Die Giacometti-Männer waren alle Künstler. Albertos Schwester Ottilie hingegen wird nur durch die Bilder von Vater und Bruder unsterblich | NZZ

Die Giacometti-Männer Waren Alle Künstler. Albertos Schwester Ottilie Hingegen Wird Nur Durch Die Bi, Feuilleton, Nachrichten

Der früh verstorbenen Tochter und Schwester der grossen Giacomettis können wir heute nur über deren Kunst begegnen. Ein klassisches Frauenschicksal? Wie hätte sich ihr Leben entfaltet?

Die Giacometti-Männer Waren Alle Künstler. Albertos Schwester Ottilie Hingegen Wird Nur Durch Die Bi, Feuilleton

21.2.2020

Der früh verstorbenen Ottilia Giacometti, Tochter und Schwester der grossen Giacomettis, können wir heute nur über deren Kunst begegnen. Ein klassisches Frauenschicksal? Wie hätte sich ihr Leben entfaltet?

Der früh verstorbenen Tochter und Schwester der grossen Giacomettis können wir heute nur über deren Kunst begegnen. Ein klassisches Frauenschicksal? Wie hätte sich ihr Leben entfaltet?

Giovanni Giacometti, Pensierosa, 1913. Oil on canvas, 65 x 60 cm, Private collection PD Ein Foto von 1924 zeigt die Familie Giacometti vor ihrem Sommerhaus in Maloja: Vater, Mutter und die vier erwachsenen Kinder – Alberto, Ottilia, Diego und Bruno – sitzen eng zusammengerückt auf einer Bank in der Sonne. Sie bilden eine geschlossene Einheit, als wollten sie sagen: «Wir gehören zusammen, was immer geschieht.» So war es auch. Die Familie Giacometti war ein Kosmos und ein Hort des Glücks, der Eltern und Geschwister zusammenband. Ihre Harmonie genügte sich selbst, sie war weitgehend immun gegen die Wechselfälle des Lebens. Noch 1958 schrieb Alberto Giacometti in einem Brief an Peter Althaus, dass er sich keine glücklichere Jugend vorstellen könne als die, die er mit Vater, Mutter, Schwester und Brüdern verbracht habe. Tatsächlich: Im Hause Giacometti stand man zueinander. Der Bund der Familie hielt allen Anfechtungen stand. Das Unglück, das auch diesen Hort des Glücks traf, band sie nur umso enger aneinander. Der frühe Tod des Vaters war der erste Schatten über dem Haus in Stampa. Giovanni Giacometti, das künstlerische Zentrum der Familie, starb 1933 mit 65 Jahren an einer Hirnblutung. Wenig später, 1937, folgte ihm die Tochter Ottilia. Ihr Tod traf Mutter und Geschwister besonders hart, da er aus einem freudigen Ereignis hervorging. Ottilia starb wenige Stunden nach der Geburt ihres ersten Kindes. Der Bruder Alberto zeichnete sie auf dem Totenbett. Eine Porträtskulptur von ihr, die er kurz danach begann, konnte er lange nicht vollenden. Giovanni Giacometti, Die Lampe, 1912. Oil on canvas, 130 x 150 cm, Kunsthaus Zürich Nichts könnte den Familienkosmos besser zeigen als die Kunst von Vater Giacometti und dem ältesten Sohn Alberto. So sind denn die Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Fotos, die wir im Kunsthaus Zürich in einer kleinen Ausstellung sehen können, ein Bilderbogen zwischen Interieur, Haus und Garten – meist mit Geschwistern und Mutter als Akteuren. Dass die Schau den Fokus auf Ottilia richtet, die am wenigsten bekannte Person der Familie, ändert nichts daran, dass diese vor allem im Spiegel von Vater und Bruder Gestalt gewinnt. Die Geschwister waren die wichtigsten Modelle für Giovanni und Alberto Giacometti. Die Söhne wurden künstlerisch gefördert, konnten studieren und als Gestalter und Architekt reüssieren, und Alberto war selbstverständlich der Kronprinz, der das Erbe des Vaters zu neuen Wegen führte. Für Ottilia die Frauenrolle Was aber war Ottilia, die Schöne mit der goldbraunen Haarpracht, des Vaters liebstes Modell und Verkörperung in sich ruhender Weiblichkeit? Die familiäre Selbstverständlichkeit des Künstlertums galt offenbar nicht für sie. Ottilia wurde die Bildung einer höheren Tochter im Mädchenpensionat und in der Frauenarbeitsschule zuteil, mit Unterweisung in Handarbeit und Hauswirtschaft. Sie war geschickt (wie sollte man das in diesem Hause nicht sein?), entwarf Karten und webte Teppiche. In einer Zeit, die Frauen längst berufliche und kreative Eigenständigkeit zugestand, war Ottilia zufrieden mit ihrer Frauenrolle und schien immer bemüht, die Erwartungen der Familie zu erfüllen. Nichts in den Dokumenten spricht von Rebellion oder gar einem Versuch, den vorgegebenen Weg zu verlassen. Die Beziehung zu ihrem künftigen Ehemann verbirgt sie zunächst vor den Eltern, später bittet sie in einem Brief um Erlaubnis, ein Paar zu werden. Noch kurz vor ihrer Heirat schreibt sie, wie schwer ihr der Abschied vom Elternhaus falle. Briefe, Fotos, Filmaufzeichnungen einer Ägyptenreise – es gibt nicht sehr viele Dokumente, die das kurze Leben von Ottilia umreissen. Hingegen ist sie in den Bildern von Vater und Bruder überaus präsent. In nahezu jedem Alter, vom Säugling bis zum Totenbett. Der Vater verklärt seine einzige Tochter geradezu, in divisionistisch leuchtender Farbpracht, umrahmt von blumigen Hintergründen. Der Bruder zeigt sie strenger, arbeitet die skulpturale Prägnanz ihres Gesichts heraus. Ein Jugendzauber liegt über diesen Bildern, ein Blühen und Entfalten – niemals ein Schatten dunkler Ahnung. Dass Ottilias Leben so früh abbrach, erscheint als Ungerechtigkeit des Schicksals. Giovanni Giacometti, La Madre, 1905. Oil on plate, 50 x 55 cm. Bündner Kunstmuseum Chur Überdeckt vom Abbild aus den Augen der anderen Merkwürdig, wie hier eine Person im Mittelpunkt steht, die selbst nicht Künstlerin war, aber im Spiegel zweier Künstler zum Sujet wird. Es ist ein wenig so, als würde die Kunst von Vater und Bruder sie überwölben. Sie sind es, die Ottilia unsterblich machen. Wer sie wirklich war, ist gleichsam überdeckt von ihrem Abbild, das durch die Augen anderer geschaffen wurde. Ein klassisches Frauenschicksal? Wie hätte sich ihr Leben entfaltet? Manchmal scheint es, als ob sie die Trennung vom familiären Kosmos eigentlich nicht wollte. Nur ein paar Jahre lebte sie nicht dort. Der Bruder Alberto hat für ihr Grab eine Vase aus Serpentin – dem Gestein des Bergells – entworfen. Das ungewöhnliche Grabmal sieht ein wenig aus wie ein Seelengefäss aus dem alten Ägypten. Symbolhaft könnte es für die Heimat stehen, die sich wieder um sie geschlossen hat. Zürich, Kunsthaus, bis 3. Mai. In der Ausstellung sind kompilierte Filmaufzeichnungen zu sehen, die Ottilia Giacomettis Ehemann Francis Berthoud gemacht hat. Katalog Fr. 25.–. Mehr zum Thema Diese Kunstkollektion ist das Porträt ihres Sammlers Werner Coninx. Angelika Affentranger-Kirchrath Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung

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