Brauchtum im Appenzellerland - Silvesterchlausen mit weniger Touristinnen und Touristen

13.01.2022 20:49:00

Sie durften wieder unterwegs sein: Silvesterchläuse im Appenzellerland «schellen» am Alten Silvester das neue Jahr ein.

Silvesterchläuse, Appenzellerland

Sie durften wieder unterwegs sein: Silvesterchläuse im Appenzellerland «schellen» am Alten Silvester das neue Jahr ein.

Sie durften wieder unterwegs sein: Silvesterchläuse im Appenzellerland «schellen» am Alten Silvester das neue Jahr ein.

Die Chläuse wärmen sich am Tisch mit einem Zäuerli auf. Dabei werden sie nicht nur von uns beobachtet. Es gibt sogar internationales Interesse: Ein Kamerateam dreht eine Reportage für 3Sat.Letztes Jahr hätte es solche Szenen nicht geben dürfen: Die Silvesterchläuse mussten auf Anordnung der Regierung wegen der Corona-Regeln des Bundes zu Hause bleiben. Daran hielten sich aber bei weitem nicht alle. Diverse Schüppel zogen trotzdem los.

Dieses Jahr ist es wieder normal, und wir können mit einer riesigen Freude gehen. Autor: Hansruedi Diem Silvesterchlaus bei der Hofbachschuppel Heuer darf die Tradition gelebt werden und «es ist wieder normal», sagt dazu Hansruedi Diem von der Hofbachschuppel. Nun geht es also los: Die Chläuse kleiden sich ein für den grossen Tag.

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Dezember und am 13. Januar ziehen sie in schönen bis wild-wüsten Tenues, «Groscht» genannt, übers Land. Auf der Schnellstrasse Richtung Bubendorf, links das historische Hotel Bad Bubendorf, immer weiter geradeaus. Sie zauren, lassen die schweren Schellen klingen und wünschen so ein gutes Jahr. Hölstein, Niederdorf, Oberdorf, Waldenburg. Auch die Hofbachschuppel in Urnäsch. Der Verkehr schleppt sich ächzend durch das schattige Tal, überall stehen Ampeln und Bauarbeiter. Wir haben die sieben Mitglieder der Chlausgruppe beim Frühstück getroffen. Heinz Fröhlich fuhr durch bis Prag.

Die Chläuse wärmen sich am Tisch mit einem Zäuerli auf. Früher waren hier grosse Unternehmen angesiedelt, die Uhrenfabrik Revue Thommen, der Implantate-Hersteller Straumann, das Waldenburgertal war ein Industriestandort. Früher waren hier grosse Unternehmen angesiedelt, die Uhrenfabrik Revue Thommen, der Implantate-Hersteller Straumann, das Waldenburgertal war ein Industriestandort. Dabei werden sie nicht nur von uns beobachtet. Es gibt sogar internationales Interesse: Ein Kamerateam dreht eine Reportage für 3Sat. An steuergünstigere Orte gezogen, dorthin, wo es nicht so abgelegen ist. Letztes Jahr hätte es solche Szenen nicht geben dürfen: Die Silvesterchläuse mussten auf Anordnung der Regierung wegen der Corona-Regeln des Bundes zu Hause bleiben. Geblieben sind die grossen, geisterhaft leeren Fabrikhallen. Daran hielten sich aber bei weitem nicht alle. Spuren der Vergangenheit.

Diverse Schüppel zogen trotzdem los. Dieses Jahr ist es wieder normal, und wir können mit einer riesigen Freude gehen... Autor: Hansruedi Diem Silvesterchlaus bei der Hofbachschuppel Heuer darf die Tradition gelebt werden und «es ist wieder normal», sagt dazu Hansruedi Diem von der Hofbachschuppel. Nun geht es also los: Die Chläuse kleiden sich ein für den grossen Tag. Trotz angespannter epidemiologischer Lage sind sie wieder unterwegs – stiller und ursprünglicher, wie wir in den frühen Morgenstunden vor Ort feststellen.

Noch im Dunkeln beginnen die Silvesterchläuse ihre Tour. «Wir haben noch nicht viele Leute gesehen», sagt einer der Chläuse. Mit Leuten meint er Gäste, Touristinnen und Touristen, von denen merklich weniger die Wege säumen, um die Tradition mit dem beleuchteten Kopfschmuck live mitzuerleben. Es seien weniger Auswärtige da, bestätigt auch der Gastwirt des Hotels Krone in Urnäsch. Rund ein Drittel der Buchungen in seinem Hotel seien kurzfristig storniert worden.

Der «dringliche Appell» der Ausserrhoder Regierung hat seine Wirkung nicht verfehlt. In einer Mitteilung hatte sie verlauten lassen, dass auswärtige Gäste dem Silvesterchlausen «gänzlich fernbleiben müssen». Und so ziehen die Silvesterchläuse fast unbeobachtet von Hof zu Hof. Die grossen Menschenansammlungen gibt es nicht. Aber Gäste und Touristen hat es alleweil, wenn auch viel weniger wie üblich.

Einige sind schon am Vorabend ins Appenzellerland aus Deutschland oder auch aus der Westschweiz angereist und geniessen die einzigartige Stimmung. Carweise fahren die Touristinnen und Touristen für gewöhnlich in die Region, buchen Hotelzimmer, kehren in den Restaurants ein, stellen Fotos in die sozialen Medien und das Appenzellerland so ins Schaufenster. Beliebte Sujets dafür sind denn auch die traditionellen Kopfbedeckungen der Silvesterchläuse mit den Alltagsszenen der Sennen. Diese Cars voll mit Publikum sind heuer ausgeblieben. Der Alte Silvester 2022 wird darum ebenso in die Geschichte eingehen, wie der letztjährige vom 13.

Januar 2021, an dem das «Chlausen» offiziell nicht stattgefunden hat, viele Schüppel aber trotzdem hingegangen sind. .