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Kaliningrad, Der Wasserturm Von Kobbelbude – Kaliningrad Wettet Mit Seiner Vergangenheit Auf Die Zukunft

Russland: Kaliningrad zehrt vom Erbe von Ostpreussen

Vor 75 Jahren wurde aus Königsberg in Ostpreussen die sowjetische Stadt #Kaliningrad. Nicht nur Touristen, auch Zuzüger aus anderen Teilen Russlands entdecken den Landstrich an der Ostsee. Die Reportage von @nzzmac @NZZAusland.

13.05.2021 19:00:00

Vor 75 Jahren wurde aus Königsberg in Ostpreussen die sowjetische Stadt Kaliningrad . Nicht nur Touristen, auch Zuzüger aus anderen Teilen Russlands entdecken den Landstrich an der Ostsee. Die Reportage von nzzmac NZZAusland.

Vor 75 Jahren wurde aus Königsberg in Ostpreussen die sowjetische Stadt Kaliningrad . Das historische Erbe soll heute zum Aufschwung der Region beitragen. Nicht nur Touristen, auch Zuzüger aus anderen Teilen Russlands entdecken den Landstrich an der Ostsee.

NZZ / mac.Parallel dazu begann die sowjetische Führung mit der Umsiedlung Tausender von Bewohnern Zentralrusslands in das neu gewonnene, versehrte Land. Durch Flucht und Vertreibung hatte es sich geleert; nach dem Kriegsende war es nur noch von ausharrenden Deutschen und von Angehörigen der Roten Armee besiedelt. Die Neuankömmlinge zogen in verlassene, oft bereits halb zerstörte oder ausgeplünderte Häuser ein und eigneten sich die eigentümlichen Landschaften und Orte über die Jahrzehnte an.

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Altes blieb oder wurde abgetragen, Neues entstand in einem bis heute mit keinem anderen Teil Russlands vergleichbaren kulturellen Nebeneinander. Die Bevölkerung wurde ausgewechselt, aber das historische Erbe Preussens mit den Geistesgrössen von Immanuel Kant bis Hannah Arendt ist nicht vergangen. Jahrzehntelang existierte die Geschichte vor 1945 offiziell nicht. Das hat sich seit längerem geändert. Das Interesse daran und an der Vielfalt nimmt Jahr für Jahr zu.

Einsatz für historische BautenDie Kaliningrader Künstlerin Anna Fedosejewa beschäftigt sich erst seit kurzem damit – seit sie den Wasserturm von Swetloje entdeckte. Das verwahrloste Objekt am Bahnhof habe abgerissen werden sollen, weil es als einsturzgefährdet gegolten habe, erzählt sie. Da begann sie mit Gleichgesinnten rund um den Turm aufzuräumen und sich für seine Erhaltung einzusetzen. Sie bauten ein provisorisches Dach ein, um den Verfall zu stoppen, und organisierten sich in einem Verein. «Swetlaja baschnja» – «Heller Turm» – heisst er; der Name ist ein Wortspiel mit der Ortsbezeichnung. Die russische Behörde für die Verwaltung von Staatseigentum verpachtete ihnen den Wasserturm langfristig. Ihre Arbeit wird gefördert vom sogenannten Präsidentenstipendium. headtopics.com

Seit Anfang vergangenen Jahres sind Anna Fedosejewa und ihre Mitstreiter am Werk. Treibende Kraft neben Fedosejewa ist Jewgeni Mosijenko, ein junger Kaliningrader Heimatforscher und Reiseleiter, der sich intensiv mit dem bauhistorischen Erbe – vor allem dem industriellen – aus deutscher Zeit beschäftigt. Er organisiert Velofahrten durchs frühere Königsberger Gebiet, unter anderem auf der einstigen Autobahn Berlin–Königsberg, deren Betontrassee unweit von Swetloje der heutigen zweispurigen Strasse Richtung polnische Grenze folgt. Auch lockt er Touristen auf Kajaks durch das Kanal- und Flusssystem der Region, bis in den Hafen von Kaliningrad.

Die Getreide-Lagerhäuser im Hafen von Kaliningrad stammen noch aus preussischer Zeit.Mika Stetsovski / Flickr / CC BY 2.0Chance für BevölkerungDer Wasserturm von Swetloje soll zum Ausflugsziel werden. Zusammen mit zwei Einheimischen, die sich ebenfalls engagieren, halten sie die Bauarbeiten in Gang. Einer von ihnen, Denis Tschirwony, eigentlich Feuerwehrmann in der Stadt und wohnhaft gleich hinter den Gleisen, hat Balken gebracht. Jewgeni Mosijenko hilft mit Bekannten aus der Stadt, sie zum Dachaufbau zu befördern. Besonders wichtig sei es, dass auch die lokale Bevölkerung in die Anstrengungen für den Erhalt der Bauzeugen einbezogen werde, findet er.

Tschirwony etwa sieht den Ausbau des Turms, zu dessen Füssen er als Kind Fussball spielte, als Chance, selbst etwas Neues auf dem Gebiet touristischer Dienstleistungen zu wagen. Im Wasserturm selbst ist ein kleines Kulturzentrum mit einem Atelier geplant. Fedosejewas Augen leuchten, wenn sie erzählt, wie sich Künstler von dem Blumengarten inspirieren lassen sollen, den sie rundherum anlegt. Familien könnten direkt mit dem Zug aus der Stadt in diese Idylle kommen, meint sie. Besonderen Wert legt sie auf eine behindertengerechte Einrichtung.

Deutsche Geschichte als MinenfeldDer Wasserturm von Swetloje ist ein gutes Beispiel dafür, wie dank dem Engagement geschichtsbewusster Aktivisten Kaliningrads historischem Erbe neues Leben eingehaucht wird. Alte Schlösser, die auf die Zeit des Deutschen Ordens zurückgehen, werden restauriert und dem touristisch-historisch interessierten Publikum zugänglich gemacht. Auch einstige protestantische Kirchen, die in der Sowjetzeit zweckentfremdet worden waren, erhalten ihre Gestalt zurück. In beiden Fällen spielt die russisch-orthodoxe Kirche eine entscheidende Rolle: Viele der Gebäude sind nach dem Ende der Sowjetunion an sie übergegangen. headtopics.com

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Der Architekt Oleg Li weiss um die Konflikte, die das mitunter auslöst. Aber er sieht nicht nur Nachteile darin. Immerhin verfüge die Kirche über die nötigen Mittel, meint der Mittdreissiger, der als Kind aus Usbekistan nach Kaliningrad kam. Li setzt sich mit Gleichgesinnten im Verein Preussisches Kulturerbe für die Bewahrung und Sichtbarmachung der deutschen Spuren ein – von Gebäuden, aber auch Friedhöfen und anderen Zeugen vergangener historischer Schichten. Die Gruppe fand 2013 zusammen, als ein Gebäude in Kaliningrad abgerissen werden sollte und sich eine gesellschaftliche Kampagne dagegen formierte.

Das gewachsene Interesse vieler Kaliningrader an der Vergangenheit der Stadt und des Landstrichs gefällt nicht allen. Veteranenverbände und selbsternannte russische Patrioten wittern dahinter eine «Germanisierung». Ernstzunehmende Stimmen, die historischen Revisionismus um das einstige Ostpreussen betreiben und die Zugehörigkeit des Kaliningrader Gebiets zu Russland bestreiten, gibt es jedoch gar nicht. Gleichwohl führt der Vorwurf immer wieder zu Kontroversen,

etwa um Strassenschilder an Wohnhäusern oder um Firmennamen, die deutsche Bezeichnungen enthalten.Institutionen, die sich dem Austausch mit Deutschland verschrieben haben, müssen besonders vorsichtig sein. Aus ihren Kreisen heisst es, das Thema habe zwar zwischen 2014 und 2017 eine gewisse Rolle gespielt; damals musste sogar das Deutsch-Russische Haus schliessen. Derzeit sei es ruhiger. Das dürfte auch mit dem jetzigen Gouverneur zusammenhängen, einem ambitionierten 34-Jährigen, der explizit die Pflege des historischen Erbes als Teil der Geschichte der Region lobt.

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