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Sand, Die Menschen Gieren Nach Sand: Nicht Nur Unsere Ferienträume Sind Aus İhm Gemacht – Auch Unser Allta

Sand: am Strand und in Form von Beton ist er heiss begehrt

Sand galt lange als schlecht und nutzlos. Heute liebt man die Körnchen innig, ja an manchen Stränden werden sie gar gestohlen. Denn Sand ist auch eine äusserst begehrte Ressource.

04.08.2021 14:05:00

Sand galt lange als schlecht und nutzlos. Heute liebt man die Körnchen innig, ja an manchen Stränden werden sie gar gestohlen. Denn Sand ist auch eine äusserst begehrte Ressource. Von NZZfeuilleton.

Sand galt lange als schlecht und nutzlos. Heute liebt man die Körnchen innig, ja an manchen Stränden werden sie gar gestohlen. Denn Sand ist auch eine äusserst begehrte Ressource.

Martin Parr / MagnumSind Sandstrände paradiesische Orte? Nicht wenige Menschen werden verwundert den Kopf schütteln über diese Frage. Mit nackten Füssen über glutheisse Körner zu hüpfen, niemals richtig Stand zu finden und pausenlos kleine Partikeln aus Büchern, Taschen und Kleidern zu klopfen – solche Dinge gelten heute ganz selbstverständlich als höchste Form des Vergnügens.

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Natürlich verwenden die Sandverehrer andere Worte, um das Dasein am Strand zu beschreiben: Sie lassen die Seele baumeln im Meer der Körnchen, ihr Blick versinkt in den Weiten der Dünen, und die Zeit verrinnt dabei auf die sanfteste Weise. Am Sandstrand, so ist aus Postkartengrüssen, Ferienprospekten und Buchungszahlen zu schliessen, findet der gestresste Mensch seine Ruhe und kann das Leben besser als überall sonst geniessen.

Die Frage, ob der Sandstrand ein Paradies sei, hätte auch unsere Vorfahren irritiert den Kopf schütteln lassen, allerdings aus ganz anderen Gründen. Lange Zeit ist der Sand den Menschen als Bestandteil der Hölle erschienen.In Dantes «Göttlicher Komödie» ist der dritte Ring des siebten Höllenkreises mit Sand bedeckt: Auf dem heissen Untergrund werden Gotteslästerer, Sodomiten und Wucherer gefoltert. Sie alle haben nach christlicher Ansicht unnatürliche Handlungen vollzogen, aus denen keine Früchte resultieren. Ihre Strafe erhalten sie sodann in einem Material, das ebenfalls nichts bringt. Denn den Sand kann man pflügen und beackern, wie man will: Man wird auf ihm schwerlich etwas zum Blühen bringen – dem Wohl der Menschheit ist er nicht dienlich. headtopics.com

Nutzlosigkeit war indessen noch ein eher geringeres Übel, das die Menschen mit dem Sand verbanden. Weit stärker geriet er in Misskredit, weil er als Mahnmal der Sintflut erschien. Luther und andere Theologen waren in der frühen Neuzeit überzeugt, dass die Oberfläche der Erde die Sündhaftigkeit der Menschen spiegle. Ursprünglich sei die Welt vollkommen eben gewesen, glaubten die pessimistischen Denker. Erst durch die Wucht der Sintflut, die Gott zur Strafe über die Menschen schicken musste, sei die schöne Fläche zerborsten. Nunmehr ragten wüste Berge in die Höhe, und auch die Meere und ihre Küsten zeugten als Überbleibsel der furchtbaren Fluten beständig von Gottes Zorn oder eher: vom Niedergang der Menschen.

Die Wildnis locktWas sich rund ums Meer herum befand, kam in dieser Perspektive einer Trümmerlandschaft gleich. Sich in den Ruinen der guten alten Welt zu räkeln, ist bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts kaum einem Menschen eingefallen. Als zu dieser Zeit aber eine neue theologische Strömung erstarkte, änderten sich die Dinge.

Diverse gläubige Forscher plädierten dafür, Berge, Meere und Küsten nicht mehr als Orte des grauenvollen Chaos zu meiden, sondern sie als planmässig eingerichtete Werke Gottes zu verstehen. Während etwa der Zürcher Naturgelehrte Johann Jakob Scheuchzer mit grosser Verve die hiesigen Alpen rehabilitierte, kümmerten sich Niederländer oder Franzosen um den schlechten Ruf der Meere und deren Gestaden. Den Sand, so hiess es nun, habe der gütige Gott an den Ufern der Gewässer platziert, um die Menschen vor hohen Wellen zu schützen.

Dass der Sandstrand an Ansehen gewann, ist freilich nicht rein theologisch zu begründen. Mit der zunehmenden Verstädterung und den ersten Formen der Industrialisierung stieg ab dem 18. Jahrhundert auch die Sehnsucht nach einer Gegenwelt. Das Wilde und Raue, das vormals abschreckend wirkte, begann die Menschen jetzt zu locken. Nicht selten war dabei noch etwas vom alten Schauer zu spüren, zumal in romantischen Darstellungen, die das Erhabene der Natur zelebrierten. headtopics.com

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Auf dem Sand konnte man nämlich nicht nur promenieren, den Wind und die frische Luft auf sich wirken lassen. Nein, man konnte vom Sand auch regelrecht verschlungen werden und also ganz im «Erdreich» aufgehen: In den «Elenden» beschreibt Victor Hugo über mehrere Seiten hinweg, wie ein Mann langsam von den sandigen «Mächten der Tiefe» eingesogen wird.

Egal aber, ob sie romantische Todesphantasien beflügelte oder bürgerliche Spaziergänge und Badekuren ermöglichte: Zwischen 1750 und 1840 entstand in unseren Breiten die «Meereslust». Diesem «Verlangen nach der Meeresküste» hat der französische Historiker Alain Corbin schon vor über dreissig Jahren eine grosse Studie gewidmet – es lohnt sich bis heute, das brillante Buch zu lesen.

Eine erfolgreiche MischungJedoch liesse sich die Geschichte des neu entstehenden «Verlangens» auch ganz anders erzählen, jedenfalls wenn der Sand im Zentrum steht. Just um 1750, als die Menschen die kleinen Körnchen als Spazierunterlage zu schätzen lernten, hat nämlich auch eine viel konkretere Art der Sandliebe ihren Anfang genommen. Ihr Verlauf ist

im jüngst erschienenen Buch «Sand» des amerikanischen Journalisten Vince Beiser nachzulesen.Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts haben verschiedene Briten an einer neuen Rezeptur für Beton getüftelt. Im 19. Jahrhundert sind ihre Versuche fortgesetzt worden, um die Wende zum 20. Jahrhundert ist schliesslich der grosse Durchbruch gelungen. Beton ist innert kürzester Zeit zum zentralen Baustoff der Moderne geworden, von Lehm über Holz bis zu Ziegeln schien er alle bis dahin verfügbaren Materialien zu schlagen. Was aber steckt hinter diesem Erfolg? Unmengen von Sand. Quarzsand, wie er nicht nur an Meeresküsten, sondern auch in Flüssen und Gebirgen vorkommt, ist der Hauptbestandteil von Beton: Vermischt mit Kies, Zement und Wasser, haben die winzigen Gesteinsteilchen einen Siegeszug inmitten unserer Zivilisation angetreten. headtopics.com

Zeitlich ist er parallel zur romantischen Natur- und Strandlust verlaufen, die immer breitere Bevölkerungskreise erfasste. Nachdem die Küsten von der Elite als interessante Aufenthaltsorte entdeckt worden waren, ist die Liebe zu Sonne und Sand bald auch auf die mittleren und unteren Schichten übergesprungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten viele Arbeiter erstmals Ferien machen, und dank Eisenbahnen und später auch Autos war der Weg ans Meer nun verhältnismässig einfach zurückzulegen.

Die wunderbare Natur jedoch, die bis heute jeder geniesst, der seine Füsse am Strand in den feinen Sand eingräbt, bringt kaum einer mit den vielen klotzigen Bauten in Verbindung, die doch auf demselben Material basieren. Im Gegenteil haben sich Strassen, Hotelkomplexe, Häuser, Dämme oder Bunker aus Beton im Verlauf der Zeit zum Inbegriff des Künstlichen und Hässlichen entwickelt.

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Dreiste DiebstähleIndes kennt der Gebrauch des einst als nutzlos erachteten Sandes genau wie die Strandmanie nur eine Richtung: Es geht dauernd nach oben. In den letzten Jahrzehnten ist es für nahezu jedermann normal geworden, sommers wie winters per Flugzeug an irgendeinen Traumstrand zu reisen. Und zugleich hat die zielgerichtete Nutzung des Sandes weltweit massiv zugenommen. War Beton einst ein Baustoff des Westens, wird er inzwischen in allen sich modernisierenden Ländern verwendet. Aber auch dort, wo man den Beton jetzt kritisch beäugt, ist Sand auf wiederum andere Weise absolut unentbehrlich: Hochreine, nur an wenigen Orten zu findende Quarzkörnchen stecken in all den kleinen Computerchips, die unsere Geräte am Laufen halten.

Abschalten und sich ausklinken will der Mensch im Sand, dabei ist er nur durch den Sand überhaupt mit der Welt verbunden. Landepisten und Autobahnen würde es ohne ihn so wenig wie Smartphones oder Laptops geben.Dies sind bei weitem nicht die einzigen Paradoxien, die sich rund um den Stoff entspinnen. Unsere Gier nach Sand nimmt immer wieder bizarre Formen an. Schon früh im 20. Jahrhundert sind Strände aufgeschüttet worden, um einem phantastischen Traumbild zu genügen. Waikiki Beach auf Hawaii zum Beispiel hat nur aus einem kleinen Streifen Sand bestanden, bis er mit importierten Körnern zum ikonischen Strand hergerichtet wurde. Und auch heute werden wieder viele Touristenstrände mit extra bestelltem Sand versorgt – weil sie sonst verschwinden würden.

Als Baustoff ist Sand inzwischen derart begehrt, dass sich viele Leute ein gutes Geschäft von ihm versprechen. Buchstäblich über Nacht werden zuweilen halbe Strände gestohlen und auf dem Schwarzmarkt verkauft. Effizienter wäre es zweifellos, gleich die ganze Sahara einzupacken. Nur ist Wüstensand für die Betonproduktion nicht zu gebrauchen. Zu rund sind die vom Wind abgeschliffenen Partikeln der weltweit immer weiter wachsenden Wüstengegenden.

Doch nicht nur Diebe setzen den Stränden zu, die ganze Menschheit arbeitet mit an ihrem Rückgang. Gestaute Flüsse führen dazu, dass der Sandnachschub aus küstenfernen Regionen versiegt; durch die Klimaerwärmung steigen die Meeresspiegel, und weit ins Wasser hinaus gebaute Häfen und andere Installationen verhindern, dass von Wellen und Wind weggetragene Sandkörner an den Strand zurückgespült werden. Erosionen und Aufschüttungen, neue Erosionen, neue Aufschüttungen und wieder neue Erosionen sind die Folge.

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