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Handballwm, Nach Dem Wm-Märchen Folgt Für Die Schweizer Handballer Die Pflicht

Handball-WM: Nun folgt für die Schweizer Handballer die Pflicht

Drei Siege aus sechs Spielen. Die Bilanz der Schweizer Handballer an der ersten Weltmeisterschaft seit 26 Jahren sieht unspektakulär aus. Doch dieser Eindruck täuscht, die Schweiz hat eine erfolgreiche WM abgeliefert.

24.01.2021 20:45:00

Drei Siege aus sechs Spielen. Die Bilanz der Schweizer Handballer an der ersten Weltmeisterschaft seit 26 Jahren sieht unspektakulär aus. Doch dieser Eindruck täuscht, die Schweiz hat eine erfolgreiche HandballWM abgeliefert. Von ChKrapf NZZ Sport .

Drei Siege aus sechs Spielen. Die Bilanz der Schweizer Handballer an der ersten Weltmeisterschaft seit 26 Jahren sieht unspektakulär aus. Doch dieser Eindruck täuscht, die Schweiz hat eine erfolgreiche WM abgeliefert.

Urs Flüeler / EPANoch vor fünf Jahren war sie weit entfernt von einem grossen Turnier, phasenweise war sie nicht einmal für die Qualifikation gesetzt. Unter dem Nationaltrainer Michael Suter hat sich die Mannschaft ab 2016 rasant verbessert; dies gipfelte darin, dass die Schweiz mit der EM 2020 und der WM in Ägypten gleich an zwei Endrunden in Serie dabei war. Das gab es noch nie.

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Die Schweiz hat in Kairo den Makel ausgemerzt, dass sie erst nach der Corona-bedingten Absage der USA für die Weltmeisterschaft nachnominiert wurde. Sie war kein Lückenbüsser, sondern ein konkurrenzfähiger Nachrücker, der die Prüfung auf der grossen Bühne bestanden hat. Nach schwieriger Anreise erst am Spieltag bezwang die Schweiz Österreich und trotzte dem Rekordweltmeister Frankreich zum Abschluss der Vorrunde ein 24:25 ab. In der Hauptrunde siegte sie gegen das favorisierte Island. Der Sieg verlieh den Schweizern Genugtuung: Island wäre der Gegner im WM-Play-off gewesen, dieses fiel wegen der Pandemie aus. Weil Island an der letzten EM besser klassiert war, erhielt es den Vorzug.

Die WM-Erfolge hat die Schweiz ohne professionelle Vorbereitung erreicht. Das verdient unter diesen Umständen umso mehr Respekt und hat auch die internationale Szene aufhorchen lassen. In der Schweiz hat die WM-Teilnahme den Handball in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, die Medienpräsenz war gross. Das Team hat diese Möglichkeit genutzt und Werbung für sich und die Sportart gemacht. Die Mannschaft spielte mit Leidenschaft und zeigte die Freude darüber, dass sie auf der grossen Bühne mittun darf. Neben dem Feld trat sie bodenständig und zugänglich auf, damit gewann sie viele Sympathiepunkte. headtopics.com

Der Schweizer Superstar Andy Schmid sagte, die WM sei für ihn ein Märchen gewesen. Mit 37 Jahren hat Schmid nicht mehr damit gerechnet, in der Karriere noch eine Weltmeisterschaft zu bestreiten. Das Turnier war obendrein ein Märchen mit Happy End; Schmid und die Teamkollegen haben zum Abschluss gegen Algerien 27:24 gewonnen. Nur ein Sieg fehlte für die Viertelfinal-Qualifikation.

Die Kür haben die Schweizer nun absolviert, es wartet aber noch die Pflicht. Im März treffen sie in der EM-Qualifikation zweimal auf Finnland, gegen den Aussenseiter müssen die Schweizer beide Partien gewinnen, wenn sie eine Chance auf die Qualifikation für die EM 2022 haben wollen. In der EM-Kampagne sind die Schweizer nach der Heimniederlage gegen Nordmazedonien bereits in Bedrängnis. Jüngst erhielt man den Eindruck, die Schweizer Mannschaft stagniere in der Entwicklung; der Fehltritt gegen Nordmazedonien im November verstärkte dieses Bild.

Die Stagnation ist auch dem Nationaltrainer Suter aufgefallen. Er hat mit einem Trainingslager und einem Testspiel gegen Italien in der Altjahreswoche darauf reagiert. Damit wollte er seiner Mannschaft neue Impulse verleihen und Konkurrenz schaffen. Das war dringend nötig. Trotz den Erfolgen an der WM hat das Turnier gezeigt, dass der Schweiz in der Breite die Qualität fehlt, um mittelfristig auf höchster Stufe zu bestehen. Doch die regelmässige Qualifikation für Endrunden ist das Ziel von Suter und seiner Equipe.

Der Schweizer Nationalcoach Michael Suter will regelmässig an Endrunden dabei sein. Doch dafür braucht es mehr Qualität in der Breite.Urs Flüeler / KeystoneDer Erfolg der Schweizer Offensive hing an der WM wie immer in den letzten Jahren von Schmid ab, dem Ausnahmehandballer, der fünfmal in Serie zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt wurde. Dem restlichen Rückraum fehlte die Konstanz, doch die Spieler können die Verantwortung nicht mehr viel länger an Schmid abgeben. Dessen Karriere geht bald zu Ende, und ein Spieler von seinem Format wird der Schweiz nicht so schnell wieder vergönnt sein. Schmid überlegt sich zwar, weiterzumachen, statt wie geplant im Sommer 2022 zurückzutreten. Doch die Schweizer sind gut beraten, sich auf eine Zukunft ohne Schmid einzustellen – sein Rücktritt ist eine Frage der Zeit. headtopics.com

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Immerhin hat das Team zwei oder drei Jahre Zeit, um die absehbare Lücke zu schliessen. Wie das gehen könnte, hat Portugal beim Sieg gegen die Schweiz in der Hauptrunde demonstriert, den es dank einem starken Kollektiv geschafft hat. Ein solches Kollektiv ist bei den Schweizern auch an der WM gewachsen. Sie tun gut daran, sich dieses zu bewahren. Damit sie nicht wieder 26 Jahre lang auf eine Weltmeisterschaft warten müssen.

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