«Das ist ein Wunder. Ich könnte weinen»

30 Jahre lang war Bernie süchtig. Jetzt kehrt er auf den Platzspitz zurück. (Abo+)

20.7.2019

30 Jahre lang war Bernie süchtig. Jetzt kehrt er auf den Platzspitz zurück. (Abo+)

Bernie hat in den 90er-Jahren auf dem Platzspitz Crack konsumiert. 30 Jahre war er süchtig. Jetzt kehrt er in den Park zurück.

Bernie ist ein Pseudonym, um die Anonymität zu gewährleisten. Er ist 50 Jahre alt und gebürtiger Stadtzürcher. Seit 2003 ist er Mitglied der Narcotics Anonymous Schweiz, die dieses Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen feiern (siehe Box). Seit 2011 ist Bernie clean.

2013. 2004 bin ich abgestürzt, 2010 ging ich erneut zu den Meetings im Häxehüüsli. Drei Jahre später war ich das erste Mal wieder im Park. Ich weiss noch genau, wie es damals war: Ich stieg beim Bahnhof aus, spielte auf dem Handy und merkte erst mitten im Park, dass ich jetzt auf dem Platzspitz bin. Es war Frühling, die Bäume und Blumen blühten, es duftete, die Vögel zwitscherten – und das von früher war plötzlich alles weg. Der Platzspitz war einfach nur noch ein schöner Park.

Sie sind jetzt fünfzig – über die Hälfte Ihres Lebens waren Sie drogensüchtig.

Ja, vielleicht kann man das so sagen. Sucht hat so viel mit dem Denken zu tun, Sucht ist die Erkrankung des Denkens. Ich musste anfangen, mein Denken zu verändern.

Ein Teil betraf meinen Umgang mit meiner Problemsubstanz Crack. Ich dachte: Wenn ich die nur weglasse, dann habe ich alles wieder im Griff. Dass das eine Form von Zwanghaftigkeit und Besessenheit sein könnte, war mir nie bewusst.

Sie haben sich selber etwas vorgemacht – was alle Menschen mal tun. Bei Ihnen war es verhängnisvoll.

Ja, man kann sich nicht einfach sagen: So, ab jetzt bist du immer ehrlich. Ich habe noch ganz viele blinde Flecken.

Im Prinzip läuft es darauf hinaus: Irgendwann musste ich aufhören, gegen meine Krankheit zu kämpfen, und mich stattdessen für meine Genesung und mein Leben einsetzen. Von diesem Dagegen, von diesem Negativen musste ich weg, weg von Kampf und Krieg, hin zum Aufbauenden, Wohltuenden. Ich wollte nicht mehr wie einer sein, der das erste Mal in den Kraftraum geht und danach so Schmerzen hat, dass er nie mehr hinwill. Ich will für meine Genesung gerade so viel geben, dass ich am nächsten Tag dieses leichte Kitzeln in den Muskeln habe. Das mich reizt, noch mehr zu machen, weil es sich gut anfühlt.

Das ist schwer zu beantworten … Zuerst einmal muss ich verstehen, warum ich immer wieder bei den Drogen gelandet bin. Es geht beim Drogenkonsum darum, meine Sicht auf die Realität zu verändern, statt die Realität verändern zu wollen.

) sagte mir einmal: Glaube nicht alles, was dein Kopf dir sagt.

War das ein treibender Faktor in Ihrer Drogengeschichte, dass Sie mit niemandem reden konnten?

Der wurde mir erst durch das 12-Schritte-Programm von NA klar. Schritt eins ist, überhaupt zu verstehen, was das Ausmass des eigenen Desasters ist. Die Schritte sollen helfen, die eigene Krankheit zu akzeptieren, einzusehen, dass man nicht alles besser weiss, und Verhaltensweisen aufzudecken.

Was kommt nach dem letzten Schritt, «die Botschaft an andere Betroffene weiterzugeben»?

Weiterlesen: Tages-Anzeiger
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