Zürichberg, Airbnb, Die Pensionskasse Bvk Kündigt Am Zürichberg Den Mietern Von Zwei Häusern – Jetzt Werden Wohnungen Au, Zürich, Nachrichten

Zürichberg, Airbnb

BVK lässt Wohnungen am Zürichberg auf Airbnb anbieten

Wegen einer Sanierung schickt die BVK allen Mietern zweier Liegenschaften die Kündigung. Dann kommt es zu Verzögerungen. Jetzt werden leere Wohnungen auf der Plattform Airbnb beworben.

24.01.2020 11:53:00

Wegen einer Sanierung schickt die BVK allen Mietern zweier Liegenschaften am Zürichberg die Kündigung. Jetzt werden leere Wohnungen auf der Plattform Airbnb beworben. Von retoflury NZZzuerich.

Wegen einer Sanierung schickt die BVK allen Mietern zweier Liegenschaften die Kündigung. Dann kommt es zu Verzögerungen. Jetzt werden leere Wohnungen auf der Plattform Airbnb beworben.

Karin Hofer / NZZDie Kündigung kommt ohne Vorwarnung: Im Februar 2019 erhält Georg Müller (Name geändert) einen eingeschriebenen Brief. Darin räumt ihm seine Vermieterin eine Frist von sechs Monaten ein, um seine 2-Zimmer-Wohnung im Zürcher Kreis 7 zu verlassen. Die lapidare Begründung: «aufgrund Gesamtsanierung». Mehr steht hierzu nicht in dem Schreiben, das der NZZ vorliegt. 

Nach Corona-Kritik an Shoppi Tivoli: «Dieser Shitstorm trifft uns alle sehr» Doku über Skeptiker – TV-Mann Brennwald inszeniert sich als Gegenstimme zur «Corona-Aufregung» Corona: Übersterblichkeit in Bergamo, Madrid und New York - Blick

Der Mann ist nicht der Einzige, der seine Wohnung räumen musste. Sämtlichen Mieterinnen und Mietern der 21 Wohnungen an der Freiestrasse 12 und 14 wurde damals gekündigt. Es handelt sich um eine sogenannte Leerkündigung, wie sie in den vergangenen Monaten in Zürich mehrfach für Unmut gesorgt und Schlagzeilen gemacht haben – zum Beispiel beim Brunaupark, wo die Pensionskasse der Credit Suisse

vier von fünf Wohnhäusern abreissen und ersetzen will. Derzeit liegt das Baugesuch hierfür bei der Stadt, mehrere Kündigungen wurden angefochten.Die Bauherrin an der Freiestrasse am Zürichberg ist zwar keine Grossbank, aber gleichfalls ein Schwergewicht auf dem Immobilienmarkt: die BVK, mit 121 300 Versicherten die grösste Pensionskasse der Schweiz. Neben den Staatsangestellten des Kantons Zürich sind ihr auch Tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Spitälern, Hochschulen und Gemeinden angeschlossen.

Die BVK hat sich einer nachhaltigen Anlagepolitik verschrieben und 2015 die «Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren» der Vereinten Nationen unterzeichnet. Einen Widerspruch zwischen dieser Selbstverpflichtung und dem Vorgehen an der Freiestrasse sieht sie nicht. Die Pensionskasse hält in einer Stellungnahme fest, sie handle gesetzeskonform und im Interesse ihrer Versicherten.

Die beiden Häuser mit ihren markanten Balkonen stammen aus dem Jahr 1935 und befinden sich seit Mitte der siebziger Jahre im Besitz der BVK. Als die damalige Beamtenversicherungskasse Anfang des letzten Jahrzehnts aus der Verwaltung ausgegliedert und in eine privatrechtliche Stiftung übergeführt wurde, übernahm sie die Verwaltung ihrer Mietobjekte selber, was zuvor die kantonale Kantag besorgt hatte. 

Mieter fühlt sich überrumpeltMüller war Ende der neunziger Jahre eingezogen und hatte seinen Vertrag mit der Kantag abgeschlossen. Dass die BVK sanieren will und dass er gehen muss, kann er grundsätzlich nachvollziehen. Er habe lange von einem günstigen Mietzins profitiert, sagt er. Dennoch fühlte er sich von der plötzlichen Kündigung überrumpelt. Die BVK habe nie mitgeteilt, dass und wann eine Gesamtsanierung anstehe, sagt Müller. Einzig das Auftauchen von Baufachleuten, die mit Lasergerätchen die Räume vermassen, habe darauf hingedeutet, dass etwas im Tun sei. 

Zusammen mit zwei weiteren Mieterinnen aus dem Haus zog er vor die Schlichtungsstelle. Dort erwirkte er in einem Vergleich eine Fristerstreckung; neu muss er seine Zimmer Ende Mai 2020 geräumt haben. «Allerdings würde ich diesen Vergleich nicht mehr unterschreiben», sagt er. Denn inzwischen ist klar, dass die Sanierung nicht vor Frühling 2022 beginnt. Noch stossender findet Müller, dass ein Teil der bereits leeren Wohnungen jetzt auf Airbnb angepriesen würden. Dies sei vor der Schlichtungsstelle nie Thema gewesen. «Ich frage mich, ob das jetzt Usus ist: erst den Mietern kündigen und dann die Wohnungen auf Airbnb ausschreiben», sagt er. 

Berset plant Maskenpflicht im Freien – und diese weiteren Massnahmen Grüne fordern soziale Abfederung - Blick Blockade bei Credit Suisse: Klimaaktivisten fechten Urteil an - Blick

Tatsächlich sind auf der Plattform des kalifornischen Unternehmens 15 Wohnungen in den zwei Liegenschaften inseriert. Die Fotografien zeigen helle, freundliche Räume, Fischgrätparkett und weiss bezogene Betten. Die Wohnung sei zentral gelegen und befinde sich in einer Seitenstrasse des «exclusive University district», heisst es im Inserat. Das Tram bringe die Gäste in vier Minuten an den See und in die Altstadt, in neun Minuten zum Hauptbahnhof und zu den Shoppingmeilen. 

Eine 2,5-Zimmer-Wohnung wird für 145 Franken pro Nacht angeboten. Eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit 3 Schlafzimmern und 110 Quadratmetern kostet 179 Franken. Das Angebot scheint auf Resonanz zu stossen. Sauberkeit, Lage und Kommunikation werden von Gästen als gut bis sehr gut benotet. «Bequem, sauber, unkompliziert», schrieb jemand im vergangenen Oktober über seine Wohnung.

Für die kurzzeitige Vermietung ist die in Zürich beheimatete Zwischenraum Immobilien AG zuständig, wie deren Geschäftsleiter bestätigt. Nach seinen Angaben hat die Firma die Wohnungen von der BVK gemietet und vermarktet sie auch auf der Plattform booking.com. Er betont, dass das Unternehmen die Zwischennutzung von Wohnungen über Airbnb nur dann realisiere, wenn eine Komplettsanierung oder ein Abriss der Liegenschaften anstehe. Die Alternative sei ein Leerstand; dem Markt würden keine regulären Mietwohnungen entzogen. 

Die BVK hält in ihrer Stellungnahme fest, dass sie eine Sanierung ohne Zwischennutzung bevorzugt hätte. Es seien indes Kündigungen bestritten worden, worauf sich die Parteien vor der Schlichtungsstelle auf eine Erstreckung des Mietverhältnisses bis teilweise 2022 geeinigt hätten, schreibt der Mediensprecher. In der Folge habe man die Sanierung verschieben müssen. 

Detailhändler darf länger bleibenZu einzelnen Mietverhältnissen äussert sich die BVK nicht. Bekannt ist aber, dass der Detailhändler Russo Lebensmittel & Take-Away länger bleiben darf als geplant. Der Quartierladen existiert seit rund zwanzig Jahren. Beliebt ist er unter anderem bei Studierenden der Universität und Schülerinnen und Schülern des benachbarten Gymnasiums Rämibühl, die sich vor allem über Mittag etwas zu essen, zu trinken oder einen Kaffee für einen Franken holen. Unlängst war der Laden auch Drehort für einen Spielfilm über das Leben des «Ausbrecherkönigs» Walter Stürm. 

Die Inhaberin des Ladens bestätigt, dass die Kündigung bis Anfang April 2022 erstreckt wurde. Sie bedauert, den Laden schliessen zu müssen, er habe sich zu einem Quartiertreffpunkt entwickelt. Sie zeigt sich aber erleichtert darüber, dass sie mehr Zeit bis zur Schliessung erhalten hat, und sucht nun nach einem neuen Laden für sich und ihre Angestellten. 

Vor dem befürchteten Ansturm – Viele Pflegende sind am Anschlag – und jetzt rollt die zweite Welle an Sexismus-Vorwürfe gegen Finnlands Premierministerin Marin - Blick Steigenden Zahlen: Darf ich eine Einladung bei Freunden jetzt noch annehmen?

Vorgehen ist «wenig intelligent»Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbands, bezeichnet das Vorgehen der BVK als «wenig intelligent». Es sei bekannt, dass die Mieter von Geschäftsliegenschaften durch die Schlichtungsstelle jeweils längere Fristerstreckungen erhielten als andere, da es bei ihnen oft um die existenziellen Grundlagen gehe. Wer dies in seiner Planung nicht berücksichtige, müsse sich nicht wundern, wenn es zu einem Durcheinander mit den Auszugsfristen komme und eine Zwischennutzung nötig werde.

Seiner Einschätzung nach treten Fälle wie jener an der Freiestrasse in jüngerer Vergangenheit häufiger auf als früher, auch wegen des veränderten Marktumfelds und des Drucks, der auf den institutionellen Anlegern lastet. Vielleicht brauchte es eine Diskussion in den Stiftungsräten dieser Anleger, ob man ein solches Vorgehen im Namen der Renditeoptimierung wirklich in Kauf nehmen wolle, sagt Angst. Oft sei der eingehandelte Aufwand grösser als der Nutzen, und dem Ruf seien solche Geschichten nicht eben zuträglich. 

Ähnliches steht auch in einem im vergangenen Sommer aktualisierten Leitfaden der Zürcher Stadtentwicklung. Er enthält Ratschläge an öffentliche und private Bauherrschaften, die einen Ersatzneubau oder eine Sanierung planen. Bauliche Massnahmen würden sinnvollerweise vor der definitiven Projektausarbeitung mündlich angekündigt, heisst es darin. Wenn Vertragsauflösungen rund zwei Jahre im Voraus angemeldet würden, erhalte die Mieterschaft Zeit für eine Neuorientierung. 

Darauf angesprochen, verweist die BVK darauf, dass es sich hierbei um Empfehlungen der Stadt handle. Die BVK handle unter Berücksichtigung des Mietrechts im Interesse der Eigentümer der Immobilien, der Versicherten der Pensionskasse, heisst es in der Stellungnahme. Eine Kündigung könne dann ausgesprochen werden, wenn ein Bauprojekt vorliege. Dies war bei der Freiestrasse der Fall. Die Pläne lagen im vergangenen April öffentlich auf und wurden im Sommer von der Stadt bewilligt, wobei einer von zwei Parkplätzen wegen der Erschliessung gestrichen wurde. 

Die BVK saniert die Liegenschaften am Zürichberg nach dem «Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz», einem Zertifikat, dass von öffentlicher Hand, Wirtschaft und Fachorganisationen entwickelt wurde. Einer ihrer Anlagegrundsätze lautet zudem, man sei sich der «ethischen, ökologischen und sozialpolitischen Verantwortung bewusst» und berücksichtige dies im Investitionsverhalten. 

Laut BVK steht das Projekt an der Freiestrasse damit in Einklang. Es sei vertretbar, ein Gebäude für eine Totalsanierung gänzlich zu räumen und die leerstehenden Räumlichkeiten zu nutzen, bis effektiv saniert werden könne, schreibt die BVK-Medienstelle. Ausserdem hält sie fest, dass man den Mietern an der Freiestrasse Liegenschaften aus dem eigenen Portfolio zur Nachmiete angeboten habe. In einzelnen Fällen seien individuell angepasste Lösungen gesucht und gefunden worden. Man lege Wert auf die Feststellung, dass ein «weit über das Marktübliche hinausgehender Aufwand für sozialverträgliche Lösungen betrieben worden ist».

Auch der Mieter Georg Müller erhielt Wohnungsangebote der BVK. Allerdings seien die Mieten teilweise mehr als drei Mal so hoch gewesen, sagt er. Er sucht nun auf eigene Faust.  Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »

Berset äussert sich in Davos zu VirusausbreitungAlain Berset äussert sich zum Coronavirus: «Wir sind sehr gut vorbereitet.»

Autos und Velos holpern noch Jahre durch WollishofenObwohl die Stadt versprochen hat, die Strassen ums Seebecken bis 2020 zu sanieren, wird das am linken Ufer noch Jahre dauern. Und der Stadtrat verwirft eine grünliberale Idee.

Im Super-G vom Freitag - Odermatt gibt Comeback in KitzbühelDank optimalem Heilungsverlauf kann Marco Odermatt am Freitag zum frühestmöglichen Termin auf die Rennpiste zurückkehren. srfski fisalpine

Hier wird ein Stadtpolizist von einer Petarde getroffen - BlickHässliche Szenen bei der Anti-WEF-Demo in Zürich am Mittwochabend. Demonstranten feuern Petarden auf Polizisten ab – eine trifft einen Stadtpolizist direkt ins Gesicht.

Speedwochen im Frauen-Weltcup - Der Name verpflichtet: Suter will auch in Bansko glänzenWährend der Januar bei den Männern ganz im Zeichen der Weltcup-Slaloms steht, gehören die nächsten Wochen bei den Frauen den Speed-Spezialistinnen. fisalpine srfski

Britisches Parlament billigt endgültig Brexit-GesetzDas Oberhaus verzichtet auf Änderungsanträge. Die Queen könnte das Gesetz bereits am Donnerstag in Kraft setzen. Wir haben schon einen Handelsvertrag mit den Briten, also können wir eine Europäische Organisation für Völker gründen, die genug von der EU haben, aber keinen Alleingang wünschen. Diese soll hohe Souveränität und VOLKSENTSCHEIDE garantieren. Mein Konzept: