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Michail Prischwins Tagebuch: «Für jede Zeile 10 Jahre erschossen»

Michail Prischwin schrieb fünfzig Jahre lang ein geheimes Tagebuch über die Schrecken der Sowjetexistenz. Sie stellen eine literarische und historische Quelle ersten Ranges dar.

24.1.2020

Michail Prischwin schrieb fünfzig Jahre lang ein geheimes Tagebuch über die Schrecken der Sowjetexistenz. Sie stellen eine literarische und historische Quelle ersten Ranges dar.

Michail Prischwin schrieb fünfzig Jahre lang ein geheimes Tagebuch über die Schrecken der Sowjetexistenz. Wie durch ein Wunder sind die Aufzeichnungen erhalten geblieben. Sie stellen eine literarische und historische Quelle ersten Ranges dar.

Wikimedia Commons Möglicherweise war nicht offene Repression, sondern subtile Verzwergung die wirksamste Waffe des sowjetischen Kulturbetriebs. Genau diese Disziplinierung widerfuhr dem Prosaautor Michail Prischwin (1873–1954). Die sowjetische Literaturkritik feierte ihn als «Sänger der russischen Natur», seine Kurzgeschichten galten als Musterbeispiele kommunistischer Empfindsamkeit. Prischwin wurde in eine Schwellenzeit hineingeboren: Er hat fast die gleichen Lebensdaten wie Stalin. Als Augenzeuge beobachtete er den späten Zarismus, die Revolutionen von 1917, den Bürgerkrieg und die stalinistische Diktatur. Prischwin überlebte, weil er das Klischee des Naturdichters umarmte und mit schöner Regelmässigkeit den Buchmarkt mit jenen Werken belieferte, die man von ihm erwartete. Erst nach dem Ende der Sowjetunion zeigte sich, dass es neben dem Dienstschriftsteller auch noch einen anderen Prischwin gab: Während fast fünfzig Jahren hatte er ein ebenso explosives wie exquisites Tagebuch geführt. 120 Hefte füllte Prischwin mit seinen scharfen Analysen der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart. Über die Brisanz seiner Aufzeichnungen machte er sich keine Illusionen: «Für jede Zeile werde ich zehn Jahre lang erschossen.» Machtergreifung der Bolschewiki Die Berliner Übersetzerin Eveline Passet hat es auf sich genommen, dieses monumentale Werk zu sichten und eine Auswahl in vier Bänden auf Deutsch zu veröffentlichen. Der erste Band dieses wichtigen Unternehmens liegt nun vor. Die Aufzeichnungen gewähren einen Einblick in die fragile Mechanik des Revolutionsjahrs 1917 und in die gesellschaftlichen Umbrüche des Bürgerkriegs. Prischwin hatte selbst eine linke Jugend hinter sich. Während seines Studiums in Riga sass er wegen marxistischer Umtriebe sogar ein Jahr im Gefängnis. Die Februarrevolution erlebte Prischwin in der Hauptstadt Petrograd. Der Sturz der Autokratie erschien ihm als logische Folge der Misswirtschaft und des Obskurantismus: «Und so gab es schon lange keinen Zaren mehr, seine Nächsten hatten ihn längst ausgesaugt wie eine Raupe und dem Volk nur die Hülle gelassen.» Das Machtvakuum im Sommer 1917 verlangte nach historischer Sinngebung. Prischwin beobachtete, wie in Windeseile alle geschichtlichen Darstellungen der Französischen Revolution ausverkauft waren. Die blutige Selbstermächtigung des Pöbels, das Aufsteigen des rücksichtslosen Diktators und die Ermordung des Monarchen folgten auch in Russland einem Deutungshorizont, der durch das Jahr 1789 abgesteckt wurde. Die Machtergreifung der Bolschewiki löste in Prischwin wenig Begeisterung aus. Dabei ging er aber mit sich selbst streng ins Gericht. Im März 1918 notierte der 45-Jährige: «Wäre ich jetzt 20, 25, ich wäre auf jeden Fall Bolschewik, und zwar, das weiss ich sicher, nicht der sozialrevolutionären, sondern der marxistischen Richtung.» Sorgfältig zeichnete Prischwin seinen eigenen ideologischen Werdegang nach, er analysierte die Entfremdung von der eigenen Familie und den daraus resultierenden Erlösungsglauben an eine politische Religion, wie sie ihm der Sozialismus zu bieten schien. Erst die «Aufmerksamkeit für die menschliche Seele» – so hielt er selbstkritisch fest – kurierte ihn von seinen Allmachtphantasien. Animalische und chaotische Gegenwart Der Landbesitzer Prischwin erlebte die rabiate Enteignungspolitik der Bolschewiki auf seinem eigenen Gut, das südlich von Moskau lag. Ein Dekret der neuen Macht besagte, dass alle Zäune hinter den Häusern niederzureissen seien und auf der entstandenen Fläche drei «sowjetische Gärten» errichtet werden müssten. Mit Schaudern beobachtete Prischwin die Plünderungslust der Bauern, die wie ein «gieriger Wolf» oder ein «brüllender Gorilla» ihren eigenen Vorteil suchten. Genau dieses animalische Element dominierte die chaotische Gegenwart. Prischwin erblickte Lenins «Verbrechen» darin, dass der Revolutionsführer die niederen Instinkte der Bauern für die Konsolidierung seiner Macht missbrauchte. Immer wieder hielt Prischwin fest, wie er unter Hunger und Kälte litt. Mit der körperlichen Unbill wuchs aber auch der geistige Hunger. Es gab kaum mehr «Kultur», die für Prischwin als «Puffer zwischen Herr und Knecht» funktionierte. Einspruch erhob er auch gegen den wachsenden Antisemitismus unter den russischen Bürgern, die das Feindbild der «Judäokommune» für die Revolution verantwortlich machten. Trotz allen Widrigkeiten spricht aus den Tagebucheinträgen ein Durchhaltewillen, der nicht selbstverständlich ist. Prischwin schildert die allgemeine Erschöpfung anhand der Selbstaufgabe eines Hundes, der hungrig auf den Schienen der Strassenbahn einknickt. Der Hund scheint sich kurz zu fragen, ob es sich lohnt, dem Fahrzeug auszuweichen, entscheidet «Nein» und bereitet seinen Qualen ein Ende. Michail Prischwins Tagebuch ist eine literarische und historische Quelle ersten Ranges. Es verbindet eine hellwache Sicht auf das Revolutionsgeschehen mit einer feinsinnigen psychologischen Analyse. Gleichzeitig stellt Prischwin seine künstlerische Schaffenskraft unter Beweis, indem er die eigene Biografie nicht einfach als passives Schicksal, sondern als weltgeschichtliche Zeitzeugenschaft begreift. Michail Prischwin: Tagebücher. Band 1. 1917 bis 1920. Aus dem Russischen übersetzt, herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Eveline Passet. Mit einem Essay von Michail Schischkin. Guggolz-Verlag, Berlin 2019. Fr. 45.90. 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