Exklusive Buch-Auszüge: So gefährlich ist Alexei Nawalny für Putin - Blick

Exklusive Buch-Auszüge: Darum ist Nawalny auch in Haft für Putin gefährlich

31.07.2021 01:35:00

Exklusive Buch-Auszüge: Darum ist Nawalny auch in Haft für Putin gefährlich

Er ist Putins grösster Gegner – selbst, wenn er in Haft sitzt. Ein neues Buch widmet sich dem Phänomen Nawalny und zeigt auf, wie der Regimekritiker für Gerechtigkeit und Demokratie in Russland kämpft.

Kommentare1/8Alexei Nawalny im Februar 2021 vor Gericht: «Er ist ein bekennender Demokrat, der seine Bewegung mit starker, autoritärer Hand führt.»2/8In «Nawalny» (Hoffmann und Campe, Veröffentlichung am 3. August 2021) zeichnen drei Russlandkenner den Weg von Putins gefährlichstem Gegner nach.

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3/87/8«Leb wohl, sei nicht traurig, es wird alles wieder gut», sagt Nawalny seiner Frau Julia nach seiner Verurteilung.8/8Nawalny abgemagert im April 2021: «Gebt den wichtigen Kampf nicht auf.»Fabienne KinzelmannUnternehmer, Aktivist, Politiker, Phänomen: Ein neues Buch offenbart, wie Kreml-Kritiker Alexei Nawalny (45) tickt. In «Nawalny» (Hoffmann und Campe, Veröffentlichung: 3. August) zeichnen drei Russlandkenner den Weg von Putins gefährlichstem Gegner nach. Blick darf Auszüge daraus exklusiv veröffentlichen.

Januar 2021, Moskau.Nawalny war ab sofort der Willkür des russischen Staates ausgeliefert. Bevor er den Schalter der Passkontrolle erreichte, wo man ihn verhaften würde, blieb er stehen, um einige Worte an die Pressevertreter zu richten. Der Hintergrund war ideal: ein riesiges Poster, das den Kreml und die russische Flagge zeigte. Nawalny war immer noch optimistisch – und er war zurück in Russland. «Das ist meine Heimat», sagte er. Es sei seine Entscheidung gewesen zurückzukehren: «Das ist für mich der beste Tag der letzten fünf Monate. Ich habe keine Angst und ich bitte euch, auch keine Angst zu haben.» headtopics.com

Nach seinerNowitschok-Vergiftung am 20. August 2020und seiner Behandlung in Deutschland kehrte Alexei Nawalny freiwillig nach Russland zurück. Obwohl dem bekannten Oppositionellen dort wegen angeblichen Verstosses von Bewährungsauflagen die Verhaftung drohte. Seine Rückkehr machte Nawalny endgültig zum Symbol für den kompromisslosen Kampf gegen das System in Russland – und vor allem von Staatspräsident Wladimir Putin (68).

Nawalny wirbelt das russische System aufNach Nawalnys Rückkehr nach Russland Anfang 2021 hatte er eine Zustimmungsrate von etwa 20 Prozent, 50 Prozent lehnten seine Aktivitäten dagegen ab. Doch dies sind Durchschnittswerte, die die russische Gesellschaft als Ganzes betreffen.

Nawalny ist ein Phänomen. Besonders junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren befürworten den Kreml-Kritiker, der als Unternehmer, Antikorruptionsaktivist und Politiker seit zwei Jahrzehnten für Furore sorgt.Der UnternehmerIn den neunziger Jahren war Nawalny ein junger aufstrebender Geschäftsmann. Er verdiente gutes Geld, doch Millionär wurde er nicht. Seine Erfahrungen als Geschäftsmann hätten seine politischen Ansichten nachhaltig beeinflusst, sagt Nawalny. In Russland, so wurde ihm bald klar, «erwächst Geld aus Macht».

Nawalny will Putin als korrupt entlarven. Nur so, hofft er, könne er die breite gesellschaftliche Unterstützung für Putin ins Wanken bringen.Der AntikorruptionsaktivistIm Februar 2011 postete Nawalny eine Stellenanzeige auf seinem Blog: Er wolle Anwälte anstellen. Die wichtigste Bedingung, um den Job zu bekommen: «Du musst wirklich gegen Gauner kämpfen wollen. Du darfst Tag und Nacht an nichts anderes denken.» Bewerber mussten einen «korrupten Beschaffungsvertrag in der Ausschreibungsphase» finden. headtopics.com

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Mit seiner Stiftung für Korruptionsbekämpfung sorgt Nawalny für Aufsehen. Doch ihm reicht das Aktivisten-Leben nicht. Er will die Macht, Dinge von innen heraus zu verändern.Der PolitikerDoch als Politiker hatte er einige Handicaps. Das erste davon war paradoxerweise sein Ruf als Korruptionsbekämpfer: Viele hielten ihn für einen Kandidaten mit nur einem Thema. Noch 2012 hatte er in einem Artikel betont, der Kampf gegen die Korruption sei sein vorrangiges Ziel. «Das ist mein Wirtschaftsprogramm», schrieb er damals. Das aber war vielen zu wenig und brachte ihm heftige Kritik ein. Das zweite Handicap war, dass die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der Liberalen bei der Mehrheit der Wähler nicht sonderlich gut ankamen – um es milde auszudrücken.

In der Politik wechselt Nawalny immer wieder seine Strategie und seine Positionen.Nawalnys Weg als Politiker wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Manchmal hat er die liberale Opposition aufgerufen, sich zusammenzutun. Ein andermal wollte er es allein versuchen. Das Gleiche gilt für Wahlen: Zuweilen hat er zum Boykott aufgerufen, dann zur Unterstützung anderer Oppositioneller und schliesslich zur Protestwahl. Manchmal sind Slogans von zentraler Bedeutung. Ein andermal lehnt er sie als zu simpel ab. Dann stehen sie wieder hoch im Kurs. Dieses Hin und Her ist überhaupt nicht widersprüchlich – es handelt sich dabei lediglich um flexible Anpassungen an ein politisches System, das aus der Ferne statisch wirken mag, aber in ständigem Wandel begriffen ist.

2018 kandidiert Nawalny als Präsident der Russischen Föderation, wird jedoch aufgrund einer Verurteilung wegen Unterschlagung und Veruntreuung nicht zugelassen. Noch während des laufenden Prozesses legt Putin ein Gesetz auf, das Vorbestraften die Kandidatur verbietet. Putin gewinnt die Wahl, die von internationalen Wahlbeobachtern kritisiert wird, mit knapp 77 Prozent.

Doch Nawalny macht weiter.Nawalny ist ein Liberaler, der nationalistische – sogar rassistische – Erklärungen abgegeben hat. Er ist ein Antikorruptionsaktivist, der selbst wegen Unterschlagung verurteilt worden ist. Er ist ein russischer Patriot, der aber zu internationalen Sanktionen gegen russische Behörden aufruft. Er ist ein bekennender Demokrat, der seine Bewegung mit starker, autoritärer Hand führt. headtopics.com

Wer bezahlt ihn?Nawalny gehört zu einer ganzen Reihe junger Politiker, die geschickt soziale Medien nutzen und entschlossen sind, die alte russische Führungsriege abzulösen. Auch die finanzielle Unterstützung stimmt – dank Boris Simin, Sohn des 550-Millionen-Dollar (2006) schweren Telekommunikationsunternehmers Dmitri Simin.

Sein Sohn Boris führte seine Arbeit fort und förderte liberale Publikationen wie The New Times und Meduza, aber auch Menschenrechtsorganisationen wie Memorial und das Sacharow-Zentrum. Und den FBK (Nawalnys Stiftung für Korruptionsbekämpfung, Anm. der Red.). Seit seiner Gründung hat Simin dem Fonds monatlich 300'000 Rubel gespendet (das entsprach im April 2021 etwa 3300 Euro). Seit 2019 war Simin ausserdem Nawalnys persönlicher Sponsor. Er war seine Haupteinnahmequelle.

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Die Nawalny-Bewegung ist gut organisiert. Mit Nawalnys Rückkehr im Januar 2021 wird ein Video veröffentlicht,und die ausufernde Korruption in Russland belegen soll. Auf den russischen Strassen ist daraufhin die Hölle los. In mehr als 100 Städten protestieren Russinnen und Russen, Tausende werden verhaftet.

Der KämpferAm 2. Februar 2021 wird Nawalny verurteilt. Zwei Jahre und acht Monate im Straflager verbleiben nach Abzug des Hausarrests. Er nimmt die Entscheidung gelassen hin. «Leb wohl, sei nicht traurig, es wird alles wieder gut», sagt er seiner Frau Julia.

Als seine Frau Julia ihn am 13. April besuchte, hatte Nawalny 17 Kilogramm Gewicht verloren. Julia Nawalnaja schrieb, er sei «immer noch heiter und lebensfroh». Aber er sei geschwächt, und das Sprechen falle ihm schwer. Die Zeitungen, die er abonniert hatte, wurden zensiert, auf altmodische Weise mit der Schere. Er berichtete auch, um ihn aus dem Hungerstreik zu locken, habe man ihm Süssigkeiten in die Taschen geschmuggelt und den anderen Insassen Geflügel gegeben, das sie in der Küche zubereiten durften. Doch Nawalny wäre nicht Nawalny, würde er hier nicht auch eine politische Lektion über die Ideologie der Machtinhaber erkennen. Sie könnten nicht begreifen, liess er durch seine Mitarbeiter auf Instagram posten, dass jemand Ideen und Prinzipien höher bewertet als materielle Vorteile. Sie seien vielmehr überzeugt, dass jeder Mensch durch Bestechung dazu gebracht werden könne, sich zu fügen. Aber Nawalny war entschlossen zu kämpfen und beendete die Botschaft mit einem zwinkernden Emoji: «Gebt auch ihr den wichtigen Kampf nicht auf.»

Doch das ist einfacher gesagt als getan in einem Land, in dem es lebensgefährlich sein kann, die Regierung zu kritisieren.Im Juni 2021 verbietet ein Moskauer Gericht die von Nawalny gegründeten Organisationen als «extremistisch». Mitarbeiter und Unterstützer dürfen sich nicht mehr um öffentliche Ämter bewerben – viele hatten bei der Parlamentswahl im September antreten wollen.

Am 18. Juli dieses Jahres teilt die Anwaltsorganisation Komanda 29 mit, ihre Arbeit einzustellen. Die russische Bürgerrechtsorganisation hatte auch das Nawalny-Netzwerk vertreten. Man könne das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung nicht mehr ignorieren, schreibt die Organisation.

Doch die Bewegung selbst ist nicht mehr aufzuhalten. Dafür hat Nawalny gesorgt.Die kursiv markierten Auszüge stammen aus:«Jan Matti Dollbaum, Morvan Lallouet, Ben Noble, NAWALNY».Copyright © 2021 Jan Matti Dollbaum, Morvan Lallouet, Ben Noble

Für die deutschsprachige Ausgabe Copyright © 2021 Hoffmann und Campe Verlag, Weiterlesen: BLICK »

Nawalny interessiert niemand. Hauptsache Nordstream2 wird weiter gebaut. Was Putin sagt, interessiert auch niemand, aber er ist nun mal an die Macht.

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