Kehrtwende bei Pilotprojekt – Jura gibt der Geothermie doch noch eine Chance

Das Geothermieprojekt im jurassischen Haute-Sorne stand fast vor dem Aus. Nun geht es doch weiter.

27.01.2022 16:00:00

Das Geothermieprojekt im jurassischen Haute-Sorne stand fast vor dem Aus. Nun geht es doch weiter.

In Haute-Sorne soll aus der Tiefe Wärme für die Stromproduktion gewonnen werden: Dieses Vorhaben stand fast vor dem Aus. Nun geht es weiter – mit zusätzlichen Auflagen.

Geo-Energie Suisse, Betreiber des Geothermie-PilotprojektsFür die erste Projektetappe ist eine Explorationsbohrung in eine Endtiefe von 4 bis 5 Kilometern geplant. Das Hauptziel sei, so der Betreiber Geo-Energie Suisse, das seismische Risiko von Stimulationsmassnahmen und die Erfolgschancen des Projekts sorgfältig zu evaluieren. Der Entscheid einer zweiten Bohrung, die es für den späteren Kraftwerksbau braucht, werde erst nach der «sorgfältigen Analyse der Messdaten» gefällt. Das gilt auch für die Stimulation des Untergrunds, um das unterirdische Wärmereservoir für die Energiegewinnung durchlässig zu machen.

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«Der Entscheid einer zweiten Bohrung wird erst nach der sorgfältigen Analyse der Messdaten gefällt. Geo-Energie Suisse, Betreiber des Geothermie-Pilotprojekts Für die erste Projektetappe ist eine Explorationsbohrung in eine Endtiefe von 4 bis 5 Kilometern geplant. Das Hauptziel sei, so der Betreiber Geo-Energie Suisse, das seismische Risiko von Stimulationsmassnahmen und die Erfolgschancen des Projekts sorgfältig zu evaluieren. Der Entscheid einer zweiten Bohrung, die es für den späteren Kraftwerksbau braucht, werde erst nach der «sorgfältigen Analyse der Messdaten» gefällt. Das gilt auch für die Stimulation des Untergrunds, um das unterirdische Wärmereservoir für die Energiegewinnung durchlässig zu machen. Hin und Her bei der Bewilligung Die Erfahrungen in Basel, als bei der Stimulation des Untergrunds die Erde zu beben begann, sind nicht vergessen. Entsprechend langwierig war bisher das Bewilligungsverfahren. Die zuständigen Behörden hatten das Geothermieprojekt nach Abklärungen zur Umweltverträglichkeit und Risikostudien bereits 2015 bewilligt. Umweltverbände hatten keine Beschwerden eingereicht. Ein Rekurs von privater Seite gegen den Sondernutzungsplan der Regierung wurde im Dezember 2018 durch das Bundesgericht abgelehnt. Nach einem Vorfall in einem ähnlichen Geothermieprojekt in Südkorea verlangte die Regierung eine zusätzliche Untersuchung. Dort bebte nach einer Bohrung für ein Geothermiekraftwerk – mit einer ähnlichen Methode wie in Basel – am 15. November 2017 die Erde mit der Stärke 5,4. Die jurassische Regierung hatte darauf den Schweizerischen Erdbebendienst beauftragt, den Fall in Südkorea mit dem Projekt in Haute-Sorne zu vergleichen. Die Erdbebenforscher gaben dem Projekt wissenschaftlich gute Noten und kamen zum Schluss, dass das Konzept und das Risikomanagement im Lichte des Vorfalls in Südkorea keine fundamentalen Veränderungen brauche. Dennoch war die Regierung nicht zu überzeugen. Mehrere kleine Wärmereservoirs Anders als in Basel soll in Haute-Sorne nicht in einem Arbeitsgang ein einziges, grosses Kluftsystem als Wärmereservoir im Untergrund erzeugt werden. Die Idee des neuen Verfahrens ist, etappenweise kleinere Wärmereservoirs zu bilden, die letztlich dann als Gesamtsystem genügend Wärme für die Stromproduktion liefern. So kann der Untergrund mit viel weniger starken Wasserinjektionen behandelt und damit das Risiko eines spürbaren Bebens minimiert werden. Dieses von Geo-Energie Suisse entwickelte Multi-Etappen-Stimulationskonzept kann nicht nur für die Erzeugung von Strom verwendet werden, sondern auch für die Wärmegewinnung und die Energiespeicherung im Untergrund. Die Technologie ist gemäss Aussage von Geo-Energie Suisse nicht nur im kristallinen Gestein wie im Jura, sondern auch in Sedimentgesteinen einsetzbar. Das Multi-Etappen-Verfahren hat die Geo-Energie Suisse inzwischen im Felslabor der ETH Zürich in einem Versuchsstollen im Bedrettotal im kleinen Massstab getestet. Aus zwei mehrere Hundert Meter langen, stark geneigten Bohrlöchern gelang es im Bedrettostollen, mit gezielten Wasserinjektionen ein durchlässiges geothermisches Reservoir zu bilden. Die ETH Zürich hat eigens eine Vorhersagemethode entwickelt, um praktisch in Echtzeit die seismischen Daten beurteilen zu können. So wurden im Bedretto-Labor bei den Teststimulationen umfangreich seismische Daten vom Untergrund erhoben. Die vor gut einem Jahr veröffentlichten Ergebnisse der Stimulationsversuche stimmen das Unternehmen zuversichtlich. «Die erste Auswertung aus den Versuchen zeigt uns, dass wir heute recht gut voraussagen können, wie sich der Fels bei einer entsprechenden Stimulation mit grösster Wahrscheinlichkeit in den nächsten Stunden, Tagen oder Wochen verhalten wird», sagte nach der Veröffentlichung Stefan Wiemer, Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes und Professor für Seismologie an der ETH Zürich. Für den CEO von Geo-Energie Suisse wurde im Bedretto «der Nachweis erbracht, dass das System funktioniert”. Das Schweizer Unternehmen wird nun zusätzlich als Industriepartner die gewonnenen Erkenntnisse in einem amerikanischen Projekt in Utah prüfen. Das ist ein reines Forschungsprojekt mit einem ähnlichen Konzept wie im Jura. Allerdings ist es dort im Untergrund deutlich wärmer. Die amerikanischen Ingenieure entwickeln und optimieren die neusten Technologien, unter anderem deutlich schneller und effizienter Bohrtechniken. Zusätzlich Begleitgruppe für Transparenz Auch wenn die jurassische Regierung das Projekt nun unterstützt, so ist nach wie vor unsicher, wie die Bevölkerung das Vorhaben akzeptieren wird. Geo-Energie Suisse will deshalb die Bevölkerung «umfassend, transparent und dialogorientiert» über die Projektschritte, Sicherheitsvorkehrungen und Risiken informieren. Dafür konstituiert der Kanton Jura eine Informations- und Begleitkommission aus Vertretern des Kantons, der Gemeinde, der Bevölkerung und Verbände. Wenn es dann voraussichtlich im März zu einer Einigung mit der jurassischen Regierung kommen sollte, wird es aber nach Aussage von CEO Peter Meier mindestens noch eineinhalb Jahre dauern, bis mit der Erkundungsbohrung begonnen werden kann. Martin Läubli ist Geograf und seit 2000 Wissenschaftsredaktor bei Tamedia mit Kerngebiet Klima und Energie. Seither besucht und verfolgt er die internationalen Klima- und Umweltkonferenzen. Publiziert heute um 11:30 Uhr Fehler gefunden?