FIS und Swiss-Ski streiten: War Kriechmayrs Start regelwidrig?

Die Nerven liegen blank: #FIS und #Swiss-Ski streiten – und Lauberhornsieger #Kriechmayr ist unfreiwillig involviert. -

Fıs, Swiss

16.01.2022 00:23:00

Die Nerven liegen blank: FIS und Swiss -Ski streiten – und Lauberhornsieger Kriechmayr ist unfreiwillig involviert. -

Es waren drei wunderbare Tage am Lauberhorn mit einem Sieg und drei Podestplätzen für die Schweiz. Doch zu reden gibt anderes. Ein Buebetrickli des Internationalen Skiverbands und die Konsequenzen daraus. Und nun kursieren sogar Gerüchte um Kriechmayr s Corona-Test.

Doch für den emotionalen Aufreger sorgte ein Österreicher. Odermatt sagt: «Das Worst-Case-Szenario ist eingetroffen.»Rückblick: Vincent Kriechmayr hatte sich Anfang Januar mit dem Coronavirus infiziert und sich gemäss österreichischen Regeln in Isolation begeben. Dadurch verpasste er beide Trainings in Wengen und konnte erst am Mittwochabend anreisen.

Eine vierköpfige Jury der FIS um den Renndirektor Markus Waldner griff in der Folge zum Buebetrickli. Kriechmayr durfte am Donnerstagmorgen vor dem Super-G das Starttor der Abfahrt passieren, um sofort wieder anzuhalten.Dies wertete die FIS als Training. Somit durfte Kriechmayr in beiden Abfahrten starten und verhinderte mit seinem Triumph am Samstag den vierten Lauberhornsieg von Beat Feuz. Und zudem, dass Odermatt nach dem Sieg im Super-G und Rang drei in der verkürzten Abfahrt vom Freitag auch noch über die Originaldistanz auf das Podest fuhr.

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Mit diesem Training trickste sich Vincent Kriechmayr zum Lauberhorn-SiegVincent Kriechmayr triumphiert am Samstag zum zweiten Mal bei der legendären Lauberhornabfahrt. Doch der Sieg des Österreichers hat einen faden Beigeschmack. Bravo Vincent Kriechmayr🥰 fisalpine = 🤮! Traurig wenn Regeln nicht für alle gelten.

Vincent Kriechmayr gewinnt die Abfahrt am Lauberhorn – doch das rückt in den Hintergrund. Bild: Jean-Christophe Bott / EPA Marco Odermatt, der in dieser Lauberhornwoche so verzückte, hätte es ja eigentlich verdient, dass man nur über ihn spricht. Oder Carlo Janka, der am Samstag sein letztes Rennen fuhr. Oder Beat Feuz, der zum siebten Mal in einer Abfahrt in Wengen das Podest erreichte. Doch für den emotionalen Aufreger sorgte ein Österreicher. Odermatt sagt: «Das Worst-Case-Szenario ist eingetroffen.» Der Schweizer Männercheftrainer Tom Stauffer hatte erst gar keine Lust, über den Sieg von Vincent Kriechmayr zu ­sprechen. Wortlos stapfte er davon. Swiss-Ski-Alpin-Direktor Walter Reusser redete sich derweil fast in Rage: «Die FIS hat komplett versagt. Wenn man ­alles so biegt, damit es für ge­wisse Personen passt, ist das einfach nicht in Ordnung. Es gibt Reglemente. Reglemente, an die sich alle halten ausser ein paar wenige.» Rückblick: Vincent Kriechmayr hatte sich Anfang Januar mit dem Coronavirus infiziert und sich gemäss österreichischen Regeln in Isolation begeben. Dadurch verpasste er beide Trainings in Wengen und konnte erst am Mittwochabend anreisen. Das Buebetrickli der vierköpfigen FIS-Jury Im Super-G am Donnerstag durfte der 30-Jährige starten. In den Abfahrten gemäss Reglement des Internationalen Skiverbands FIS allerdings nicht. Weil dafür mindestens ein Training verlangt wird. Eine vierköpfige Jury der FIS um den Renndirektor Markus Waldner griff in der Folge zum Buebetrickli. Kriechmayr durfte am Donnerstagmorgen vor dem Super-G das Starttor der Abfahrt passieren, um sofort wieder anzuhalten. FIS-Renndirektor Markus Waldner. Bild: Jean-Christophe Bott / Keystone Dies wertete die FIS als Training. Somit durfte Kriechmayr in beiden Abfahrten starten und verhinderte mit seinem Triumph am Samstag den vierten Lauberhornsieg von Beat Feuz. Und zudem, dass Odermatt nach dem Sieg im Super-G und Rang drei in der verkürzten Abfahrt vom Freitag auch noch über die Originaldistanz auf das Podest fuhr. Feuz wurde Zweiter. Odermatt Vierter. Er war nur zwei Hundertstelsekunden langsamer als Dominik Paris auf Rang drei. «Wäre Vincent nur Zehnter geworden, gäbe es jetzt weniger Diskussionen», sagt Odermatt. Swiss-Ski verzichtet auf einen weiteren Protest So aber trat die Situation ein, die Odermatt als das schlimmst mögliche Szenario bezeichnete. Kriechmayr, der eigentlich nicht hätte starten dürfen, siegte – und verhinderte gleichzeitig den Heimsieg. Odermatt wollte aber – wie alle anderen Beteiligten auch – be­tonen, dass es nicht um Kriechmayr geht. Sondern um den Entscheid der FIS. «Er hat nicht betrogen oder Materialregeln nicht beachtet. Er durfte fahren und von daher ist der Sieg auch verdient.» Swiss-Ski, aber auch die Verbände aus Frankreich und Italien, wollten am Mittwoch, als die FIS die Starterlaubnis erteilte, Protest einlegen. Diese wurden von der FIS abgewiesen. Gegen einen Jury-Entscheid, hiess es, gäbe es keine Rekurs-Möglichkeit. Auf einen weiteren Protest nach dem Rennen verzichtete Swiss-Ski. Reusser sagt: «Ich habe meine Athleten gefragt. Diese sagten, es sei in Ordnung so, wie es ist. Wenn Kriechmayr gut fährt und gewinnt, hat er den Sieg verdient. Er kann ja nichts für diese Situation.» Walter Reusser, Alpin-Direktor bei Swiss-Ski. Bild: Keystone Hat sich die FIS selbst ein Bein gestellt? Die Kritiker befürchten, dass die FIS, die mit dem Entscheid quasi ein Präjudiz erschuf, sich künftig aber eben nicht daran halten werde. Niels Hintermann, der Schweizer Abfahrer, sagt: «Es muss bei solchen Entscheiden jetzt nie mehr eine Rolle spielen, ob es die Nummer eins oder die Nummer 50 der Weltrangliste betrifft. Aber ich habe Angst, dass das nicht so ist. Die FIS hat sich selbst ein Bein gestellt. Das ist lächerlich.» Hintermanns Befürchtung teilen viele. Kriechmayr ist der amtierende Weltmeister in der Abfahrt und im Super-G. Die FIS, in Person von Renndirektor Waldner, wies Vorwürfe, dass der Status des Athleten beim Entscheid eine Rolle spielte, am Mittwoch entschieden zurück. Reusser aber sagt: «So kreativ, wie sich die FIS zeigt bezüglich Regelauslegung, kann ich nicht davon ausgehen, dass bei uns die gleiche Messgrösse zum Zug käme.» Gerüchte um Kriechmayrs negativen Test Am Samstagabend fand ein Gespräch zwischen Reusser und der FIS statt. Als diese Zeitung Waldner, der an der Aussprache dabei war, im Anschluss um eine Stellungnahme bat, reagierte er gereizt: «Ich sage nichts. Ich bin nicht die FIS und ich bin kein Mediziner.» Dann stampfte er davon. Die Nerven liegen blank. Zumal das Gerücht kursiert, dass beim negativen Test, den Kriechmayr vor der Anreise vorlegte, Ungereimtheiten bestehen. Darum der Hinweis von Waldner, er sei kein Mediziner? Gerne hätte man ihn gefragt. So oder so hinterlässt die FIS in diesen Tagen kein wirklich gutes Bild. Dazu passt, dass der neue Präsident Johan Eliasch den Athletenbereich, diese angebliche Bubble, in der strenge Regeln aufgrund von Corona gelten sollten, ohne Maske betrat. Als diese Zeitung wissen wollte, wieso, antwortete ein FIS-Mitarbeiter: «Wir werden ihm selbstverständlich eine Maske bringen.» Das Schlusswort soll aber der Sieger haben. Vincent Kriechmayr sagt: «Ich verstehe die ­Diskussionen um meine Person. Aber ich habe die Möglichkeit bekommen. Ich habe ja nicht ich entschieden, dass ich hier fahren darf.» Recht hat er. 1 Kommentar