Ozzy lebt

Eine Todesahnung prägt das neue Album von Ozzy Osbourne. Doch der Heavy-Metal-Pionier ist unsterblich.

17.2.2020

Wie lebendig dieser Mann wirklich ist – und ob er überhaupt noch am Leben ist, darüber rätselte die Welt immer wieder. (Abo+)

Eine Todesahnung prägt das neue Album von Ozzy Osbourne. Doch der Heavy-Metal-Pionier ist unsterblich.

Beschreibung des Fehlers* gültige E-Mail-Adresse fehlt John Michael Osbourne will nicht als gewöhnlicher Mann sterben, er, der in ärmlichen Verhältnissen in der zerbombten Industriestadt Birmingham aufwuchs. Und unvorbereitet war auf das Leben als Rockstar, bevor er als Ozzy weltberühmt wurde. Er, der den «bad guy» mit seiner Sauferei und zahllosen Eskapaden immer wieder zele­brierte. Und der im Titelsong seines neuen und wohl letzten ­Albums «Ordinary Man» weiter singt: «Ich weiss nicht, warum ich noch am Leben bin.» Ozzy mit seiner Band Black Sabbath 1975. Foto: Getty Images Wie lebendig dieser Mann wirklich ist – und ob er überhaupt noch am Leben ist, darüber rätselte die Welt immer wieder. Gleich zu Beginn des neuen Jahres wurde in lauten Schlagzeilen gemutmasst, ob Ozzy Osbourne im Sterben liege. Es waren Gerüchte, die der 71-Jährige energisch zurückwies – um kurze Zeit später seine Parkinson-Diagnose öffentlich zu machen. Der Hass auf die Welt und die Hippies Körperlich geht es ihm schlecht – die Weltöffentlichkeit hat es an den Grammy-Verleihungen Ende Januar wieder einmal gesehen. Ozzy und seine Frau Sharon verkündeten dort den Gewinner in der Kategorie «Beste Rap-/Song-Performance». Ob er, der seine 2019 verschobene Tour dieses Jahr nach­holen will, denn überhaupt über den Tod nachdenkt? Das schon, aber es beunruhige ihn nicht: «In 15 Jahren oder so werde ich nicht mehr hier sein, aber damit beschäftige ich mich nicht. Es wird uns allen irgendwann passieren», sagte Ozzy unlängst dem Metal-Magazin «Kerrang!». Aber wieso sich um die Sterblichkeit kümmern, wenn einer wie Ozzy Osbourne diese eigentlich schon längst überwunden hat? Man muss nur rasch die ersten ­Alben seiner Band Black Sabbath anhören. Sie klingen noch immer furchteinflössend, ungebändigt auch. Trotz dem okkulten Mummenschanz, der da und dort auszumachen ist – und über den man heute höchstens lächeln kann. Es sind Songs wie «War Pigs», wie «Paranoid», wie «Iron Man» – messerscharf und doch frei gespielt von der Band um den Gitarristen Tony Iommi mit seinen versehrten Fingern, drohend und auch gebieterisch eingesungen vom «Prince of Darkness» Ozzy. Ozzy Osbourne bei einem Konzert in Verona, Italien. Foto: Getty Images Der Hass auf die Welt und die Hippies sowie eine Aussenseiter-Paranoia trieben diese unerhörte Musik an. Entstanden sind Aufnahmen, die auch ohne nostalgische Verklärung funktionieren – und deren kulturelle Sprengkraft auch für Nachgeborene problemlos nachzuvollziehen ist. Und so gilt der Februar 1970, als das Debüt von Black Sabbath erschienen ist, als Geburtsmonat jenes Stils, der allerspätestens mit Bands wie Metallica den Mainstream eroberte: Heavy Metal. Die ganze Lächerlichkeit von alternden Rockstars Warum Black Sabbath und Ozzy heute für viele Jüngere noch prägend sind – selbst für jene, die mit dem weiteren Verlauf der Metal-Geschichte oder mit dem verklärten «Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll»-Mythos nichts anfangen können? Das hängt mit den vielen Black-Sabbath-Echos zusammen, die beim Stoner Rock von Bands wie den frühen Queens of the Stone Age oder dem experimentellen Doom Metal der Mönchskuttenträger Sunn O))) anklingen. Es liegt auch an einer Coverversion der Black-Sabbath-Ballade «Changes» des verstorbenen Soulsängers Charles Bradley, die die Zeitlosigkeit ihrer besten Songs in Erinnerung ruft. Kein Altersweise: Ozzy Osbourne mit seiner Familie im Amerikanischen Trash-Fernsehen. Foto: PD Schuld für die Langlebigkeit von Ozzy Osbourne ist aber auch die Reality-TV-Serie «The Osbournes», die zu Beginn der Nullerjahre die ganze Lächerlichkeit von alternden Rockstars abbildete. Damals zeigte MTV den grotesken, weil furchtbar banalen Familienalltag der Familie Osbourne. Bereits da erschien Ozzy als körperliches Wrack, der durch seine geschmacklos eingerichtete Villa in Malibu irrlichterte. Er suchte etwa einen Bierdieb – obwohl er, der Alkoholkranke, den Biervorrat selber vernichtet hat. Natürlich war das hart an der Grenze zum Voyeurismus, aber «The Osbournes» bedeutete nicht nur ein Comeback von Ozzy. Die Show war auch eine Befreiung für all jene, die an die ewige Jugendlichkeit der Rockstars glaubten. Und nun sahen, wie elend normal das Leben eines Säulenheiligen der Popkultur eben auch ist. Man wusste spätestens da: Ein Altersweiser, wie es heute etwa Iggy Pop ist, wird Ozzy Osbourne nie werden. Ganz so, als sei er nur dann richtig da, wenn er singen kann Die Ozzy-Show musste auch abseits seiner Villa weitergehen, mit Wiedervereinigungen der Band, mit einem letzten Black-Sabbath-Album, einer definitiven Band-Abschiedstour – und nun mit dem neuen, allzu pompös produzierten Soloalbum «Ordinary Man». Ozzys Stimme klingt aber überraschend präsent, ganz so, als sei er nur dann richtig da, wenn er singen kann. Er sucht Beistand bei Elton John, der eine Strophe im ­Titelsong übernimmt, macht Konzessionen an den streamingoptimierten Zeitgeist, wenn Rapkönige wie Travis Scott auftauchen – und kann sich auf eine Band verlassen, in der der ehemalige Guns-N’-Roses-Bassist Duff McKagan und der Red-Hot-Chili-Peppers-Drummer Chad Smith mittun. Der nahende Tod: Er überstrahlt alles, was Songs wie «Under the Graveyard» betonen. Was sicher ist: Als gewöhnlicher Mann wird Ozzy nicht sterben. Niemals. Ozzy Osbourne: «Ordinary Man» (Epic/Sony). Konzert: 24. 11., Hallenstadion, Zürich Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: Weiterlesen: Tages-Anzeiger

Das Sondersetting von Yakin hat auch eine positive Seite - BlickArbeitslosentaggelder beziehen, ohne einen Finger zu rühren, geht gar nicht. Doch Pro-forma-Bewerbungen schreiben, nur um die sturen Vorgaben zu erfüllen, geht auch nicht. Lieber Claude In der ALV gibt es keine Sondersettings! Hingegen gibt es die Regel des Zwischenverdienstes, wenn Du das meinst. Und da gelten die Regeln für alle gleich. ClaudeChatelai1



Schreibe Kommentar

Thank you for your comment.
Please try again later.

Neuesten Nachrichten

Nachrichten

17 Februar 2020, Montag Nachrichten

Vorherige nachrichten

Europameisterschaft in Rom - Silber für Freistil-Ringer Scherrer

Nächste nachrichten

Xi Jinping wusste offenbar schon Anfang Januar von Coronavirus
Keine Schweizer Rundfahrt 2020 - Tour de Suisse ist abgesagt «Herzzerreissende Szenen» am Grenzzaun Warum der Bund die Swiss unterstützen sollte Trumps historische Fehleinschätzung Viele Kantone investierten keinen Franken in die Krisen-Vorsorge So will der Bund Kredit-Missbrauch verhindern Exit-Strategie und schöne Ostern: Der Bundesrat kämpft an zwei Fronten Für Afrika werden keine Masken übrig sein «Fit mit Adriano» - Ein Fitnessangebot für alle, die schon mit Jack Günthard turnten Der Weltwirtschaft droht eine lange Rezession – oder gar eine Depression «Ich hoffe, dass die Leute uns zuhören» Tour de Suisse ist abgesagt