Ende der 'Lindenstrasse': Wohin mit unserer Sehnsucht?

Lindenstrasse, Lindenstrasse Ende Serie Deutsches Fernsehen Nzz Kritik Rainer Moritz 1985 Beimer Spiegeleier

Nach 35 Jahren und 1758 Folgen ist läuft die deutsche Serie am Sonntag ein letztes Mal im Fernsehen. Wohin nun mit unserer Sehnsucht nach Verlässlichem?

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26.3.2020

Am 8. Dezember 1985 lief die Lindenstrasse erstmals im Fernsehen. Diesen Sonntag tut sie das zum letzten Mal – nach 1758 Folgen. Unser Autor hat kaum eine davon verpasst. Für ihn ist klar: Die Sonntage werden künftig leere Sonntage sein.

Nach 35 Jahren und 1758 Folgen ist läuft die deutsche Serie am Sonntag ein letztes Mal im Fernsehen. Wohin nun mit unserer Sehnsucht nach Verlässlichem?

Drucken Teilen Ein Bild aus früheren Tagen: Frühstück bei Beimers. Von links nach rechts: Kornelia (Nina Vorbrodt), Benny (Christian Kahrmann), Helga (Marie-Luise Marjan) und Klausi (Moritz A. Sachs). Diane Krüger, WDR Was haben Sie am 8. Dezember 1985 gemacht? Damals, als man Kanzler Kohl für eine vorübergehende Erscheinung hielt, als Claude Simon den Literaturnobelpreis erhielt, Modern Talking unsere Ohren mit «Cheri Cheri Lady» quälten, die norwegische Gruppe Bobbysocks mit «La det swinge» den Eurovision Song Contest und der siebzehnjährige Boris Becker Wimbledon gewann? Ich weiss genau, was ich an diesem Sonntag um 18 Uhr 40 tat: Ich sass in einer schwäbischen Landgemeinde unweit von Tübingen vor dem Fernsehapparat und führte mir die erste Folge der «Lindenstrasse» zu Gemüte. Als notorischer Anhänger von Robert Strombergers «Die Unverbesserlichen», «Bonanza» oder «Die Leute von der Shiloh-Ranch» stand und stehe ich Serien mit Sympathie gegenüber. Dennoch glaubte ich (wie viele andere) damals nicht daran, dass Hans W. Geissendörfers um die Münchner Familie Beimer gebauten Sonntagsfolgen eine lange Lebenszeit beschieden wäre. Zum Glück täuschte ich mich. 1757 Folgen kamen danach, von denen ich kaum eine verpasst habe. Nun aber, an diesem Sonntag, soll alles ein Ende haben. Herzlose Programmmacher der ARD haben beschlossen, einer fast 35 Jahre alten Institution den Garaus zu machen. Alle Proteste nutzten nichts; die Sonntage werden künftig leere Sonntage sein. Wohin, frage ich mich, mit unserer Sehnsucht nach Verlässlichem? Denn die «Lindenstrasse» gab Halt im Chaos, sie liess uns hoffen, dass nicht alles dem Untergang geweiht ist. Zurechtkommen mit Alterungsphänomenen Wer Fernsehserien als Selbstverständlichkeit in den Alltag integriert, spürt die physiognomischen und mentalen Veränderungen seiner Helden nur unmerklich – so wie man sich selbst unbeirrt als forschen Draufgänger sieht, der ohne Haartönung und Rheumapflaster auskommt. Serien-Nerds kommen mit Alterungsphänomenen gut zurecht – besser zum Beispiel als der Erzähler in Marcel Prousts Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit». Der trifft in einer Schlüsselszene nach langer Zeit alte Weggefährten wieder, an denen – zu seinem Entsetzen – die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen ist. «Obgleich an sich etwas Gleichgültiges, verstörte mich ihr hohes Alter, da es mir das Nahen des meinigen drohend vor Augen führte», lautet das Fazit dieser Maskenschau – eine jähe, bittere Erkenntnis, die «Lindenstrasse»-Seher nicht schockiert. Die schrecklichen Wandlungen tun sich ihnen erst auf, wenn sie die Homepage der Serie durchforsten und mit Wehmut erkennen, dass früher alles anders und vor allem jünger war. Die erste Folge der Lindenstrasse wurde am 08.12.1985 ausgestrahlt. Im Bild: Vorweihnachtliche Hausmusik bei Familie Beimer: v.l.: Klausi (Moritz A. Sachs), Vater Hans (Joachim Hermann Luger), Mutter Helga (Marie-Luise Marjan), Tochter Marion (Ina Bleiweiss) und Benny (Christian Kahrmann). Engelmeier, WDR Dann erst sieht man ungläubig, wie klein Klausi Beimer am Anfang war, wie viele Pfunde die Nervensäge Iffi Zenker zugelegt hat, wie wenig Anna Beimer (vormals Ziegler) von ihrer Attraktivität verloren hat, wie sie dafür aber in schöner Regelmässigkeit (letztmals noch in Folge 1757) Männer in den Tod trieb, oder wie aus ihrer Cousine Gaby eine patente Café-Betreiberin wurde, die im Lauf der Jahre Techtelmechtel mit skrupellosen Hauseigentümern oder hasenfüssigen Postboten durchlitt, ehe sie in die Arme ihres resoluten Taxifahrers Andi zurückfand. Wie ein Vorläufer von Facebook So normal der biologisch unabwendbare Triumph des Vergänglichen, des Altwerdens sein mag: Wir wollen ihn nicht akzeptieren und erliegen deshalb nur zu gern der Suggestion, bei uns zu Hause und in der «Lindenstrasse» sei eigentlich alles beim Alten geblieben. Die Serie pflegte seit je eine Art Realitätssimulation und machte Menschen mit geringen Sozialkontakten froh. Meine Tante Karin in Fürstenfeldbruck treffe ich seit Jahren nicht mehr, meinen Bruder spreche ich viermal im Jahr telefonisch, und was meine Schwester macht, lasse ich mir von meiner Mutter erzählen, die ich leider nur alle paar Monate sehe. Eigentlich müsste ich unter dem leiden, was man die Vereinzelung des anonymen Grossstädters nennt. Doch so leicht bin ich nicht aus der Bahn zu werfen. Bisher war ich nicht auf Facebook-Freunde angewiesen, um mich geborgen zu fühlen, denn ich hatte ja die «Lindenstrasse» . . . Freiwillig und unfreiwillig gestorben Viele der Serienhelden sind inzwischen gestorben, wenn auch nicht immer freiwillig, von Else Kling bis Dr. Dressler und Hansemann Beimer. Nicht immer ist es der (Serien-)Tod, der geliebte Darsteller aus unseren Herzen reisst und in den Schrein der Erinnerung verbannt. Ich zum Beispiel trauere bis heute jener Angelika Kur nach, die ausser mir vermutlich niemand mehr kennt und die in den Folgen 40 bis 49 (anno 1986) Franz Schildknecht erst im Haushalt und dann im Bett aushalf, ehe man sie knallhart aus dem Skript strich. An Angelikas Seite wäre Franz nicht dem Alkohol verfallen, hätte nicht begonnen, gruselige Bilder zu malen, und er hätte 1992, in der Folge 369, den Tod durch Erfrieren vermieden. Für eine Reanimation Angelikas ist es nun zu spät. Ihre wunderbare Darstellerin Franziska Grasshoff wechselte zu Privatsendern und verstarb 1999. Das verzeihe ich Hans Geissendörfer und seinen Drehbuch-Schreiberlingen nie. An Katastrophen mangelte es im kleinen «Lindenstrassen»-Verbund nie. Alles – Abtreibung, Spielsucht, Selbstmorde, Vergewaltigung, Magersucht, Afghanistan-Krieg, Aids, Esoterik, Teenagerschwangerschaft, Cannabis-Anbau, Hebephilie, islamistischer Terror, Migrationsprobleme, Salmonellen – kam vor, was wahre Lebensfreude eindämmt. Routinierte Serienschauer wie ich nahmen – anders als manche CSU- und FDP-Hinterbänkler, die regelmässig scharfe Protestnoten an den WDR richteten – den linksliberalen, zur Empörung neigenden Besserwisserduktus der «Lindenstrasse» nicht ernst, wussten um die Vorhersehbarkeit der Ereignisse und freuten sich daran, dass es im eigenen Leben keine solche Elendsanhäufung gab. In der Wissenschaft angekommen Immerhin ist die seit langem unter Quotenschwund leidende «Lindenstrasse» längst in der Wissenschaft angekommen. Zahllose akademische Studien untersuchen in kritischer Absicht jedes Detail. Da schrieb der Pädagoge Peter Moritz in seiner Habilitationsschrift «Seife fürs Gehirn» davon, dass «beliebten TV-Unterhaltungsserien etwas notwendig Falsches» eigne, «wiewohl sie einen Wahrheitskern über die allgemeine Defizienz, die sie hervorbringt», enthielten. Und die Soziologin Almut Zwengel merkte an, dass es bei «binationalen Paaren» in der «Lindenstrasse» zu «unrealistisch wirkenden Häufigkeiten» komme – etwa wenn die polnische Friseurin Ursula «Liebesbeziehungen zu je einem Partner russischer, vietnamesischer, südafrikanischer und italienischer Herkunft sowie zu zwei autochthon Deutschen» unterhalte. Von solchen Texten werde ich künftig zehren. Klappe zu bei der «Lindenstrasse»: Nach 35 Jahren und 1758 Folgen ist nun Schluss. Steven Mahner, WDR Eigentlich stand es für mich ausser Zweifel, dass die «Lindenstrasse» und ich gemeinsam steinalt würden. Tattrig, so dachte ich mir, hätte ich in zwanzig Jahren alle Avancen meiner Mitbewohnerinnen im Heim ignoriert, sobald der Zeiger der Uhr auf die magische Sonntagabendstunde zugesteuert wäre. Daraus wird nun nichts werden. Ich muss mein Leben ändern. Zum Glück wohnt die Schauspielerin Marie-Luise Marjan ganz in meiner Nähe, die unentbehrliche Mutter Beimer, die schon in der allerersten Folge ihre mütterlichen Qualitäten zeigte. Vielleicht verabrede ich mich demnächst mit ihr, wir trinken Kaffee, ein Likörchen vielleicht, und dann brät sie mir ihre berühmten Spiegeleier, mit denen sie sich selbst in allen Seriennotlagen tröstete. So könnte ich über meinen Verlust hinwegkommen. «Lindenstrasse»: Die 1758. und letzte Folge «Auf Wiedersehen» am Sonntag, 29. März, um 18.50 Uhr in der ARD. Mehr zum Thema Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung

Lindenstrasse Schaut LueneburgRosen Und genau jetzt 🥺 Da war ich erst 2 Jahre alt , als die Lindenstraße auf Sendung ging! Und kann mich nur dunkel an alte Folgen erinnern, weil sie meine Oma immer gerne geschaut hat! Und jetzt hab ich zum Glück alle Staffeln zu Hause 😊 Menschen können ein Leben wie ein Hund führen

Ich oute mich mal & gebe zu *Nicht eine Folge habe ich je gesehen* Kenne eine Lindenallee mit persönlicher Geschichte. Bitte das als Entschuldigung anerzukennen. Mir wird nichts fehlen. Linksgruenversiffte Gutmenschen Scheisse. Ich habe in meinem Leben weniger als 5 Folgen der Lindenstraße gesehen und fand jede kaum erträglich. Kleinstbürgerliche Spießigkeit, gepaart mit linker Gesinnung, ästhetisch abstoßend.

Armer Kerl! Ich habe nicht eine Sendung der Lindenstraße gesehen und vermisse deshalb gar nichts.

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