«Babyfarmen» für Schweizer – die Behörden schauten weg

Kinderhandel: Schweizer Paare adoptierten jahrelang Kinder aus sri-lankischen «Babyfarmen». Die Behörden schauten weg. (Abo+)

2/27/2020

Kinderhandel: Schweizer Paare adoptierten jahrelang Kinder aus sri-lankischen «Babyfarmen». Die Behörden schauten weg. (Abo+)

In den Achtzigerjahren adoptierten viele Schweizer Paare Babys aus Sri Lanka. Dabei kam es zu Kinderhandel – die Behörden wussten Bescheid.

Beschreibung des Fehlers* gültige E-Mail-Adresse fehlt Knapp tausend Kinder adoptierten Schweizer Paare von 1973 bis 1997 aus Sri Lanka. Was viele schon länger vermuteten, bestätigt nun ein Forschungsbericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag des Bundesamtes für Justiz: Bei vielen dieser Adoptionen missachteten die Vermittlungsstellen in den Achtzigerjahren die gesetzlichen Regeln. Doch die Schweizer Behörden unternahmen trotz zahlreicher Warnungen wegen Kinderhandels lange Jahre nichts, um die Missstände zu beheben. Eine Folge dieser Praxis: Zahlreiche heute erwachsene Adoptierte suchen verzweifelt nach ihren biologischen Eltern. Die Suche ist häufig chancenlos, weil die Angaben in den offiziellen Dokumenten gefälscht sind. Hinweise hätte es zahlreiche gegeben. Schon 1981 meldete sich beispielsweise Claude Ochsenbein, Geschäftsträger der schweizerischen Botschaft in Colombo, mit einer Warnung in Bern. In der sri-lankischen Presse seien verschiedene Artikel zum Kinderhandel mit der Schweiz erschienen. Sri Lanka gelte in der Schweiz als «Versandhaus für Kinder». Für einige Tausend Dollar könne man sich ein Baby kaufen. Es existierten sogar eigentliche Babyfarmen, wo Frauen für Schweizer Paare Kinder austragen würden. Die Vorwürfe waren auch international ein Thema, wie Dokumente von Terre des Hommes Deutschland aus jener Zeit zeigen. Dabei fallen häufig zwei Namen: Die sri-lankische Vermittlerin Dawn da Silva arbeitete mit der Schweizerin Alice Honegger aus Bollingen im Kanton St. Gallen zusammen. Schon Ende 2017 hatte Rebecca Ana Ruiz, damals Waadtländer SP-Nationalrätin, in einem Postulat gefordert, man müsse «Licht ins Dunkel bringen» und die Betroffenen bei der Suche nach ihrer Herkunft unterstützen. Der Bundesrat gab daraufhin die nun veröffentlichte Studie in Auftrag. Die Forscherinnen Sabine Bitter, Annika Bangerter und Nadja Ramsauer arbeiteten sich durch das Archivmaterial der zuständigen Ämter. Weil Adoptionen, wie so vieles in der Schweiz, kantonal geregelt sind, konzentrierten sich die Studienautorinnen mit Bern, Genf und St. Gallen auf drei Beispielkantone. Ende des Jahres folgt ein Bericht des Bundesrates zum Thema. Im Kanton St. Gallen war schon im Januar 2019 ein Bericht zu Alice Honegger erschienen. Honegger hatte Hunderte von sri-lankischen Kindern unrechtmässig in die Schweiz vermittelt und dabei Deckung von offizieller Seite bekommen. Video: «Wir fordern Unterstützung» Fast 1000 Kinder aus Sri Lanka wurden mit fragwürdigen Methoden in der Schweiz adoptiert. Nun fordern die Betroffenen eine lückenlose Aufklärung. Video: Back to the Roots Auch Schweizer Medien berichteten schon im Mai 1982 über die Babyfarmen in Sri Lanka. Dort würden die Vermittler Babys für Schweizer Eltern zur Adoption bereithalten. Es sei sogar vorgekommen, dass man Kinder in Bestellung habe geben können. Im Januar 1987 führte die sri-lankische Polizei in einer solchen Babyfarm eine Razzia durch. Die Anlage war als Touristenhotel getarnt, sie stand auf dem Areal der Familie von Vermittlerin Dawn da Silva. Die Behörden trafen auf 20 einheimische Mütter, 22 Neugeborene und Touristen aus der Schweiz und den Niederlanden. Umgeben von einer hohen Mauer und streng bewacht, hätten die Unterkünfte für die Mütter mit «schmutzigen Matratzen» an ein «Sklavenlager» erinnert. Einige der jungen Frauen erzählten, man habe sie zum Sex mit Europäern gezwungen, weil sich «hellhäutige Babys leichter verkaufen liessen», heisst es im Bericht. In der Schweiz gab es auch über die St. Galler Vermittlerin Alice Honegger schon ab Anfang der Achtzigerjahre Klagen. Ein betroffenes Ehepaar beschwerte sich beim Bund über die hohen Kosten, die Honegger für eine Adoption verrechnete, 7000 bis 15'000 Franken sollte das Paar aufbringen. Trotzdem zeigt der Bericht nun klar: Die Behörden liessen Honegger jahrelang gewähren. «Obwohl sich Klage an Klage reihte und sie sich immer wieder über die behördlichen Anordnungen und Verbote hinwegsetzte», wie die Autorinnen im Bericht schreiben. Unterstützung bekam Honegger dabei vom St. Galler CVP-Nationalrat Edgar Oehler, der mit Honeggers Hilfe selbst vier Mädchen aus Sri Lanka adoptierte. «Die Schweizer Behörden waren seit Ende 1981 über Probleme im Zusammenhang mit Kinderhandel in Sri Lanka informiert.» Forschungsbericht der ZHAW In den Dokumenten der adoptierten Kinder trugen die Vermittler sri-lankische Frauen als Mütter ein, die nicht die leiblichen Mütter der adoptierten Kinder waren. Rund 70 Prozent der Dossiers enthalten derart gefälschte Angaben. In St. Gallen beispielsweise erfüllte keiner der nun analysierten 28 Adoptionsentscheide alle gesetzlich geforderten Vorgaben. «Es wurden Kinder für Eltern und nicht Eltern für Kinder gesucht», sagt Projektleiterin Nadja Ramsauer, Professorin am Institut für Kindheit, Jugend und Familie, Departement Soziale Arbeit an der ZHAW. «Die Schweizer Behörden, allen voran das Bundesamt für Ausländerfragen und die Botschaft in Colombo, waren seit Ende 1981 über Probleme im Zusammenhang mit Kinderhandel in Sri Lanka informiert», ist eine der Schlussfolgerungen des Berichts. Warum die Behörden so lange tatenlos zuschauten, scheint aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar. «Es wäre zu einfach, sagen zu wollen, es sei nun mal eine andere Zeit gewesen», sagt Joëlle Schickel, Co-Leiterin des Fachbereichs Internationales Privatrecht beim Bundesamt für Justiz und Expertin für internationale Adoptionen. Was damals auf jeden Fall gefehlt habe, sei die enge Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern. «Jede Behörde zog sich auf ihren Kompetenzbereich zurück und versuchte im Problemfall, die Verantwortung an andere Stellen zu delegieren», sagt Ramsauer zu der damaligen Situation. Seit das sogenannte Haager Abkommen die internationalen Adoptionen regle, habe sich die internationale Zusammenarbeit massiv verbessert, so Schickel. Die Schweiz ist dem Abkommen Anfang des Jahres 2003 beigetreten. Seither ist der Bund und nicht mehr die Kantone dafür zuständig, Vermittlungsstellen für internationale Adoptionen zu kontrollieren. Aus vielen Ländern sind Adoptionen heute nicht mehr möglich, weil sich die Behörden immer zuerst um eine Lösung für die Kinder im Heimatland bemühen müssen. Die Zahl der internationalen Adoptionen ist deshalb zurückgegangen. «Ich musste beim Lesen des Berichts mehrmals Pausen machen.» Sarah Ineichen Die Schweizer Kinder, die einst aus Sri Lanka kamen, sind heute erwachsen und leiden zum Teil stark unter den Folgen des Kinderhandels. Auf der Suche nach ihren biologischen Wurzeln müssen sie falschen Fährten folgen, die in Sackgassen enden. All das hat gravierende Folgen für die Suche nach der eigenen Identität. Das wird den Adoptierten oftmals dann besonders schmerzhaft bewusst, wenn sie selbst eigene Kinder bekommen. Einige Betroffene haben deshalb vor zwei Jahren die Interessengemeinschaft Back to the Roots gegründet. Präsidentin Sarah Ineichen kam selbst im Alter von sechs Wochen aus Sri Lanka in die Schweiz. Bei ihren Nachforschungen fand sie heraus, dass auch ihre Geburtsdokumente gefälscht sind. Der Name ihrer biologischen Mutter ist unbekannt. Als Reaktion auf den Forschungsbericht hat Back to the Root» mehrere Forderungen und ein Begleitvideo veröffentlicht . Darin sagt Sarah Ineichen: «Ich musste beim Lesen des Berichts mehrmals Pausen machen.» Es sei ihr übel geworden, als sie gehört habe, dass die Behörden eigentlich seit 1980 Bescheid wussten. Die Organisation wünscht sich nun mehr Hilfe bei der Herkunftssuche und eine öffentliche Anerkennung, dass Unrecht geschehen sei. Ausserdem wollen die Betroffenen, dass man die Adoptionspraxis der gesamten Schweiz untersucht. Die gleiche Forderung erheben auch die Forscherinnen in ihrem Schlusswort. Sie schreiben: «Die umfassende historische Aufarbeitung der Geschichte der Auslandsadoptionen in der Schweiz seit den 1960er-Jahren steht noch aus. Sie ist dringlich.» Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) bereitet im Moment eine Arbeitsgruppe vor, um die Aufarbeitung voranzutreiben. Über politische Massnahmen und eine allfällige Wiedergutmachung werden die Behörden Ende des Jahres entscheiden, wenn der Bundesratsbericht erscheint. Erstellt: 27.02.2020, 09:49 Uhr Weiterlesen: Tages-Anzeiger

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