Brexit, Wunderheiler Und Proteste İn Hongkong – Die Wichtigsten Bild-Essays Von Reporter Ohne Grenzen, Bildstrecke, Fotografie, Nachrichten

Brexit, Wunderheiler Und Proteste İn Hongkong – Die Wichtigsten Bild-Essays Von Reporter Ohne Grenzen

Reporter ohne Grenzen: Die besten Fotos aus dem Jahr 2019 | NZZ

Journalistinnen und Fotografen zeigen die grossen und kleinen Veränderungen dieser Welt. Eine Fotoauswahl aus dem neuen Jahrbuch von Reporter ohne Grenzen.

21.05.2020 17:45:00

Journalistinnen und Fotografen zeigen die grossen und kleinen Veränderungen dieser Welt. Eine Fotoauswahl aus dem neuen Jahrbuch von Reporter ohne Grenzen.

Journalistinnen und Fotografen zeigen die grossen und kleinen Veränderungen dieser Welt. Eine Fotoauswahl aus dem neuen Jahrbuch von Reporter ohne Grenzen.

Brexit, Wunderheiler und Proteste in Hongkong – die wichtigsten Bild-Essays von Reporter ohne GrenzenJournalistinnen und Fotografen zeigen die grossen und kleinen Veränderungen dieser Welt. Eine Fotoauswahl aus dem neuen Jahrbuch von Reporter ohne Grenzen.

Stapelweise landen Patientenakten als Altpapier auf dem Trottoir Polizeigewalt in Lausanne: Wie ein Nigerianer 2018 bei einer brutalen Verhaftung starb Intellektuelle und Unternehmer: Besser, der Bauch denkt mit

Kathrin Klette, Gilles SteinmannDruckenTeilenIn vielen Teilen der Welt kann es mitunter lebensbedrohlich sein, als Journalist oder Fotografin zu arbeiten. Schon für dieses Jahr zeigt das«Barometer der Pressefreiheit 2020», erstellt von der Organisation Reporter ohne Grenzen, dass bereits 10 Journalisten getötet wurden, unter anderem im Irak, in Syrien und in Mexiko. 233 Journalisten sowie 115 Bloggerinnen und Bürgerjournalisten befinden sich in Haft.

In Russland geht die Regierung mit technischen Mitteln gegen regierungskritische Berichterstattung vor. Seit 2019 ermöglicht es ein Gesetz, das heimische Internet vom weltweiten Netz abzukoppeln und Seiten mit unliebsamem Inhalt zu sperren. Auch in China wird das Internet zensiert. In dem Land ist die Pressefreiheit besonders bedroht: Im weltweiten Ranking der Organisation Reporter ohne Grenzen steht das Land auf dem viertletzten von 180 Plätzen. Nur in Eritrea, Turkmenistan und Nordkorea ist die Lage für Medienschaffende noch schlechter. 

Reporter ohne Grenzen setzt sich weltweit für eine freie Berichterstattung ein und unterstützt Journalistinnen und Fotografen in ihrer Arbeit. Die deutsche Sektion gibt jährlich ein Fotobuch heraus. Wir zeigen eine Auswahl der Bilder aus dem neuen Band.

Grossbritannien: Erkundungen in einem gespaltenen LandSeitdem die Briten 2016 für den Brexit gestimmt haben, erkundet der Fotograf Andrew Testa die Seele eines zerrütteten Landes. Den «Remainern», also denen, die sich für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU starkmachen, stehen die erbitterten «Leaver» gegenüber. Testa reist seit vielen Jahren durch Grossbritannien. Er sagt, während dieser Erkundungen habe er vor allem Landsleute gesehen, die sich in ihre tiefen Gräben zurückgezogen hätten. Zwischen beiden Lagern sind die Fronten verhärtet.

Andrew TestaDas Bild schoss Testa am 19. Oktober 2019: An dem Tag demonstrierten in London mehr als eine Million Menschen für ein zweites Brexit-Referendum. In seinen Bildern will Testa die Auswirkungen der Politik auf das Leben der Menschen sichtbar machen: «Ich will den Ärger, die Wut, den Zerfall, die Dummheit, die Angst, die Trauer fotografieren», sagt er. 

Andrew TestaDas Foto nahm Testa in Craignure auf der schottischen Isle of Mull auf. Es zeigt Gäste eines «Cèilidh», einer traditionellen gälischen Tanzveranstaltung. Grund zum Feiern haben die Gäste aber eigentlich nicht: Auch sie müssen die EU verlassen – obwohl in Schottland kein einziger Wahlkreis für den Brexit gestimmt hat. 

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Tansania: In den Behandlungszimmern der Naturheiler und GeisteraustreiberAuf Sansibar, einer zu Tansania gehörenden Insel, vertrauen noch viele Einwohner der traditionellen Heilmedizin. Für ihre Bildreihe«Malady of Spirits» hat sich die amerikanische Fotografin Nicky Woo für mehrere Monate in der Welt der Geisteraustreiberinnen, Naturkundler und Wunderheilerinnen umgesehen.

Woo hat diese Gemeinschaft als verschlossen erlebt; ihre Kamera habe bei vielen Patienten Skepsis ausgelöst, sagt sie. Erst nach und nach gelang es ihr, Zugang zu gewinnen. Die Naturheilerin Mwanahija Mzee begleitete Woo am längsten. Auf dem Foto ist zu sehen, wie Mzee eine pflanzliche Arznei in Papier einwickelt. Das Mittel soll gegen Verdauungsstörungen helfen.

Nicky WooWoo lernte während ihrer Erkundungen, dass die Naturheiler, die «Mgangas», in der Bevölkerung einen sehr guten Ruf haben. Die meisten Einwohnerinnen suchten sie regelmässig auf, und sogar Woos Freunde, die zur Oberschicht gehörten, seien eher zu einem Heiler als zu einer Ärztin gegangen, erzählt sie. Das Wissen in traditioneller Heil- und Kräuterkunde in der Szene ist mitunter tatsächlich gross – zumindest nach Woos Beobachtung. 

Religiöse Wunderheiler setzen dagegen eher auf Zauberformeln und Gebete. Ihrer Vorstellung nach sind «Dschinns», böse Geister, die in einen Menschen gefahren sind, Verursacher eines körperlichen Leidens. Patientinnen werden bei der Behandlung in Trance gesetzt und sollen so geheilt werden.

Da der Markt der alternativen Heilkunde auf Sansibar einen regen Zulauf hat, will ihn die Regierung in das Gesundheitssystem integrieren. Wunderheiler müssen sich inzwischen registrieren, zudem gibt es für sie Angebote in moderner Medizin.Tunesien: Postkarten jenseits der Klischees

Aus Tunesien sind eigentlich nur zwei Sorten von Bildern bekannt: Fotos der Jasminrevolution von 2010/2011, in deren Folge der autokratische Präsident Zine el-Abidine Ben Ali gestürzt wurde und das Land verliess, und Postkarten mit Stränden, Kamelen und den weissen Häusern aus Sidi Bou Saïd. 

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Postkarten «schmücken, beschönigen und verführen», findet jedoch der tunesische Fotograf: «Und sie nähren die Phantasie eines Tunesien, das nicht existiert.» Ghozlani will daher Bilder zeigen, die realistische Eindrücke aus dem Land bieten.

Wassim GhozlaniGhozlani ist für seine Arbeit «Postcards from Tunisia» durch das ganze Land gereist. Die Bildkompositionen ähneln jenen von Postkarten, nur sind auf seinen Bildern keine Sehenswürdigkeiten zu sehen, sondern Ruinen. Die Motive stehen auch für den politischen Stillstand im Land. Die Arbeitslosigkeit in Tunesien ist auch fast zehn Jahre nach der Revolution unverändert hoch, und der wirtschaftliche Aufschwung lässt auf sich warten.

Kolumbien: Für ewig verwundetSchon seit Jahrzehnten kämpfen in Kolumbien die Rebellen der linken Farc-Guerilla gegen die Regierungstruppen. Mehr als 250 000 Menschen sind in dem Konflikt bereits ums Leben gekommen. Auch der FotografAndrés Cardona

 hat Angehörige und Vorfahren durch den Konflikt verloren, weil sie linken Parteien nahestanden und von Regierungstruppen getötet wurden. Unter den Opfern sind Cardonas Eltern.In seinem Fotoessay «Wreck Family» begibt sich Cardona auf die Spuren seiner getöteten Verwandten und erzählt, welche Folgen ihr Tod für die Hinterbliebenen hatte. Er habe mit vielen Angehörigen gesprochen, auch wenn das oft schwierig gewesen sei, sagt er: «Viele von ihnen haben nicht nur ihre Freunde und Verwandten verloren, sondern wurden selbst in den Ruin gestürzt, sind bis heute verarmt oder haben den Schmerz über die Verluste nicht verkraftet.» Manche seien auch von Militärs gefoltert worden.

Andrés CardonaDas Foto zeigt Cardonas Grossmutter. Sie erlebte mit, wie ihr Vater von den kolumbianischen Streitkräften getötet wurde. Es sieht aus, als ob eine Träne aus Blut aus ihrem Auge fliesst. Die Idee dazu sei ihm während eines Gesprächs gekommen, sagt Cardona: «Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist, dass wir Blut weinen», habe seine Grossmutter gesagt.

Syrien: Das zerschundene LandAlice Martins für «The Washington Post»Die brasilianische FotografinAlice Martins lebt in Istanbul und reist seit 2012 regelmässig in das Bürgerkriegsland Syrien. Das Bild zeigt mutmassliche Kämpfer der Terrororganisation «Islamischer Staat» in einem von kurdischen Streitkräften kontrollierten Gefängnis in der Stadt al-Hasaka in der Nähe der türkischen Grenze.

Journalistinnen und Fotografen arbeiten in Syrien unter besonders erschwerten Bedingungen. Martins sagt, Medienschaffende könnten in immer weniger Gebiete fahren, da das Regime unter dem Diktator Bashar al-Asad immer grössere Teile des Landes kontrolliere. 

Russland: Der Staat liest mitOksana YushkoIn Russland arbeiten Journalisten schon länger unter erschwerten Bedingungen. Regierungskritikerinnen müssen für ihre Berichterstattung mit Gefängnisstrafen rechnen, im November 2019 trat zudem ein umstrittenes Gesetz in Kraft, das das Internet im Land unter die komplette Kontrolle des Staates stellt; unliebsame Inhalte können nun noch leichter blockiert werden.

Gegen all das regt sich Widerstand: Die russische FotografinOksana Yushko hat für ihr Projekt «Alternative Moscow» die Proteste in der Hauptstadt im Sommer 2019 begleitet. Sie fotografierte die Künstlerin und Aktivistin Daria Serenko, die in der Nähe des Kreml mit selbstgeschriebenen Protestplakaten steht. Die Demonstranten setzten sich unter anderem für die Freilassung des investigativen Journalisten Iwan Golunow ein, der wegen erfundener Drogenvorwürfe unter Hausarrest stand. Später forderten sie faire und freie Kommunalwahlen. Mit

waren es die grössten Proteste in Moskau seit Jahren.Hongkong: Eine Stadt lehnt sich aufEine der sichersten Städte der Welt befindet sich seit dem Sommer 2019 im Ausnahmezustand. Auslöser der Massenproteste, bei denen zeitweise mehr als eine Million Menschen auf die Strasse gingen, war ein umstrittenes Auslieferungsgesetz, das die Überstellung von Verdächtigen nach China ermöglicht hätte. Die Demonstranten kritisierten zudem den wachsenden Einfluss Pekings auf die chinesische Sonderverwaltungszone und fordern eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt.

Der Hongkonger Fotografhat schon die ersten Proteste im Jahr 2014 begleitet, und auch im Sommer 2019 war er wieder dabei.Lam Yik Fei für «The New York Times»Das Foto zeigt Demonstranten, die sich im Stadtteil Tsuen Wan auf einen Zusammenstoss mit der Polizei vorbereiten; bei den Protesten kam es regelmässig zu Krawallen. Das Symbol der Demokratiebewegung ist der Regenschirm; sie wird deswegen auch die Regenschirmbewegung genannt.

Lam Yik Fei für «The New York Times»Am 27. September 2019 versammeln sich Tausende von Demonstranten vor dem San Uk Ling Holding Centre, einem Internierungslager kurz vor der Grenze zu China. Sie sind zu einer Solidaritätsveranstaltung für die verhafteten Demonstranten zusammengekommen. Seit Juni 2019 sind bei den Protesten mehr als 6000 Personen festgenommen worden.

Die Arbeit von Reporter ohne GrenzenWelche Folgen die Corona-Pandemie für die Arbeit von Fotografen und Journalistinnen langfristig haben wird, ist noch nicht abzusehen. Schon jetzt steht jedoch fest, dass ihre Arbeit noch einmal erschwert worden ist. Wegen der Reisebeschränkungen sind viele Recherchen nicht möglich, vielerorts herrschen Ausgangsbeschränkungen.

Seit 1994 gibt die deutsche Sektion von Reporter ohne Grenzen jedes Jahr ein Fotobuch heraus, in der Schweiz erscheint alle zwei Jahre ein Band. Dieses Jahr wurde die Publikation hierzulande jedoch vertagt. Gründe hierfür waren das zu geringe Werbeaufkommen und die zu geringen Verkaufszahlen der früheren Bände, wie Thérèse Obrecht, die ehemalige Präsidentin der Schweizer Sektion, erklärte.

Die Erlöse aus dem Verkauf des Fotobuches fliessen vollständig in die Pressearbeit und die Nothilfe von Reporter ohne Grenzen. Mit dem Geld werden zum Beispiel Anwältinnen bezahlt oder medizinische Behandlungen für verfolgte Journalisten.

Reporter ohne Grenzen Deutschland (Hrsg): 104 S., € 14.–. Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

Zeit für eine Pause und die besten Bilder aus dem Internet: PICDUMP!Was noch gestern undenkbar gewesen wäre, ist jetzt Tatsache: Der PICDUMP! 😑

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