Ankunft beim Prozess - «Lächelnder Vincenz will seine Scheinweilt konsequent beibehalten»

«Vincenz will seine Scheinwelt konsequent beibehalten»: Psychologe analysiert lächelnden Auftritt des Bankers am Prozesstag.

25.01.2022 14:09:00

«Vincenz will seine Scheinwelt konsequent beibehalten»: Psychologe analysiert lächelnden Auftritt des Bankers am Prozesstag.

Der angeklagte Pierin Vincenz erscheint zum Mega-Prozess erstmals seit Jahren in der Öffentlichkeit. Dabei lächelt der Ex-Banker und grüsst die Anwesenden. Was sagt das über Vincenz aus?

Der gefallene Ex-Banker erscheint gut gelaunt und lächelnd.Ein Verhaltenspsychologe schätzt den ersten Auftritt von Vincenz ein.Herr Ender*, Pierin Vincenz lächelt bei seinerAnkunft vor Gericht. Wie wirkt das auf Sie?Sein Auftreten passt zu seiner Scheinwelt, in der er über all die vergangenen Jahre gelebt hat. «So zu tun als ob» gehört zu seinem Überlebenskonstrukt. So hat er sich während seiner ganzen Karriere verhalten. Diese Scheinwelt will er nun konsequent beibehalten.

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Der muss verurteilt werden! Ja, wenn es der Psyhologe sagt. Snus relax Vincy

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Am Dienstag hat der Prozess gegen Pierin Vincenz begonnen. Der gefallene Ex-Banker erscheint gut gelaunt und lächelnd. Ein Verhaltenspsychologe schätzt den ersten Auftritt von Vincenz ein. Herr Ender*, Pierin Vincenz lächelt bei seiner Ankunft vor Gericht . Wie wirkt das auf Sie? Sein Auftreten passt zu seiner Scheinwelt, in der er über all die vergangenen Jahre gelebt hat. «So zu tun als ob» gehört zu seinem Überlebenskonstrukt. So hat er sich während seiner ganzen Karriere verhalten. Diese Scheinwelt will er nun konsequent beibehalten. Wie kommen Sie darauf? Sein Lächeln so wie seine ganze Mimik in der unteren Gesichtshälfte sind angespannt. Er versucht hier so zu erscheinen, wie er es immer tat. Er gibt sich als bodenständiger und sympathischer Mensch. Die anwesenden Medienschaffenden begrüsst er sogar mit einem «Guten Morgen». Ist das nicht überheblich? Immerhin ist er Hauptfigur in einem der grössten Wirtschaftsskandale der Schweiz. Er riskiert sicherlich, mit seinem Lächeln überheblich zu wirken. Aber er hat sich mit diesem Auftritt für das kleinere Übel entschieden. Nämlich so zu bleiben, wie er immer aufgetreten ist. Warum das kleinere Übel? Hätte er sich anders gegeben oder ein anderes Gesicht gezeigt, wäre das ein fataler Fehler gewesen. Er würde sich sonst angreifbar machen und der Öffentlichkeit sichtbar zeigen, dass er tatsächlich ein anderer Mensch ist und alles in den Jahren zuvor gespielt war. Also bewahrt er lieber den Schein und erscheint überheblich. Vincenz trug keine Maske. Dabei hätte er mit einer solchen einen legitimen Grund gehabt, sich zu verstecken. Mit einer Maske hätte er ebenfalls für Zündstoff gesorgt. Er kommt auch mit seinem Anwalt Lorenz Erni zu Fuss vor dem Volkshaus an und nicht in einem Auto. Zudem nimmt er den Haupteingang. Sein Auftritt ist ganz nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Sich zu verstecken wäre ein Widerspruch zu seiner Scheinwelt. Man wirft Vincenz Betrug im grossen Stil und Abenteuer im Rotlichtmilieu auf Kosten der Raiffeisen-Bank vor. Schämt man sich da nicht in der Öffentlichkeit? Ein Schamgefühl wäre normal. In so einer Situation sucht man in der Regel aber nur einen kurzen Blickkontakt, um die Lage um einen herum einschätzen zu können. Vincenz macht hingegen genau das Gegenteil: Er sucht bewusst und aktiv den Kontakt und grüsst sogar. Das ist atypisch, aber auch nachvollziehbar. Warum? Vincenz erscheint als Angeklagter bei einem Prozess. Keine Person der Öffentlichkeit möchte schon im Vorfeld mit seinem Verhalten zugeben, dass er etwas Falsches gemacht hat. Niemand entschuldigt sich für etwas, das noch nicht bewiesen und ein Fakt ist. *Oliver Ender ist psychologischer Berater und Verhaltensexperte und hat in Uster eine eigene Praxis. Wofür ist Pierin Vincenz angeklagt? Der 65-jährige Ex-Raiffeisen-Chef ist wegen gewerbsmässigem Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung und weiteren Delikten zum Nachteil der Raiffeisen, Viseca und anderen Unternehmen angeklagt. Er soll damit einen unrechtmässigen persönlichen Gewinn von knapp neun Millionen Franken erzielt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Jahren, abzüglich der 106 Tage Untersuchungshaft vom Frühjahr 2018. Zudem soll er Schadenersatz in der Höhe von knapp neun Millionen Franken an die betroffenen Firmen bezahlen und die Verfahrenskosten von 120’000 Franken übernehmen. Es gilt die Unschuldsvermutung. My 20 Minuten Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben! Deine Meinung