Postwachstumsökonom Niko Paech über die Klimakrise und das WEF

Postwachstumsökonom Niko Paech: «Die Grünen sind am unfähigsten, Klimaschutz umzusetzen!»

20.1.2020

Postwachstumsökonom Niko Paech: «Die Grünen sind am unfähigsten, Klimaschutz umzusetzen!»

Postwachstumsökonom Niko Paech, lange Enfant terrible der Wirtschaftswissenschaften, spricht im BLICK-Interview über die grösste Krise der Welt, das WEF und was er für 2020 erwartet.

Was er predigt, ist jetzt Trend: Der Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech ist wachstumskritisch. Siggi Bucher Wie Greta Thunberg fliegt er nicht. keystone-sda.ch 3/9 Doch deren Protest werde den Planeten noch nicht retten – genauso wenig wie das Weltwirtschaftsforum in Davos. imago/Rainer Weisflog Nur das bringe die CO2-Emissionen runter. DUKAS 9/9 Wie Paech befürwortet übrigens auch die neue finnische Premierministerin eine Reduktion der Arbeitszeit. Würden alle wie Niko Paech leben, wäre der Klimawandel wohl Geschichte. Erst ein einziges Mal in seinem Leben ist der 59-jährige Professor überhaupt geflogen: Weil ihn sein Doktorvater 1993 dazu zwang, ihn in Amerika zu treffen. In seiner Disziplin, den Wirtschaftswissenschaften, galt Wachstumskritiker Paech lange als Aussenseiter. Dank der Klimadiskussion ist seine Kritik an der Lehre vom ewigen Wachstum im Trend – BLICK sprach mit ihm klimaschonend via Telefon über die Welt und ihre grösste Krise. Australien brennt, der Amazonas ist in Gefahr, überall Unzufriedenheit. Wer rettet denn jetzt den Planeten: Greta Thunberg oder die Teilnehmer des WEF 2020? Niko Paech: Keiner von beiden. Wir brauchen einen Aufstand der Handelnden – Gruppen von Menschen, die eine Lebensweise praktizieren, die übertragbar ist auf 7,5 Milliarden Menschen. Ist das nicht das Ziel von Greta und ihren Mitstreitern? Protest sichert noch nicht das Überleben der menschlichen Zivilisation. Das kostet etwas. Und zwar das Fallenlassen ganz bestimmter Forderungen, materielle Wünsche und Freiheiten. Sie predigen Verzicht? Nein, ich rede von Suffizienz, einer freiwilligen Reduktion oder Begrenzung der Ansprüche auf ein ökologisch verantwortbares Mass. Dies wäre kein Verzicht, weil wir längst psychische Wachstumsgrenzen durchstossen haben. Die Reizüberflutung, die Orientierungslosigkeit, der Stress, das Burn-out-Syndrom, Depressionen und so weiter – das alles nimmt zu wegen des Wohlstands, der unsere Sinne überfordert. Nützt es etwas, dass die globale Führungselite auf dem WEF auch über Zukunftsthemen wie Klima und Gesundheit diskutiert? Das wird das Grundproblem nicht lösen: Die Politik ist komplett handlungsunfähig, weil die Mehrheit der Menschen in den parlamentarischen Demokratien ökonomisch und ökologisch über ihre Verhältnisse lebt. Diese Menschen müssten somit jemanden wählen, der sie zu etwas zwingt, was sie freiwillig nicht zu tun bereit sind. Diese Paradoxie lässt sich nicht auflösen. Dabei ist grüne Politik doch im Trend – bei den vergangenen Wahlen in Europa haben die Grünen fast überall abgeräumt. Die Grünen sind am unfähigsten, Klimaschutz umzusetzen. Der Grund ist simpel: Keine Partei kann gegen die eigene Wählergruppe vorgehen – und niemand hat einen grösseren CO 2 -Rucksack als grüne Wähler. Die Massnahmen der Grünen reichen nicht und starke Forderungen stellen sie nur, wenn sie nicht an der Macht sind. Was halten Sie vom «Green New Deal» der neuen EU-Chefin Ursula von der Leyen? Das ist eine Mogelpackung, die das Unmögliche verspricht: keine Wohlstandsreduktion bei gleichzeitig hinreichendem Umweltschutz. Das Gleiche gilt in den USA für den Plan der Demokraten. Macht es China besser? China könnte nicht weiter von einer nachhaltigen Entwicklung entfernt sein. Das Gros der Mobilität beruht auf Auto- und Flugverkehr. Und dass China zusätzlich zu all den zerstörerischen Massnahmen den Zugverkehr fördert und in erneuerbare Energien investiert, ist genau das europäische Prinzip: Wir ummanteln den CO 2 -intensiven Luxus, der nicht reduziert werden soll, mit grünen Symbolen. Was würden Sie machen, wenn Sie morgen am Drücker wären? Erstens, ein Bildungssystem, das jungen Menschen schlicht und ergreifend ökologische Verantwortung für das 21. Jahrhundert vermittelt. Das setzt voraus, dass Menschen in regelmässigen Abständen ihre eigene CO 2 -Bilanz kalkulieren. Zweitens ein Verbot aller Urlaubsflüge, Kreuzfahrten und von anderem schamlosen Luxus. Drittens: Einführung der 20-Stunden-Woche, um bei halbierter Produktion dennoch Vollbeschäftigung erreichen zu können. Die neue, finnische Premierministerin befürwortet die 4-Tage-Woche. Und eine australische Studie hat gerade gezeigt, dass Länder mit mehr Politikerinnen zu einer ambitionierteren Klimapolitik tendieren. Sind Frauen progressiver? Ich finde es grossartig, wenn Frauen in hohen politischen Ämtern sind. Davon braucht es noch mehr, nämlich aus Gründen der Gleichberechtigung. Aber Nachhaltigkeit haben weder Margaret Thatcher, noch Angela Merkel, Golda Meir oder Indira Gandhi hingekriegt. Bei der SP sehe ich jetzt auch keine wirksame Nachhaltigkeitspolitikerin. Wir befinden uns in einer Phase aktuell schwachen Wachstums und niedriger Zinsen. Freuen Sie sich darüber? Ich sehe nicht, dass das Wachstumspotenzial gesunken ist. Nur weil das Bruttoinlandprodukt an einer Stelle nicht stark wächst, bedeutet das nicht automatisch eine ökologische Entlastung. Man muss dann schon hinschauen, welche Sektoren schrumpfen und ob nicht während dieses Schrumpfungsprozesses schädlichere Sektoren sogar wachsen. Wir stehen jetzt am Beginn eines neuen Jahrzehnts. Was erwarten Sie für 2020 und darüber hinaus? Wir haben aus den vergangenen Krisen nichts gelernt – weder aus der ökologischen, noch aus der Lehman-Brothers-Pleite, noch aus der kaum diskutierten Ölkrise der Nullerjahre. Aber dies wird sich wiederholen. Moderne Gesellschaften werden einen enormen Stress erleben, was die Stabilität bisheriger Lebensverhältnisse anbelangt. Ich kann nur hoffen, dass mehr soziale Bewegungen entstehen, deren Teilnehmer alternative Lebensformen erproben. Wenn das eine kritische Masse erreicht, könnte dies zum Selbstläufer werden. Die Politik eilt dem gesellschaftlichen Wandel niemals voraus, sondern immer nur in sicherem Abstand hinterher. Die Schweiz ist für ihn ein Vorbild Dem Wirtschaftswissenschaftler Niko Paech (59) gefällt das Schweizer Politikmodell – weil es auch zwischen den Wahlen Abstimmungen zulässt. Dass die nicht immer zugunsten der Umwelt ausfallen, rechnet er einem Problem zu: Herr und Frau Schweizer sitzen in der Wohlstandsfalle. Er selbst schwört auf Konsumverzicht. Paech hat den Begriff der «Postwachstumsökonomie» geprägt, lehrt und forscht an der Universität Siegen (D) als ausserplanmässiger Professor im Bereich Plurale Ökonomik. Die hat dem Kanon der Volkswirtschaftslehre abgeschworen – und sucht nach neuen Wegen, Wirtschaft und Nachhaltigkeit zu vereinbaren. Publiziert: 19.01.2020, 23:46 Uhr Weiterlesen: BLICK

Die meisten Grünen haben noch nie viel von Umweltmanagement verstanden. Unternehmeraufdiestrasse: Die KMU sollten den Klimaaktivisten und ihren Sympathisanten endlich klarmachen, dass es ohne sie überhaupt keinen Umweltschutz gäbe.

So verbringen die Davoser die WEF-Zeit - BlickManche profitieren, andere flüchten. Das World Economic Forum (WEF) drückt Davos seinen Stempel auf. Der Tourismus-Hotspot wird für Tage zur Hochsicherheitszone. Für die Einheimischen ist der Mega-Event Segen und Fluch zugleich.

Davos ist bloss ein SchaufensterDie Ideale des WEF-Gründers Klaus Schwab spielen in der Alpenstadt keine zentrale Rolle. Es geht um Deals und Geschäftstreffen.

Juso empört über WEF-Auftritt von Sommaruga - BlickDer prominente Auftritt von SP-Magistratin Simonetta Sommaruga am WEF erhitzt die Gemüter der Genossen. Denn erst kürzlich hat die Parteibasis entschieden, dass SP-Politiker nicht nach Davos reisen sollen. Sie will doch auch mal bei den grossen dabeisein.

Das WEF wird 50 - BlickAm Dienstag beginnt das 50. World Economic Forum in Davos. Ein Blick zurück, als Bundeskanzler Helmut Kohl mit DDR-Premier Hans Modrow plauderte – und U2-Frontmann Bono von «Bonzen im Schnee sprach».

Zurück am Lauberhorn - Bernhard Russi: «Erst dann gibt man zu: ‹Ich hatte Angst›»Die Schweizer Skilegende Bernhard Russi über die Arbeit an chinesischen Pisten, dem Dasein als Ski-Fan und nie vergehende Angst. Lauberhorn Lauberhornrennen Wengen srfski Und den Beitrag über das Duell Russi vs. Colombin gibt's für Auslandsschweizer wahrscheinlich auch nicht zu sehen. :-(

«Man sollte die Rhetorik des US-Präsidenten sehr ernst nehmen»Als Aktionär werden wir künftig gegenüber der Öffentlichkeit und den Unternehmen viel transparenter darüber sein, wie wir abstimmen – auch in Sachen Nachhaltigkeit. (Abo+)



Zwei bestätigte Fälle im Kanton Graubünden

Coronavirus: 3 weitere Fälle in der Schweiz ++ Genfer Uhrensalon wird abgesagt

Frau (30) liegt mit Virus im Triemlispital

Graubünden sagt den Engadiner Skimarathon ab

Kein «Engadiner» am 8. März - Wegen Coronavirus: Skimarathon abgesagt

Fünfter Coronavirus-Fall in der Schweiz bestätigt

«Wir klären derzeit sehr viele Verdachtsfälle ab»

Schreibe Kommentar

Thank you for your comment.
Please try again later.

Neuesten Nachrichten

Nachrichten

20 Januar 2020, Montag Nachrichten

Vorherige nachrichten

Wohnbau-Gegner hausieren mir alten Zahlen - Blick

Nächste nachrichten

Fussball aus den Topligen - Ronaldo mit Doppelpack – Messi mit Siegtor
Bundesrat verbietet Grossveranstaltungen Keine Fasnacht, kein Autosalon - Bundesrat verbietet alle Grossveranstaltungen bis Mitte März Aus für Fasnacht, Konzerte, Autosalon: Bund verbietet Grossanlässe wegen Corona Kita-Mitarbeiterin infiziert – Kinder in Quarantäne Folgen für Schweizer Fussball - Super-League-Runde abgesagt – auch Cup-Viertelfinals vertagt Baselworld sagt Messe wegen Coronavirus ab Nach Bundesrats-Entscheid - Coronavirus: Alle Eishockey-Partien am Wochenende ohne Fans Wegen Coronavirus: Bundesrat verbietet Grossevents – diese Veranstaltungen sind betroffen Swiss streicht Italien-Flüge News aus dem Tennis - Djokovic wehrt gegen Monfils 3 Matchbälle ab und siegt noch Coronavirus: Bundesrat verbietet Gross-Events ++ Basler Fasnacht fällt aus ++ Riesige Rauchwolke über Pariser Bahnhof
Zwei bestätigte Fälle im Kanton Graubünden Coronavirus: 3 weitere Fälle in der Schweiz ++ Genfer Uhrensalon wird abgesagt Frau (30) liegt mit Virus im Triemlispital Graubünden sagt den Engadiner Skimarathon ab Kein «Engadiner» am 8. März - Wegen Coronavirus: Skimarathon abgesagt Fünfter Coronavirus-Fall in der Schweiz bestätigt «Wir klären derzeit sehr viele Verdachtsfälle ab» Bianca bringt Windspitzen bis 150 km/h Der FCSG damals und heute - Vom Espenmoos und Amoah bis Görtler und Hüppi «Kein Land ist besser vorbereitet als die USA» 28-Jähriger in Genf positiv getestet Weitere Sport-News des Tages - Springreiterin Steiner für 2 Jahre gesperrt