Dini Mundart - Wüste Dialekte gibt es nicht!

Am Schlechtesten kommt in Umfragen stets die Ostschweiz weg. Dieser Dialekthass ist ein Irrtum.

24.11.2020 11:00:00

Warum sind viele Ostschweizer Dialekte so unbeliebt? Spoiler: Die Zürcher sind schuld. Also zum Teil. Wir kümmern uns heute um die «schönen» und «weniger schönen» Dialekte der Schweiz.

Am Schlechtesten kommt in Umfragen stets die Ostschweiz weg. Dieser Dialekthass ist ein Irrtum.

Weitere Beispiele finden sich zuhauf, etwa dieses YouTube-Video:Das Leben als Thurgauer (Quelle: bemoved productions)Gibt es innersprachliche Gründe?Über die Gründe für dieses negative Image wird viel spekuliert. Sind es die hellen Vokale, die den Dialekt so «spitz» machen? Mag sein, aber genau dieselbe Vokalqualität findet man beim Italienischen schön und klangvoll.

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Vielleicht ist es das /r/, das im Gaumen artikuliert wird und nicht wie schweiztypisch an der Zungenspitze? Und die nasale Aussprache der Vokale, die dieses Gaumen-R nach sich zieht? Jedenfalls sind das alles Merkmale, die hierzulande ans Deutsch der Deutschen erinnern, was nicht unbedingt Pluspunkte gibt.

Entwarnung aus England und FrankreichEs zeigt vor allem: Allein aus der Sprache heraus lässt sich die Abneigung gegen Ostschweizer Dialekte nicht erklären. Wie beim Thema «Beliebtheit des Berndeutschen» muss auch hier die Forschungsarbeit des Linguisten Adrian Leemann zitiert werden: Studierende aus Paris und aus Cambridge, die gar kein Deutsch verstehen, finden Sätze im Thurgauer Dialekt im Durchschnitt gleich schön wie Sätze auf Berndeutsch! (Zur Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster) headtopics.com

PodcastDini MundartNadia Zollinger und Markus Gasser streiten über die schönste Sprache der Welt. Easy heftig. Diskutiere mit auf mundart@srf.chTrailerAbonnierenAbonnierenTeilenTeilenAbonnierenSchliessenUm diesen Podcast zu abonnieren, benötigen Sie eine Podcast-kompatible Software oder App. Wenn Ihre App in der obigen Liste nicht aufgeführt ist, können Sie einfach die Feed-URL in Ihre Podcast-App oder Software kopieren.

TeilenSchliessenWeitere Audios und PodcastsEs müssen also Faktoren ausserhalb der Sprache sein, kulturelle, sozialpsychologische und historische Prägungen, die unsere Negativbewertung bestimmen.Ostschweiz als ProvinzDazu gehört, dass die Ostschweiz in der Restschweiz oft keine positiven Emotionen weckt: Weder ist sie eine beliebte Feriendestination, noch besitzt sie ein urbanes Zentrum mit Anziehungskraft.

Interessant ist die Beobachtung, dass solche Kantone unter schlechtem Image leiden, die in der Alten Eidgenossenschaft Untertanengebiete waren - neben Thurgau ist das der Aargau und die Waadt. Vererben sich hier vielleicht Negativbilder über Generationen weiter?

Passend zum Thema Selbsterfüllende ProphezeiungDas mag alles spekulativ sein. Es zeigt aber, wie wenig unsere Abneigung mit den Dialekten der Ostschweiz selber zu tun hat. Wir sind in unseren eigenen Vorurteilen gefangen, denn wenn man etwas lange genug behauptet, wird es schliesslich «wahr». headtopics.com

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Ostschweizerdeutsch gibt es nichtDabei vereint die Ostschweiz eine Vielfalt an sehr speziellen Mundarten. Wers nicht glaubt, soll sich altes Diepoldsauerdeutsch anhören! Weiterlesen: SRF 3 »

Chasch nöd s Föifi und s Weggli ha, Sternä Föifi.