Kommentar, Wirtschaft

Kommentar, Wirtschaft

In den USA streiken die Arbeiter wieder – und das ist gut so!

In den USA streiken die Arbeiter wieder – und das ist gut so!

27.10.2021 16:50:00

In den USA streiken die Arbeiter wieder – und das ist gut so!

Auto- und Minenarbeiter, Krankenschwestern und Arbeiterinnen in der Nahrungsmittelindustrie: Sie alle haben den Oktober in einen Striketober verwandelt.

blieben die lausig bezahlten Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Typisch dafür der Spruch, den sich Präsident Bill Clinton in den 90er-Jahren anhören musste. Als er damit prahlte, wie viele Jobs er geschaffen habe, maulte ein Zuhörer: «Sicher, Mr President. Ich habe drei davon.»

Die legendäre Elefantenrüssel-Kurve des Ökonomen Branko Milanovic.Der Ökonom Branko Milanovic hat diese Entwicklung minutiös untersucht. Seinen Befund hat er in der legendären «Elefantenrüssel-Grafik» dargestellt. Sie bestätigt, dass der amerikanische Mittelstand der grosse Verlierer der neoliberalen Wirtschaftsreformen und der Globalisierung ist. Auf der Gewinnerseite stehen der aufstrebende Mittelstand Asiens – und die Superreichen.

In den goldenen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten Streiks in den USA zum Arbeitsalltag. Die Gewerkschaften waren stark, vor allem in der Autoindustrie. Auch damit hat der Neoliberalismus aufgeräumt. Vor allem in den konservativen Bundesstaaten wurden Gesetze erlassen, die perverserweise den Titel «right to work» tragen, in Wirklichkeit jedoch dazu dienen, die Macht der Gewerkschaften zu brechen. headtopics.com

Sie taten dies sehr erfolgreich. Den Gewerkschaften liefen die Mitglieder davon, ihr Einfluss schmolz wie ein Schneemann in der Frühlingssonne.Kellogg-Maskottchen als Streiksymbol.Bild: keystoneUnd nun das: Beim Landmaschinenhersteller John Deere sind zehntausende von Arbeitern in den Ausstand getreten. Im Bundesstaat Alabama streiken Kohlen-, in West Virginia Metallarbeiter. In New York bleiben Krankenschwestern der Arbeit fern und bei Kellogg, dem legendären Hersteller von Frühstücksflocken, stehen die Bänder ebenfalls still.

Zwei Gründe sind die Ursache der neuen Streikwelle: Bei John Deere etwa hat der CEO sein ohnehin schon üppiges Gehalt wegen eines glänzenden Geschäftsgangs gerade mal locker um 150 Prozent erhöht. Für den gemeinen Arbeiter hingegen sind bloss ein paar Brosamen abgefallen.

Weil während des Lockdowns der Genuss von Cereals explodierte, mussten die Kellogg-Arbeiter Sonderschicht um Sonderschicht schieben. Zeitweise standen sie bis zu 16 Stunden am Band. Davon haben sie die Schnauze voll.Für einmal haben Unternehmer und Manager schlechte Karten. Die Streiks sind bei der Bevölkerung populär. Die Kellogg-Streikposten etwa werden von freudig hupenden Autofahrern begrüsst. Umfragen zeigen, dass 68 Prozent der Bevölkerung die Sache der Gewerkschaften unterstützen. Und auch Präsident

Joe Bidenstellt sich auf die Seite der Streikenden. Der Arbeitersohn aus der Industriestadt Scranton (Bundesstaat Pennsylvania) macht aus seiner Sympathie für die Gewerkschaften keinen Hehl.Dazu kommt, dass der Arbeitsmarkt gerade im Tieflohnbereich völlig ausgetrocknet ist. Wie auch bei uns werden Lastwagenfahrer verzweifelt gesucht. Hotels und Restaurants müssen teilweise oder ganz schliessen, weil niemand mehr bereit ist, sich für ein paar Dollar und Trinkgeld zwölf Stunden den Rücken krumm zu machen. headtopics.com

Verzweifelt gesucht: Service-Angestellte.Bild: keystoneDie amerikanischen Arbeitnehmer streiken nicht nur, sie laufen im wahrsten Sinne des Wortes davon. Im August haben 4,3 Millionen Erwerbstätige ihren Job gekündigt. Dank dem Covid-Hilfsprogramm und dem während des Lockdowns gesparten Geld können sie sich dies auch leisten. Warum also soll sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter als Serviceangestellte für einen lausigen Lohn müde schuften, wenn sie das wenige Geld umgehend wieder für die Kita ausgeben muss?

Celine McNicholas vom Economic Policy Institute erklärt daher gegenüber dem «Economist»: «Die Leute sagen derzeit: ‹Dieser Job lohnt sich für mich nicht.› Wenn man ihnen sagt: ‹Seid zufrieden oder haut ab›, dann hauen sie ab.»

Ein paar Streiks allein sind noch nicht die Wende. Allein wegen des Striketobers das Ende des Neoliberalismus zu verkünden, wäre verfrüht. Die Gewerkschaften müssen nach wie vor Rückschläge verkraften. So haben sich die Angestellten eines Amazon-Lagerhauses in Alabama im Frühjahr dagegen ausgesprochen, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Trotzdem hat selbst Jeff Bezos die Zeichen der Zeit erkannt. Er hat denMindestlohnvon 17 auf 18 Dollar pro Stunde erhöht, obwohl landesweit nach wie vor ein Mindestlohn von 7 Dollar vorgeschrieben ist.Unbestritten jedoch ist, dass die Gewerkschaften erstmals seit langem wieder so etwas wie Verhandlungsmacht haben. Und das ist gut so. Oder wie Liz Shuler, Präsidentin des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO, in einer Kolumne in der «Washington Post» schreibt: headtopics.com

«Die Streiks sind ein bedeutender Indikator, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln – eine gesunde Reaktion auf die Ungleichheiten, welche die Manager geschaffen haben, um ihre Mitarbeiter auszubeuten und so ihre Unternehmen profitabler zu machen. Die Streiks sind ein zutiefst demokratischer und teilnehmender Prozess, mit dem Arbeiter verschiedenster Herkunft und politischer Überzeugung gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen können.»

DANKE FÜR DIE ♥Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen?Mehr erfahren(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen) Weiterlesen: watson News »

«Bachelor»: Erkan Im wahnwitzigen Strudel von Underboobs, Schrödinger und LügenÄhm ja. Ihr wisst schon. Schliesslich ist es bereits das zehnte Mal. Wunderlich. Verstörend. Macht gaga. Kopfschütteln reicht längst nicht mehr🤪

Tagesschau-Moderatorin erklärt das Jugendwort des Jahres – und trifft voll ins SchwarzeEigentlich kennen die ARD-Zuschauer sie nur hochseriös, doch nun zeigte Susanne Daubner live in der «Tagesschau» eine andere Seite von sich. Mit der Verkündung des Jugendwortes 2021 wurde die Moderatorin zum Hit in den sozialen Medien. Sackstark! Damit meine ich nicht nur die Definition, sondern auch die vortragende Susanne Daubner, eine Tagesschau-Ikone.

Zahlen zur Streaming-Nutzung – Kein Mensch schaut Schweizer Filme auf NetflixEine neue Untersuchung des Bundesamts für Statistik zeigt: Schweizer Filme auf Netflix und anderen Abo-Streamingdiensten interessieren hierzulande niemanden. „Das Argument lässt sich aber genauso gut umdrehen: Es gibt viel zu wenig Schweizer Inhalte auf Streamingdiensten. Kein Wunder, sieht sie keiner.“ Nein, die Verdrehung des Arguments macht keinen Sinn.

So gut waren die Schweizer Trainer als Fussballer – das RankingArrigo Sacchi sagte: «Um ein Jockey zu werden, muss man ja nicht als Pferd geboren sein.» In der Super League setzen jedoch fast alle Teams auf Ex-Profis.

Corona-Massnahmen – Gespaltene Linke gibt Widerstand gegen Covid-Gesetz AuftriebUnter die Gegnerinnen und Gegner des Covid-19-Gesetzes mischen sich neu auch links orientierte Menschen. Das Pro-Komitee fürchtet um den Abstimmungserfolg. Gut so. Egal ob von links, rechts oder Mitte - Hauptsache es gibt ein NeinzumCovidgesetz Eigentlich dürfte es in der Linken keine Befürworter dieses Gesetz geben. Wäre das eine SVP-Initiative, würde die Linke vereint gegen Massenüberwachung und Diskriminierung einstehen. So schweigen die Parteioberen und verraten ihre Prinzipien.

OMG, der Bachelor ist zurück! 😱 Wir haben für dich geschaut, damit du nicht musstWie ist der neue Bachelor so? Und was ist mit den Ladies? Natürlich willst auch du bei der Arbeit mitreden können. Möglicherweise, ohne, dass du die ganze Sendung schauen musst. Aya und Davide machen dir das Leben leichter und haben die erste Folge der neuen Staffel für dich geschaut und die Highlights in ein Video gepackt!