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«Das Risiko einer zweiten Welle ist im Winter höher»

Daniel Koch im Interview: «Das Risiko einer zweiten Welle ist im Winter höher»

23.05.2020 10:02:00

Daniel Koch im Interview : «Das Risiko einer zweiten Welle ist im Winter höher»

Daniel Koch, Covid-19-Delegierter des Bundes, erklärt im Interview , warum die Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit ansteigen könnten – und weshalb es trotzdem möglich ist, die Schutzmassnahmen weiter zu lockern. Zum Beispiel für Konzerte.

Daniel Koch und Bundesrat Alain Berset bei einer Pause im Cafe.Bild: KEYSTONEDaniel Koch alias Mr. PandemieIm Einsatz gegen Corona Daniel Koch ist so etwas wie der Mr.Pandemie der Schweiz. Während zwölf Jahren leitete der Berner Arzt die Abteilung Übertragbare Krankheiten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und hat schon verschiedene Krisen gemanagt. Am 30. April wurde er mit 65 Jahren pensioniert, steht als «Delegierter des BAG für Covid-19» aber bis auf weiteres im Dienst der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Vor Beginn seiner Karriere in der Bundesverwaltung war er für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz IKRK tätig. In seiner Freizeit betreibt Koch Ausdauersport und ist Besitzer von mehreren Hunden . (lhn)

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Was heisst vernünftig?Man kann sich zu viert treffen und ein Bier trinken gehen. Man sitzt an einem Tisch und weiss, mit wem man zusammen war.Doch die Gästeregistration in den Restaurants funktioniert nur beschränkt. Manche Lokale haben Listen auf Papier, andere eine Website, andere fragen gar nicht.

Es ist im Interesse der Betreiber, dieDatender Gäste zu erfassen. Wenn beispielsweise ein Kellner erkrankt, ist es entscheidend, dass er die Gäste der vergangenen zwei Wochen direkt informieren kann. Sonst werden die Behörden gezwungen sein, die betreffenden Lokale öffentlich bekannt zu machen, damit sich die Gäste in Quarantäne begeben können. Das ist für den Ruf eines Lokals nicht unbedingt positiv.

«An vielen Arbeitsplätzen liegen zwei Meter Abstand nicht drin. Wenn man vermeiden will, dass ganze Büros in Quarantäne gehen müssen, ist Homeoffice immer noch die bessere Option.»Eine Pflicht zur Registration wäre aus Datenschutzsicht heikel.

Der Staat will keine Daten über das Ausgehverhalten der Menschen. Unser einziges Ziel ist es, Personen zu finden, die möglicherweise mit dem Virus in Kontakt kamen.Grossveranstaltungen bestehen per Definition aus grossen Menschenansammlungen. Wird es diese auf absehbare Zeit nicht mehr geben?

Die Frage wird auch hier sein, ob man die Kontakte der Menschen rückverfolgen kann. Bei einem Open-Air-Festival oder an einer Fasnacht ist das aussichtslos. Dort verlieren wir die Infektionsketten sofort. Man kann auch nicht zehntausend Menschen in Quarantäne stellen, wenn ein Fasnachts- oder Festivalteilnehmer infiziert war. Bei anderen Events ist es eher möglich.

Können Sie ein Beispiel machen?Das kann ein Konzert mit Sitzplätzen sein, wo sich genau sagen lässt, wer wo gesessen hat. Möglicherweise sind zwei Meter Abstand zwischen den Zuhörern nicht einzuhalten, aber wenn nur jeder zweite Platz besetzt ist, dann kann man sich das überlegen.

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Sind unter diesen Bedingungen auch Fussballspiele mit Publikum wieder möglich?Es wird unsere Aufgabe sein, alle diese Fragen einzeln anzuschauen, auch mit den Veranstaltern. Wir wollen eine möglichst grosse Normalität erreichen, ohne grosse unkontrollierbare Risiken einzugehen.

Etliche Unternehmen beordern zurzeit ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurück in die Büros. Ist das der richtige Moment?An vielen Arbeitsplätzen liegen zwei Meter Abstand nicht drin. Wenn man vermeiden will, dass ganze Büros in Quarantäne gehen müssen, ist Homeoffice immer noch die bessere Option. Wenn zudem alle Arbeitnehmenden auf einmal mit dem Homeoffice aufhören, wird das Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln grösser. Das wollen wir vermeiden.

Hinter allen Lockerungsschritten lauert die Gefahr einer zweiten Ansteckungswelle. In Ihrem Metier müssen Sie in Worst-Case-Szenarien denken.Man kann Worst-Case-Szenarien nie ausschliessen, doch man sollte sich nicht darauf versteifen. Entscheidend sind die wahrscheinlichen Szenarien. Aus heutiger Sicht wahrscheinlich ist etwa, dass im Herbst und Winter wieder sehr viele Atemwegsviren zirkulieren werden. In diesem Kontext wird es schwieriger sein, die Infektionen mit dem neuen

Coronaviruszu identifizieren und die Infektionsketten nachzuverfolgen. Wir müssen uns deshalb auch darauf vorbereiten, dass uns das Contact Tracing wieder entgleist. Bei 200 bis 300 neuen Fällen pro Tag wird man sich auch die Frage stellen, ob erneut Schutzmassnahmen in Kraft treten müssen. Das Ziel lautet aber ganz klar, eine zweite Welle zu verhindern.

«Wenn die Lage in einzelnen Ländern plötzlich wieder ausser Kontrolle gerät, schadet das allen.»Was bereitet Ihnen mehr Sorgen: die schwierigere Rückverfolgbarkeit oder die trockene Luft in der kalten Jahreszeit?Es ist beides. Das Virus verbreitet sich in kalter und trockener Luft möglicherweise besser. Zudem haben bei den aktuell warmen Temperaturen nur wenige Menschen grippe-ähnliche Symptome, davon trägt nur etwa ein Prozent das Virus in sich. Darum ist es aktuell einfacher, sie zu identifizieren. Im Herbst werden sehr viel mehr Menschen grippale Symptome aufweisen aufgrund aller anderen zirkulierenden Viren. Wir werden deshalb auch sehr viel mehr Menschen testen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine mit dem neuen Coronavirus infizierte Person durch die Maschen fällt, ist grösser. Deshalb ist das Risiko einer zweiten Welle im nächsten Winter tendenziell höher. Das Ziel lautet dennoch, die Welle zu unterdrücken oder zumindest auf einem tiefen Niveau zu halten.

Entscheidend ist auch, möglichst bald einen Impfstoff zu finden und einen möglichst grossen Teil der Bevölkerung zu immunisieren. Der Kampf um die Ampullen hat begonnen. Beginnt jetzt die Zeit des Impfstoff-Nationalismus?Man wird alles daransetzen, dass es nicht zu einem Kampf zwischen den Ländern kommt. In einer globalisierten Welt ist es im Interesse aller Staaten, dass auch die anderen Länder Zugang zum Impfstoff haben. Wenn die Lage in einzelnen Ländern plötzlich wieder ausser Kontrolle gerät, schadet das allen.

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