Energiestrategie der Schweiz – Solarausbau im Schleichtempo

Die Solarbranche wartet weiterhin auf den grossen Schub.

11.07.2020 12:30:00

Die Solarbranche wartet weiterhin auf den grossen Schub.

Die Zubaugeschwindigkeit an Fotovoltaik muss um ein Mehrfaches beschleunigt werden, will die Schweiz die Klima- und Energieziele erreichen. Das zeigt eine neue Marktanalyse.

41 Kommentare41Es fehlt derzeit der finanzielle Anreiz für Grossanlagen ohne Eigenverbrauch: Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Swisspor-Arena auf der Allmend in Luzern.Foto: Urs Flüeler (Keystone)Die Solarbranche wartet weiterhin auf den grossen Schub. Der Fachverband Swissolar hat heute die Marktanalyse für das letzte Jahr veröffentlicht. «Wir hätten etwas mehr erwartet», sagt David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar. Der Fachverband ging von einem Zubau der Fotovoltaik von etwa 350 Megawatt Leistung aus, das Resultat von 2019 liegt knapp darunter.

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Die Branche ist in den vergangenen Jahren bescheiden geblieben und hat die Erwartungen stets tief gehalten. Ihre Forderungen sind allerdings unmissverständlich. «Die jährliche Zubaugeschwindigkeit muss um das Vier- bis Fünffache gesteigert werden», sagt SP-Nationalrat und Swissolar-Präsident Roger Nordmann.

Die Solaranlagen haben letztes Jahr rund 2,1 Terawattstunden Strom produziert. Das entspricht knapp 4 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs. Die Schweiz benötigt gemäss Fachverband aber 40 bis 45 Terawattstunden Strom. Das heisst: Die Solarproduktion muss in den nächsten 30 Jahren um den Faktor 20 gesteigert werden.

Denn die Schweizer Bevölkerung hat sich für den Ausstieg aus der Atomkraft entschieden. Und unser Land soll gemäss Beschluss des Bundesrates bis 2050 klimaneutral sein. Das heisst: Fossile Brenn- und Treibstoffe werden vereinfacht gesagt durch elektrischen Strom ersetzt. Wärmepumpe statt Ölheizung, Elektroauto statt Benziner. Die Hauptquellen werden dabei Wasser- und Solarkraft sein.

«Wer keinen eigenen Strom verbrauchen kann, der montiert keine Fotovoltaikanlage.»David Stickelberger, Geschäftsführer SwissolarDie neusten Zahlen stimmen aber nicht gerade optimistisch für diese Herkulesleistung. David Stickelberger von Swissolar bleibt trotzdem optimistisch: «Immerhin geht es in die richtige Richtung.» Er meint damit, dass nicht nur die Zahl der Fotovoltaikanlagen auf den Dächern von Einfamilienhäusern kontinuierlich zunimmt, sondern inzwischen auch bei den Mehrfamilienhäusern eine Zunahme zu verzeichnen ist. «Auch die Industrie und das Gewerbe haben offensichtlich erkannt, dass man Solarenergie zum Eigenverbrauch nutzen kann», sagt Stickelberger.

«Wer keinen eigenen Strom verbrauchen kann, der montiert keine Anlage.»David Stickelberger, SwissolarAber: Die Anlagen, die in dieser Statistik aufgeführt werden, sind eben praktisch nur auf Eigenverbrauch ausgerichtet. Dann sind sie vielfach rentabel. «Wer keinen eigenen Strom verbrauchen kann, der montiert keine Anlage», sagt Stickelberger. (

)Eigen produzierter Strom ist billigerHier zeigt sich denn auch die Schwäche des Vergütungssystems für Fotovoltaikanlagen. Die aktuelle Verordnung basiert auf drei Pfeilern: Der Bund zahlt eine Einmalvergütung an die Investitionskosten. Je grösser der Anteil für den Eigenverbrauch ist, desto höher ist die Rentabilität. Denn der eigen produzierte Strom ist billiger als Strom aus dem Netz. Und drittens kommen Einspeisevergütungen hinzu, falls die Anlage überschüssige Energie fürs Stromnetz produziert. Diese Kombination macht eine Anlage rentabel.

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«Um kostendeckend den Strom zu verkaufen, sollte die Vergütung mindestens bei 9 bis 10 Rappen liegen.»Roger Nordmann, Swissolar-Präsident und SP-NationalratFällt allerdings die Eigenproduktion weg wie zum Beispiel bei Anlagen auf Scheunen- oder Industriedächern, geht die Rechnung nicht mehr auf. Der Grund: Das Spektrum der Einspeisevergütung in der Schweiz ist extrem gross. Es reicht je nach Kanton von 2 bis 13 Rappen pro Kilowattstunde eingespeistem Solarstrom. «Um kostendeckend den Strom zu verkaufen, sollte die Vergütung mindestens bei 9 bis 10 Rappen liegen», sagt Roger Nordmann. Das ist denn auch ein Grund, dass zum Beispiel die Bauern derzeit keinen grossen Anreiz haben, aus ihren Scheunen kleine Solarkraftwerke zu machen.

Swissolar studiert seit 1984 den Solarmarkt in der Schweiz durch Umfragen bei Unternehmen in der Solarbranche. Im vergangenen Jahr nahmen knapp 400 Firmen daran teil. Dabei zeigt sich, dass die Bauern in den Jahren 2011 bis 2015 deutlich stärker in die Fotovoltaik investierten als heute. «Der damalige Boom ist auf die kostendeckende Einspeisevergütung KEV zurückzuführen», sagt der Geschäftsführer von Swissolar, David Stickelberger. Diese Subvention läuft aber Ende 2022 aus.

Solarinseln auf dem Lac des Toules, einem alpinen Stausee.Foto: Valentin Flauraud (Keystone)Dabei hat sich die Situation im Grunde nicht geändert. Die KEV wurde in einer Zeit eingeführt, als der Einspeisetarif der Elektrizitätswerke die Gestehungskosten der Fotovoltaik nicht deckte. Inzwischen sind die Kosten der Technologie derart gesunken, dass Solarstrom vielerorts markttauglich ist. Heute sind die Einspeisetarife aber oft durch ein zu grosses Stromangebot an erneuerbaren Energien auf dem Markt so tief, dass sich die Einspeisung nicht mehr lohnt. «Eigentlich brauchten wir wieder eine Art KEV», sagt Solarenergieexperte Thomas Nordmann.

Mehr Wettbewerb als LösungDer Bundesrat will einen anderen Weg gehen. Er will den Wettbewerb unter den Solarproduzenten antreiben. Die heute fixen Einmalvergütungen für grosse Fotovoltaikanlagen sollen durch Ausschreibungen ersetzt werden. Wer eine gewisse Menge Solarenergie am günstigsten produzieren kann, soll gefördert werden.

Im Fokus sind Grossanlagen ohne Eigenverbrauch. Eine Allianz der Schweizer Energiewirtschaft, bestehend aus den grossen Energieversorgungsunternehmen, den Stadtwerken und verschiedenen Branchenverbänden möchte dabei eine Marktprämie einführen, die während 20 bis 25 Jahren jeweils die Preisschwankungen auf dem Strommarkt ausgleicht. So soll für die Energiebranche eine Investitionssicherheit geschaffen werden.

«Wir schaffen es nur mit grossen Fotovoltaikanlagen ohne Eigenverbrauch.»David Stickelberger, SwissolarWie auch immer das Finanzierungsmodell in Zukunft aussehen wird. «Wir schaffen es nur mit grossen Fotovoltaikanlagen ohne Eigenverbrauch», sagt David Stickelberger. Das heisst: Für die Energie wende braucht es nicht nur Solardächer und -fassaden, sondern auch Fotovoltaik über Parkfeldern, auf Lärmschutzwänden, Eisenbahn- und Autobahnböschungen – oder an alpinen Staumauern und auf Stauseen.

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