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Der Sozialarbeiter, Der Eine Sächsische Kleinstadt Aufmischte

AfD-Hochburg Grimma in Sachsen: Jugendprojekt gegen Extremismus

Tobias Burdukat ist in Grimma aufgewachsen. Heute ist die ostdeutsche Kleinstadt eine AfD-Hochburg. Und der Sozialarbeiter so etwas wie ihr Che Guevara. Vor allem für die Dorfjugend.

25.1.2020

Der sächsische Sozialarbeiter Tobias Burdukat möchte Jugendlichen vermitteln, was Eigenständigkeit und Freiheit bedeutet. Er lässt sie machen, den Raum nutzen, sich beteiligen – und kämpft so gegen «rechte Hegemonie». Die Reportage von valerinzgi.

Tobias Burdukat ist in Grimma aufgewachsen. Heute ist die ostdeutsche Kleinstadt eine AfD-Hochburg. Und der Sozialarbeiter so etwas wie ihr Che Guevara. Vor allem für die Dorfjugend.

Tobias Burdukat will das Hinterland für junge Menschen attraktiver machen. Martin Neuhof Grimma liegt im Osten Deutschlands, rund 30 Zugminuten südöstlich von Leipzig. Die Landschaft, die die sächsische Kleinstadt umgibt, mutet mit ihren weiten Wiesen und den dunkelroten Sonnenuntergängen kitschig an. Auch das herausgeputzte Zentrum mit seinen historischen Pflastersteinen und dem Renaissance-Rathaus verspricht Idylle. Doch der Schein trügt. Nicht erst seit den Landtagswahlen vergangenen Dezember befindet sich Grimma in rechter Hand; 31,2 Prozent der rund 28 500 Einwohner hatten damals für die AfD gestimmt. «Die Neonazis waren schon immer da», sagt der Sozialarbeiter Tobias Burdukat. Seit seiner Schulzeit in den 1990er Jahren ist der 36-Jährige mit Rechtsextremismus konfrontiert. Er gehörte damals zu den Uncoolen, weil er keiner von ihnen war. Trotzdem ist er geblieben. In jüngster Zeit hat er für viel Aufregung gesorgt. Demokratiepreis für Jugendarbeit Zusammen mit seinen Kumpels hatte er sich bereits als Jugendlicher in Grimma seine eigene Welt aufgebaut, Hardcore-Punk gehört und Konzerte sowie ein Musikfestival organisiert. Vor sieben Jahren begann der von Kopf bis Fuss tätowierte Musiker dann das «Dorf der Jugend» zu errichten. Dieses befindet sich in der von ihm gepachteten Alten Spitzenfabrik, unten am Flüsschen namens Mulde. Burdukats Projekt hat im November den sächsischen Demokratiepreis gewonnen. Die Jury würdigte damit sein «Engagement zur Schaffung alternativer, demokratischer und kreativer Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen». Pudding, wie er seit der Grundschule genannt wird, weil er bei den Raufereien gegen die Mädchen immer verlor, führt über das industrieromantische Gelände. Graffitis leuchten um die Wette, ein pinkelndes Einhorn und der Schriftzug «Kacken ist wichtiger als Deutschland». In sanftem Sächsisch sagt Burdukat: «Ich wollte die Gegend für junge Menschen attraktiver machen.» Er habe das Abwandern der offenen Geister in urbane Gebiete verhindern wollen. Es ist sein «Kampf gegen rechte Hegemonie». In anderen Worten: «Der Faschismus darf hier nicht wieder die Oberhand gewinnen.» Niemand solle hier mit Gewalt aufwachsen wie er. Seine Motivation ist gestiegen, seit er Vater ist. Burdukat nimmt den gesetzlichen Auftrag ernst: Er möchte den Jugendlichen vermitteln, was Eigenständigkeit und Freiheit bedeutet, wie es Paragraf 11 des Sozialgesetzbuches zur Jugendarbeit verlangt. Er lässt sie machen, den Raum nutzen, mitreden, sich demokratisch beteiligen. Er selber, ein bekennender Anarchist, würde die Demokratie laut einem vielzitierten Blog-Beitrag zwar am liebsten abschaffen, verfolgt er doch das Ideal einer hierarchiefreien Gesellschaft. Bis es aber so weit ist, gibt er sich mit ihrer Förderung zufrieden. Linksextremer Manipulator? Das ambitionierte Vorhaben ist Burdukat gelungen. Dafür musste er sein Privatleben, zu dem auch Surfen oder Klettern gehört, so gut wie aufgeben. Heute verlässt die Jugend das Hinterland nicht mehr fluchtartig. Sie engagiert sich in dem sich selber tragenden Projekt, das unter anderem aus einer Fahrradwerkstatt und einem Containercafé besteht. Sie organisiert Workshops oder Sportaktionen – und noch viel wichtiger: Die Jugend widerspricht, wenn rassistische Sprüche fallen. Sie mischt sich ein. Als der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke, der laut Verwaltungsgerichtsurteil als Faschist bezeichnet werden darf, in Grimma einen Wahlkampfauftritt hatte, besuchte sie den Stadtrat. Aus Protest kam es ausserdem zu einem Kot-Anschlag. Das «Dorf der Jugend» will damit allerdings nichts zu tun haben. Auch Burdukat distanziert sich. Verdächtigt werden Autonome aus Leipzig. Obwohl die Jungen das Image von Grimma mitprägen, wird ihre Mitsprache als aufmüpfig empfunden, und sie gelangen öfters in Konflikt mit der Stadt. Die Aufmüpfigkeit wird Burdukat angelastet. Ihm wird vorgeworfen, er habe die Jugendlichen mit seinem linksextremen Gedankengut manipuliert und sie gegen rechts aufgehetzt, er betreibe Gehirnwäsche und trete als Sektenführer und Weltverbesserer auf, der sich einen Haufen Punks herangezüchtet habe. Burdukat sei «der Che Guevara von Grimma», wurde der parteilose Bürgermeister unlängst in der «Zeit» zitiert. Die Kritik an seiner Person wird direkt oder indirekt an ihn herangetragen. Sie schmerzte ihn so sehr, dass er sein Mandat als Sozialarbeiter im «Dorf der Jugend» an eine Nachfolgerin übergeben hat. Beim weiteren Ausbau der Backsteinruine wird er dennoch mithelfen, auch hat er dort noch sein Büro, in dem er sich während des Gesprächs eine Zigarette nach der anderen anzündet. Diskurs braucht mehrere Meinungen Seine Verteidigung scheint Burdukat zu ermüden. Er beginnt damit, dass er das «Dorf der Jugend» nicht als linkes Projekt bezeichnen würde. Es handle sich um «offene Kinder- und Jugendarbeit» – offen insofern, als mit allen Jugendlichen gearbeitet werde, unabhängig von Schicht oder Defiziten. Selbst «Neonazis», wie er sagt, würden nicht per se abgelehnt. «Aber wir handeln nach der Verfassung», und somit stehe man für Religionsfreiheit und gegen Diskriminierung ein. Burdukat räumt jedoch ein, dass sich die Jugendlichen im «Dorf der Jugend» eher zu einer linken Ideologie hingezogen fühlen. Er selber, der als Parteiloser zwischen 2009 und 2019 im Stadtrat Grimmas und im Kreisrat des Landkreises Leipzig gesessen hatte, möchte nicht schubladisiert werden: «Ich kann mit Kommunisten oder Trotzkisten genauso wenig anfangen wie mit Nazis.» Sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite seien totalitäre Strukturen vorhanden. Gleichzeitig sei es unrealistisch, dass Sozialarbeiter aus einer konstruierten Mitte heraus agierten. Diese von der Mehrheitsgesellschaft gewünschte Neutralität der Sozialarbeit sei aufgrund der unterschiedlichen Lebenswelten von Menschen nicht möglich. Burdukat ist denn auch überzeugt: «Wenn sich eine Stadt oder eine Gesellschaft entwickeln soll, braucht es dafür alle Schichten und politischen Lager, denn der Konflikt ist die Basis für Entwicklung.» Für den Diskurs brauche es die andere Seite. So hätte er sich auf eine inhaltliche Auseinandersetzung über das Konzept der offenen Kinder- und Jugendarbeit gerne eingelassen. Doch die in seinen Augen «populistischen Argumente» gegen ihn seien unfair. Allen Angriffen zum Trotz: Für Jugendkulturen im ländlichen Raum ist Burdukat eine Identifikationsfigur mit Vorbildcharakter geworden. Heute gehört er zweifellos zu den Coolen. Mehr zum Thema Mit den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen gab es eine weitere Verschiebung hin zum Rechtspopulismus. Kann die AfD dort, wo einst DDR war, überhaupt noch besiegt werden? Welches sind die historischen Erblasten, dass der Rechtspopulismus dieser Partei im Osten verfängt? Claudia Schwartz Weiterlesen: Neue Zürcher Zeitung

valerinzgi Wir sind vor den Wahlen in Grimma gewesen. An den Laternenmasten hingen tatsächlich viele NPD und AfD Plakate. Aber was wird wieder falsch assoziiert AfD gleich Neonazis.Wann wird das Weltbild Mal gerade gerückt. valerinzgi Habe mir den „Artikel“ noch einmal durchgelesen. Die NYT ist bestimmt nicht objektiv, aber für deutlich weniger Geld doch merklich sortierter. Ich habe den Abstieg der F.A.Z. leidend wie ein Hund miterlebt ... - genau so fing es an. Tue ich mir nicht nochmal an. Tschüss, NZZ-Abo.

valerinzgi Ich hab auch Hardcorepunk gehört, von Anarchie gequatscht & Wunden nähen lassen müssen nach Naziüberfällen. Aber wenn einen der Staat plötzlich mit Kohle zusch...üttet für eigentlich staatsfeindliche Ansichten, muss doch selbst bei dummen 36jährigen im Oberstübchen was klingeln. valerinzgi Die Landbevölkerung kann mit der Neuen Berliner Bewegung nichts anfangen & wählt die konservative Tradition, woraufhin sie einen 100%igen vorgesetzt bekommt mit viel Kohle der Bewegung; um die Jugend zu Denunzianten ihrer Eltern umzuerziehen. Die Dörfler sind hier die Nazis? Aha.

valerinzgi Ein selbsternannter Anarchist, der die Demokratie abschaffen möchte, erhält den Demokratiepreis. Gott, ist das lächerlich. valerinzgi Nichts als ein Werbeartikel für Linksextremismus. Denn Rattenfänger egal ob von links oder von rechts werden offen reden. Aber wer diesen eine internationale Platform bietet leistet Beihilfe. Und wer mit Fäkalien über das Land, die Gesellschaft herzieht, ist ein Extremist!

valerinzgi Kein Vorbild für mich.👎 valerinzgi Eine radikaler junger Mann kämpft gegen Extremismus, ist klar

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