Dry January? Nein, Süss-Saurer Januar!, Kolumne, Zürich, Nachrichten

Dry January? Nein, Süss-Saurer Januar!

Dry January? Nein, süss-saurer Januar! | NZZ

Unserem Nachtfalter fehlen die Theken, keine Frage. Doch auf dem Trockenen sitzt er deshalb noch lange nicht: Er kann empfehlen, sich mit selbst gefertigten Sours über Wasser zu halten.

21.01.2021 21:30:00

🥃 Unserem Nachtfalter fehlen die Theken, keine Frage. Doch auf dem Trockenen sitzt er deshalb noch lange nicht: Er kann empfehlen, sich mit selbst gefertigten Sours über Wasser zu halten. Die Kolumne von urspunkt.

Unserem Nachtfalter fehlen die Theken, keine Frage. Doch auf dem Trockenen sitzt er deshalb noch lange nicht: Er kann empfehlen, sich mit selbst gefertigten Sours über Wasser zu halten.

gebrauch. Also pfeift der Falter aufs eingangs erwähnte Motto, klopft sich die letzten Flocken des grossen Schnees von den Flügeln und denkt wehmütig an die Zeit zurück, da er seine Gedanken durch einen schummrigen Barraum schweifen lassen konnte. Aber sie wird wiederkehren, diese Zeit. Und so weit, dass er mangels Theken auf dem Trockenen sässe, ist es noch lange nicht.

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So elaboriert wie in der heutigen Spitzencocktailkultur, bei der mit Sous-vide-Technik, Fermentation und Alchemie gearbeitet wird wie in einer Sterneküche, geht es in der Hausbar natürlich nicht zu und her. Dafür kommt hier des Falters schlichter Tipp für einen süss-sauren Januar. Denn das ist ein guter Monat, um mit Sours zu experimentieren, diesen Mariages aus Spirituose, Säure und Süsse: Sie bringen einen Vitamin-C-Schub in Form des Zitronensafts, und der Alkoholgehalt lässt sich fast beliebig steuern. Es muss ja nicht immer ein Whisky sour sein, der nebst dem peruanischen Pisco sour als bekannteste Version gilt.

Man kann dabei nämlich prima auch mit einem Amar, einem Likör wie dem Berner Ingwerer oder mit Gin experimentieren, selbst mit einem Kirsch, dem helvetischen Wässerchen schlechthin. Es soll gar Leute geben, die mit Kaffeelikör hantieren – was fern an das alte Anti-Kater-Rezept erinnert, einen Espresso mit Zitrone zu mischen. Kurz: Man darf ruhig etwas herumpröbeln mit dem, was die Hausapotheke, pardon: die Hausbar, so hergibt. Der Zitrussaft allerdings sollte für maximalen Genuss frisch gepresst sein, was ja buchstäblich im Handumdrehen zu bewerkstelligen ist. Manchmal helfen ein paar Spritzer Angostura Bitter, der in keiner Hausbar fehlen sollte, beim Abschmecken; mitunter kann es sinnvoll sein, mit etwas Orangensaft zu strecken. headtopics.com

Als wunderbares, leichtes und flugs gemixtes Beispiel erweist sich der Cynar sour, wobei als Faustregel das Verhältnis von zwei Teilen des beliebten Artischockenlikörs und einem Teil Zitronen- oder Limettensaft gelten kann. Ganz fabelhaft funktioniert derselbe Schlüssel auch mit dem Gran Classico Bitter der Berner Matter Spirits AG. Gesüsst werden Sours je nach Art der eingesetzten Alkoholika und nach persönlicher Vorliebe – mit einem Schuss Zuckersirup oder alternativen flüssigen Süssungsmitteln wie Agavendicksaft.

Eine Balance nach BeliebenWer auf Schäumchen steht, die ja kein Abfallprodukt von Träumchen sein müssen, arbeitet bei Drinks wie dem Whisky sour mit einem Eiweiss. Aber es geht auch ohne, auch was den Einsatz eines Shakers betrifft: Das Ganze lässt sich zur Not einfach mit Eis verrühren – und für ein vages Krönchen sorgt behelfsmässig der batteriebetriebene Milchschäumer. Wer sich an raffiniertere Spielarten herantasten möchte, kann das mit einem Klassiker wie dem Sidecar tun, gemixt aus zwei Teilen Cognac sowie je einem Teil Cointreau und Zitronensaft.

Wie auch immer man kombiniert: Das Ergebnis erfrischt, weckt die Lebensgeister – und die Balance aus Süsse und Säure lässt sich, anders als im übrigen Leben, ganz dem eigenen Gusto anpassen. Wer nun doch gerade Enthaltsamkeit übt, kippt halt den Zitronensaft pur. Der Moment, da dieser auf den Gaumen triff, ist allerdings nicht geeignet für ein Selfie.

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