Bund verschärft Meldepflicht für Corona-Virus - Blick

Neue Opfer des Corona-Virus: Bund verschärft Meldepflicht

26.1.2020

Neue Opfer des Corona-Virus: Bund verschärft Meldepflicht

Die Angst vor dem Erreger aus China geht um die Welt. In der Schweiz werden Reiseveranstalter geschult, Ärzte zur raschen Meldung der Infizierten angehalten.

Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ganz China lebt im Bann von 2019-nCoV, besser bekannt unter der Bezeichnung Wuhan-Coronavirus. Mehr als 1200 Menschen haben sich mit dem gerade erst identifizierten Krankheitserreger angesteckt. Mehr als vierzig starben an der neuartigen Lungenkrankheit. Von 31 Provinzen des Riesenreichs blieb bislang nur Tibet verschont. Bei Redaktionsschluss waren Dutzende Infizierter aus dem Rest Asiens gemeldet, zwei in den USA, drei aus Frankreich. Dass das Virus im Schengen-Raum angekommen ist, bedeutet für die Schweiz, dass es auch hierzulande zu Erkrankungsfällen kommen kann. Man sei vorbereitet, sagt Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung beim Bundesamt für Gesundheit. Unter anderem durch die Verschärfung der Meldepflicht: «Die Melde­verordnung wird kommende Woche angepasst. Neu müssen Ärzte und Laboratorien Fälle mit Verdacht auf Corona-Infektion innerhalb von zwei Stunden den Kantonen und dem Bund melden.» Erinnerungen an die Sars-Epidemie Die Schweiz ist ein beliebtes Ziel für Pauschaltouristen aus Fernost. Sie reisen per Flugzeug oder Car an und klappern die Hotspots von Luzern bis zum Jungfraujoch ab. Beim Bund ist man sich bewusst, dass die Epidemie auch auf diesem Weg ins Land kommen kann. Mathys: «Wir stehen auch mit Tourismusveranstaltern in Kontakt, die Gruppenreisen mit Gästen aus Asien in der Schweiz organisieren.» Vieles erinnert an die Sars-Epidemie vor 17 Jahren, an der Hunderte starben. Sars und 2019-nCoV gehören zur Familie der Coronaviren. Mit beiden können sich Menschen gegenseitig anstecken. 2003 stand Chinas Regierung wegen ihrer wochenlangen Sars-Informationsblockade interna­tional am Pranger. Diesmal will Peking alles besser machen. Die Reputation der Volksrepublik steht auf dem Spiel. Drakonische Massnahmen in China Im chinesischen Kalender ist das Neujahrsfest eines der wichtigsten Daten: Zehn Tage lang sind etwa 200 Millionen Menschen per Bus, Bahn oder Jet kreuz und quer durchs Land unterwegs zu ihren Angehörigen. Gegen dieses albtraumhafte ­Infektionsrisiko erliessen Chinas Politiker und Seuchenmediziner drakonische Massnahmen. Wuhan, wo das Virus zuerst auftauchte, und zwölf andere Städte stehen unter Quarantäne. Gut 56 Millionen Menschen – etwa das Sechsfache der Schweizer Bevölkerung – dürfen die Re­gion nicht mehr verlassen, niemand darf hinein. Wer auf der Strasse keine Gesichtsmaske trägt, wird bestraft. In Peking sind alle öffentlichen Neujahrsfeiern verboten. Konzerte wurden abgesagt, Vergnügungsparks im ganzen Land geschlossen, sogar Teile der Chinesischen Mauer – für wie lange, weiss niemand. Protest soll mit allen Mitteln unterdrückt werden. Die Regierung droht mit ­gewohnter Härte. Virus kennt keine Landesgrenzen In Wuhan wird für die Behandlung von 2019-nCoV-Patienten ein Krankenhaus mit 1000 Betten errichtet. Bauzeit: eine Woche. Was auch immer die nächste Zeit bringen wird – den abergläubischen Chinesen steht mit dem Jahr der Ratte ein Annus horribilis bevor, ein schreckliches neues Jahr. Das Risiko zu ignorieren, sei unrealistisch, sagt Bundesexperte Mathys. «Ein Virus kennt keine Landesgrenzen. Aber Kontrollen an Flughäfen müssten, wenn schon, europaweit koordiniert werden. Flächen­deckende Kontrollen aller Passagiere wären ein riesiger Eingriff in den internationalen Flugverkehr und sind wenig sinnvoll.» Die Schweiz, so ­Mathys, sei gewappnet: «Wir haben gut ausgerüstete grosse Spitäler, die Corona-Fälle aufnehmen könnten.» Fragen und Antworten zum Virus aus China Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Interview: Fibo Deutsch Was müssen wir in der Schweiz befürchten? Wie gefährlich ist die Situation? Patrick Mathys: Die Folgen der Krankheit, verursacht durch das Coronavirus, darf man auf keinen Fall unterschätzen. Das Risiko einer ­Ansteckung in der Schweiz ist unmittelbar noch gering. Was sich allerdings im schlimmsten Fall rasch ändern kann. Das ­Virus hält sich bei der Reise­tätigkeit nicht an Grenzen und Kontinente. Die Dynamik des Virus ist gegenwärtig eher ­beunruhigend. Gesundheitsminister Alain Berset sagt, die Schweiz sei «sehr gut vorbereitet». Dank eines spezifischen Tests des Referenzzentrums für neue Virusinfektionen am Universitätsspital Genf können die Ärzte bei Verdacht auf Ansteckung eine Erkrankung schnell und eindeutig feststellen. Massnahmen im Umgang mit Epidemien basieren auf den Erfahrungen mit der Schweinegrippe, der Vogelgrippe, der Grippe-Pandemie sowie dem Sars- und Mers-Virus. Kontrollen bei Einreisenden auf mögliche Symptome werden zurzeit noch nicht durchgeführt. Über die Einführung und andere Restriktionen entscheidet das BAG. Die Umsetzung von Massnahmen im Gesundheitswesen obliegt den Kantonen. Was unterscheidet eine normale Grippe von einer Erkrankung durch das Coronavirus? Die Kenntnisse hierzu sind nach wie vor beschränkt. Es scheint, dass die ersten Symptome denen einer normalen Saisongrippe mit Fieber, Muskelschmerzen, eventuell auch Übelkeit ähneln, gefolgt von Husten und Atemnot. Charakteristisch ist bei schwerer Erkrankung die Entzündung der Lunge, die unter Umständen zum Tode führen kann. Schützt die normale Grippe-Impfung gegen das neue ­Virus? Auf keinen Fall. Gegen das ­Coronavirus gibt es noch keine Impfung. Die Entwicklung braucht nach bisherigen Erfahrungen mehrere Monate oder Jahre. Warum treten solche Virus-Erkrankungen immer wieder zuerst in China auf? Die Quelle liegt am wahrscheinlichsten beim speziellen Verhältnis der Chinesen zu den Tieren und den Essgewohnheiten. (Nach den bisherigen Informationen wurde das Virus auf dem Tier- und Fischmarkt von Wuhan zuerst auf Menschen übertragen und dann von Mensch zu Mensch weitergegeben. Der Markt, der inzwischen geschlossen wurde, bot auch Fleisch von Schlangen, Fledermäusen und Reptilien an. Red.) Wie sieht die Behandlung einer Coronavirus-Erkrankung aus? Noch gibt es keine spezifische Therapie. Es bleibt vorläufig bei der Symptombekämpfung gegen Fieber und Husten, unter Umständen mit künstlicher Beatmung. Was kann der Einzelne gegen eine Ansteckung tun? Mangels Impfung bleibt nur Hygiene und nochmals Hygiene. Und den Kontakt mit erkrankten Personen – und in China mit Tieren – zu vermeiden. «Die Zahl der Ansteckungen ist ganz schön gross» Christian Drosten arbeitet als Virologe an der Charité in Berlin. Interview: Johannes von Dohnanyi Sie entdeckten im Februar 2003 das Sars-Virus. Was sagen Sie zu der neuen Krankheit? Christian Drosten: Ich halte 2019-nCoV für eine neue Variante des Sars-Virus. Den ersten Fall von Sars gab es wohl schon im November 2002. Aber wir merkten anhand internationaler Fälle erst drei Monate später, dass da was Neues in Umlauf war. Und erst, als wir das Virus drei Wochen später identifiziert hatten, wurden die Chinesen langsam offener. Und diesmal ist alles besser? Nach den bisher vorliegenden und vergleichbaren Sequenz-Informationen gibt es wohl zwei Virus-Enklaven in Wuhan und im Südosten Chinas. Die Ähnlichkeit der Erreger spricht für die Modellberechnungen, die den allerersten Fall um Anfang Dezember 2019 herum datieren. Dafür, dass das neue Virus erst seit so kurzem zirkuliert, ist die Zahl der Ansteckungen ganz schön gross. Trotz Ihrer eigenen Erfahrungen vertrauen Sie den offiziellen Daten aus China? Keine Mauscheleien, keine nennenswerte Dunkelziffer? Für mich ist klar, dass China in dieser Krise wirklich transparent sein will. Die wollen der WHO und der Uno zeigen: Wir kooperieren. Die Verzögerungen und Fehler bei der Veröffentlichung von Daten liegen wohl mehr an der Starrheit des Systems als an einer Vertuschungsstrategie. Die chinesischen Gesundheitsbehörden können die Gesamtzahl der Fälle gar nicht kennen. Wir sind mitten in der diesjährigen Grippewelle. Und auf 2019-nCoV getestet werden nur Fieberpatienten oder wer als direkte Kontaktperson identifiziert wurde. Da werden Initialfälle ohne Fieber automatisch übersehen. Müsste die WHO da nicht den Gesundheitsnotstand ausrufen? Nach den Regeln der Internationalen Gesundheitsorganisa tion wird ein solcher Tatbestand konstatiert, um nötige zwischenstaatliche Massnahmen besser umsetzen zu können. Dann bekommt die WHO erweiterte Kompetenzen bis hin zu Zugriffsrechten auf interne chinesische Daten. Reisebeschränkungen etwa für Schweizer oder deutsche Staatsbürger könnten leichter erlassen werden. Aber solche Entscheidungen führen automatisch zu zwischenstaatlichen Verwerfungen. Die derzeitige Zahl der Erkrankungen rechtfertigt solche Massnahmen wohl noch nicht. Sie würden mich also guten Gewissens nach China reisen lassen? Aber ja! Aus heutiger Sicht wäre das Problem doch eher, dass man nicht wieder ausreisen kann. Aber natürlich muss sich jeder Reisende vor Ort über die Lage auf dem Laufenden halten. Publiziert: 26.01.2020, 00:07 Uhr Zuletzt aktualisiert: 26.01.2020, vor 44 Minuten Top Videos Weiterlesen: BLICK

Der Coronavirus führt zu einem guten Geschäft für Apotheker und anderen, die Atemschutzmasken verkaufen. Einfach eine Atemschutzmaske kaufen und sich selber vor einer Ansteckung schützen. Das nennt man eigenverantwortlich handeln.

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