Boxen, Dieser Fotograf Friert Das Ganze Drama Des Boxens Ein – Entstanden İst Ein Bildband Mit Dem Gewissen, Bildstrecke, Sport, Nachrichten

Boxen, Dieser Fotograf Friert Das Ganze Drama Des Boxens Ein – Entstanden İst Ein Bildband Mit Dem Gewissen

Boxen: Ein Bildband mit dem gewissen Punch

Neil Leifer ist einer der renommiertesten Boxfotografen. Seine Werkauswahl aus sechzig Jahren am Ring hat auf jede Art Gewicht.

20.01.2021 20:55:00

Der Fotograf Neil Leifer friert das ganze Drama des Boxen s ein – entstanden ist ein Bildband mit dem gewissen Punch. Es ist eine Hommage ans Boxen .

Neil Leifer ist einer der renommiertesten Boxfotografen. Seine Werkauswahl aus sechzig Jahren am Ring hat auf jede Art Gewicht.

Neil Leifer / Authentic Brands GroupDie Kampfzone der Boxer wird von vier gleich langen Ringseilen begrenzt, und nur wer gerade am richtigen steht, hat die Chance auf ein Foto, das in einem einzigen Moment das ganze Drama einfriert. Im Mai 1965 etwa hat der 23-jährige Fotograf Neil Leifer von Time Life gleich zweimal Glück. Zuerst hält er jenen Moment fest, als Muhammad Ali in der Provinzstadt Lewiston im US-Gliedstaat Maine über dem am Boden liegenden Sonny Liston steht, um ihn zur Fortsetzung ihres zweiten WM-Duells herauszufordern (was ihm nicht gelingt). Kurz darauf bannt er auch noch die Szene, in welcher der Sieger in einem von Menschen wimmelnden Ring von TV-Leuten interviewt wird. Die eine wie die andere Aufnahme wirkt in ihrer epischen Wucht bis heute so breitwandig, wie es sonst nur historische Gemälde vermögen.

«Ein Dior-Bändeli und Strumpfis für 400 Franken gekauft» Restaurants sollen bald öffnen: Nationalräte wollen Bundesrat das Heft aus der Hand nehmen Kommentar zur «Grossmutter»-Schlagzeile – Über hundert Botschafter in Genf machen sich lächerlich

Muhammad Ali schreit den auf dem Boden liegenden Sonny Liston an, wieder aufzustehen.Neil Leifer / Authentic Brands GroupDer Rematch in der Schwergewichtskategorie zwischen Muhammad Ali und Sonny Liston am 25. Mai 1965.Neil Leifer / Authentic Brands Group

Das ist es eben, was laut dem Urheber die besten Sportfotografen von den gewöhnlichen unterscheidet: «Wenn er oder sie die Chance erhält, scheitern sie nicht», sagte Leifer vor neun Jahren in einem Interview. Zu einem Zeitpunkt also, als es längst keine Diskussion mehr darüber gab, in welche Kategorie er selbst gehört. Der inzwischen 78-jährige New Yorker ist nach 170 Cover-Fotos für das Magazin «Sports Illustrated» fast schon so legendär wie die herausragenden Athleten und Athletinnen, die er mit sorgfältiger Vorbereitung und nahezu perfektem Timing abgelichtet hat. Das hat auch mit seinen Beiträgen zu Baseball und American Football zu tun, besonders aber mit denen aus der Welt der «Sweet Science». Dort ist der dezente Mann mit den besonderen Kampfszenen von Sugar Ray Robinson bis zu Tyson Fury, dem gegenwärtigen WBC-Weltmeister im Schwergewicht, über gut sechzig Jahre selber zum «hidden champion» avanciert. headtopics.com

Sugar Ray Robinson boxt gegen Stan Harrington am 10. August 1965 in Honolulu.Neil Leifer / Authentic Brands GroupDer Kampf zwischen Deontay Wilder und Tyson Fury am 22. Februar 2020 in Las Vegas.Neil Leifer / Authentic Brands GroupDer kolossale, 2004 veröffentlichte Bildband «GOAT» über das Leben und die Kämpfe von Muhammad Ali wäre ohne die Bilder von Leifer längst nicht so wirkmächtig ausgefallen. In ihm drehte sich alles um den wohl populärsten Boxer aller Zeiten. Zum Ende des Monats legt der Kölner Taschen-Verlag nun die annähernd so opulente Ausgabe eines fast neun Kilo schweren Bandes vor, der das ganze Œuvre des Fotografen zum Thema dokumentiert. Er heisst «Boxing. 60 Years of Fights and Fighters» und hat ebenfalls das Potenzial, zu einer langlebigen Ikone zu werden. Auch weil er sich auf den meisten der 424 Seiten auf grosse Kämpfer und grosse Duelle fokussiert – vom ersten Titelkampf zwischen Floyd Patterson und Ingemar Johansson (1959) bis heute.

In New York kämpfen Floyd Patterson und Ingemar Johansson im Yankee Stadium am 26. Februar 1959.Neil Leifer / Authentic Brands GroupDer Erfolg ist dem Jungen von Manhattans Lower East Side nicht zugefallen. Seine ersten Fotos durfte er mit 13 Jahren bei einem Kurs für Unterprivilegierte schiessen, den auch Stanley Kubrick besuchte. Den Zugang zu wichtigen Baseballspielen erschlich er sich anfangs als Betreuer von Rollstuhlfahrern am Spielfeldrand. Von dort aus fing er 1962 mit einer simplen Yashica die grandiose Szene eines legendären Ligafinals (New York Giants gegen die Baltimore Colts) ein. Sie resultierte im ersten Cover-Foto und in einer Anstellung bei Time Life. Den Vorschuss an Vertrauen zahlte Leifer mit besseren Kameras in Form echter Klassiker der Sportfotografie zurück. So wurde seine Aufnahme aus der Vogelperspektive von Alis K.-o.-Sieg über Cleveland Williams im November 1966 vom britischen «Observer» zum bisher besten Sportfoto gewählt.

Vor dem Hintergrund ist es auch kein Zufall, dass Leifer 2014 als bisher Einziger aus der Gilde der «Knipser» in die International Boxing Hall of Fame in Canastota aufgenommen wurde. Hier, im Norden des Gliedstaats New York, wird ihm die Gesellschaft herausragender Boxer Tag für Tag zuteil.

Neil Leifer ist mit Muhammad Ali im Studio des Magazins «Life» im Jahr 1966.Neil Leifer / Authentic Brands Group Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung »