«Ich freue mich sehr, jetzt Schweizer Staatsbürger zu sein»

Roche-Chef Severin Schwan hat seit kurzem den roten Pass. Im grossen Interview erzählt er, warum ihm das wichtig ist.

18.2.2020

Roche-Chef Severin Schwab spricht im grossen Interview über die Schweiz, die SVP-Initiative und die Reichen-Steuer. (Abo+)

Roche-Chef Severin Schwan hat seit kurzem den roten Pass. Im grossen Interview erzählt er, warum ihm das wichtig ist.

Beschreibung des Fehlers* gültige E-Mail-Adresse fehlt Herr Schwan, Cholera ist in der Schweiz nicht nur eine Krankheit. Wissen Sie, was es noch bedeutet? Nein. Was denn? Es ist ein Walliser Traditionsgericht. Die Frage kam offenbar nicht in Ihrem Einbürgerungstest vor. Sie sind ja seit neuestem Schweizer. Ja, ich freue mich sehr, jetzt Schweizer Staatsbürger zu sein. Es gab staatspolitische Fragen, und auch viele Fragen, die den Kanton und die Gemeinde Riehen betreffen, eine breite Palette. Wie viel hat Sie die Einbürgerung samt Kurs gekostet? Für die ganze Familie waren das rund 3000 Franken. «Ich bin ein politisch engagierter Mensch, und ich schätze sehr, dass ich nun die Möglichkeit dazu habe.» Warum haben Sie sich dazu entschlossen? Die Schweiz ist für uns als Familie zur Heimat geworden. Meine Kinder sind hier gross geworden. Und wir haben viele Freunde in der Schweiz. Der wichtigste Punkt für mich persönlich ist, dass ich wählen und abstimmen gehen kann. Ich bin ein politisch engagierter Mensch, und ich schätze sehr, dass ich nun die Möglichkeit dazu habe. Sie haben sich schon immer zu politischen Themen geäussert, werden Sie jetzt noch expliziter? Es ist immer heikel, der Bevölkerung Ratschläge zu geben. Aber ich glaube, es ist wichtig, aus Unternehmenssicht die Konsequenzen von Abstimmungsentscheidungen darzustellen. Es ist Teil der Demokratie, dass man seinen Standpunkt zum Ausdruck bringt. Das heisst dann noch lange nicht, dass die Bevölkerung so entscheiden muss. Aber sie kann die verschiedenen Gesichtspunkte zumindest in Betracht ziehen. Am 17. Mai geht es um die Kündigungsinitiative der SVP. Sie will die Personenfreizügigkeit mit der EU beseitigen. Glauben Sie, die Initiative wird angenommen? Ich hoffe nicht. Für uns ist der Zugang zu hoch ausgebildeten Mitarbeitenden extrem wichtig. Wir rekrutieren zwar sehr viele hoch qualifizierte Wissenschaftler oder Informatiker, die aus der Schweiz kommen. Aber wir können unseren Bedarf unmöglich nur mit Schweizern abdecken. Über 50 Prozent der Mitarbeitenden aus Forschung und Entwicklung kommen aus dem Ausland. Für uns als Unternehmen ist es absolut entscheidend, dass die Grenzen offen bleiben. Und ich glaube, auch für Basel und die Schweiz sowie für die Wertschöpfung hier ist das ganz wichtig. Auch das Rahmenabkommen mit der EU steht bei der Abstimmung auf dem Spiel. Wann haben Sie mit Bundesrat Guy Parmelin zum letzten Mal darüber gesprochen? Es gibt immer wieder Gelegenheiten, wo wir auch mit Bundesräten über die Themen diskutieren können. Dann mache ich deutlich, wie wichtig das für uns ist. Und ich äussere mich dazu durchaus auch öffentlich. «Der Sinn und Zweck von Roche ist, das Leben der Patienten zu verbessern.» In Basel-Stadt gibt es neu die Topverdiener-Steuer. Einzelpersonen mit einem Jahreseinkommen von 200’000 Franken zahlen nun 28 statt 26 Prozent – wie trifft das Roche? Wir haben sehr, sehr viele gut verdienende Mitarbeitende, und viele lassen sich gerne in Basel-Stadt nieder. Das Signal an sie ist sehr problematisch. Wenn Sie die Bundessteuer und AHV dazurechnen, war die Belastung ohnehin schon über 40 Prozent. Einige lassen sich jetzt von vornherein woanders nieder. Andere überlegen sich, umzuziehen. Wir kompensieren die Steuererhöhung nicht, denn die Mitarbeitenden sind frei darin, wo sie sich niederlassen, und sind für ihre eigenen Steuern verantwortlich. Können Sie denn nachvollziehen, dass Basel die Mindereinnahmen durch die Unternehmenssteuerreform bei Vermögenden wieder hereinholen will? Was Roche betrifft, zahlen wir nach der Unternehmenssteuerreform sogar mehr Steuern. Wir haben die Reform aber wegen der besseren Rechtssicherheit trotzdem unterstützt. Ich finde es grundsätzlich absolut richtig, dass Leistungsstarke, Vermögende und Gutverdienende überproportional zum Steueraufkommen beitragen. Das ist überhaupt keine Frage. Man muss nur aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Denn irgendwann kommt der Moment, wo der Verlust des Steuersubstrats grösser ist als die zusätzlichen Einnahmen. Roche betont derzeit, dass es in den USA zu den zwanzig grössten Steuerzahlern gehört. Gegenüber Donald Trumps protektionistischer Politik wird das zu einem Trumpf. Es geht im Kern um die Frage, was der Beitrag eines Unternehmens zur Gesellschaft ist. Man muss sich immer wieder grundsätzlich Gedanken darüber machen, welche Rolle man als Unternehmen hat. Der Sinn und Zweck von Roche ist, das Leben der Patienten zu verbessern. Das ist unser grösster Beitrag. Uns gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse in bahnbrechende Medikamente und diagnostische Verfahren umzusetzen,mit denen man das Leben verbessern und verlängern kann. Gerade die Amerikaner schätzen medizinische Innovationen sehr. Wenn Sie mit US-Politikern sprechen, dann beginnen die das Gespräch oft mit demHinweis darauf, dass sie irgendjemanden kennen oder sogar in der eigenen Familie haben, der von einem Roche-Medikament profitiert hat. Sie investieren Milliarden in den Schweizer Hauptsitz. Werden Sie auch Jobs ins günstigere Ausland auslagern? Wir haben den Personalstand von Roche letztes Jahr leicht auf 14’000 erhöht. Wir investieren hier in Forschung und Entwicklung und in sehr hochwertige Produktion. Wir können in der Schweiz nur Funktionen mit sehr hoher Wertschöpfung haben. Die Verpackung mit Blistern und Kartons etwa haben wir dagegen zunehmend ins günstigere Ausland verlegt. Diesen Trend gibt es schon seit vielen Jahren, und bisher blieb die Bilanz für die Schweizer Arbeitsplätze immer positiv. Solange die Schweiz genug in Berufsausbildung, Universitäten und Forschung investiert, wird das so bleiben. «Die digitale Erfassung von Gesundheitsdaten eröffnet die Möglichkeit, Krankheiten besser zu verstehen und bessere neue Medikamente zu entwickeln.» Ist die schleppende Einführung des elektronischen Patientendossiers für Sie ein Standortrisiko? Die digitale Erfassung von Gesundheitsdaten eröffnet die Möglichkeit, Krankheiten besser zu verstehen und bessere neue Medikamente zu entwickeln. Wir können in völlig neue Bereiche vorstossen und auch die Versorgung in der klinischen Praxis verbessern. Ich sehe ein Riesenpotenzial für die Gesundheit wie auch für uns als Unternehmen. Wir machen heute klinische Studien auf der Basis solcher Patientendaten. Wenn wir es in der Schweiz nicht machen, dann müssen wir es woanders machen. Wie gewährleisten Sie den Datenschutz? Wir brauchen nur anonymisierte Daten, so wie auch bei klinischen Studien. Roche hat aktuell über 300’000 Patienten weltweit in klinischen Studien, jeden Tag kommen Millionen Daten zum Auswerten. Das gelingt uns schon seit Jahrzehnten auf anonymisierter Basis sehr gut. Das ist auch nicht der Knackpunkt. Sondern? Es geht darum, dass die Daten überhaupt digital erfasst werden. Da hinken wir hinterher. Die Patientendaten sind sehr fragmentiert, sie liegen bei Spitälern und bei niedergelassenen Ärzten verstreut. Und sie sind weder vollständig digital erfasst noch nach einheitlichen Standards. Deswegen können sie auch nicht zusammengefasst werden. Aber nur grosse Datenmengen kann man sinnvoll auswerten und so Erkenntnisse gewinnen. Wer soll die Standards entwickeln? Die Wissenschaftler vom Swiss Personalized Health Network, einer Initiative des Bundes, sind gerade dabei. Aber im Prinzip ist es uns egal, wer sie entwickelt und wie sie ausfallen. Uns ist nur wichtig, dass es allgemeine Standards gibt. Die ganze Schweiz wird so zum Studiengebiet für die Pharmakonzerne? Wenn die Patienten davon profitieren, wäre das doch gut. Die Daten sollen aber nur mit dem Einverständnis der Patienten zur Verfügung gestellt werden. Aber unsere Erfahrung zeigt, dass gerade bei schwer kranken Patienten, die Bereitschaft dafür extrem hoch ist. Es sind weit über 90 Prozent. Sie haben das Bedürfnis, dazu beizutragen, dass Medikamente entwickelt werden, auch wenn sie ihnen selbst nicht mehr helfen. Erstellt: 18.02.2020, 12:27 Uhr 14:15 Zur Person Für seine Einbürgerung brauchte Severin Schwan keine Abstimmung in der Gemeindeversammlung von Riehen, denn der Kanton Basel-Stadt sieht dies nicht vor. Neben dem Schweizer Pass besitzt der 52-Jährige weiterhin auch einen österreichischen und einen deutschen. Aufgewachsen ist er in Tirol, ein Elternteil von ihm kam aus Deutschland. Schwan ist seit 1993 bei Roche und seit zwölf Jahren Konzernchef. Er ist damit einer der dienstältesten Chefs eines Schweizer SMI-Konzerns und dürfte nicht nur in der Schweiz, sondern auch beim Pharmariesen weiter bleiben. Schwan sitzt auch im Roche-Verwaltungsrat und ist Vizepräsident der Credit Suisse. Er hat zwei Söhne und eine Tochter. (ish) Artikel zum Thema Weiterlesen: Tages-Anzeiger

Den AHV-Beitrag mit den restlichen Steuern in einen Topf zu werfen ist nicht ganz korrekt. Die 1. Säule mag in Herrn Schwans Alters- und Vermögensplanung irrelevant und für ihn eine nutzlose Ausgabe sein. Für den Normalbürger ist AHV aber Altersvorsorge, nicht Steuer. Er heisst Severin Schwan. Gruss aus Lima 🇵🇪

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