

Die Pandemie ist endlich Chefsache: Magdalena Andersson, Schwedens neue Regierungschefin.Foto: KeystoneDie meisten Schweden sind nun kaum weniger erstaunt über diese Diskrepanz als die Nachbarn. So erfreulich die Zahlen sind, so «schwer zu erklären» seien sie, lassen sich schwedische Virologen zitieren. Die vergleichsweise gute Impfquote könnte ein Faktor sein, sie liegt bei 71 Prozent der Gesamtbevölkerung. Andere verwiesen auf die Verzögerung, mit der Corona-Wellen der Vergangenheit Schweden erreicht hatten.

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Dass Schweden hinter Finnland das am dünnsten besiedelte Land der EU ist, dürfte generell als Bremse wirken bei der Ausbreitung von Infektionswellen, lässt aber die früheren Todeszahlen in umso düstererem Licht dastehen. Einige Experten spekulieren, ob gerade die hohen Infektionszahlen der ersten Wellen Schweden vielleicht doch eine gewisse Herdenimmunität verschafft hätten. Doch ist das eine unbewiesene Hypothese.

Omikron-Virus sorgt für NervositätDie Frage ist, ob der Schnappschuss der letzten Herbstwochen ein Schnappschuss bleibt und auch Schweden bald wieder aufholt, vor allem angesichts des neuen Omikron-Virus. Die Warnsignale sind jedenfalls da: Gerade in der Hauptstadtregion Stockholm schnellten die Infektionszahlen zuletzt wieder in die Höhe. Die Spitäler sind alarmiert. «Wir halten den Atem an», sagte Sven Klassen, Chefarzt der Södersjukhuset-Klinik.

Nun verhalten sich die Behörden aktiver als in früheren Tagen. Das zeigte sich auch an der heutigen Medienkonferenz, bei der die neue Premierministerin Magdalena Andersson persönlich neue Beschränkungen verkündete. Die Botschaft: Die Pandemie ist nun endlich Chefsache. headtopics.com

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Nachdem am 1. Dezember auch Schweden einen elektronischen Impfpass eingeführt hat, soll dieser künftig auch in Restaurants und Fitnessstudios vorgelegt werden. Von Mittwoch an soll zudem erstmals eine Maskenpflicht in Bus und Bahn gelten, und die Menschen sollen möglichst im Homeoffice bleiben. (Lesen Sie auch den Artikel

«Schweden verlässt seinen Sonderweg».)Wenn die Zahlen sich verschlechtern, sollen weitere Restriktionen folgen, unter anderem die beschränkte Öffnung für Lokale und Onlineunterricht an Hochschulen. Karin Tegmark Wisell, Chefin der Gesundheitsbehörde, warnte, man rechne auch in Schweden mit einer «sich verschlechternden Entwicklung».

Staatsepidemiologe sieht sich bestätigtStaatsepidemiologe Anders Tegnellselbst sah zuletzt noch in den Statistiken eine Bestätigung seines Kurses. Schwedens Zahlen seien europäischer Durchschnitt, sagte er: «Wir sind nicht die Besten und bestimmt nicht die Schlechtesten.» Die Omikron-Variante beobachte auch er «mit Sorge», aber sie werde sicher nicht zu einem Wandel der Corona-Politik führen: Seine Strategie habe schliesslich «in der Vergangenheit funktioniert». Das ist eine Aussage, die zuletzt auch im eigenen Land zunehmend auf Widerspruch gestossen ist.

Pro eine Million Einwohner zählt Schweden 1485 Corona-Tote. Und da sieht seine Bilanz auch nach dem so guten Herbst schlecht aus im Vergleich mit den Nachbarn: Schweden hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch immer dreimal so viele Tote zu beklagen wie Dänemark und gar siebenmal so viele wie Norwegen. headtopics.com

«Wir sind nicht die Besten und bestimmt nicht die Schlechtesten»: Staatsepidemiologe Anders Tegnell.Foto: AFPEnde Oktober erst hatte die Corona-Untersuchungskommission in Stockholm der schwedischen Corona-Politik die Note «ungenügend» verpasst. Noch schärfer fiel der Bericht aus, den die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften vergangene Woche vorstellte.

Er liest sich wie ein einziges Misstrauensvotum gegen die einstige schwedische Strategie, alle Verantwortung beim Bürger abzuladen – einem Bürger, den man dann im Stich liess. Die Gesundheitsbehörden hätten regelmässig «unklar und widersprüchlich» informiert, heisst es in dem Bericht.

Verantwortlich für die hohen Todeszahlen sind «in erster Linie die allzu milden und verspäteten Massnahmen» der Behörden.Königlich Schwedische Akademie der WissenschaftenWieder und wieder hätten sie versagt: bei ihrer Ablehnung von Gesichtsmasken ebenso wie bei der langen Nichtbeachtung der Ansteckung durch Aerosole und asymptomatische Virusträger. Sie hätten es «versäumt», von den Erfahrungen anderer Länder – vor allem Dänemark, Norwegen und Finnland – zu lernen.

Zusammengefasst: Verantwortlich für die hohen Todeszahlen seien «in erster Linie die allzu milden und verspäteten Massnahmen» der schwedischen Behörden, heisst es im Bericht. Und im November zeigte eine internationale Studie unter Mitarbeit der Universität Uppsala, dass Schweden vor allem im ersten Corona-Jahr ein Netto-Exporteur des Coronavirus war. Empfänger waren die nordischen Nachbarn.

«Wir haben der Welt unsere blau-gelbe Fahrlässigkeit geschenkt», betitelte die Zeitung «Svenska Dagbladet» einen Leitartikel in der vergangenen Woche. Sie sieht deshalb keinen Grund für Hurrarufe. Im Gegenteil: Schweden habe allen Grund, die Nachbarn «als Nation um Verzeihung zu bitten».

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Der 'Journalismus' des Tamedia-Konzerns ist bisweilen auch schwer zu erklären. Es gibt immer noch keine Maskenpflicht. Es ist eine Maskenempfehlung für den ÖV. Ebenso gilt das Zertifikat bis auf weiteres ausschliesslich für Veranstaltungen mit über 100 Personen und ist für die Veranstalter freiwillig. Schwach recherchierter Artikel.

Die landesweite Bevölkerungsdichte ist hier bedeutungslos. Der Urbanisationsgrad Schwedens ist höher als jener in der Schweiz. Stockholm z.B. dichter besiedelt als Zürich und Berlin. Wahrscheinlich sind einfach viel mehr genesen als offiziell gemeldet. Aua aua aua. Fragt einfach den gesunden menschenverstand. KEINE 'experten'. Erstaunliches käme da raus!!!!!!!

Vielleicht liegt es da dran, dass in SWE viel mehr ältere Personen (ab ca 50) geimpft sind? Viele der Jungen merken einfach nichts oder sind bereits 'durchgeseucht'? Das ist aber bloss meine Nicht-Experten-Vermutung... Und bei uns bestraft man die Geimpften lieber im Kollektiv Eher unsere Virologen haben es schwer zu erklären was bei uns abgeht. Eine Grippe zu Pandemie hochzuschaukeln ist schon eine Leistung, verbrecherisch aber doch Leistung.

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